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Interventionen in ländlichen Räumen

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Formal Metadata

Title
Interventionen in ländlichen Räumen
Subtitle
Soziale Raumkonstruktionen
Title of Series
Number of Parts
8
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No Open Access License:
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Computer animation
HouseRahmenkonstruktionLecture/Conference
Lecture/Conference
Lecture/Conference
DrawingLecture/Conference
Lecture/Conference
Lecture/Conference
StuccoLecture/Conference
Lecture/Conference
Lecture/Conference
Lecture/Conference
Lecture/Conference
Yurt
YurtDoorLecture/Conference
YurtHardware storeHouseGrade (slope)Lecture/Conference
YurtEingang <Architektur>Impost (architecture)WachlokalDrawing
Impost (architecture)YurtLecture/Conference
DoorYurt
Transcript: German(auto-generated)
Das ist was lustiges. Es hat damit zu tun, dass ein, wie man eine technische Raumkonstruktion macht,
das ist klar, man baut ein Haus und dann hat man einen Raum konstruiert. Wie man eine soziale Raumkonstruktion macht, das ist was ganz anderes. Das hat nämlich nichts Materielles an sich. Und da möchte ich mit dem Allereinfachsten anfangen. Und zwar sind das
eben die schon zitierten Pastoralnomaden. Jetzt stellen Sie sich ein großes, großes Gebiet vor. Und das ist das Schweifgebiet. Sie sind nur deshalb Pastoralnomaden, weil sie mit ihren
Herden da herumziehen. Da verteilen sich so die Tiere rundherum. Da drinnen sitzen die Leute.
Jetzt stellen Sie sich vor, es zieht hier am Rande des Schweifgebiets eine andere Truppe mit gleichmäßiger Geschwindigkeit vorbei. Und die Leute überblicken das, schauen das an.
Sie sehen, da ist was. Das sind Leute. Und die ziehen da weiter. Und man stellt fest, die betreffen mich nicht. Wenn die aber für den Fall abbiegen und jetzt so einen Weg nehmen,
dann ist die Information, Leute kommen. Man weiß noch nicht zurecht,
soll man sich darüber freuen oder nicht. Ist es der Onkel, der was Nettes bringt, oder sind das böse Wichte? Deshalb gibt es einen Abstand. Und das ist ein ungeschriebenes Gesetz in der Steppe, wo die Leute absitzen müssen. Das heißt, auf eine Entfernung. Was
würden Sie schätzen? Auf welche Entfernung Sie erkennen können, ob Leute, die kommen,
ob das jetzt der besagte Onkel ist, ob es der Versicherungsvertreter ist oder ob es sagen wir 80 bis 110 Meter. Wenn die, die da kommen, von ihren Kamelenpferden und so weiter, nicht absteigen, dann holt man schon die Flinte hervor. Warum? Weil wenn die beritten
sind und sind ja auch schnell, dann könnten sie ja auch Viehdiebe sein. Die könnten ja, wenn sie näher herankommen in den Bereich von dem weidenden Vieh, könnten sie ja, mit einer Lasso-Schlinge oder so etwas, ein schönes Fohlen einfangen und damit abhauen.
Das heißt, in der Entfernung müssen die stehen bleiben, müssen absitzen. Was bedeutet
das absitzen? Das bedeutet auch, sich in eine, wie die Ethnologen sagen, situationelle Wehrlosigkeit begeben. Die marschieren ein Stück hierher, ungefähr 50 Meter. Auf 50 Meter Entfernung etwa, können Sie das Gesicht erkennen. Sie können ungefähr wissen,
das ist der Bebeonkel. Jetzt muss die Einladungszeremonie geschehen. Jetzt steige ich raus und sage
Hallo, Bebeonkel und der sagt, geht es euch gut? Ja, also komm herein. Oder der Fremde wird freundlich begrüßt oder so irgendetwas. Das heißt, wir haben eigentlich in diesem Raum, in dem keine baulichen Artefakte sind, gar nichts. Haben wir eigentlich Grenzen
und das ist die erste Grenze, die zweite, die dritte, die vierte. Und jede Überschreitung von Grenzen erfordert Zeremonien. Das ist eine alte Erkenntnis aus der Verhaltensforschung. Grenzüberschreitung erfordert Zeremonien. Denken Sie an den Punkt in der Mitte von der
letzten Skizze. Den Punkt vergrößere ich und das ist eine Jurte. Eine Jurte besteht
aus einem Kranz von verschiedenen Scherngittern, auf die manchmal einem Fahrradreifen ähnliche Deckel draufgeschnallt wird. Der kann unterstützt sein, der muss nicht unterstützt sein. Bei größeren Jurten hat er eine eigene Unterstützung, bei anderen nicht. Und dieses Scherngitter,
da wird dann eingebunden eine Türe und über das Ganze kommen dann Filzdecken und mit Schnüren wird das verschnürt, dass es da nicht wegfliegt. Das heißt, man hat einen
runden, einen kreisförmigen Raum. Auch heute noch können Sie in der Mongolei oder in vielen Gegenden, auch in Kasachstan und so weiter, in Baumärkten die Scherngitter und die
Bestandteile von solchen Jurten kaufen. Das ist gar nicht allzu sehr teuer. Es gibt auch in Deutschland schon zunehmend Importeure, weil es Leute gibt, die wollen sich im Garten eine Jurte aufstellen und so weiter. Das ist eine sehr hübsche Sache, weil übrigens auf der letzten Pianale in Venedig, Architekturbianale, war es auch eine Jurte als das
Haus schlechthin, das nachhaltige Haus schlechthin. So nach dem Motto, zieht euch ein bisschen wärmer an und seid nicht so empfindlich, dann könnt ihr schon in einer Jurte leben, braucht gar keine teuren Häuser bauen. Und tatsächlich leben ja die Jurtenbewohner auch in sehr, sehr kalten Wintern. Ich habe mal einen kennengelernt. Er sagt, das ist schon eine
gewisse Härte, wenn er als kleiner Puppe im Winter bei 20 Grad minus draußen mindestens 50 Meter weg von der Jurte laufen musste, um sein Morgenbibi zu machen. Weil die Grenze ist für solche Sachen vorgesehen. Und dann hat er wieder ins Bettchen schlüpfen können.
Er sagt, es war nichts für Anfänger, aber geht. Wie ist die innere Organisation einer Jurte? Interessanterweise, das ist auch etwas Bemerkenswerte. Es sind solche großen Räume, die in sich keine Unterteilung haben, brauchen einen höheren Organisationsgrad,
nämlich einen immateriell höheren Organisationsgrad, als solche, wo alles eingeteilt ist. Ist ja klar. Jetzt schaut das eigentlich so aus, dass man bei einer Jurte einen Bereich hat, wenn man vom Eingang bis hin, beim Eingang hier. Ich sage es einmal,
Wache und Kinder. Nachdem die meisten Kämpfer Rechtshänder sind, ist auf der linken Seite
sind die jungen Männer untergebracht, die allenfalls ein Eindringling zu bekämpfen haben. Und auf der rechten Seite, wo das nicht so gut geht, sind die Kinder. Dann haben wir hier
niederrangige Frauen, niederrangige Männer. Chef und Chefin. Jäger, erwachsene Frauen.
Das heißt, wir haben, wenn man jetzt in die Jurte hineinkommt, eine Achse, eine ganz genaue und scharfe räumliche Ordnung drinnen. Nämlich eine Achse zunehmender Exklusivität und
eine Frauenseite und eine Männerseite. Und das Ganze ist nach Osten ausgerichtet, weil man die Morgensonne bei der offenen Jurten Türe gerne hereinscheinen lassen möchte. Und auch, weil der Jurtenchef und so weiter, das hat mit diesem animistischen Glauben dieser
Leute viel zu tun, weil der auch gerne die Morgensonne begrüßen möchte. Es ist auch, wenn ein Gast kommt, wird der in dem Bereich da in der Mitte, wo er dann seinen Schlafplatz richten darf, wird er ganz genau eingeordnet. Ist es eine Frau auf die Seite, ein Mann auf
die Seite, ist ein Niederrangiger weiter vorne, ist ein Hochrangiger weiter unten. Es ist also in diesem Raum, ohne Wände, ist ein sozialer Bedeutungsraster, den zu erkennen eigentlich
ganz wichtig und interessant ist.