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Lise-Meitner-Lectures 2016: Ein Interview mit Frau Prof. Dr. Petra Schwille

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Title
Lise-Meitner-Lectures 2016: Ein Interview mit Frau Prof. Dr. Petra Schwille
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4
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No Open Access License:
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Publisher
Release Date
Language
Production PlaceUniversität Regensburg

Content Metadata

Subject Area
Genre
YearPhysikComputer animation
Cosmic microwave background radiationProcess (computing)Lecture/ConferenceMeeting/Interview
Process (computing)Lecture/ConferenceMeeting/InterviewComputer animation
Systems <München>Meeting/InterviewLecture/Conference
Meeting/Interview
Process (computing)Lecture/ConferenceMeeting/InterviewComputer animation
SpectroscopyAtomic force microscopyDynamic rangeAcoustic membraneMoleculeProcess (computing)Systems <München>Lecture/ConferenceMeeting/Interview
Acoustic membraneProcess (computing)Hull (watercraft)Lecture/ConferenceMeeting/Interview
Auge <Meteorologie>Computer animationMeeting/Interview
Condensed matter physicsDirection (geometry)Auge <Meteorologie>PhysicistMedical physicsLecture/ConferenceMeeting/Interview
Eigen, ManfredPhysical chemistryYearEms (river)Lecture/ConferenceMeeting/Interview
SpectroscopySystems <München>Auge <Meteorologie>Meeting/Interview
Lecture/ConferenceMeeting/Interview
Eigen, ManfredRäumenMeeting/Interview
YearLecture/ConferenceMeeting/Interview
YearPlanck, MaxMeeting/InterviewLecture/Conference
Meeting/InterviewComputer animation
SpectroscopyYearYearWater gapMoleculeMeeting/InterviewLecture/Conference
DayMeeting/Interview
Lecture/ConferenceMeeting/InterviewComputer animation
Eigen, ManfredReplicaMeeting/InterviewLecture/Conference
FerryMeeting/InterviewLecture/Conference
Direction (geometry)Meeting/InterviewLecture/Conference
Q factorWater gapProcess (computing)Meeting/Interview
Process (computing)Lecture/ConferenceMeeting/InterviewComputer animation
YearWater gapPhysical lawYearDayLecture/ConferenceMeeting/Interview
MinivanDayYearLecture/ConferenceMeeting/Interview
Meeting/InterviewComputer animation
Herring bussMeeting/InterviewLecture/Conference
Meeting/InterviewLecture/Conference
Angeregter ZustandMeeting/InterviewLecture/Conference
Eigen, ManfredYearMeeting/InterviewLecture/Conference
YearMeeting/Interview
Computer animationMeeting/Interview
HalyardWeekLecture/ConferenceMeeting/Interview
Meeting/InterviewLecture/Conference
PhysikComputer animationLecture/ConferenceMeeting/Interview
LängenMeeting/Interview
DayLecture/ConferenceMeeting/Interview
Meeting/InterviewLecture/Conference
Meeting/InterviewComputer animation
Meeting/InterviewLecture/Conference
Meeting/Interview
Magnetic momentComputer animationLecture/ConferenceMeeting/Interview
Tanker (ship)Meeting/Interview
PhysicistMagnetic momentComputer animationLecture/ConferenceMeeting/Interview
PhysicistDeutsche Physikalische GesellschaftYearMeeting/Interview
Quantum chaosDeutsche Physikalische GesellschaftLecture/ConferenceMeeting/Interview
Deutsche Physikalische GesellschaftBathingQuantum chaos
Transcript: German(auto-generated)
Die Fragestellung, der ich mich widme, ist die Fragestellung, was Leben eigentlich ist. Und natürlich kann man diese Frage von ganz verschiedenen Hintergründen stellen. Ich frage es mit dem Hintergrund einer physikalischen Ausbildung.
Und ich möchte es natürlich quantitativ verstehen. Ich möchte genau begreifen, welche Prozesse eigentlich diesem Phänomen des Lebens zugrunde liegen und welche dieser Prozesse ich sozusagen auf molekularer Ebene nachbauen, nachstellen kann, sodass ich sie durchgehend verstehen kann und auch quantifizieren kann, messen kann.
Warum ist die Frage interessant? Wir finden uns selber als lebende Systeme vor und fragen uns – ich denke, das ist menschlich – immer, was sind wir eigentlich?
Was ist das Menschliche, was ist das Lebendige an uns? Wie unterscheiden wir uns von Nichtleben? Natürlich unterscheiden wir uns als Menschen von all den anderen Lebensformen, die wir vorfinden. Aber auch die anderen Lebensformen unterscheiden sich durch irgendeine fundamentale Eigenschaft von nichtbelebter Materie.
Und es ist uns noch nicht gelungen, obwohl es jedem evident scheint, dass das so ist, es ist uns noch nicht gelungen, ganz genau zu sagen, wo der Unterschied besteht und wo vielleicht auch der Übertritt passieren könnte zwischen Nichtbelebtem und Belebtem. Und ich denke, dass man das von unten her angehen muss, von der Ebene der nichtbelebten Materie
und die Frage stellen, was genau muss hier dazu kommen? Wie muss sie sich verhalten? Welche Prozesse müssen sich abspielen, dass irgendwann ein lebendes System resultiert?
Wir untersuchen sie zunächst einmal mit physikalischen Methoden, die sozusagen zum Kanon der modernen Biophysik gehören, Spektroskopie, Rasterkraftmikroskopie, lauter Methoden, die es uns erlauben, die Moleküle als einzelne Moleküle zu detektieren,
auch in ihrer Dynamik zu untersuchen, also die Zeitskalen, auf denen Moleküle miteinander interagieren. Also wir sind im Grunde ganz eingebettet in unserer zeitgenössischen Biophysik, Membranbiophysik. Wir versuchen zu erkennen, was für Prozesse auf Membran einwirken,
denn Membran sind ja ganz wesentliche Bestandteile lebender Systeme. Man braucht schon allein, um eine Zelle zu definieren, eine Hülle, und diese Hülle ist sehr oft eben eine Membran. Und um zu verstehen, wie so ein fundamentaler Prozess wie die Zellteilung, die Replikation vonstattengehen kann, müssen wir verstehen,
was braucht es eigentlich, um diese Membran zu transformieren? Wie könnten wir uns das vorstellen? Was wäre das einfachstmögliche System, um eine Hülle in zwei Hüllen zu überführen?
Ja, das war ein ganz klassisches Stationenstudium, damals in Göttingen. Ich habe in Stuttgart angefangen, in Göttingen weitergemacht, weil ich schon eigentlich diese Bio-Richtung vor Augen hatte. In Stuttgart war eher nicht so die Biophysik, da war mehr Kristallphysik, Festkörperphysik, zu der Zeit, als ich da war, hatte da seine Blüte.
Und Göttingen mit dem Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie war damals schon eine Adresse, die eben für Biophysik stand. Ich habe dann die Diplomarbeit noch in der medizinischen Physik in der Stadt gemacht und bin dann zur Doktorarbeit ans Max-Planck-Institut gegangen, bei Manfred Eigen, ein Nobelprestträger für physikalische Chemie,
lange, lange her, Ende der 60er-Jahren, der aber schon diese Fragen immer gestellt hat, was ist Leben, wie unterscheidet es sich von Nichtleben, und das hat mich sehr gereizt. Und aus dem Grund bin ich zu ihm gegangen, habe dann in meiner Doktorarbeit
aber eher wirklich methodisch gearbeitet an Einzelmolekülspektroskopie und habe diese Frage so ein bisschen aus den Augen verloren. Habe dann eine Methode entwickelt, wie man die Interaktion von Biomolekülen, entweder DNA oder Proteine zueinander detektieren kann auf sehr,
sozusagen auf sensitive Weise. Und habe dann, nachdem diese Methode entwickelt war, in meiner Doktorarbeit bin ich noch in die USA gegangen für einen Post-Doc-Aufenthalt und habe dann versucht, diese Methode, die eigentlich in Vitrosysteme, also im Grunde genommen im Reagenzglas entwickelt war, in Zellen zu bringen und habe mich sozusagen in Zellen immer weiter angenähert.
Ich hatte dann das große Glück, eines dieser ersten Biofuture, diesen Biofuture-Preis zu bekommen. Das war im Grunde so die erste Möglichkeit in Deutschland nach der Post-Doktorandenphase wirklich eine eigene Stelle, unabhängige Stelle, also nicht als Habilitant in irgendeinem Lehrstuhl,
sondern wirklich unabhängig eine Gruppe aufzubauen. Das war eben auch wieder Glück, dankenswerterweise mein ehemaliges Max-Lange-Institut in Göttingen bereiterklärt, mich aufzunehmen. Und ich durfte dann in den Räumen meiner alten Abteilung,
Manfred Eigen war in der Zwischenzeit emeritiert, meine kleine Gruppe aufbauen, die dann immer schneller, immer größer wurde. Und nach nur drei Jahren habe ich einen Ruf nach Dresden bekommen, auf eine Professur. Dresden war damals eben auch eine Boomtown in der Bio-Wissenschaft. Die wollten im Grunde, nachdem in der DDR in der Bio-Wissenschaft nicht viel gelaufen ist,
die ganz schnell die Biotechnologie, Biowissenschaften aufbauen, haben sich dann eine große Truppe von jungen Leuten geholt. Das war im Grunde eine ganz tolle Zeit. Das war ein Inkubator eigentlich von neuen biophysikalischen, biotechnologischen Gruppen
und Verfahren zusammen mit dem Max-Lange-Institut dort, für die molekulare Zellbiologie. Und dadurch ist eben sozusagen der Zug relativ schnell gefahren bei mir. Das muss man einfach sagen. Und dann in Dresden hatte ich eben, wie gesagt, damals noch C4-Professur,
das wurde dann eine W3. Und bin dann nach abermals zehn Jahren zu Max Planck direkter berufen worden. Und das war natürlich dann nochmal eine Krönung der Karriere, wenn man so will.
Also meine Doktorarbeit, auf die bin ich schon sehr stolz. Also diese Methode, die sozusagen konzeptuell zwar formuliert war, aber die bisher noch niemand, die Kreuzkorrelation Spektroskopie ist es, diese Methode der Analyse, der Interaktion von zwei Molekülen,
das musste man tatsächlich wirklich aufbauen. Das war im Prinzip klar, wie es gehen sollte, aber man muss es halt umsetzen. Und das habe ich, glaube ich, relativ nachdem die ersten zwei Jahre meiner Doktorarbeit doch sehr habsleibig sich die Sache entwickelt hat, dann im dritten Jahr wirklich einen richtigen Durchbruch gehabt. Und als ich die Methode dann entwickelt hatte, konnte ich die auf Gott und die Welt anwenden.
Und habe da auch eigentlich Tag und Nacht neue Ideen gehabt, wie man die auf wieder neue Fragestellungen anwenden kann. Und das war einfach ein Feuerwerk von Anwendungen und neuen Fragestellungen. Das hat mich da rein katapultiert eigentlich in die wirklich wichtigen biologischen Fragen und Anwendungen.
Unzählige, natürlich gab es die, natürlich war es eine große Ehre, im Labor eines Nobelpreisträgers Doktorarbeit zu machen.
Man muss dazu sagen, dass Manfred Eigen ein sehr hands-off Superweiser war. Er hat eigentlich wirklich, er hat wissenschaftliche Talente inkubiert, so muss man das sagen. Er hat uns einfach eine Idee gegeben, mach mal, und hat dann im Grunde werkeln lassen,
mit allem Support, instrumentell oder auch vom, ja, den man halt so brauchte, zu Tagungen fahren oder auch mal zu Kobazio und zu Partnern fahren. Und das war für mich natürlich ideal. Also ich hatte eigentlich immer schon das Gefühl, ich muss es alles selber machen,
ich brauche ganz viele Anleitungen und da konnte ich also ideal forschen. Das war einfach wunderbar. Und bei der Postdoc-Zeit ging es dann gleich so weiter. Da habe ich dann wieder ein Labor gewählt mit Wort Web in den USA. Auch schon ein älterer und sehr etablierter Wissenschaftler ist auch im Geld geschwommen. Also auch der hatte im Grunde unendlich viele Instrumente rumstehen.
Wenn man einen neuen Leser brauchte, dann kaufte man sich den einfach. Und das war einfach der ideale Raum, um sich sozusagen zu entfalten wissenschaftlich. Ich hatte auch immer unglaublich spritzige Kollegen mit neuen Ideen. Und ja, es gab immer wieder so Momente, wo man das Gefühl hat,
oh, hier, das ist eine Fragestellung, die hört sich richtig spannend an. Und dann auch die Kooperationspartner, die man brauchte, um in die Richtung zu gehen. Später hatte ich dann auch unglaubliches Glück mit meinen eigenen Leuten. Also ich hatte wirklich sehr, sehr gute Doktoranden, Postdocs. Und ein ganz wesentlicher Durchbruch war zum Beispiel, als man einer Doktorantin Martin Lohse tatsächlich es geschafft hat,
ein selbstorganisierendes Proteinsystem in meinem Labor zum Laufen zu bringen. Schon in der Hinsicht, was können wir eigentlich an wichtigen biologischen Prozessen von unten her aufbauen. Also diese Selbstorganisationsmuster das erste Mal im eigenen Labor zu sehen, das war auch ein Highlight.
Ich bin da glaube ich so ein bisschen vom Glück verfolgt, eigentlich eher nicht. Also so richtig schlimme Hänger hatte ich eigentlich nicht. Ich würde mal so sagen, das zweite Jahr meiner Doktorarbeit, wo ich irgendwie das Gefühl hatte,
ich kann eigentlich, der Durchbruch der Methode, da hat einfach viel gefehlt. Ich habe ein Signal erwartet und das Signal kam einfach nicht. Und irgendwann mal habe ich mich dann mal hingesetzt und mir überlegt, was für ein Signal erwarte ich denn eigentlich wirklich? Und habe mich dann wirklich mal eine Nacht hingesetzt und Theorie gemacht. Und dann fiel mir erst auf, das war nach zweieinhalb Jahren eigentlich,
fiel mir erst auf, dass ich eigentlich die ganzen bisherigen Jahre das völlig falsche Signal erwartet habe. Dass die Kurve, die ich da erwartet habe, eigentlich ganz anders aussah als die, die ich glaubte messen zu müssen. Und als ich dann wusste, auf was es ankommt, da lief es dann wirklich von selber. Also da bin ich dann wirklich den nächsten Tag ins Labor und habe genau das gesehen, was ich sehen wollte.
Es war, wenn man so will, einfach Dummheit, dass ich mich nicht schon am Anfang hingesetzt habe und mir das theoretisch hergeleitet. Aber das braucht man wahrscheinlich einfach, diesen Aha-Effekt. Den gibt es bei jedem. Dass der bei mir nach zweieinhalb Jahren kam und ich nach fünfeinhalb Jahren, ist auch gut.
Aber ich hatte, glaube ich, einfach auch ein glückliches Händchen mit meinen Themen und meinen Labors, die ich gewählt hatte. Das ist eine interessante Frage, weil das eigentlich relativ spät kam.
Also es war definitiv noch nicht, als ich zum Postdoc nach USA ging. Also ich wusste nach meiner Doktorarbeit, die wirklich erfolgreich war, noch nicht. Ich war sehr skeptisch, ob es mir für eine wissenschaftliche Karriere reichen würde. Ich meine, es war ja damals auch jetzt gerade die Zeit, wo Frauen in Massen, in Professuren vorgerückt sind.
Und mir war einfach fundamental unklar, was ich eigentlich machen wollte. Also mir hat die Doktorarbeit, mir hat die Forschung unglaublich viel Spaß gemacht. Und das Einzige, was ich nicht wollte, ich wusste eigentlich nur, was ich nicht wollte, ich wollte nicht in irgendeine Firma. Das wollte ich ganz und gar nicht. Also das war mir ganz klar, also in eine Firma will ich nicht.
Und eigentlich wollte ich auch keinen Chef. Das war auch irgendwie, also ich hatte auch ja, ich meine, ich hatte zwar formal einen, aber die haben sich so gar nicht eingemischt in das, was ich da gemacht habe. Und das fand ich ausgesprochen wohltuend. Und eigentlich wollte ich nur diesen Zustand so lange wie möglich konservieren, also forschen zu dürfen ohne Chef. Gewissermaßen ist mir das gelungen.
Also das war aber tatsächlich so, dass ich nach Amerika gegangen bin und da noch sozusagen den ganzen konservativen Geist der deutschen Forschungslandschaft in den 80er, 90er-Jahren Hinterkopf hatte. Da war ja noch nicht so sehr dran zu denken, dass man als Junge dann schon irgendwie seine eigene Gruppe aufbaut.
Und da war ja wenn überhaupt Habilitation und dann immer im Schwindschatten von irgend wem. Insofern hatte ich überhaupt gar keine Vorstellung, was da auf mich zukommen könnte. Natürlich wollte ich schon gern Professor werden, aber dass es das erreichen könnte. Ich weiß auch noch, das waren ganz einschneidende Gespräche. Einmal mit meinem Doktorvater, Manfred Eigen, bevor ich gegangen bin nach Amerika, bin ich mal zu ihm gegangen
und habe gesagt, könnten Sie sich vorstellen, dass ich eine Karriere in der Wissenschaft mache? Und dann hat er gesagt, ja schon, aber es ist natürlich schon ein sehr harter, steiniger Weg. Das was man eben erwartet von, ich habe mich da auch nicht sonderlich darüber gewundert oder es hat mich auch nicht frustriert, dass er das gesagt hat.
Eigentlich dachte ich das genauso, ja es ist ein harter, steiniger Weg, gucken wir halt mal. Und wirklich, das war noch nicht mal ein Jahr später, da habe ich meinen amerikanischen Chef genau dasselbe gefragt und der hat mich noch einmal gesagt, ja klar, warum denn nicht? Na klar, was anderes kann ich mir für dich gar nicht vorstellen. Und das ist natürlich diese amerikanische Art, Karriere zu bewerten oder auch Karrierechancen zu bewerten.
Dieses Positive, dieses Stimulierende, das hat mir unheimlich was mitgegeben.
Ja gut, also Leibniz-Preis ist natürlich das Beste, was ich bekommen habe und natürlich bin ich da auch besonders stolz drauf. Und wahrscheinlich war es auch nicht ganz unwichtig, dass ich den zu diesem Zeitpunkt bekommen habe, denn ich war wirklich, ich hatte den sozusagen Anruf bekommen im Herbst 2009 und wirklich vier Wochen später hat mich der damals geschäftsführende Direktor
von meinem jetzigen Institut angerufen. Da mag es schon einen Zusammenhang gegeben haben. Aber auf jeden Fall ist es einfach eine große Auszeichnung, einen Leibniz-Preis zu erhalten. Da habe ich mich schon besonders darüber gefreut, aber auch andere Preise. Also zum Beispiel die Biofuture-Preis war natürlich für meine Karriere fast noch wichtiger,
weil das eben die Möglichkeit war, die eigene Forschung überhaupt erst aufzubauen. Und dann, ich will auch nicht sagen, dass wir die anderen Preise nichts bedeutet haben, aber das sind eben die beiden wichtigsten.
Also das ist ganz schwierig, weil Menschen unterschiedlich sind und Leute, die anders sind als ich, den kann ich eigentlich nicht gut Ratschläge geben. Ich hatte, ich kann nur sagen in dieser ganzen Frage, wann Familie gründen und wann Kinder kriegen. Ich bin insofern vielleicht nicht so vergleichbar mit anderen Frauen,
dass ich eigentlich keinen Kinderwunsch hatte. Lange gar keinen. Überhaupt nicht. War für mich überhaupt nicht wichtig. Deswegen habe ich einfach mal eine Karriere durchgezogen, ohne irgendwelche Gedanken an Kinder und auch Ehe. Ich hatte einen Freund, ich war zufrieden und glücklich mit ihm, aber Ehe, Familie, musste wirklich überhaupt kein bisschen sein.
Wissenschaft war wichtiger. Und das ist ein großes Geschenk für mich gewesen, dass ich einfach sehr, sehr lange in dieser vollkommen immersed war, in dieser Wissenschaft. Also ich habe in den USA, da war mein Freund nicht dabei, da war ich allein zwei Jahre lang. Der kam dann immer in den Ferien, der war Lehrer derzeit.
Da habe ich wirklich Tag und Nacht gearbeitet und das war einfach erfüllend. Und ich kann es aber natürlich nicht jedem empfehlen, weil es gibt nun Frauen, die eben schon in der Doktorandenzeit Kinder haben, die können das nicht leisten. Es gibt übrigens auch Männer, die das nicht können. Es gibt auch Männer, die es nicht wollen. Deswegen mag ich den Rat nicht geben. Aber für mich war es sehr wichtig.
Und ich glaube, wenn man so ein Wissenschaftler durch und durch ist, dann ist es schon schön, wenn man so Zeit hat. Wenn man frei von jedem Ballast einfach nur an Forschung denken kann.
Super wichtig. Also ich meine, an Nationen denkt man gar nicht. Also man denkt eigentlich nur daran, wer macht spannende Sachen. Und dann kooperiert man halt mit dem, ob der jetzt in Spanien, in Finnland, in den USA, sonst wo sitzt. Also ich meine, das ist auch etwas, was man natürlich in Amerika wie nirgendwo anders lernt.
Da ist man in einem Labor mit … Mittlerweile ist es in vielen deutschen Universitäten, vor allem bei den Instituten, auch so, dass man dann in einer Gruppe von 30 Leuten, hat man 20 Nationen. Und das ist einfach großartig, weil man dadurch merkt, dass es gar nicht so wichtig ist, wo man herkommt, dass man einfach diesen wissenschaftlichen Zugang zur Welt hat. Und dann ist man mit Ägyptern und Finnen auf dem Grunde einer Meinung,
obwohl die aus völlig anderen Kontexten kommen. Also ich fand das in den USA eigentlich besonders interessant, dass ich mit einer Inneren, mit einem Ägypter, mit einer Griechin und mit einer Engländerin, wir hingen eigentlich die ganze Zeit zusammen und haben uns über Wissenschaft und die Welt unterhalten.
Und zu merken, dass man eigentlich mit ganz vielen Leuten verwandt ist, die ganz anders geprägt sind, einfach durch das Interesse an der Wissenschaft.
Ja, das ist auch, was Wissenschaft ausmacht, dass es frische Leute gibt, neue Leute. Das ist auch irgendwie so ein bisschen die Tragik natürlich. Im Moment ist ja ganz groß viel mehr, als es zu meiner Zeit noch war, dieser riesen Überhang von Wissenschaftlern und festen Stellen in der Wissenschaft. Und das ist schon tragisch, weil einerseits gönnt man natürlich jedem,
dass er irgendwann eine feste Stelle kriegt. Andererseits, wenn alle eine feste Stelle haben, dann ist die Wissenschaft ein fetter Ozean-Tanker, der sich nicht mehr bewegt. Insofern ist es, dass es immer wieder junge Leute gibt, dass immer wieder neue kommen, ihre Ideen dalassen, wieder gehen. Das ist darauf basiert. Gute Forschung. Da sind wir drauf angewiesen.
Also im Moment ist es so, dass unsere Bottlenecks, unsere Fragen, an denen wir uns abarbeiten, die liegen mehr im biologischen Bereich, Protein-Biochemie.
Also die Physik ist sozusagen, da läuft alles. Und die richtig harten Knochen, die müssen wir sozusagen auf biologischer Seite leisten. Deswegen gehen meine Leute wahrscheinlich in der Rede eher zu biologischen oder biologisch inspirierten Tagungen, also DPG-Tagungen. Das hat aber schon sehr stark variiert. Also ich hatte auch schon Jahre, wo wir wirklich dann 5, 6 Leute hier bei der DPG-Tagung hatten.
Das kommt immer so und das geht in Wellen. Also ich finde, die DPG macht eine ganz tolle Betreuung junger Physiker in Deutschland. Ich finde das wirklich großartig. Also ich hatte leider, als ich selber noch Studentin war, das gar nicht so gesehen und habe da viel zu wenig eigentlich gemacht.
Das tut mir im Nachhinein leid. Das erste Mal, wo ich wirklich reinkam in die DPG-Community war, durch einen Herreus-Kurs in Dresden am Ende meiner Diplomarbeit, wo ich noch überlegt habe, wo ich Quantenchaos machen soll, mich aber dagegen entschieden habe. Und ich glaube, das war für mich ganz gut.
Für das Quantenchaos weiß ich nicht.