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Carlo Schmid, Bonn 1961

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Formale Metadaten

Titel
Carlo Schmid, Bonn 1961
Alternativer Titel
Carlo Schmid, Bonn 1961
Autor
Lizenz
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Identifikatoren
IWF-SignaturG 72
Herausgeber
Erscheinungsjahr
Sprache
Produzent
Produktionsjahr1961

Technische Metadaten

IWF-FilmdatenFilm, 16 mm, LT, 98 m ; SW, 9 min

Inhaltliche Metadaten

Fachgebiet
Genre
Abstract
Deutsch
Deutsch
Gründung einer sozialistischen Studentengruppe in Tübingen nach dem 1. Weltkrieg - Berufliche Laufbahn als Richter und Professor - Neugründung der Sozialdemokratischen Partei im südlichen Württemberg durch Schmid, 1946 - Begegnung mit Kurt Schumacher in Hannover.
Englisch
Englisch
Formation of a socialist student group in Tübingen after World War I - career as a judge and a professor - new founding of the Social Democratic Party in southern Württemberg, 1946 - encounter with Kurt Schumacher in Hannover.
Schlagwörter
Deutsch
Deutsch
Englisch
Englisch
IWF-Klassifikation
Deutsch
Deutsch
Englisch
Englisch
Transkript: Deutsch(automatisch erzeugt)
Ja, wie ich zur Politik gekommen bin, das ist eine lange Geschichte und eine merkwürdige Geschichte.
Ich bin erst sehr spät zu dem gekommen, was man mit einer Ernsthaftigkeit Politik nennen könnte. Natürlich war ich immer wie man, soll ich sagen, politisch interessiert.
Ich hatte Gemütsbedürfnisse, die zu stillen mir angenehm war. Gerechtigkeit und Friede mit Menschlichkeit. Und so habe ich, als ich vom Krieg zurückkam, aus dem ersten Weltkrieg zurückkam als junger Student, mit einigen anderen zusammen eine sozialistische Bettengruppe gegründet in Tübingen.
Es ist merkwürdig übrigens, den Lebensweg dieser Gründer von damals zu verfolgen. Der eine wurde Chefredakteur der Roten Fahne, Süßkind, wurde umgebracht unter Stalin.
Der Wertvollste, Karl Schmückler, ein Tübinger Stiftler, wurde auch Kommunist. Der Professor Max Engels Institut wurde auch umgebracht bei den Säuberungen Stalins. Er war der beste Krezist unseres Gymnasiums.
Karl Lechler, der wurde schließlich Bauamtsleiter in SDRP Gauernberg und brachte sich um in 1943, als die Scham, diesen Schritt getan zu haben, nicht mehr aushielte.
Und wir waren junge Leute, die schwärmten, ohne es zu merken, und die glaubten, was sie trieben sei Wissenschaft. Eine Wissenschaft vom Politischen. Und wir kamen uns sehr haben vor.
Viel besser und intelligenter als dieses dumme Funktionärsvolk der politischen Partei. Deswegen trage ich zum Beispiel Anna Kildes auch nicht in eine politische Partei ein, die etwa in der Generalrichtung ihrem Programm nach dem entsprochen hat,
was ich mir vorstellte. Ich fand einfach die Leute darin zu zubaltern. Ich fand ich war viel intelligenter, ich war viel gebildeter. Und es tat mir wohl, mich so zu fühlen. Ich wurde dann Richter und dann wurde ich Professor.
Ich habe das Haus gehabt in Tübingen, gute Freunde, schöne Bücher und schönes Leben. Und dann kam das Dritte Reich. Und als ich dann begriff, was das Dritte Reich in Wirklichkeit ist,
da habe ich mich gefragt, wer ist denn eigentlich der Schuldige, dass dieses Volk unter diese Knute kommen konnte und dass es sich willig unter diese Knute bringen ließ. Ich überlegte lange und dachte viel nach
und fand dann schließlich, dass man die eigentliche Schuld nicht diesen biederen Dummköpfen zuschreiben kann, die sich von dem Programm der LSTHP haben überzeugen lassen. Oder auch denen, die gerne in Rohrstiefeln marschierten, nachdem sie hatten ausziehen müssen,
in der Nation 18, auch nicht diesen neoromantischen Schwärmern, den ruhen Broschenleuten.
Kurz, ich fand, dass sie eigentlich entschuldigen, die Leute sind, Leute meiner Art, die sich zu gut waren, in das zu gehen, was man die Niederungen der Politik nennen. Insbesondere jene Niederungen, die ausgefüllt sind durch die Tätigkeit der politischen Partei.
Es war mir klar, dass der Umstand, dass wir uns nicht um den Staat gekümmert haben, wenn man sich um ihn in einer Massengesellschaft nur kümmern kann, in wirksamer Weise, wenn man den Versuch macht, auf die öffentliche Meinung zu wirken, zwar mehr als literarisch zu wirken,
sondern auf sie zu wirken durch das, was man tut, durch das, was man zu gestalten vermag, das den Platz frei, den Weg frei gegeben hat an die Kommandohebel, an denen nunmehr die schlechten Menschen standen,
die unser Volk und ein gutes Stück der Welt ins Unglück gestürzt haben. Und ich sagte mir, wenn du nicht ein zweites Mal schuldig werden willst, dann musst du dein Leben ändern. Dann musst du, ohne auf das zu verzichten, was dir das Leben bislang so lebenswert gemacht hat,
das Musische, das die Wissenschaft, dann musst du dich um Politik kümmern und das gegen wirksamer Weise nur, wenn du in eine politische Partei gehst, eine natürlichere Partei,
deren Ziele sich mit deinen Vorstellungen ungefähr decken. Es war mir klar, dass ich dort keineswegs nur edle Menschen treffen würde, dass ich dort keineswegs das Ideal voll ausgestaltet und ausgeformt vorfinden würde.
Es war mir durchaus klar, dass es auch dort menschlich zugeht, aber das schien mir die eigentliche Aufgabe zu sein, mit einem solchen Instrument, das voller Gussfehler ist und auch schlecht zusammengesetzt sein mag,
immerhin etwas Bauchbares zu erreichen. Und als dann der Krieg zu Ende war, der Zweite Weltkrieg, da fing ich zunächst damit an, mich darum zu kümmern, dass, als die Franzosen nach Tübingen kamen, man dort einigermaßen in Ordnung zum Prallat von Symbiose kommen konnte.
Das war nicht ganz einfach und da mussten schon einige droben politischen Könnens, das heißt des Recheneinschätzes der Machtverhältnisse, auch des Erkennens, welche Macht in der Machtlosigkeit liegen kann, wenn man sie nicht nur mit Wehleidigkeit für sich selber konsumiert,
sondern wenn man sie wie einen Bauern im Schachspiel an die richtige Stelle platziert. Und als dann die Franzosen die Bildung politischer Parteien freigaben,
nun da habe ich in Württemberg die Sozialdemokratische Partei neu gegründet, deren Mitglied ich nie gewesen war. Das war am 6. Januar 1946. Ich wurde dann gleich der Landesvorsitzende.
Eine merkwürdige Sache in der Geschichte dieser Partei. Dann kam die Begegnung mit Kurt Schumacher und eines Tages war ich bei ihm in seiner Dachkammer in Hannover. Ich sagte etwas und um es zu erläutern, was ich meinte,
zitierte ich einen Satz aus der Rede des Don Quixote über den Frieden der Verzauberten Schenke. Er sagte zu mir, das ist doch, weil ich mich täusche in Kapitel 7. Ich mache nur stauntes Gesicht. Und er sagte, du hälst mich wohl auch für einen solchen Kaffer wie die anderen? Dort liegt der Don Quixote.
Das ist doch ein Buch für Leute wie dich und mich. Da tuts er mich zum ersten Mal. Und schließlich, wer weiß denn, ob die Wildmühlen wirklich keine Riesen sind. Vielleicht sind es wirklich welche.