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Schafft Digitalisierung Arbeit (ab)?

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Schafft Digitalisierung Arbeit (ab)?
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69
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#INFORMATIK2018 STAGE Ada, Impuls: „Schafft Digitalisierung Arbeit (ab)?“ Prof. Dr. Jens Südekum, Düsseldorfer Instituts für Wettbewerbsökonomie (DICE) an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
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Computer scienceDigitizingRobotArtificial intelligenceRow (database)HypothesisRobotBASICDigitizingSound effectCommodore VIC-20Programming languageTime travelWordJSONXMLLecture/Conference
SineComputer scienceService (economics)ZahlSound effectDigitizingRobotComputer scienceMusical ensembleFactorizationPlane (geometry)Internet der DingeStrich <Typographie>Physical quantityLecture/Conference
Computer scienceWind waveMassZUGEWINN <Programm>AlgorithmRobotDigitizingPlane (geometry)Software developerSound effectLecture/Conference
XMLDiagramComputer animation
Transcript: German(auto-generated)
Ja, meine Damen und Herren, vielen Dank nach den freudlichen Worten. Jetzt kann ich Sie eigentlich nur noch enttäuschen, glaube ich, mit allem, was ich jetzt sagen kann. Ich habe auch gerade darüber nachgedacht, wann ich das letzte Mal programmiert habe, weil das ja gerade das Thema war.
Ich glaube im engeren Sinne war das vor über 20 Jahren mit einem Commodore 64 und der Programmiersprache BASIC. Ich weiß nicht, ob Sie die noch kennen. Aber seitdem, Herr Oswald hat es ja gesagt, ich bin Arbeitsmarktforscher. Und in dem Sinne, in dem Sinne auch programmiere, als dass ich mit Arbeitsmarktdaten und großen Datensätzen arbeite
und da eben sozusagen versuche, anhand von Daten Hypothesen zu testen, empirisch statistisch zu testen, unter anderem eben genau, wie gesagt, die Arbeitsmarkteffekte der Digitalisierung. Und es ist natürlich, glaube ich, eines der großen Themen, wenn es um Digitalisierung geht.
Und Sie brauchen eigentlich ja bloß eine beliebige Zeitung aufschlagen oder den Fernseher einschalten. Und Sie werden früher oder später auf eben genau diese Dystopie irgendwie stoßen, dass wir sagen, naja, in 10, 15, 20 Jahren werden wir alle arbeitslos sein, weil ein Roboter, eine Maschine, ein Algorithmus, ein Computer unseren Job erledigen wird.
Und gleich mal zu Beginn sollte man sagen, dass diese Vorhersage, diese Dystopie natürlich alles andere als neu ist. Sie sehen hier so den Spiegel in der Zeitreise von 2016 angefangen bis ins Jahr 1964 zurück.
Und das Design hat sich schon ziemlich verändert. Also der Roboter sieht heute anders aus, als er in den 60er Jahren war. Noch interessanter ist vielleicht die Art des Beschäftigten, der da rausgeschmissen wird. Das hat sich auch ziemlich geändert. Also 1964 sieht man ihn ein bisschen schlecht.
1978 ist es noch der klassische Bauarbeiter mit dem Helm. Und 2016 ist es dann bereits ein Anzugträger mit roter Krawatte, der dort angeblich rausgeschmissen wird. Das heißt, da ist eine Bewegung über die Zeit hinweg. Aber wenn Sie jetzt glauben, dass diese Debatte 1964 begonnen hat, dann ist natürlich klar, das stimmt auch nicht.
Herr Jogeshwar hat Queen Elizabeth schon genannt. Die habe ich normalerweise auch auf meinen Folien. Aber das kann ich toppen. Die früheste mir bekannte Referenz, vielleicht der Startpunkt dieser ganzen Diskussion. Und jetzt fragen, was Sie glauben, was da der Startpunkt ist. Aber die früheste mir bekannte Referenz ist tatsächlich die hier.
Aristoteles aus dem dritten Jahrhundert vor Christus. Und ich habe jetzt nicht viel Zeit, wo wir vielleicht nicht das ganze Zitat durchgehen. Aber was er sagt, naja, wenn jedes Werkzeug aufgeheißt, das ihm zukommende Werk verrichten könnte. Ich bringe da ein paar Beispiele. Dann bedarf es weder für den Werkmeister der Gehilfen, noch für den Herren der Sklaven.
Also man könnte sagen, Aristoteles wäre der Erste, der die Arbeitsmarktfolgen von künstlicher Intelligenz beschrieben hat. Und in dem Sinne ist die Diskussion über 2000 Jahre alt oder 2300 Jahre alt. Und auch heute äußern sich Philosophen zu genau demselben Thema in einer dystopischen Art und Weise,
bisweilen die Digitalisierung wird eine Massenarbeitslosigkeit erzeugen, wie sie die Menschen und die Bundesrepublik noch nicht gesehen hat. Jetzt ist das genau eins der Themen, mit denen ich mich intensiv beschäftigt habe. Aber als Arbeitsmarktforscher ist es nicht mal eine Aufgabe praktisch zu spekulieren, in erstem Sinne, was passieren könnte in der Zukunft,
sondern zunächst erst mal zu schauen, was ist tatsächlich passiert in der Vergangenheit. Und zwar in der jüngeren Vergangenheit mit Technologien, die im Prinzip heute schon existieren und die man immer als digitale Technologien bezeichnen kann und als Facette der Digitalisierung. Und da sind wir eben genau bei diesen Industrierobotern, die wir ja gerade auch auf den Spiegeltitelseiten gesehen haben.
Also Sie sehen hier einige Beispiele von Industrierobotern, die natürlich vor allem im Verarbeiten in Gewerbe eingesetzt werden. Ganz klassisches Beispiel in der Automobilindustrie. Die Beispiele kennen wir alle, aber nicht nur dort. Hier ist ein Roboter einer Bäckerei.
Hier ist ein Glasindustrie. Und das Kennzeichen eines Roboters im Vergleich zu einer herkömmlichen Maschine von früher ist, dass dieser Roboter eben in dem Sinne universell einsetzbar ist und eben nicht nur eine Sache kann, sondern potenziell ganz viele Sachen. Es ist in dem Sinne natürlich noch nicht künstliche Intelligenz,
weil man dem Roboter genau sagen muss und einprogrammieren muss, was er tun soll. Aber er kann sehr viele Dinge tun und es bedarf dann keiner menschlichen Interaktion im Prinzip mehr. Und er kann in dem Sinne autonom produzieren. Und mit diesem Roboter, einer dieser Facette der Digitalisierung, sind natürlich genau auch diese Befürchtungen und Dystopien verbunden,
die ja zum Beispiel auf den Spiegeltitelseiten zu sehen waren. Und jetzt kann man, und das ist für uns als Arbeitsbahnforscher eben der große Vorteil, tatsächlich den Einsatz dieser Technologie konkret messen. Es gibt einen Datensatz der International Federation of Robotics. Das ist sozusagen der Branchenverband der Roboterhersteller,
die Umfragen bei ihren Mitgliedern durchführen jedes Jahr, wie viel sie in welchem Land, in welcher Branche tatsächlich abgesetzt und verkauft haben. Und daraufhin wird quasi ein Datensatz zur Verfügung gestellt über den Robotereinsatz. Und diese Daten kann man zusammenbringen mit den wirklich sehr
exzellenten deutschen Arbeitsmarktdaten, die es bei der Bundesagentur für Arbeit und dem dortigen Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung gibt, um eben tatsächlich dann zu schauen, was waren nun tatsächlich, was waren tatsächlich die Arbeitsmarktauswirkungen dieser Technologie. Man kann Beschäftigte anhand dieses Datensatzes praktisch taggenau verfolgen. Man sieht genau anhand der Sozialversicherungsnummern, wer arbeitet wo,
in welchem Beruf, für welche Firma, wie viel verdient er. Und praktisch im Längsschnitt kann man sozusagen Erwerbskarrieren sehr genau nachvollziehen und dann eben die Roboter hinzuspielen. Und Deutschland ist dort eigentlich das interessanteste Land, was man sich anschauen kann in Bezug auf diese konkrete digitale Technologie.
Denn anders als bei anderen Technologien ist bei Industrierobotik Deutschland tatsächlich führend. Sowohl bei der Herstellung als auch bei der Anwendung von Industrierobotern. Bei der Herstellung ist Japan sozusagen noch so das Land, was da noch davor ist. Von den Top-20-Roboter-Herstellern kann man sagen,
es sind zehn Japaner und fünf deutsche Firmen. Aber auch bei der Anwendung, also dem konkreten Einsatz, ist Deutschland ganz vorne, was vor allem natürlich daran hängt, dass Deutschland einen sehr, sehr großen Industrieanteil einfach noch in der Beschäftigung hat. Und von daher ist Deutschland da wirklich eigentlich genau für Arbeitsmarktforscher das Laboratorium, wo man am besten quasi schaut, was waren denn nun die konkreten Effekte
dieser digitalen Technologie auf dem Arbeitsmarkt. Und ich habe jetzt nicht viel Zeit, von daher breche ich es ganz kurz sozusagen runter. Und ich habe eine gute und eine schlechte Nachricht. Und als Rheinländer fange ich mit der guten Nachricht an.
Diese Dystopien von Massenarbeitslosigkeit sind nicht zu sehen. Die existieren nicht in den Daten. Also es gibt keine Evidenz, dass praktisch diese Spiegelartikel, die ich Ihnen gezeigt habe, wenn es um Roboter im engeren Sinne geht, tatsächlich die Realität widerspiegeln. Was passiert ist, ist zunächst mal tatsächlich, dass Industriearbeitsplätze verschwunden sind.
Und zwar kausal wegen dieser Technologie. Also wenn ich sage wegen Roboter, dann rede ich immer über kausale Effekte. Das ist ja so ein bisschen die Domäne von Ökonomen, dass wir mit unserer statistisch-ökonometrischen Maschinerie, die wir haben, tatsächlich versuchen, Ursache-Wirkungsbeziehungen zu identifizieren.
Also wenn ich sage durch Roboter, dann meine ich wirklich durch Roboter und nicht durch irgendetwas anderes, was zufällig auch passiert ist im gleichen Zeitraum. Und wir kommen zu dem Schluss, dass durch diese neue Technologie insgesamt 280.000 Industriearbeitsplätze verschwunden sind. Seit 1994 bis 2014.
Damals gab es ungefähr sieben Millionen Vollzeitarbeitsplätze, 2014 sind es noch 5,8 Millionen, also insgesamt 1,2 Millionen Industriearbeitsplätze, die verschwunden sind. Und davon, gehen wir davon aus, 280.000 davon, also ungefähr ein Viertel, ist auf tatsächlich diese Technologie zurückzuführen. Was sich ja erstmal im Prinzip nicht gut anhört,
was man sagt, ja, neue Technologie, Arbeitsplätze verschwinden. Aber der entscheidende Punkt ist, auf der individuellen Ebene, also auf der Ebene des einzelnen Beschäftigten, haben wir überhaupt keine Evidenz dafür gefunden, dass diese Technologie disruptive Effekte hatte, in dem Sinne, dass Leute arbeitslos geworden sind.
Also wenn man schaut auf der individuellen Ebene, hatten jetzt Beschäftigte in Betrieben mit höherem Robotereinsatz ein höheres Arbeitslosigkeitsrisiko, dann ist die Antwort nein. Die Arbeitsplätze von Beschäftigten, da wo eben diese Technologie eingesetzt wurden, waren sicher. Wir haben gesehen in den Werbsbiografien, die Beschäftigten wurden umgeschult und umgesetzt.
Das war ein ganz typisches Muster. Und man sagt, naja, da ist jemand, der hat vielleicht gestern noch tatsächlich konkret am Band gearbeitet und durch den Roboter ist aus dem meinetwegen ein Logistikmanager oder Vertriebler geworden. Aber die Arbeitsplätze an sich waren sicher. Und insgesamt die Reduktion von den 280.000, das war Strukturwandel über Generationengrenzen hinweg.
Also was passiert ist, dass die Beschäftigten gehalten und umgesetzt und umpositioniert wurden. Und dann, wenn sie sozusagen die Altersgrenze erreicht haben und in Ruhestadt eingetreten sind, dann wurden die Jobs nicht nachbesetzt. Sodass dann sozusagen peu à peu langsam die Industriearbeitsplätze durch die Roboter gesunken sind.
Und die jungen Berufsanfänger, früher haben ungefähr 30 Prozent eines Jahrgangs ihre Karriere in der Industrie begonnen. Heute sind es weniger. Und zwar kausal wegen der Roboter. Auch viele der jungen Leute haben eben in dem Sinne ihre Karrieren sofort direkt im Dienstleistungssektor. Typischerweise bei den unternehmensnahen Dienstleistungen begonnen. Sodass unterm Strich tatsächlich, was jetzt die Zahl der Arbeitsplätze angeht, eine Null steht.
Also von Massenarbeitslosigkeit wegen Robotern ist einfach nichts zu sehen. Aber jetzt die schlechte Nachricht, auch wenn Arbeitsplätze sicher waren, bei den Löhnen, bei den Verdiensten, da hat man tatsächlich Effekte gesehen, die ich für problematisch bezeichnen würde.
Bei Unternehmensproduktivität, Unternehmensgewinn haben wir enorm positive Effekte gesehen durch die Roboter. Bei den Durchschnittslöhnen keine Effekte. Also die Produktivität ist gestiegen, aber die Durchschnittslöhne nicht. Sodass jetzt sozusagen im Großen und Ganzen der Faktorarbeit von dieser neuen Technologie nicht profitiert hat in den letzten 20 Jahren.
Innerhalb der Gruppe der Beschäftigten gibt es aber Gewinner und Verlierer. Gewinner im Sinne von höhere Realeinkünfte und Reallöhne waren ganz klar die Hochqualifizierten. Mit Hochqualifizierten meine ich mit Universitätsabschluss in technischen Berufen, in Managementberufen, in der Rechtsabteilung und so etwas. Wieder kausal, die haben wegen dieser Technologie, die die Unternehmen produktiver gemacht hat, mehr verdient.
Das gilt aber leider nicht für die Beschäftigten mit so dem klassischen Profil des Facharbeiters mit abgeschlossener Berufsausbildung. Das sind 75 Prozent aller Beschäftigten in der Industrie. Da waren zwar die Arbeitsplätze sicher, aber wir haben Reallohneinbußen gesehen.
Kausal wegen der Robotik, also typischerweise Nominalohnsteigerungen unterhalb der Inflationsrate. Das heißt, wenn wir jetzt praktisch über die Herausforderung der Digitalisierung diskutieren, dann würde ich sagen, wir sollten nicht über diese Massenarbeitslosigkeitsszenarien sprechen, weil die einfach nicht der Realität entsprechen. Wir sollten diskutieren über die Lohneinkommensverteilung, weil die funktionale Einkommensverteilung, das ist der Schlüssel, gewonnen hat.
In dem Sinne hat nicht der Faktor Arbeit im Großen, sondern der Faktor Kapital, also die Besitzer so gesehen, der Roboter oder der Unternehmen, die die Roboter einsetzen. Und das ist eigentlich die große Frage, über die wir diskutieren sollten, Lohneinkommensverteilung.
Jetzt werden Sie sagen, na gut, Roboter, das ist doch langweilig. Ich meine, Sie sind Informatiker und wir haben es ja gerade von den Logischwaren so schön gehört. Das ist sicherlich eine Facette der Digitalisierung, aber natürlich nicht mehr die neueste. Und wenn wir uns über Digitalisierung Gedanken machen, dann reden wir nicht über Roboter, sondern reden über
Künstliche Intelligenz, Big Data, Internet of Things und die ganzen Buzzwords, die kennen Sie besser als ich. Und natürlich ist jetzt so die Hypothese, na gut, das mit der Massenarbeitslosigkeit hat nie gestimmt, hat beim Stocking Frame damals im 16. Jahrhundert nicht gestimmt, hat bei der Dampfmaschine nicht gestimmt,
hat beim Computer in den 80ern nicht gestimmt, hat bei den Industrierobotern nicht gestimmt, aber jetzt stimmt sie. Das ist natürlich ein typisches Argument, dieses Mal wird alles anders. Und man muss natürlich ehrlicherweise sagen, wir sind jetzt im Reich der Spekulation. Weder die Propheten, die quasi sagen, es wird eine Massenarbeitslosigkeit kommen, können
das mit Sicherheit sagen, noch diejenigen, die sagen, es ist alles völlig unproblematisch. Auch ich kann es nicht sagen, ich kann sehr sicher sagen, was gewesen ist in den letzten 20 Jahren, aber was jetzt kommt in der Zukunft, wir haben alle nicht die Glaskugel zur Verfügung. Das World Economic Forum hat jetzt Unternehmensbefragungen wieder sehr breit gemacht, die sagen, nein, es wird auch praktisch jetzt nach
Meinung von führenden globalen Unternehmen, die auch sagen, es wird zu keiner Massenarbeitslosigkeit kommen, aber es sind und bleiben Spekulation. Ich möchte Ihnen nur sagen, dass die ökonomischen Arbeitsmarktauswirkungen, das ist vielleicht auch mal eine Botschaft, dass die eben
komplexer sind als bloß die direkten Verdrängungseffekte und Erstrundeneffekte, die typischerweise auch in den Medien sehr stark betonend werden. Also da ist eine neue Technologie, da gibt es ein YouTube-Video, da sieht man, jetzt kann ein Roboter oder ein Algorithmus, kann jetzt dies oder kann jenes. Also wir haben gerade die wunderschönen Beispiele gesehen mit der Musik, wie ein Algorithmus jetzt praktisch Musikstücke komponieren kann und
natürlich schwingt sofort die Befürchtung mit, dann brauchen wir in fünf bis zehn Jahren keine Musiker mehr, die werden alle arbeitslos. Also dieser Verdrängungseffekt, dieser Erstrundeneffekt ist unheimlich plastisch und spielt auf eine riesen Rolle.
Aber, und das hat natürlich schon immer so geholfen, bei den Robotern und auch bei der Lampfmaschine, diese direkten Verdrängungseffekte waren immer da, aber es gibt Zweitrundeneffekte, es gibt ökonomische Anpassungseffekte, die praktisch erst danach einsetzen und die die Massenarbeitslosigkeit bisher immer verhindert haben und die auch diesmal wieder wirken werden.
Ich habe jetzt vielleicht nicht die Zeit, im Detail durch alles durchzugehen. Ich habe Ihnen hier mal nur so die wichtigsten aufgeschrieben, aber ich denke, da können wir vielleicht auch später darüber diskutieren. In Deutschland ganz speziell wichtig ist der große Gegenspieler der Digitalisierung, nämlich die Demografie. Die ist in Deutschland und in Japan natürlich viel, viel bedeutsamer und wichtiger als zum Beispiel in den USA.
Hier ist so die Projektion der Erwerbsbevölkerung in den nächsten Jahrzehnten. Wir haben momentan ein Erwerbspersonenpotenzial von ungefähr 45 Millionen Menschen in Deutschland.
Und wie das weitergeht, hängt natürlich von vielen Dingen ab, über die man jetzt auch noch nicht genau weiß, wie es sein wird, insbesondere wie geht es bei der Zuwanderung weiter, wie entwickelt sich die Erwerbstätigkeit von Frauen, wie geht es mit der Lebensarbeitszeit weiter. Aber selbst wenn man sagt, wir gehen von höherer Erwerbsbeteiligung von Frauen aus auch in Zukunft und wir haben Zuwanderung in dem Maße, wie wir es typischerweise gehabt haben, das reicht alles nicht aus.
Deutschland ist eine schrumpfende Gesellschaft und so das konventionelle Szenario geht davon aus, dass die Erwerbsbevölkerung auf unter 40 Millionen sinken wird. Das heißt, da können Sie sich fragen, was verschwindet da jetzt eigentlich schneller? Die Jobs durch die Digitalisierung oder die Menschen, die dann jetzt noch die Jobs ausführen wollen?
Und von daher ist es eigentlich auch kein Wunder, wenn Sie montags die Zeitung aufschlagen, dann reden Sie über Massenarbeitslosigkeit durch Digitalisierung und am Dienstag steht in derselben Zeitung genau das Gegensätzliche, riesiger Fachkräftemangel und es werden im Jahr 2040 so und so viele Millionen Personen fehlen in allen möglichen Berufen.
Das heißt also so gesehen ist die Demografie sowas wie der Gegenspieler der Digitalisierung und es ist nicht klar, wer hier eigentlich gewinnt. Fakt ist aber, dass die Demografie viel besser zu prognostizieren ist als die Effekte der Digitalisierung, denn die Menschen, die 2030 in den Arbeitsmarkt eintreten, die müssten heute schon geboren sein.
Und von daher glaube ich, das ist so meine Botschaft, wir sollten nicht über diese Massenarbeitslosigkeit diskutieren. Die Effekte auf die Lohn- und Einkommensverteilung, das ist das wirklich Problematische und da kann es eben auch sein, dass die Effekte, die wir bereits bei den Robotern gesehen haben, dass die schlimmer werden durch die nächste Welt der Digitalisierung.
Dass man sagt, naja die Besitzer der Algorithmen, die Programmierer und so weiter, die werden sich vermutlich dumm und dusselig verdienen. Aber sind die Früchte, die da entstehen, werden die auch so breit gestreut, dass sozusagen der normale und der die normale Beschäftigte in der Breite daran mitverdient.
Das ist glaube ich die ganz große Herausforderung. Und letzter Gedanke dazu, wenn Massenarbeitslosigkeit nicht das Problem ist, das große Problem wird das sein, was Ökonomen als den sogenannten Mismatch bezeichnet. Dass an der einen Stelle im Arbeitsmarkt vermutlich dann auch tatsächlich Jobs verloren gehen, also etwas, was wir bei den Robotern noch nicht gesehen haben, aber vielleicht wird es kommen.
Dass dort tatsächlich auch disruptive Szenarien kommen, dass Menschen tatsächlich ihren existierenden Arbeitsplatz verlieren. Dass an der anderen Stelle im Arbeitsmarkt händeringend nach Leuten gesucht wird und dass die große Herausforderung da besteht, die Menschen von der einen Seite zur anderen Seite des Arbeitsmarktes zu bekommen. Solange das über Generationengrenzen läuft, ist es relativ unproblematisch. Also die junge Generation, die kann ja sehen,
wohin sich der Arbeitsmarkt entwickelt, so wie in den 70ern kein Berufsanfänger mehr gesagt hat, ich werde Bergmann. So kann man natürlich auch langfristig hoffen, dass über Generationengrenzen das quasi so funktioniert. Und man kann versuchen, das Bildungssystem daraufhin auszurichten.
Da gebe ich Herrn Jogisch war sehr recht mit dem, was er gesagt hat. Aber problematisch sind natürlich die Fälle im Arbeitsmarkt. Man sagt, ich habe einen Beruf und dann kommt dieses disruptive Szenario irgendwann mit Ende 30, Anfang 40, wo man dann noch so und so viele Jahre im Arbeitsmarkt eigentlich zu sein hofft.
Und dann steht man plötzlich auf der Straße. Wie gesagt, bislang haben wir es noch nicht gesehen, aber es könnte kommen. Und um diese Problematik, weil es wird Arbeitsplätze geben, nur an anderer Stelle. Es geht jetzt darum, wie kriegen wir Arbeitsangebote und Arbeitsnachfrage zusammen? Und von daher, das ist auch meine letzte Folie, ist glaube ich
die ganz große Herausforderung, dieses Problem und die Rolle der Bildungspolitik und Wissensinfrastruktur. Also meine Kollegen, die Ökonomen Goldin und Katz haben mal wirtschaftliche Entwicklung beschrieben als eine Art Wettlauf, ein Wettlauf zwischen Technologie und Ausbildung. Und in den Zeiten der großen Bildungsexpansion in den 60er und 70ern, wo die ganzen Universitäten
gegründet wurden, da kann man sagen, da ist die Bildung quasi der damaligen Technologie davon gelaufen. Aber heute ist glaube ich das Problem, dass es genau anders herum ist. Das heißt, was ich glaube, was wir brauchen, um dieses Mismatch-Problem in den Griff zu bekommen, ist eine wirklich nachhaltige Investition in die Wissensinfrastruktur und in die Bildung auf allen Ebenen.
Und ich habe gesehen, im Rahmen Ihrer Konferenz geht es ja genau auch um diese Themen und ich glaube, da sind sie genau aufgestellt. Es gibt andere Vorstellungen, von denen ich nichts halte, zum Beispiel das bedingungslose Grundeinkommen, weil es einfach auch einer falschen Diagnose basiert. Die Diagnose sagt, das Ende der Arbeit steht nahe. Ich glaube das nicht,
deswegen halte ich das für eine falsche Idee, aber darüber können wir später diskutieren. Ich glaube, die zentrale Frage oder die zentrale Aussage, wenn wir uns noch mal vergegenwärtigen, die Effekte auf die Einkommens- und Vermögensverteilung, ist die zentrale Frage, who owns the robots? Also wer sind die Besitzer der neuen Technologien, die auch die wesentlichen Zugewinne haben und wie kriegen wir
es hin, dass diese Zugewinne nicht nur in den Taschen von ganz wenigen landen, sondern möglichst breit gestreut werden? Und damit bedanke ich mich für die Aufmerksamkeit.