Ethologie von Busch- und Klippschliefer
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Formal Metadata
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Author | ||
License | CC Attribution - NonCommercial - NoDerivatives 3.0 Germany: You are free to use, copy, distribute and transmit the work or content in unchanged form for any legal and non-commercial purpose as long as the work is attributed to the author in the manner specified by the author or licensor. | |
Identifiers | 10.3203/IWF/D-1338 (DOI) | |
IWF Signature | D 1338 | |
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Production Year | 1976 |
Technical Metadata
IWF Technical Data | Film, 16 mm, LT, 266 m ; F, 24 1/2 min |
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Transcript: German(auto-generated)
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Aus der weiten Grasebene der Serengeti ragen Granitinseln, auch Kopjes genannt, heraus. Sie sind von unterschiedlicher Größe und kommen meistens in Gruppen vor.
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Es gibt aber auch einzeln stehende Kopjes, die mehrere Kilometer vom nächsten entfernt sind.
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Sie sind meist dicht mit Büschen und Bäumen bewachsen, und in ihrem Granitgestein gibt es zuweilen Spalten und Höhlen. In einigen Kopjes fallen Felswände mit weißen Verfärbungen auf. Diese entstehen durch Auskristallisieren des Urins von Schläfern, kleinen in Afrika und Kleinasien verbreiteten Säugetieren.
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Schläfer haben die Gewohnheit, immer am gleichen Ort Urin zu lassen. Dieser ist dickflüssig. Der Wasserverlust der Tiere ist daher gering. Nach dem Urinieren und Deferkieren wird der Anus am Felsen abgerieben.
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Bei Sonnenaufgang kommen sie aus ihrem Schlafhöhlen und setzen sich, weil es noch kühl ist, dicht nebeneinander. Jedes Tier, das in die Gruppe will, drängt sich mit seinem Hinterteil zwischen die anderen. Schläfer können ihre Körpertemperatur nur mangelhaft konstant halten,
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gleichen dies aber weitgehend durch ihr Verhalten aus. Auf manchen Kopjes der Serengeti kommen Klippschliefer und Buschliefer sympathisch vor. Beide Arten sind sehr sozial. Bei der Begrüßung am Morgen ist ein typischer Kontaktlaut zu hören.
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Vorn ein Adulter Buschliefer, etwa zwei Kilogramm schwer, dahinter ein Klippschliefer mit fünf Kilogramm. Buschliefer sind grau-braun mit weißem Fell an der Körperunterseite. Sie werden bis 43 cm lang.
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Klippschliefer dagegen haben ein rot-braunes Fell und erreichen eine Länge von 50 cm. Ein Buschlieferweibchen grüßt ein anderes Weibchen und anschließend ein junges Klippschliefermännchen.
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Viele Laute sind bei beiden Arten sehr ähnlich. Vergleichbar sind auch die Verhaltensweisen der Hautpflege. Schläfer kratzen sich häufig. Sie haben eine Putzkralle am innersten kurzen Finger des Hinterfußes. Damit können sie fast alle Körperteile erreichen.
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Schläfer haben einen guten Gehör-, Gesicht- und Geruchssinn. Oft durchkämmen die Tiere ihr Fell systematisch
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mithilfe der unteren vier kammförmigen Schneidezähne. Schläfer haben viele Parasiten, wie Milben, Zecken und Flöhe.
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Beim Gähnen sind die zwei oberen, langen Schneidezähne gut zu sehen.
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Die Nase wird durch Reiben am Fels geputzt. Meistens folgt darauf mehrfaches Niesen. Am ganzen Körper haben Schläfer lange Tasthaare, die ihnen wahrscheinlich bei der Orientierung
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in dunklen Spalten und Höhlen eine gute Hilfe sind. Sobald es wärmer wird, gehen die Tiere fressen. Hier kann man einen wesentlichen Unterschied zwischen beiden Arten beobachten. Clipschläfer sind vor allem Grasfresser. Mit den Mularen werden die Grasbüschel abgebissen.
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Buschschläfer dagegen sind überwiegend Laubfresser. Geschickt klettern sie auf Bäumen und Büschen und können selbst auf dünnsten Ästen balancieren.
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Nachdem die Tiere etwa eine Stunde gefressen haben, kehren sie zum Kopie zurück und legen sich lang hin. Busch- und Clipschläfer leben in Familiengruppen, die aus einem adulten territorialen Männchen, mehreren adulten Weibchen und den Jungtieren bestehen. Eine solche Sozialstruktur wird harem genannt.
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Die Mittagshitze verbringen die Tiere in Höhlen oder einzeln auf Ästen, wo sie gut getarnt sind und ein kühler Wind weht.
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Gibt es im Gestein Wasserpfützen, baden die Familienmitglieder an sehr heißen Tagen gemeinsam, wie diese Clipschläfer.
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Dabei reiben sie sich aneinander, kneifen oder beißen sich, alles Elemente des Spiel- und Aggressionsverhaltens.
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Beim Staubbaden plustern sich die Tiere auf und entledigen sich dabei wohl ihrer Parasiten.
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Der Ruf des territorialen Männchens ist weit zu hören.
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Dieser Ruf gibt wahrscheinlich die Vormachtstellung des Männchens über eine Weibchengruppe und ein Territorium an. Er ist in der Brunftzeit häufiger zu hören.
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Einmal im Jahr kommt das Männchen in die Brunft. Dabei nehmen seine Hoden, die in der Leibeshöhle liegen, das 20-fache Angewicht zu. Gleichzeitig kommen die Weibchen in Östrus. Dieser dauert etwa drei Tage. Sobald das Männchen ein Weibchen in Östrus riecht,
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sucht es dieses auf und bleibt ständig bei ihm. Bei der Paarung macht das Clipschläfer-Männchen mit dem Kopf schlängelnde Bewegungen. Sein Haarkranz, der die Rückendrüse umgibt, ist aufgerichtet. Der Penis ist ausgefahren.
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Das Weibchen drückt sein Hinterteil an die Brust des Männchens. Dieses reitet auf, macht einige Stoßbewegungen. Damit ist die Kopulation beendet.
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Der Territorialruf des Buschschläfer-Männchens ist völlig anders. In der Brunftzeit markieren Buschschläfer-Männchen häufig, indem sie einige Tropfen Urin auf Feldstellen abgeben.
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Von links kommt ein Randmännchen in das Territorium. Es wird vom territorialen Männchen sofort vertrieben. Manchmal begegnen sich zwei territoriale Männchen im Niemandsland.
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Beide drohen, machen Kaubewegungen und haben den Haarkranz aufgerichtet. Sie drücken und schieben mit ihrem Hinterteil.
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Dann trennen sie sich wieder. Adulte Weibchen werden ständig kontrolliert, ob sie schon in Hitze sind. Ein Männchen kommt zu einem Weibchen.
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Beide haben den Rückenhaarkranz aufgerichtet. Ein Zeichen, dass die Tiere erregt sind. Das Männchen bericht die Scheide.
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Ist ein Weibchen in Hitze, folgt ihm das Männchen ständig. Hier kommt ein territoriales Männchen an das Weibchen heran. Kurzes Beriechen der Scheide und kurzes Rufen.
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Verschiedene Aufreitversuche, doch das Weibchen geht weiter. Es ist schwierig, eine Kopulation zu beobachten, da die Tiere meistens im Gebüsch verschwinden. Bei der Kopulation wird das Weibchen kräftig gepackt.
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Das Männchen macht mit dem langen, erigierten Penis einige Stoßbewegungen und wackelt dabei mit dem Kopf. Der Penis wurde aber nicht eingeführt, sondern nur gegen die Scheide gepresst und erschlaft dann. Nach etwa 20 Sekunden wieder einige Stoßbewegungen. Dieser Verhaltensablauf kann bis zu 5 Minuten dauern.
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Bei den letzten Stoßbewegungen reibt das Männchen den Penis an der Scheide, macht einen plötzlichen Sprung und führt ihn dabei ein. Das Weibchen springt nach vorn, reitet auf das Männchen auf und verjagt es. Nach einer Tragzeit von siebeneinhalb Monaten
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werden bei Busch- und Klippschliefern die Jungen geboren. Dieses Busch-Schliefer-Junge ist erst einige Minuten alt. Das Muttertier frisst die Nachgeburt. Seine Rückenhaare sind aufgerichtet, es ist erregt. Schliefer sind extreme Nestflüchter. Sie können sofort stehen und springen.
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Ihre Augen sind offen. Das Junge gibt intensive Lautäußerungen von sich. Die Mutter antwortet. Durch diese Rufe werden vor allem die anderen Weibchen der Familiengruppe aufmerksam. Sie kommen, beriechen und begrüßen das Neugeborene.
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An der Mutter des Neugeborenen beginnen hier einjährige Jungweibchen zu saugen. Vermutlich erleichtert dies dem Jungen das Auffinden der Zitzen und setzt wahrscheinlich die Laktation in Gang.
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Nach etwa einer Stunde kann das Junge schon besser springen. Die Distanz zur Mutter vergrößert sich.
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Immer wieder wird das Jungtier von den anderen Weibchen berochen und begrüßt.
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Droht Gefahr, so wird das Junge in die Mitte genommen. In den ersten Minuten nach der Geburt werden andere Tiere von der Mutter vertrieben.
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Eine Zwergmanguste hat noch einige Reste der Nachgeburt entdeckt. Frisst sie auf, wird aber gleich von der Mutter weggejagt. Immer wieder saugen am ersten Tag einjährige Jungweibchen an der Mutter des Neugeborenen.
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Später vertreibt sie das Muttertier.
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Neugeborene Busschliefer werden auch von Klippschlieferweibchen begrüßt und berochen.
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Bald nach der Geburt springen die Jungen auf den Rücken der Mutter. Später klettern sie auch auf andere adulte Tiere. Muttertiere säugen nur ihre eigenen Kinder. Diese teilen sich je nach Größe des Wurfs
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die Zitzen nach einer bestimmten Anordnung auf. Zwei Junge saugen an den zwei Paar Bauchzitzen und den Brustzitzen. Dabei hat jedes eine Seite der Mutter. Ein Junges saugt gewöhnlich nur an den Bauchzitzen. Dabei wechselt es ständig von der einen Seite zur anderen.
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Jungtiere werden bis zu einem Alter von sechs Monaten gesäugt. Die adulten Tiere einer Familiengruppe werfen zur gleichen Zeit. Die Jungen bilden einen Kindergarten. Busschlieferweibchen können bis drei, Klippschliefer bis vier Junge haben.
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Drei bis fünf Minuten lang wird gesäugt. Von den Jungen sind dabei intensive Lautäußerungen, von der Mutter wenige Wimmerlaute zu hören. Bei drei Jungen hat jedes zwei Zitzen.
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Ungewöhnlich bei diesem Wurf, dass das Junge rechts auch die Brustzitze beansprucht, sodass sein Geschwister nur von einer Brustzitze saugen kann. Das Rechte saugt jedoch kaum an den Bauchzitzen, da es immer wieder prüft, ob sein Geschwister etwa an der Brustzitze auf seiner Seite trinkt.
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Versucht es doch zu trinken, so wird es angedroht oder gebissen. Wird ein Junges von einem Feind gepackt, hier zum Beispiel von Menschen, so stößt es einen Schrillen laut aus, worauf adulte Tiere zur Hilfe eilen.
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Jungtiere spielen häufig. Hier fordert ein junger Klippschliefer seine ältere Schwester zum Spielen auf. Diese reagiert aber nicht.
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Eine Buschliefermutter fordert ihre beiden Kinder zum Spielen auf.
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Besonders bei jungen Buschliefern kann man beobachten, wie Klettern und Balancieren, später bei der Nahrungsaufnahme wichtig, im Spiel geübt werden. Das Klippschliefermännchen lässt sich von diesem Treiben nicht stören.
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Bis zur Geschlechtsreife mit 16 Monaten spielen die Jungen sehr häufig. Junge Klippschliefer spielen auch mit Buschliefern, wie diese beiden Jungmännchen.
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Aufreiten ist ein häufiges Spielelement
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älterer Jungtiere. Das Spiel wird heftiger. Wieder aufreiten, kneifen und springen.
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Das Buschliefermännchen hat seinen Penis ausgefahren. Beide halten inne und kratzen sich. Der junge Klippschliefer legt die Ohren an, ein Zeichen der Furcht. Dann geht das Spiel weiter.
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Auch bei adulten Tieren kommt Aufreiten manchmal außerhalb der Paarungszeit vor. Ein Klippschliefermännchen macht
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einige Stoßbewegungen. Dann reitet das Weibchen auf. Plötzlich wird das Männchen aggressiv und macht einen Sprung und beißt das Weibchen in die Hinterbeine und den Hals. Dieses drückt sein Hinterteil gegen das Männchen. Eine Demutsgeberde.
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Auf kleinen Kopies findet man meist nur eine Familiengruppe. Das territoriale Männchen lebt hier mit mehreren adulten Weibchen und den Jungweibchen. Somit sind in einer Haaremsgruppe alle Tiere miteinander verwandt. Jungmännchen verlassen die Kopies,
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wenn sie 16 Monate alt sind. Auf großflächigen Kopies leben meistens mehrere Familiengruppen. Die Weibchen haben ein Streifgebiet. Mit diesem überlappen sich die Territorien der Männchen. Ist genügend Nahrung vorhanden, kommen Busch- und Klippschliefer sympathisch vor.
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Die wandernden Jungmännchen finden in den Grasebenen wenig Schutz vor Feinden. Dadurch ist bei weit auseinanderliegenden Kopies der Genaustausch gefährdet. Ein Indiz für Inzucht sind weiße Schäckungen bei Busch-Liefern auf einzeln stehenden Kopies. Weibchen wandern nur selten.
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Der Grund dafür ist noch unbekannt.