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Herstellung von Bleischrot nach dem Turmgießverfahren

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Hannoversch-Münden hat einen gut erhaltenen historischen Stadtkern. Er war früher von einer Mauer umgeben. Geblieben sind Mauerreste, viele schöne Fachwerkhäuser und die Stadtmauertürme. erbaute Turm hatte große Bedeutung Dieser im 14. Jahrhundert für die Stadt und die rechts vom Turm gelegene Firma Haendler und Natermann.
Er diente 135 Jahre lang bis 1983 zum Gießen von Bleischrot. Für das sog. Turmgießverfahren benötigt man eine Fallhöhe von ca. 40m. Oben wurde der Schrot gegossen. Über eine Holzgerüsttreppe erreicht
der Gießmeister seine Arbeitsstelle, die oberste Turmkammer.
Am Eingang steht ein Schmelzofen.
An der Wand sind Gießsiebe, daneben das Fenster
mit dem Blick auf die Fuldabrücke.
Hinter dem zweiten Schmelzofen liegen die Bleiblöcke. Unter dem Schmelztiegel brannte früher ein Holz- oder Kohlefeuer.
Jetzt ist es eine elektrische Heizung. Sie wird
auf ca. 400°C eingestellt.
Der Schmelzpunkt reinen Bleis liegt bei 327°C. Wegen einiger Legierungszusätze beginnt der Schmelzbereich schon unterhalb dieser Temperatur. Das Blei enthält ein
wenig Antimon und chemisch gebundenes Arsen. Diese Zusätze vergrößern die Kohäsionskraft in der Schmelze und die Härte der erkalteten Legierung.
Die nach außen gekrümmte Oberfläche der Schmelze am Bleiblock verdeutlicht die Kohäsionskraft.
Der Gießmeister wartet nicht nur bis alles Blei
geschmolzen ist, sondern auch bis Schaum entsteht. Der Schaum wird beim Turmgießen unbedingt benötigt.
Durch Umrühren der Schmelze beurteilt der Gießmeister Dünnflüssigkeit und Schaummenge. Alter erkalteter Schaum, sog. Schaumschlacke, liegt neben dem Tiegel.
Der Bleiblock wird in die Schmelze gegeben, um Temperatur und Dünnflüssigkeit der Schmelze auf etwas niedrigere Werte zu drücken.
Beim Schmelzen sinkt jetzt ein wenig die Temperatur des Bades. Die Schmelze wird etwas dickflüssiger. Die richtige Temperatur ist für das Turmgießen von großer Bedeutung.
Zur Verbesserung des Schaumes wird jetzt die Schaumschlacke in die Schmelze gegeben.
Nach etwa 10 Minuten hat die Schmelze genügend Schaum mit der richtigen Beschaffenheit, um in das sog. Gießsieb gefüllt zu werden.
Der Siebboden dieses Gefäßes hat gleichmäßig verteilte Rundlöcher.
Möglichst viel Schaum soll in das Gießsieb.
Der Schaum wird auf dem Siebboden festgestampft, wobei der Boden
über der Schmelze warmgehalten wird. Die Schaumschicht soll später, wenn Schmelze darübergegossen wird, die Abflußgeschwindigkeit der Schmelze abbremsen, damit am Siebboden Tropfen mit bestimmter Geschwindigkeit und Größe entstehen. Hierzu muß die Schaumschicht eine bestimmte Dichte, Dicke und Temperatur haben. Der Gießmeister braucht zur Herstellung des Schaumfilters sehr viel Erfahrung, die er früher wie ein Produktionsgeheimnis hütete.
Das Sieb wird an eine Stelle gebracht, an der die abtropfende Schmelze freien Fall hat.
Die Schmelze wird vorsichtig gegossen: erfolgt die erste Siebfüllung zu schnell, wird der Schaumfilter zerstört, erfolgt sie etwas zu
langsam, verstopft der Filter. Das Blei "friert ein."
Durch einige Sieblöcher tropft die Schmelze zu schnell. An diesen Stellen muß die Schaumschicht noch etwas verdichtet werden.
Jetzt muß ununterbrochen Schmelze nachgegossen werden. Sie tropft von allen Sieblöchern ab. Doch wie sehen diese Tropfen aus? Verändern sie sich während des Fallens?
Das sind Filmaufnahmen mit 20facher Zeitdehnung. Die Tropfen bilden nicht die bei Wasser bekannte längliche Tropfenform. Die vom Sieb abtropfenden Kugeln behalten auch bei großer Fallgeschwindigkeit ihre Form und kühlen im Fallwind ab. Das Prinzip, Bleikugeln so in Großproduktion herzustellen, wurde bereits vor 200 Jahren von dem Engländer William Wetts erfunden. Vorher begnügte man sich mit geringen Mengen unterschiedlich großer Bleikörner, die entstehen, wenn man flüssiges Blei ins Wasser tropfen läßt. Man beobachtete dabei nur, daß mit größerer Fallhöhe die Bleikörner runder wurden. Beim Turmgießen weiß man nun, daß die Tropfen schon nach dem Ablösen vom Sieb kugelrund sind und daß die Tropfengröße beeinflußt wird durch die Dünnflüssigkeit der Schmelze, durch die Geschwindigkeit, mit der die Schmelze durch das Filter sickert und in besonderem Maße durch die Größe der Sieblöcher. Will der Gießmeister kleinere Schrotkugeln gießen, benutzt er ein Sieb mit kleineren Löchern. Damit die Größen der entstehenden Kugeln nicht zu unterschiedlich werden, muß der Gießmeister auch dafür sorgen, daß die Temperatur bei der Tropfenbildung sich nicht ändert. Das bedeutet, er muß Temperaturschwankungen und Bewegungen der Umgebungsluft verhindern. Doch je länger der Gießprozeß dauert, desto stärker wird die Umgebung aufgeheizt. Zum Glück ist die Temperaturerhöhung dank des Wärmespeichervermögens der dicken Turmmauern nicht so groß; sonst müßten Kühlanlagen dafür sorgen, daß die Kugeln während des Fallens schnell genug abkühlen und erstarren, damit sie bei der Landung nicht platt gedrückt werden.
Bis zu 4 Tonnen Blei wurden früher an einem Tag vom Gießmeister durch das Sieb gelöffelt.
40 m tief fallen die Kugeln, kühlen dabei ab und landen in einem mit Wasser gefüllten Schacht.
Die Kugeln schlagen auf der Wasseroberfläche auf -
und sinken auf den Grund des Schachtes in einen Bottich. Dabei kühlen sie vollständig ab.
Nach dem Gießen steigt der Gießmeister vom Hagelturm herunter, um seinen gegossenen Schrot weiterzuverarbeiten. Früher waren mit der Schrotproduktion im Turm 5 Leute zugleich beschäftigt.
Zunächst muß der Bleischrot mit einem Kran aus dem Wasser gezogen werden.
Der mit Schrot gefüllte Bottich wird sichtbar.
Der Bottich wird 2 Etagen höher befördert, um für die Weiterbearbeitung noch genügend Höhenunterschied zu haben. Eine Tonne Bleischrot ist in dem Behälter aus Eichenholz.
Die Kugeln müssen zum Trocknen aus dem Bottich genommen werden.
In einer am Turm angrenzenden Dachkammer
wird der nasse Schrot auf einer beheizten Platte ausgebreitet.
Die Kugeln sind inzwischen trocken. Sie sind nicht alle gleich groß.
In einem Nebenraum werden die unrunden Schrote ausgesondert. Die kugelrunden Schrote werden dann anschließend nach ihrer Größe sortiert.
Um die unrunden Schrote auszusondern, wird der Schrot in einen trichterförmigen Behälter geschüttet. Der Trichter wird unten
geöffnet. Die Schrote fallen auf eine geneigte Glasplatte, wobei die kugelrunden Schrote schneller ins Rollen
kommen als die unrunden Schrote. Am Ende der Rollbahn haben die kugelrunden Schrote eine höhere Geschwindigkeit als die unrunden, so daß sie über den ersten Auffangbehälter hinweg in den zweiten Behälter fliegen, während die unrunden Schrote im ersten Behälter landen. Nur wenige Schrote sind unrund.
Der Gießmeister kann mit seinem Guß zufrieden sein.
Damit auch Kugeln anderer Größen diese Endgeschwindigkeit erreichen, kann die Neigung der Rollbahn geändert werden.
Die Kugeln rollen durch ein Abflußrohr zu einer Sortiermaschine.
Sie werden beim Durchlauf durch die Siebtrommeln der Größe nach ausgesiebt, zuerst die kleinsten, zum Schluß die größten.
Die 24 Sieblochgrößeabstufungen beginnen bei 1,2 mm und enden bei 3,5 mm. Bei diesem Schrot, gegossen durch 1,2 mm große Gießsieblöcher, fallen durch die Siebtrommeln Kugeln von 3,1 bis 3,5 mm Größe in die Auffangkästen.
Schrotkugeln, die im Sieb hängenbleiben, werden durch Walzen in die Siebtrommeln zurückgedrückt.
Am schnellsten füllt sich der Kasten für 3,3 mm große Schrote. Sie dienen
(in Patronen gefüllt) zur Jagd auf Hasen; kleinere Schrote insbesondere zum Wurftaubenschießen. Maßgenaue Schrote werden heute meistens aus Bleidraht kaltgepreßt oder geschlagen. Das Gießen der Kugeln lohnt nur noch, wenn
sich Turmgießanlagen mit geringen Kosten modernisieren lassen oder die Löhne niedrig sind.
Turm
Flintenschrot
Fachwerkbau
Flintenschrot
Schmelzofen
Eingang <Architektur>
Schmelztiegel
Schmelzofen
Fenster
Legierungselement
Elektroheizung
Schmelze
Härte
Legierung
Schaum
Schmelze
Rühren
Tiegel
Schmelze
Bad
Schmelze
Schaum
Leichtschlacke
Schaum
Wasserfahrzeug
Siebboden
Geschwindigkeit
Schmelze
Schaum
Tropfen
Siebboden
Schmelze
Sieb
Schmelze
Filter
Schmelze
Filter
Locher
Elektromagnetische Masse
Kühlanlage
Sieb
Tropfengröße
Physikalische Größe
Tropfenbildung
Grenzschichtablösung
Tropfen
Sieb
Schacht
Bergwerksschacht
Turm
Schrot <Landwirtschaft>
Kran
Flintenschrot
Schrot <Landwirtschaft>
Behälter
Trocknung
Flintenschrot
Geschoss <Bauwesen>
Turm
Schrot <Landwirtschaft>
Platte
Schrot <Landwirtschaft>
Schrot <Landwirtschaft>
Motorroller
Trichter
Geschwindigkeit
Behälter
Schrot <Landwirtschaft>
Gießen <Urformen>
Rollenbahn
Rollenbahn
Physikalische Größe
Abflussrohr
Physikalische Größe
Schrot <Landwirtschaft>
Sieb
Physikalische Größe
Walzen
Patrone <Munition>
Schrot <Landwirtschaft>
Bleidraht

Metadaten

Formale Metadaten

Titel Herstellung von Bleischrot nach dem Turmgießverfahren
Alternativer Titel Lead Shot Manufacture by Pouring Process
Autor Steffen, Erich
Lizenz Keine Open-Access-Lizenz:
Es gilt deutsches Urheberrecht. Der Film darf zum eigenen Gebrauch kostenfrei genutzt, aber nicht im Internet bereitgestellt oder an Außenstehende weitergegeben werden.
DOI 10.3203/IWF/C-1547
IWF-Signatur C 1547
Herausgeber IWF (Göttingen)
Erscheinungsjahr 1984
Sprache Deutsch
Produzent IWF (Göttingen)
Produktionsjahr 1983

Technische Metadaten

IWF-Filmdaten Film, 16 mm, LT, 160 m ; F, 15 min

Inhaltliche Metadaten

Fachgebiet Technik
Abstract Stadtmauerturm von Münden (bis zum Jahre 1983 zum Gießen von Schrot benutzt). Schmelzen von Blei. Der Schaum wird in das Gießsieb gefüllt, festgestampft und die Schmelze wird durchgegossen. Sie tropft vom Siebboden ab (20fache Zeitdehnung). Tropfen fallen 40 m tief in Wasserschacht. Trocknen des Schrots. Unrunde Schrote werden aussortiert, runde durch Sieben nach Größe sortiert.
The tower on the Münden town wall was used as a shot tower until the year 1983. The lead was melted in the top of the tower. Foam forms on the liquid lead. The shot caster fills the foam into the casting sieve and tamps it down. He then pours the molten lead through the sieve. This drips from the bottom of the sieve and forms balls of molten material (shown with a 20-fold time yield). These drops fall 40 meters into a tub filled with water. The shot is then dried on a hotplate. After the shot has been poured onto an angled surface the round and non-round shot are separated. The round shot is sorted into sizes by means of sieving through a machine.
Schlagwörter Bleischrotherstellung
Gießen / Turmgießverfahren
Turmgießverfahren
shot tower process
smelting and casting / shot tower process
buckshot manufacturing

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