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Paul Schmitthenner, Schloß Kilchberg 1965

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Ich will jetzt mal an Hand des Planes dir ungefähr sagen, um was es sich dreht, landschaftlich, und dann, wie ich mir die Sache zurechtdenke. Du weißt ja, die Landschaft und der Baustoff, das ist so meine . . . B: Ja, das ist deine große Domäne, - jawohl, ja. S: Also, gut - hier ist dieser eine Teil, der vordere Teil, und da ein großer Friedhof von 7 ha, für 25 000 Kameraden. B: Sehr groß, ja. S: Und nun, entscheidend ist: Hier ist die vollkommene Hochebene und hier liegt die Tiefebene, flach. Und da fällt sie dann um 40 m ab zur Somme, ein weites Feld. B: Schön, ja. S: Und nun war die Sache so: Mein Gedanke dieser Halle hätte eigentlich hierher gehört. B: Also unmittelbar an die Szenerie des Ufers. S: Ja, damit man [sie] sieht, aus der Landschaft sieht. B: Ja, das wäre eigentlich sehr schön. S: Man sieht sie dann von der Straße von Paris nach Calais und von der Somme-Niederung. Hier sieht man sie überhaupt nicht. Aber sie muß hier stehen aus dem Gedanken, den ich dir gleich erläutern werde - der vielleicht der einzige, aber ganz gute Gedanke meiner Arbeit ist, nicht. -Also hier, die 25.000 Kameraden, die da liegen, wer sie besuchen will, nicht, Vater oder Freund oder wen, der muß hier durch die Halle durch, durch die Halle der Mutter. B: Ah, ja. Das ist der zentrale Eingang. S: Ja, der Eingang ist da. Da ist der Parkplatz. B: Ja, der Vorhof. S: Ja, da ist das Verwaltungsgebäude, und jetzt kommt Hof, zweiter Hof, und im zweiten Hof steht eben die Halle. Und es kann niemand hier - hier ist der Eingang zum Friedhof - kein Mensch kann zum Friedhof, zu dem Grab, das ihn ruft, ohne bei der Mutter vorbeizugehen. B: Sehr schön als Grundgedanke. S: Und er kann auch nicht wieder herausgehen, ohne wieder zur Mutter zu gehen. Also, damit ist ja das
Allgemeine gesagt. Aber, um meine Gedanken über das Bauwerk selbst . . . Es ist eigentlich eine reine Raumaufgabe, und zwar ein Raum, der nur besteht und entsteht durch Licht und Schatten, durch sonst nichts. Das ist das Problem, an dem ich jetzt auch noch die letzten Versuche mache: Der Raum ist oben vollkommen abgeschlossen, hat nur ein verhältnismäßig kleines Loch von wahrscheinlich 1,50 m in der Mitte zur Beleuchtung, sonst kein Licht. Und das kann man also selbstverständlich nur richtig machen, wenn man das Ganze einfach irgendwie ausprobiert. Nun will ich in vier Wochen mit dem Freund Marcks, Professor Marcks, der die ... B: Gerhard Marcks. S: Gerhard Marcks, du kennst ihn ja - will ich das an Ort und Stelle ausprobieren, WO wir die Figur hinrücken wegen des Lichtes. Das Licht ist überhaupt ja ein ganz wesentliches Moment. Da sage ich natürlich scheinbar alte Kamellen, die aber ganz vergessen sind, denn die Architekten verwechseln heute Helligkeit mit Licht. B: Ja, das ist zweierlei. Sehr charakteristisch für die Zeit. S: Und das nun ausprobieren, kann man nur an Ort und Stelle machen. Ich habe das Loch so konstruiert da oben, daß ich es verkleinern oder vergrößern kann. Das ist ja eine sehr interessante technische Überlegung. So, was jetzt 2 m groß ist, kann ich verkleinern durch bauliche Maßnahmen auch bis auf einen Meter, und noch mehr. B: Um genauer festzustellen, wieviel Lichtmaß der Raum verträgt. S: Ja, ja. Und der Raum, der Bau ist sowohl außen wie innen vollkommen aus Stein; außen aus dem sehr schönen, prächtigen Pfalzsandstein und innen aus dem grauen Muschelkalk. Aus ganz edlem Material ist das. Und da steht nun die Mutter, die ist 4,50 m hoch ohne Sockel, mit Sockel etwas über 5 m, und ist aus dem kristallinischen Marmor; nicht weiß, sondern ich könnte . . . B: Ja, ich habe es bei Marcks im Modell mal gesehen. S: Hast du gesehen? Das Schöne wird nun sein, daß man hier fast im Dunkel hereinkommt in den Vorbau, offenen kleinen Dachstuhl, fast dunkel. Und dann sieht man hier hinten in dem gedämpften Licht sieht man die Gestalt der Mutter. Wenn mich jemand fragt - ja, die Leute fragen ja so gern - ,,Was ist das für ein Stil?", sage ich, es hat gar keinen Stil, es ist mein Stil. Jedenfalls es ist, man könnte sagen, es ist romanisch gedacht, aber nicht romanisch geformt. Das ist der Unterschied, nicht. B:
Können wir nun die bauliche Erscheinung dieser Halle sehen, die ist im Verhältnis der Kontur wichtig. S: Also, da habe ich ja dann nun ein kleines Modell, das wir uns mal ansehen können. Also hier - einen Augenblick, daß dein Glas nicht umfliegt -, so; also hier, jetzt, das ist hier - da kommt er her vom Eingangshof. Der Eingang ist hier. - Der Vorhofteil ist so einigermaßen belichtet. Dieser Teil ist fast dunkel, und dann kommt das Halblicht. Dieses Variieren mit Licht, Helligkeit. Und dann gehen wir dadurch, gehen hier 'raus und hier durch, und da hinten ist nun, geht man auf den Ringfriedhof, an dem, wie ich schon sagte, glaube ich, die Unbekannten und die Kameradschaftsgräber liegen, geht man hier raus, und hier, etwa hier erst beginnt der Friedhofseingang. Hier erst. B: Ja, bei dem Gräberfeld. S: Ja, das Gräberfeld. Und zu dem Gräberfeld selbst: Ich habe ja, im Gegensatz zu manchem anderen . . . B: Ja, das sieht man hier , ja. S: Moment, so. Also, hier waren eigentlich 25 000 Kreuze gemacht worden, nicht? Das wäre so, was das Volk am liebsten hatte: Jedem sein Kreuzlein, nicht? Ganz schön, auch verständlich, aber falsch und nicht zu gestalten, denn die Masse kommt raus dabei. B: Ja, ja, das ist schwierig. S: Und infolgedessen habe ich es dann zu Wege gebracht - mein Vorschlag war: Für 12 Leute ein Kreuz. Das wäre sehr schön zu machen gewesen. Jetzt habe ich es nun soweit gebracht, daß für sechs Leute ein Kreuz ist. Dadurch werden es nur noch 2400 Kreuze. Das ist immer noch gut genug, noch recht viel. Und nun stelle man sich da keinen normalen Friedhof vor, sondern ein ziemlich bedeutendes Gelände, etwa gerade so groß, wie bei der Reichsgartenstadt Staaken, 7 ha, von einer einzigen Steinmauer umgeben. So. Nicht sehr hoch die Mauer, so 1,50 bis 1,60 m hoch, daß man drüber wegsehen kann, und hier vorne die Abschlußmauer nach der Landschaft. B: Zur Somme-Niederung. S: Ja, ganz nieder, breit, und die habe ich vorne weiß gestrichen - also Naturstein - kalkig an, damit man nun diesen weißen Strich in der Landschaft sieht und die Schlußpunkte: zwei kleine Häuser, wie sie auch in Burgund stehen und im Elsass. Und nun folgendes, der ganze Friedhof, man stelle sich vor, stelle dir vor, als eine große Wiese, eine große Wiese, die fällt Hier muß ich, um einigermaßen planieren zu können, ebene Grabstellen haben, habe ich hier und hier eine Trockenmauer. Kleine Stufen führen rauf und nun ist das alles bepflanzt, zumeist nur mit Birken. Während die Mittelallee, die so entsteht, ist aus - na, ich sagte es schon B: Vogelbeeren - S: Vogelbeeren, jawohl. Ich denke auch an die Vögel im Winter, nich?. Und nun - es sind keine Wege da, die Wege sind nur leicht vertieft im Rasen, aber nicht in anderem Material, sondern alles im Rasen, man geht auf dem Rasen.
Hier haben wir folgendes Problem:
Ein Haus von 20 mal 22, mit gut beleuchteten Räumen, es sind alles Verwaltungsräume, Büroräume, Zeichenräume sogar; da lag die Problematik des Grundrisses. Bonatz, der gute Freund, sagte: "Na, nun, Schmitthenner, Sie müssen Licht hereinbringen!" Ich sagte: "Ich werd's schon machen." Schön. Da haben wir es auch gemacht. Sie sehen hier, es ist einfach, auch der, der kein Baumeister ist, versteht hier ohne weiteres, da muß irgendetwas Klares drin sein. Die Umrandungen der Mauer, bums, bums; die tragenden Zwischenmauern, nicht, die da oben wechseln müssen. Infolgedessen stehen die Mauern auf diesen Stützen, und diese Stutzen geben schon wieder das Wesentliche des Treppenhauses. Ich muß nun Licht irgendwo reinholen, von der schmalen Seitengasse, deshalb die Mauer schräg, weil das Licht ausstrahlt, das langt aber nicht. Da haben wir was, - wenn aber das Licht nicht langt, muß ich es von oben bekommen, aber eine schwierige Sache, muß mich mit dem lieben Gott gutstellen. Also kurz und gut: Wir sind da raufgegangen in die ,,Laterne" und holen da oben das Licht herein.
Also, da kommt der quadratische Mittelraum, und dieser Mittelraum, der durch alle Geschosse durchgeht mit der Treppe, das ist das Kernstück der ganzen baulichen Anlage. Von jedem Geschoß geht man aus dem quadratischen Raum in die einzelnen Räume, und überall sieht man hindurch bis in den Himmel rauf. Im 2.
Geschoß sitzt der Bürgermeister mit den wichtigsten Ämtern, und dann geht's noch einmal rauf, und da kommt der große, schöne Ratssaal. Ein Saal über die ganze Breite des Hauses, über 20 m lang, 8 m breit, und überall entscheidet in dem Quadrat der Kreis, nicht? Und da sieht man runter, von da oben bis da unten. Das ist eigentlich das ganze Problem der Aufgabe, des Grundrisses. Weiter wäre eigentlich gar nichts mehr zu sagen.
Schloss Burg an der Wupper
Schmitthenner, Paul
Computeranimation
Grundriss
Vorhof
Vorlesung/Konferenz
Halle
Eingang <Architektur>
Trockenmauer
Bauwerk
Sockel
Naturstein
Halle
Eingang <Architektur>
Architekt
Grundriss
Haus
Stütze
Baumeister
Vorlesung/Konferenz
Mauer
Treppenhaus
Mauern
Grundriss
Saal
Bauwerk
Dachgeschoss
Vorlesung/Konferenz
Computeranimation

Metadaten

Formale Metadaten

Titel Paul Schmitthenner, Schloß Kilchberg 1965
Alternativer Titel Paul Schmitthenner, Kilchberg Castle 1965
Autor Reimers, Karl Friedrich
Mitwirkende Karl Friedrich Reimers (Redaktion)
Günther Bauch (Kamera und Schnitt)
Roland Dröscher (Ton)
Lizenz CC-Namensnennung - keine kommerzielle Nutzung - keine Bearbeitung 3.0 Deutschland:
Sie dürfen das Werk bzw. den Inhalt in unveränderter Form zu jedem legalen und nicht-kommerziellen Zweck nutzen, vervielfältigen, verbreiten und öffentlich zugänglich machen, sofern Sie den Namen des Autors/Rechteinhabers in der von ihm festgelegten Weise nennen.
DOI 10.3203/IWF/G-102
IWF-Signatur G 102
Herausgeber IWF (Göttingen)
Erscheinungsjahr 1965
Sprache Deutsch
Produzent Institut für den Wissenschaftlichen Film (IWF)
Produktionsjahr 1965

Technische Metadaten

IWF-Filmdaten Film, 16 mm, LT, 124 m ; SW, 11 1/2 min

Inhaltliche Metadaten

Fachgebiet Architektur
Abstract Aufnahmen im Arbeitszimmer des Architekten: 1. In einem Gespräch mit seinem früheren Schüler D. Brandi erläutert Schmitthenner seine Planungskonzeption bei der Anlage des Soldatenfriedhofs von Bourdon/Frankreich und demonstriert einzelne Überlegungen an Modell und Plan. 2. Schmitthenner erklärt, wie er das Hauptproblem beim Neubau des Hechinger Rathauses, die Beleuchtung im Inneren, gelöst hat.
1. In a talk with his former student, D. Brandi, P. Schmitthenner explains his planning concept for the lay-out of the military cemetary at Bourdon/France and demonstrates individual thoughts on models and plan. 2. P. Schmitthenner explains how he solved the main problem involved in building the new Hechinger Rathaus, the inside lighting.
Schlagwörter Persönlichkeitsaufnahme
Architekturgeschichte
Brandi, Diez
Schmitthenner, Paul
Schmitthenner, Paul
Brandi, Diez
history of architecture
portrait

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