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Doppelschraubendampfer "Welle", Bremerhaven, 186 BRT, Baujahr 1915 - Tägliche Inbetriebnahme und Auslaufmanöver

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Der Dampfer "Welle" der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes dient vorwiegend zu Peilarbeiten auf der Außenweser.
Bevor er aus dem Geestevorhafen in Bremerhaven ausläuft, muß der angeheizte Kessel hochgefahren werden. Ein Heizer steigt hinunter in den Maschinenraum.
Der Kessel liegt vor dem Maschinenraum.
Über Nacht brannte nur ein kleines Feuer, das keine besondere Aufsicht erforderte.
Zunächst muß der Wasserstandsanzeiger des Kessels überprüft und gereinigt werden, indem zuerst Dampf und dann Druckwasser durchgeblasen wird. Während des Betriebes darf der Wasserstand im Kessel eine bestimmte Höhe nicht unterschreiten, damit die oberen Siederohre des Flammrohrkessels immer mit Wasser umgeben sind.
Nach der Reinigung wird der Wasserstand im Schauglas abgelesen.
Die Bunker zu beiden Seiten des Kessels fassen 22 Tonnen Kohle. Sie werden durch Decksluken gefüllt. Bei geringer Füllung rutscht die Kohle nicht mehr von selbst nach und muß vorgetrimmt werden. Das Feuer hat man in
diesem Flammrohr ausgehen lassen. Die Aschfallklappe wird weggenommen. Mit einer sogenannten Krücke zieht der Heizer die Asche vom Rost herunter.
Der Kessel hat insgesamt 3 Flammrohre und eine Rostfläche von 8 m2. Zur Erwärmung des Wassers besitzt der Kessel eine Heizfläche von 250 m2.
Nach der Reinigung wird die
Rostfläche mit Bunkerkohle, einer grobstückigen Steinkohle, belegt.
Mit der Glut aus dem mittleren Flammrohr
wird die Rostfläche befeuert.
Bei geringer Luftzufuhr hat diese Glut
über Nacht durchgehalten. Sie ist am Vorabend mit viel Kohle abgedeckt worden; man nennt das "aufbänken".
Im Schornstein wird eine Klappe geöffnet, um das Feuer durch den natürlichen Zug zu entfachen.
Nun wird das mittlere Feuer gereinigt. Dazu muß erst die Glut zur Seite geschoben werden. Nur mit einer langen Stange erreicht der Heizer das hintere Ende des Rostes. Dahinter befindet sich die Feuer- oder Wendekammer, in der die Rauchgase umgelenkt
werden und durch die Siede- und Ankerrohre nach vorn zum Schornstein strömen.
Der Kessel wurde im Jahre 1941 in England für einen englischen Fischdampfer hergestellt und 1957 in dieses Schiff eingebaut. Wegen der zylinderförmigen Bauart
liegen die Flammrohre höher als das mittlere.
Da der Kessel am Vorabend mit Wasser hochgespeist wurde und über Nacht abkühlte, ist der Kesseldruck abgefallen. Das Anwärmen dauert etwa 1 ½ Stunden.
Mit diesem Injektor wurde der Kessel am Vorabend mit Wasser aufgefüllt.
Nach Öffnen der Seeventile und anderer
Ventile werden die Hilfs- und Hauptmaschinen während des langsamen Hochfahrens des Kessels klargemacht.
Die beiden Dreifach-Expansionsmaschinen haben je einen Hoch- und Mitteldruckzylinder
mit Kolbenschieber und einen Niederdruckzylinder mit Flachschieber. Die Maschinen sind zusammen mit dem Schiff von den Bremer Atlas-Werken gebaut worden. Sie leisten je 220 kW.
Eine Zentralschmierung versorgt über
Rohrleitungen alle wichtigen Schmierstellen.
Einige Stellen müssen aber noch von Hand geschmiert werden. Dies ist die Steuerbordmaschine. Mit dem grünen Handrand wird ihre Drehrichtung eingestellt. Es wird hier die Kulissensteuerung
nach Stephenson verwendet.
Die Hilfskühlwasserpumpe für den Kondensator wird in Gang gesetzt. Sie wird zum Vorwärmen der Hauptmaschinen benötigt. Zur Not kann sie auch als Kesselspeisewasserpumpe dienen.
Diese Kolbenpumpe - auch Worthingtonpumpe genannt - wird direkt durch Dampfkolben getrieben.
- Auch das ist eine Worthingtonpumpe. Sie fördert das beim Vorwärmen der Hauptmaschinen in den Kondensattank laufende
Wasser zurück in den Speisewassertank.
Zum Entwässern der Zylinder wird Frischdampf eingeblasen, und zwar je nach Stellung der Hilfsschieber von der Hoch- oder Niederdruckseite. Dabei werden die Kolben- und Flachschieber durch besondere Leitungen umgangen.
In den drei Schieberkästen ist noch kein Dampfdruck vorhanden.
Nach Absperren der Umwegleitungen und Dampfzugabe über den Hilfs- und Hauptschieber läuft die Maschine an. Bei festgemachtem Schiff lässt man die Maschinen rückwärts laufen, weil dann die Schraubenschübe am geringsten sind. Ein Hilfsschieber ist erforderlich, damit die Maschine aus allen Kurbelstellungen sicher anspringt.
Beide Maschinen treiben je eine Propellerwelle. Drucklager übertragen den vom Propeller erzeugten axialen Schub auf den Schiffskörper.
Die Kreuzköpfe der Kurbeltriebe laufen in Gleitbahnen. Die Kolbenstangendurchführungen an den Zylindern werden durch Stopfbuchsen abgedichtet. In den Behältern neben der Backbordmaschine wird das Kesselspeisewasser gefiltert. Es wird unter höherem Druck in
den Kessel zurückgepumpt.
Der Speisewasservorwärmer wird angestellt. Er wärmt das Wasser bis auf 90 °C vor.
Zu beiden Hauptmaschinen gehört
je ein Oberflächenkondensator, in dessen Röhrensystem der Abdampf kondensiert.
Der dadurch entstehende Unterdruck im Kondensator wird durch diese Luftpumpe aufrechterhalten. Sie ist wie die Kühlwasser-, Kesselspeise- und Lenzpumpe über ein Balancier am Kreuzkopf des Mitteldruckzylinders angehängt.
Diese kleine Dampfmaschine treibt einen Generator. Er liefert 110 V Gleichspannung. Der elektrische Landanschluß
wird nicht mehr benötigt.
Nach etwa einer ¾ Stunde sind die Maschinen klar. Es läuft das Kühlwasser von dem Kondensator nach außen ab.
Auch der Dampfkessel hat inzwischen seinen Betriebsdruck von 13 bar erreicht.
Der Dampfer muß jetzt zum Auslaufen mit eigener Maschinenkraft von der Kaimauer loskommen.
Vom Peildeck aus gibt der Kapitän seine Kommandos, und zwar über Maschinentelegraphen,
die mit Seilzügen arbeiten. Die Steuerbordmaschine wird auf Vorausfahrt gestellt.
Für die Backbordmaschine kommt das Kommando "Achtung zurück". Mit dem roten Handrad wird die Backbordmaschine umgesteuert. Es folgt die Anweisung "Backbord-Maschine langsam zurück", die zunächst durch Hebelbedienung bestätigt und dann durch Verstellen des Hilfsschiebers ausgeführt wird. Nun bekommt der Maschinist das Kommando "Steuerbord-Maschine halb voraus".
Die Rückmeldung für die Ausführung eines Kommandos erfolgt immer durch den kleinen Zeiger. Auf der Rückseite des Telegraphen befindet sich der Telegraph der Steuerbordmaschine.
Für sie wird jetzt das Kommando "Voll voraus" gegeben.
Bei noch fester Vorspring, rückwärtsdrehender Backbordschraube und "Steuerbord-Maschine voll voraus" dreht der Dampfer von der Kaimauer weg. Die beiden Antriebsschrauben haben einen Durchmesser von 2 m.
Nun fährt bei gelöster Spring das Schiff mit einer Maschine langsam zurück. Auch die Steuerbordmaschine wird jetzt auf "Zurück" umgestellt. Die Kulissen zur Umsteuerung der
Kolben- und Flachschieber werden dabei verschoben.
Das Schiff dreht jetzt, auch unterstützt durch seine Ruderstellung.
Zur Verstärkung der Schiffsdrehung wird jetzt der Lauf der Steuerbordmaschine
schrittweise verlangsamt und wieder auf "Voraus" umgestellt. Die beiden Schrauben laufen jetzt entgegengesetzt;
das Schiff dreht auf der Stelle. Anschließend wird auch die Backbordmaschine auf "Voraus" umgestellt. Während der Fahrt wird die
Maschinendrehzahl durch Regelung der Dampfmenge über den Hauptschieber eingestellt.
Das Schiff wird jetzt außerhalb des Hafens vom Ruderhaus aus gesteuert.
Das Ruder wird über ein Getriebe von
einer kleinen Dampfmaschine angetrieben. Je nach Steuerraddrehung läuft die Maschine in entsprechender Drehrichtung an.
Die Ruderstellung kann am Ruderlagenanzeiger abgelesen werden. Daneben befindet sich auch der Kompass. Bei voller Fahrt erreicht das Schiff
eine Geschwindigkeit von 10 Knoten. Die Dampfmaschinen laufen dann etwa
mit 175 Umdrehungen pro Minute. Die Kolben- und Flachschieber der Zylinder werden durch Exzenter angetrieben. Die vordere Exzenterstange steuert hier den Schieber bei Vorwärtslauf, die hintere bei Rückwärtslauf der Maschine. Im Gegensatz zur rechtsherum laufenden Steuerbordmaschine dreht die Backbordmaschine bei Vorwärtslauf linksherum.
Während der Fahrt werden etwa 400 kg Kohle pro Stunde verbraucht.
Die Feuertüren sind zur leichteren Bedienung mit Gegengewichten versehen und können auch bei starkem Seegang nicht aufgehen.
Neben dem Schornstein befinden sich zwei drehbare Windhutzen zur
Belüftung des Kesselraums. Der 37 m lange Dampfer hat auf dem
Vorschiff einen Salon und kann deshalb auch zu Bereisungsfahrten eingesetzt werden. Früher wurde das Schiff bei den Bauarbeiten zur Unterhaltung der Unterweser als Schlepper verwendet.
Die bei der Befeuerung des Kessels anfallende Asche wird in
Eimern durch den unteren Teil der Windhutze nach außen befördert und über Bord gekippt.
Auf diesem Peilschiff hat die Besatzung die Aufgabe, das Tiefenprofil der
Außenweser längs und quer zum Fahrwasser nachzumessen. Dieses Signal zeigt an, daß vom Schiff aus
Vermessungsarbeiten durchgeführt werden. Dabei wird das zu vermessende Gebiet meanderförmig befahren und mit Echolotungen abgetastet.
Der genaue Kurs wird durch Sichtpeilung oder Funkortung bestimmt. Aufgrund dieser Tiefenmessungen
können die Seekarten korrigiert, aber auch Baggerarbeiten und Änderung der Fahrwasserbetonnung veranlaßt werden. Zur Besatzung gehört - neben Kapitän, Steuermann, Maschinist, 2 Matrosen und 2 Heizern - auch ein Koch.
Der Dampfer wurde in den letzten 20 Jahren im Bereich des Wasser- und Schifffahrtsamtes Bremerhaven als Peilschiff eingesetzt und im Jahre 1975 durch ein moderneres Schiff ersetzt.
Dampf
Kessel
Flammrohrkessel
Kessel
Dampf
Abfüllverfahren
Bunker
Kessel
Feuer
Reinigung
Heizfläche
Kessel
Flammrohr
Asche
Erwärmung
Flammrohr
Maschine
Gluten
Reinigung
Gluten
Belüftung
Rosten
Rakete
Feuer
Gluten
Rauchgas
Wölbungsklappe
Kessel
Schiff
Bauweise
Trawler
Schornstein
Kessel
Flammrohr
Kessel
Injektor <Fördermittel>
Kessel
Schiff
Kolbenschieber
Maschine
Maschine
Ventil
Maschine
Hydraulikleitung
Vorwärmung
Maschine
Kondensator
Neue österreichische Tunnelbauweise
Gang <Uhr>
Maschine
Kolbenpumpe
Vorwärmung
Versorgungsleitung
Schiff
Maschine
Maschine
Dampfdruck
Propeller
Schiffsrumpf
Behälter
Schub
Speisewasser
Hochdruck
Maschine
Kreuzkopf
Maschine
Kurbeltrieb
Axiallager
Hohlzylinder
Kessel
Eindampfen
Maschine
Maschine
Kreuzkopf
Kondensator
Luftpumpe
Gleichspannung
Dampfmaschine
Maschine
Generator
Dampferzeuger
Kühlwasser
Maschine
Kondensator
Schifffahrt
Dampf
Schifffahrt
Schifffahrt
Telegraph
Handrad
Dampf
Schifffahrt
Schiff
Maschine
Umsteuerung
Schifffahrt
Maschine
Schiff
Schifffahrt
HV-Schraube
Schifffahrt
Schiff
Maschine
Regelung
Schifffahrt
Schifffahrt
Schiff
Kommandobrücke
Schifffahrt
Dampfmaschine
Ruder
Getriebe
Maschine
Schifffahrt
Geschwindigkeit
Dampfmaschine
Schiff
Schifffahrt
Schieber
Maschine
Schornstein
Schifffahrt
Schiff
Bauarbeit
Längen
Schlepper
Dampf
Belüftung
Schifffahrt
Kessel
Asche
Schifffahrt
Schiff
Signal
Echolot
Ausbaggerung
Tiefenmessung
Funkortung
Koch
Schiff
Dampf
Schifffahrt

Metadaten

Formale Metadaten

Titel Doppelschraubendampfer "Welle", Bremerhaven, 186 BRT, Baujahr 1915 - Tägliche Inbetriebnahme und Auslaufmanöver
Alternativer Titel Twin-Screw Steamer "Welle", Bremerhaven, 186 GRT, Year of Construction 1915 - Daily Putting into Operation and Starting
Autor Luckmann, Detlev
Lizenz CC-Namensnennung - keine kommerzielle Nutzung - keine Bearbeitung 3.0 Deutschland:
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DOI 10.3203/IWF/E-2490
IWF-Signatur E 2490
Herausgeber IWF (Göttingen)
Erscheinungsjahr 1980
Sprache Deutsch
Produzent Luckmann, Detlev
IWF (Göttingen)
Produktionsjahr 1975

Technische Metadaten

IWF-Filmdaten Film, 16 mm, LT, 230 m ; F, 21 min

Inhaltliche Metadaten

Fachgebiet Technik
Abstract Anheizen des mit Kohle geheizten Flammrohrkessels, Aufrüsten der beiden 3fach-Expansion-Dampfmaschinen und Hilfsmaschinen, Auslaufen des Schiffes aus dem Hafen.
This ship owned by the waterways and shipping department Bremerhaven is shown on its last trips to make bearings on the Aussenweser before laying up. After lay-days, the two triple expansion steam engines (reverse according to Stephenson) with a capacity of each 220 kW (300 H.P.) and the pertinent ancillary machines are made ready for operations during run-up of the coal fired flame tube boiler. The auxiliary drive and the steering gear are also steam driven. Then the ship leaves the Geestevorhafen in Bremerhaven. Based on commands from the bridge to the engine room, given via machine telegraph, the engine room staff carry out the machine manoeuvre. The film shows primarily the work of the machinist and the stokers. The film closes with shots of the boat at work.
Schlagwörter Schraubendampfer
Expansionsdampfmaschine
expansion steam engine
screw steamer
screw-driven steamship

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