Raddampfer "Gisela", erbaut 1872, Traunsee (Österreich) - Betrieb der oszillierenden Dampfmaschine

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Formal Metadata

Title
Raddampfer "Gisela", erbaut 1872, Traunsee (Österreich) - Betrieb der oszillierenden Dampfmaschine
Alternative Title
Paddle Steamer "Gisela", built in 1872, Traunsee (Austria) - Operation of Oscillating Steam Engine
Author
License
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Identifiers
IWF Signature
E 2099
Publisher
Release Date
1976
Language
German
Producer
Luckmann, Detlev
Hinsch, Werner Hinsch
Production Year
1972

Technical Metadata

IWF Technical Data
Film, 16 mm, LT, 155 m ; F, 14 1/2 min

Content Metadata

Subject Area
Abstract
Liegeplatz Ebensee. Anheizen der mit Kohle befeuerten Flammenrohrkessel sowie Bedienung und Handsteuerung der 120-PS-Verbundmaschine; Fahrt über den See und Anlegen in Traunkirchen.
The oscillating compound steam engine, rated at 120 HP, of the paddle steamer "Gisela" in its berth at Ebensee is put into operation after start-up of the coal-fired flue boiler. Operation of the engine by the machinist is shown accompanied by a description of this particular engine design. After an explanation of the function and operation of the manual reversal mechanism, the side wheels are shown. With the engine in an operational condition, the steamer travels over the lake stopping along the way at Traunkirchen.
Keywords Raddampfer Dampfschiffe / Raddampfer Wasserfahrzeuge / Dampfschiffe Fahrzeuge / Wasserfahrzeuge vehicles / watercrafts watercrafts / steamships steamships / paddle steamer paddle steamer
Computer animation Steam engine Paddle steamer
Paddle steamer Shipyard
Fire-tube boiler Ship Fire Chimney Lapping Boiler (power generation)
Flammrohr Lebensdauer Boiler (power generation) Boiler (power generation)
Paddle steamer Compound engine Engine-generator
Seeschiff Überdruck Pressure measurement Eindampfen Bituminous coal Heizfläche Speisepumpe Boiler (power generation)
Kohlebunker Deck (ship) Boiler (power generation)
Crank (mechanism) Umsteuerung Bauweise Übertrager Ship Steamboat Kreuzkopf Machine Johann Peter Hebel
Steamboat Bicycle pump Condenser (heat transfer) Johann Peter Hebel
Eindampfen Jig (tool) Johann Peter Hebel
Sleeve valve Machine
Conifer cone
Bauweise Anlauf <Technik> Open-loop controller Jig (tool) Machine Surfboard
Clutch Conifer cone Machine Johann Peter Hebel
Machine Lode
Dampferzeugung Steamboat Fire Radkasten Machine Rad (unit) Steam engine Ash (analytical chemistry) Schlacke Boiler (power generation)
Ship Steamboat Fire Tiefgang Radkasten Tragfähigkeit Boiler (power generation)
Crank (mechanism) Velocity Deck (ship) Steam engine
Crank (mechanism) Arbeitszylinder Open-loop controller Bicycle pump Condenser (heat transfer)
Letterpress printing Piston Machine Boiler (power generation)
Paddle steamer Ship
Chimney Machine Boiler (power generation)
Ship Rudder Radkasten Bridge
Machine Rad (unit) Bridge
Stitching awl
Steamboat Computer animation
Lecture/Conference
Die Dampfschifffahrt auf dem im oberösterreichischen Salzkammergut gelegenen Traunsee begann im Jahre 1839.
Der einzige dort noch vorhandene Raddampfer wurde 1872 von der Schiffswerft Floridsdorf bei Wien erbaut und ist in Einzelteilen zum Traunsee gebracht worden. Das
Schiff befindet sich jetzt an seinem Liegeplatz in Ebensee. Der Heizer kommt morgens als erster an Bord, um den Kessel anzuheizen.
Die Rauchkammer ist geöffnet. Der liegend angeordnete Flammrohrkessel hat 150 Siederohre. Ein getränkter Lappen wird direkt unter dem Schornstein zur Erleichterung des Feuermachens entzündet.
Auf der Rostfläche im Flammrohr des Kessels wird das
Feuer angesteckt. Kesselanlagen haben eine begrenzte Lebensdauer. Dieser Kessel ist der vierte, 1938 eingebaut.
Die Antriebsmaschine dieses Raddampfers ist eine oszillierende Verbunddampfmaschine mit einer Leistung von 120 PS. Sie ist stehend angeordnet mit oben liegender Kurbelwelle, ist mit einem Einspritzkondensator versehen und von der Prager
Maschinenbau-Aktiengesellschaft 1872 erbaut worden. Vor Betriebsbeginn werden alle Schmierstellen überprüft.
Der Zylinderkessel mit rückkehrender Flamme, auch schottischer Kessel genannt, hat eine Heizfläche von 80 m2 und ist ohne Überhitzer ausgeführt. Bei normalem Betrieb des Schiffes werden 3-4 Zentner Steinkohle in der Stunde verbraucht. Die wichtigsten Instrumente am Kessel sind Wasserstandsglas und Manometer, der
Überdruck beträgt 7 Atmosphären. Eine Speisepumpe versorgt den Kessel mit Wasser aus dem See und mit Kondensat vom Abdampf.
Die Kohlenbunker befinden sich seitlich neben dem Kessel und fassen mehrere Tonnen.
Am Dampfdom des Kessels wird von Deck aus das Hauptventil geöffnet.
Zum Anwärmen wird die Maschine bei festliegendem Schiff in langsame Drehung versetzt, dazu müssen viele Hebel bedient werden. Die jetzt vorwärts laufende Maschine ist mit einer Umsteuerung mit losen Exzenter versehen. Diese sogenannte Schleppexzenterumsteuerung ist in der Bauart einfach, erfordert aber viel Erfahrung des Maschinisten. Die Bewegung des Exzenters steuert die Dampfzufuhr zum Zylinder. Über Gestänge wird diese Bewegung zum Schieberkasten übertragen. Bei einer Verbundmaschine durchströmt der Dampf nacheinander die beiden Zylinder, der Hochdruckzylinder
ist daher kleiner als der Niederdruckzylinder. Die Kolbenstange greift unmittelbar an der Kurbel an, ein Kreuzkopf ist
nicht vorhanden, die Zylinder machen eine oszillierende oder schwingende Bewegung.
Die Exzenterstange, hier am
Niederdruckzylinder, treibt eine nach seinem Erfinder benannte Pennsche Kulisse. Am Kulissenstein greift ein Hebel ein, der die Exzenterterbewegung unabhängig von der Zylinderschwingung zur Schieberstange überträgt. Im Vordergrund die Schieberstange und der Schieberkasten, in dem die Dampfzufuhr zum Zylinder gesteuert wird. Der Dampf wird durch die hohlen Drehzapfen geführt; sie werden durch Stoffbuchsen abgedichtet. Diese
Luftpumpe im Kondensator wird von der Kurbelwelle angetrieben und sorgt für Unterdruck. Über diesen Hahn wird kaltes
Seewasser eingespritzt, so daß der Abdampf kondensiert. Zwischen Exzenter und Schieberantrieb befindet sich eine Vorrichtung zum Auskuppeln der Exzenterstange.
Der schwingende Hebel, hier vor dem Hochdruckzylinder,
dient beim Umsteuern der Drehrichtung zur Verstellung des Schiebers von Hand. Nach Abstellen der Maschine wird die Exzenterstange ausgeklinkt. Mit dem Handhebel wird der Schieber so verstellt, daß nach Dampfzugabe die Maschine in Gegenrichtung
anläuft. Nach einer halben Umdrehung bewegt sich auch die Exzenterstange gegenläufig. Jetzt kann diese am Schieberantrieb wieder einrasten und die Maschine läuft von selbst weiter.
Der Exzenter mit Gegengewicht ist drehbar gelagert und wird durch einen Zapfen der Drehrichtung entsprechend mitgenommen.
Bei dieser Bauart der Steuerung mit losen Exzenter kann der Füllungsgrad der Zylinder nicht verändert werden. Zur besseren Darstellung wird von dem Maschinisten die Maschine noch einige Male umgesteuert.
Durch diese Vorrichtung wird die Exzenterstange ausgeklinkt. Kulisse mit Schieberantrieb wird von Hand je nach der gewünschten Drehrichtung verstellt. Nach Anlaufen gelangt der Exzenter in die Gegenlage, und die Exzenterstange kann wieder einrasten.
Die Maschine läuft zurück und wird wieder umgesteuert. Der Exzenter wird durch einen Zapfen, in Bildmitte, von der anderen Anschlagseite her mitgenommen.
Die Kupplung wird ausgeklinkt. Ein Hebel wird bedient, - und jetzt rastet sie wieder ein. Nur
am Hochdruckzylinder wird die Maschine umgesteuert. Durch den dazugehörigen Exzenter steuert sich der Niederdruckzylinder selbst um. Nur bei ungünstiger Kurbelstellung muß die Maschine durch diesen Zylinder in Gang gebracht werden.
Die Räder haben einen Durchmesser von 3,75 m und haben je 12 eiserne Schaufeln, deren Eintauchwinkel während der Raddrehung durch einen Exzenter gesteuert wird. Über die Kurbelwelle der Dampfmaschine sind die beiden Seitenräder starr miteinander verbunden. Sie sind durch Radkästen verkleidet, um Spritzwasser zurückzuhalten. Die Schaufeln selbst sind fast 2 m lang und ½ m breit, und es tauchen je Rad drei Schaufeln gleichzeitig ein.
Mit einem langen Feuerhaken wird von Zeit zu Zeit das Feuer durchgestoßen, um die Asche von der brennenden Kohle zu trennen und um die Schlacke in kleinere Stücke zu zerteilen. Durch verstellbare Luftklappen kann das Feuer und damit die Dampferzeugung des Kessels beeinflusst werden. Die Maschine benötigt ungefähr 1,2 t Dampf in der Stunde.
Einige Stunden nach Anzünden des Feuers unter dem Kessel ist die "Gisela" betriebsbereit und kann ablegen.
Es ist eine Besatzung von 6 Mann erforderlich: Kapitän, Maschinist, Steuermann, zwei Matrosen und ein Heizer. Das Schiff hat eine Länge von insgesamt 52 m und eine Breite über die Radkästen von 9,35 m. Im Leerzustand hat der Dampfer eine Wasserverdrängung von 135 t, die Tragfähigkeit beträgt 52 t bei einem Tiefgang von 1,50 m.
Es kann eine Geschwindigkeit von 18 km in der Stunde erreicht werden.
Die Dampfmaschine, jetzt vom Deck aus gesehen, läuft dann mit 40 Umdrehungen in der Minute. Oben rechts die Kurbel des Hochdruckzylinders.
Die mittlere Kurbel treibt die angehängte Luftpumpe für den Kondensator. Daneben die beiden Exzenter zur Steuerung der Dampfzufuhr zu den Zylindern.
Der Niederdruckzylinder mit dem angebauten Schieberkasten. - Der Kolbenhub der Maschine beträgt 780 mm, die Kolben der beiden Zylinder haben 460 und 670 mm Durchmesser. Früher waren sie gleich groß, aber beim Einbau des jetzigen Kessels, für höheren Druck ausgelegt, wurde ein Zylinder verkleinert. Die
Zwillingsmaschine wurde in eine Verbundmaschine umgebaut. Zusammen
mit einem Schwesterschiff diente der Raddampfer "Gisela" vorwiegend dem Linienverkehr zwischen den Ortschaften am Seeufer. Wegen der hohen Betriebskosten wird er heute nur noch selten eingesetzt, während das andere Schiff 1969 nach einer Betriebsdauer von 110 Jahren außer Dienst gestellt wurde. Dieses
Eindeckschiff ist besonders geeignet zur Fahrt bei schönem Wetter und kann bis zu 500 Personen befördern. Auch im Vor- und Achterschiff befinden sich Räume für Fahrgäste. Das Steuerhaus befindet sich über der Maschine, Kessel und Schornstein sind davor angeordnet.
Das Ruder wird nur von Hand bewegt.
Das Schiff von hinten mit den beiden Radkästen, dazwischen die Brücke mit dem Steuerhaus.
Zum Anlegen bedient der Kapitän auf der Brücke den Maschinentelegraphen, und der
Maschinist steuert die Maschine um. Die Räder drehen rückwärts, und die Fahrt verlangsamt sich.
Die Anlegestelle des Ortes Traunkirchen.
Nach diesem kurzen Halt erreicht der Dampfer nach einer weiteren halben Stunde Fahrt die Stadt Gmunden, am nördlichen Ende des Traunsees.
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