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Was befindet sich in einem Schwarzen Loch? - exkurs-Gespräch mit Prof. Dr. Dennis Lehmkuhl

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Was befindet sich in einem Schwarzen Loch? - exkurs-Gespräch mit Prof. Dr. Dennis Lehmkuhl
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17
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Schwarze Löcher – eines befindet sich mitten in unserer Milchstraße und im Mai 2022 ging erstmals ein Bild von ihm um die Welt. Aber was sind Schwarze Löcher? Wie entstehen sie und was würde passieren, wenn man einem Schwarzen Loch zu nahekäme? Der Wissenschaftsphilosoph Professor Dr. Dennis Lehmkuhl von der Universität Bonn bringt Licht ins Dunkel dieser Fragen. Im exkurs-Gespräch mit Johannes Büchs spricht er darüber, warum Sterne überhaupt leuchten, wie aus ihnen Schwarze Löcher werden und was Einsteins Allgemeine Relativitätstheorie damit zu tun hat. Außerdem erklärt er, warum sich erst in den letzten Jahren die Beweise dafür erhärtet haben, dass sich im Zentrum unserer Galaxie ein Schwarzes Loch befindet, und warum wir nicht Gefahr laufen, dass die gesamte Milchstraße irgendwann darin verschwindet. Professor Dr. Dennis Lehmkuhl ist Lichtenberg-Professor für Geschichte und Philosophie der Physik an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn. Er befasst sich unter anderem mit Theorien der Schwerkraft und der Raum-Zeit-Struktur. Sein besonderes Interesse gilt der Physik der Schwarzen Löcher und der Gravitationswellen. Die exkurs-Gespräche sind eine Videoreihe der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG). Dieses Video ist das erste von drei exkurs-Gesprächen, mit denen sich die DFG am Wissenschaftsjahr 2023 unter dem Motto „Unser Universum“ beteiligt. Copyright Foto der Milchstraße, geschossen in der Paraguayischen Steppe: Brandon Giesbrecht Copyright Hintergrundbild: ESO/ T. Preibisch (https://www.eso.org/public/images/eso1208a/) Videoaufzeichnung und -bearbeitung: abc eventservices, München Kapitel 1:16 Was befindet sich im Zentrum eines Schwarzen Lochs? 2:09 Wie entstehen Schwarze Löcher? 5:16 Raum-Zeit-Singularität 6:50 Schwarzes Loch im Zentrum der Milchstraße 11:02 Foto eines Schwarzen Lochs 13:11 Was passiert, wenn in ein Schwarzes Loch hineingerät? 18:15 Persönliche Frage zum Abschluss
DayMeeting/Interview
Beer <Familie, Vorarlberg>PotentiometerYearDeath by burningGalaxyHalyardBlack holeStarGravitational singularityWeightGeneral relativityEnergiePhysical lawPhysikLightRaum-Zeit-SingularitätRadiation pressureCenters of gravity in non-uniform fieldsGasolineGravitational potentialGravitationskollapsInterface (chemistry)BlackMagnetic momentFACTS (newspaper)Data conversionThermodynamic equilibriumDrehmasseHydrogen atomSpare partGenerationPair productionOrbitGalaxyRefractive indexBauxitbergbauCartridge (firearms)PhysicistShadowTypesettingMassFuse (electrical)Atmospheric pressureRadiationForceChandrasekhar limitComputer animationMeeting/Interview
IceStarGalaxyPhotographyCardinal directionGalaxyBrightness
SunlightLightSolar SystemMassUniverseStarGalaxyYearGalaxyPhysikRefracting telescopeAuge <Meteorologie>X-ray telescopeX-rayMeeting/Interview
Ira <Griechenland>EnergieCosmic distance ladderSpare partVisible spectrumBlack holeYearMeeting/Interview
YearOpticsBlack holeEvent horizonBlack
Event horizonX-rayBlack holeWhiteMeeting/Interview
Field strengthHochfrequenzübertragungBlack hole
BeerFatTeaModel buildingPaintRRS DiscoveryStarEffects unitBlack holeFoot (unit)YearForcePencilSpare partMusical developmentField-effect transistorGravitational singularityDrehmasseCamera lensKopfstützeData conversionMapCogenerationNavigationCell (biology)Cylinder headGlobal Positioning SystemGeneral relativityEvent horizonHalyardDirection (geometry)Mobile phoneGravitationskollapsMagnetic momentFundamentalsternStrangenessBlackTheory of relativitySolutionCausalityBinding energyField (mathematics)AutomobileThorns, spines, and pricklesRaum-Zeit-SingularitätForcePhysikLine-of-sight propagationStarMeeting/Interview
Für mich ist gerade eine der faszinierenden Sachen, dass einerseits diese Objekte, um die es geht, schwarze Löcher, aber auch Sterne, Wurmlöcher, bis jetzt noch theoretische Entitäten, die sind vielleicht physikalisch weit weg. Aber die Gesetze, die Naturgesetze, die sie beschreiben,
sind dieselben, die wir tagtäglich benutzen und erleben. Herzlich willkommen zum DFG X Kurs Gespräch heute zum Thema Was befindet sich im Zentrum eines schwarzen Lochs? Unser Gesprächspartner heute ist dazu Prof. Dennis Lehmkuhl.
Herr Lehmkuhl hat geforscht in Wuppertal, London, Oxford, Caltech und hat heute eine Professur an der Universität Bonn für, Achtung, Philosophie. Jetzt fragen Sie sich vielleicht ja, wieso sprechen wir mit einem Philosophen und nicht mit einem Physiker über ein schwarzes Loch oder schwarze Löcher.
Naja, das liegt am Schwerpunkt. Prof. Lehmkuhl ist nämlich Philosoph für Physik und die Geschichte der Physik und deshalb genau der richtige Gesprächspartner. Hallo, Herr Lehmkuhl. Hallo. Herr Lehmkuhl, was befindet sich im Zentrum eines schwarzen Lochs?
Wenn die allgemeine Relativitätstheorie tatsächlich stimmt, dann befindet sich im Zentrum eines schwarzen Lochs eine Raumzeitsingularität. Also eine Region, wo die Gesetze selbst, die Gesetze der Theorie selbst zusammenbrechen und wo das Gravitationsfeld und damit auch die Krümung von Raum und Zeit unendlich stark werden
und wo gleichzeitig Materie unendlich kompakt wird. Und ja, das ist ein großes Resultat von 1965 von Richard Penrose, der gezeigt hat, dass wenn die allgemeine Relativitätstheorie stimmt, dann kommt beim Kollaps eines Sternes hin zu einem schwarzen Loch,
es notwendigerweise zur Entstehung einer Raumzeitsingularität innerhalb des schwarzen Lochs. Ich versuche das jetzt mal zu übersetzen, so wie ich es bisher verstanden habe, wenn ich mich mit dem Thema beschäftigt habe. Alles, was in dieses schwarze Loch hineinkommt, wird unendlich klein gedrückt oder ist das zu einfach?
Das stimmt. Also das war tatsächlich eine der großen Fragen. Also aus der sich auch überhaupt der Begriff eines schwarzen Lochs überhaupt erst ergeben hat. Denn es wäre ja auch möglich gewesen, also erstmal ist die Frage, was passiert, wenn einem Stern das Benzin ausgeht?
Normalerweise die Art und Weise, wie ein Stern funktioniert, ist ja, dass Wasserstoff fusioniert wird, Wasserstoff fusioniert zu Helium und dabei wird eine unglaubliche Menge von Energie frei und das ist das Licht, das wir sehen. Also diese Energie wird als Licht ausgesandt. Und gleichzeitig erzeugt das Aussenden des Lichts einen Strahlungsdruck nach außen.
Und dieser Strahlungsdruck wirkt der Anziehung der Teile des Sterns entgegen. Also normalerweise, ein Stern ist ja unglaublich schwer, und wenn es nicht diesen Strahlungsdruck nach außen geben würde, dann würde der Stern unter seinem eigenen Gewicht zusammenbrechen.
Und das passiert also deswegen nicht, solange der Stern genug Wasserstoff zum Verbrennen hat. Und irgendwann ist aber alles Wasserstoff zu Helium fusioniert und dann wird vielleicht auch noch weiter Helium miteinander fusioniert, aber irgendwann ist es vorbei.
Und wenn das der Fall ist, dann beginnt der Stern unter seinem eigenen Gewicht zu kollabieren. Und in den 50er und 60er Jahren, eigentlich zum Teil schon in den 30er Jahren, war die große Frage, kommt es dann zu einem neuen Gleichgewichtszustand? Also fällt der Stern in sich zusammen, aber irgendwann wird er wieder stabil,
sodass er jetzt ein kleinerer Stern ist, der weniger stark strahlt, aber wieder stabil ist. Und ein großes Resultat von Chandra Seker aus den 30er Jahren ist, dass das nur dann geht, ein solcher neuer Gleichgewichtszustand nur dann gefunden werden kann, wenn der Stern nicht schwerer ist als 1,5 Mal die Masse unserer Sonne.
Schwerere Sterne würden dagegen immer weiter kollabieren und immer kleiner werden, sodass die Materie des Sterns immer dichter wird und irgendwann auf einen beliebig kleinen Punkt konzentriert ist. Und dort entsteht dann die Singularität in Raum und Zeit. Bevor das der Fall ist aber schon, wird der Stern zu einem schwarzen Loch.
Und das bedeutet nichts anderes, es ist immer noch ein kollabierender Stern, aber eben einer, der jetzt so schwer und so kompakt geworden ist, dass Licht, das von seiner Oberfläche ausgesandt wird, dem Gravitationsfeld des Sternes nicht mehr entkommen kann und das Licht gewissermaßen in den Stern zurückfällt und deswegen leuchtet er nicht mehr.
Und wir sehen stattdessen gewissermaßen aus unserer Perspektive ein schwarzes Loch, eine dunkle Region, während es sozusagen aus seiner eigenen Perspektive oder der mit dem Stern kollabieren würde, ist immer noch ein strahlender Stern, nur eben kommt das Licht nicht mehr vom Stern weg. Es ist doch fast nicht mehr vorstellbar, wenn es diese Raum-Zeit-Singularität gäbe,
dann würde doch in diesem Moment physikalisches Gesetz nicht mehr stimmen, denn nach unserer Vorstellung braucht ja auch jede Materie ihren Raum, aber den hat sie jetzt nicht mehr. Wie kann das sein, Materie ohne Raum?
Also ich würde sagen, das ist eine der großen Fragen. Ist das der Fall? Ist es Materie ohne Raum? Oder ist es Raum, der nicht mehr durch die allgemeine Relativitätstheorie beschrieben werden kann? Das sind die zwei Möglichkeiten. Also wenn die allgemeine Relativitätstheorie 100% stimmt,
dann kommt es zu dieser Singularität in Raum und Zeit. Es gibt aber auch sehr viele Physiker und Philosophen der Physik, die meinen, dass gerade die Voraussage der ART, dass es bei der Entstehung eines Schwarzen Loches zu einer solchen Raum-Zeit-Singularität kommen müsste, dass gerade das ein Hinweis darauf ist,
dass die Theorie, wenn die Materie hinreichend dicht ist und die Gravitationsfelder hinreichend stark, dass wir dann eine neue Theorie bräuchten, eine Quanten-Gravitationstheorie. Und in einer solchen Theorie könnte es dann einen anderen Begriff von Raum und Zeit geben, der von der allgemeinen Relativitätstheorie noch nicht eingefangen wird.
Der also ganz anders sein könnte, der aber immer noch Raum für Materie schaffen könnte, nur jetzt womöglich eine andere Art von Raum oder einen anderen Begriff von Raum benötigt. Es übersteigt tatsächlich, glaube ich, die Vorstellungskraft von vielen Menschen, von meiner auf jeden Fall. Aber wie konkret und wie real ein Schwarzes Loch ist, das haben wir erst vor kurzem auch durch tolle Bilder erfahren.
Sie haben ein Bild, das Sie zeigen können. Sie haben gesagt, Sie würden es gerne zeigen, weil es so toll zu sehen ist, dass das Zentrum unserer Galaxie selbst ein Schwarzes Loch ist. Das ist noch gar nicht so lange bewiesen, wenn ich es richtig weiß. Ich glaube, die Schwarzen Löcher, die hatten auch so ein dunkles Schattendasein,
weil man sie vielleicht ja auch nicht gesehen hat und hat sich dann erst in den letzten Jahrzehnten so richtig gut mit ihnen beschäftigt. Aber dass wir quasi in unserer kompletten Milchstraße kreisen um ein Schwarzes Loch, ist auch eine interessante Vorstellung. Das stimmt. Und es ist tatsächlich so, also überhaupt der Begriff eines Schwarzen Lochs,
also den ich gerade beschrieben habe, ein Stern, der unter seinem eigenen Gewicht kollabiert und irgendwann so schwer ist, dass Licht ihm nicht mehr entkommen kann, der entsteht tatsächlich erst in den 60er Jahren, also schon nach Einsteins Tod ist, also nicht Teil der ursprünglichen Konzeption der Allgemeinen Relativitätstheorie, sondern kommt durch die zweite Revolutionsgeneration um Penrose, Bondi, Ehlers, Wheeler und so weiter in den 50er und 60er Jahren.
Und tatsächlich, also wo Sie gerade sagen, es ist noch nicht so lange bewiesen, dass es sich um das Objekt im Zentrum des Schwarzen Loches um ein Schwarzes Loch handelt. Ich würde tatsächlich sagen, so richtig bewiesen ist es immer noch nicht.
Tatsächlich ganz allgemein würde ich sagen, wirklich bewiesen werden Dinge nur in der Mathematik. In der Physik haben wir immer sozusagen Schlüssel auf die beste Erklärung. Was ist die beste Erklärung dafür, dass sich die Milchstraße so verhält, wie sie sich verhält. Und die beste Erklärung, die wir haben und auch wirklich die von allen möglichen immer stärker gewordenen Evidenzen jetzt unterstützt ist,
ist, dass es sich um ein Schwarzes Loch handelt. Absolut hundertprozentig sicher werden wir uns aber nicht sagen können. Die Gründe, die dafür sprechen, werden immer stärker, gerade in den letzten zehn bis 15 Jahren. Aber bewiesen, würde ich sagen, werden Dinge nur in der Mathematik.
Aber trotzdem, das ist ein Kommentar, der umso seltsamer ist, als wir jetzt wirklich Bilder haben von Zentrum der Galaxie. Und diese Bilder sind vollkommen konsistent mit der Vorstellung, dass es sich bei dem Objekt im Zentrum um ein Schwarzes Loch handelt. Und das zeige ich also mal kurz. Also erst mal, das ist ein Foto von der Milchstraße, wie man es in der paraguayanischen Steppe in Südamerika im sogenannten Chaco sieht.
Und das Zentrum unserer Galaxie, um das sich alle anderen Sterne, also Billionen von Sternen inklusive unserer Sonne drehen, findet sich ungefähr hier.
Und das ist natürlich ziemlich komisch. Das ist ja nicht jetzt gerade der hellste Punkt. Hier ist deutlich heller, da ist deutlich heller. Aber die gesamte Galaxie dreht sich um diesen einen Punkt. Und das war also sehr, sehr lange ein großes Rätsel.
Was kann sich denn da im Zentrum der Galaxie befinden, wenn sich dann alles darum dreht? Und warum leuchtet das nicht? Denn sehr, sehr lange war die Vorstellung in der Physik und in der Astronomie, dass der Großteil der Masse im Universum und auch in unserer Galaxie sich in den Sternen konzentriert. Genau wie in unserem Sonnensystem auch.
Also 99 Prozent der Masse in unserem Sonnensystem befindet sich in der Sonne. Und dieses Rätsel wurde zum Teil geklärt, als in den 60er und 70er Jahren Röntgen-Teleskope gebaut wurden das erste Mal. Denn normale Teleskope und auch unsere Augen beobachten Licht ja nur im sichtbaren Bereich.
Röntgen-Strahlen dagegen können wir nicht sehen, sind aber viel, viel energiereicher. Und wenn man jetzt in das Bild, was ich gerade gezeigt habe, reinzoomt ins Röntgen der Galaxie, dann sieht das da so aus. Das ist also tatsächlich mit Abstand der energiereichste Teil in der Milchstraße. Nur wird diese ganze Energie im Röntgenspektrum ausgesandt.
Wenn ich das richtig verstanden habe, dann ist es doch aber so, dass ein schwarzes Loch immer mehr Materie an sich bindet, aufsaugt, sage ich jetzt mal, oder an sich anzieht. Dadurch noch stärker wird, noch mehr anzieht. Würde das bedeuten, dass irgendwann mal die komplette Milchstraße in diesem schwarzen Loch verschwindet?
Nein. Weil es muss nah genug dran sein, sagen wir mal so, damit es sozusagen notwendigerweise reingezogen wird. Das sieht man tatsächlich auch an dem Bild, das erst letztes Jahr veröffentlicht wurde, vom Zentrum der Milchstraße jetzt ins Optische interpretiert.
Das ist das Objekt im Zentrum unserer Milchstraße. Und da sehen Sie einerseits hier im Zentrum, das interpretieren wir jetzt als ein schwarzes Loch. Und diese Grenze hier, die wird wahrscheinlich in den nächsten Jahren werden noch Bilder kommen, wo das deutlich schärfer gestellt ist. Diese Grenze hier ist der sogenannte Ereignishorizont des schwarzen Lochs.
Das ist die Region, die, wenn man sie einmal überquert hat, also wenn man so nah ans schwarze Loch rangekommen ist, dass man die Grenze des Ereignishorizonts überquert, dann kann man nicht mehr raus. Das ist der point of no return, man kann nicht wieder raus. Wenn aber man sozusagen am schwarzen Loch vorbeifliegt und außerhalb des
Ereignishorizonts bleibt, dann ist alles in Butter, dann kann man niemand kommen. Und das ist genau das, was hier mit dem das schwarze Loch umgebenden Licht passiert. Das sind gewissermaßen, das sind diese Röntgenstrahlen jetzt hier als Rot und Weiß interpretiert, je nach Energiestärke.
Und die werden, die kommen am schwarzen Loch vorbei bis hin zu uns. Das sind elektromagnetische Wellen, die am schwarzen Loch vorbeifliegen und uns erreichen. Und die werden vom schwarzen Loch zwar unglaublich stark gebogen, wie durch eine optische Linse, aber sie entkommen ihm, weil sie außerhalb des Ereignishorizonts an dem schwarzen Loch vorbeifliegen.
Und so ist das auch mit dem Großteil des Rests der Mähstraße, dass wir sozusagen weit genug davon entfernt befinden, um nicht hineinzufallen. Was ist jetzt, wenn wir nicht entkommen wollten? Sie und ich machen eine Dienstreise und wir überschreiten den Ereignishorizont, the point of no return. Was würde uns geschehen?
Ja, das wissen wir nicht genau. Wir können sagen, dass die allgemeine Relativitätstheorie bietet ein Modell, was passiert, wenn der Stern kollabiert oder wir sehen sogar ein schwarzes Loch. Wir sehen diese schwarze Region und das darum herum gebogene Licht.
Und wir gehen sozusagen so nah dran, dass wir den Ereignishorizont überqueren. Das Seltsame ist, dass wir als jemand, der das tut, würden überhaupt keinen Unterschied bemerken. Also es würde sich nicht wie ein besonderer Moment anfühlen, sondern würde sich genauso anfühlen wie vorher.
Und trotzdem ist es so, dass sich etwas Fundamentales geändert hat, nämlich vorher hätten wir noch umdrehen können und danach nicht mehr. Weil wir können nicht mehr rauskommen. Und wahrscheinlich, also was wir sehen würden, wenn wir reinkommen würden, hängt davon ab, wie weit die Kollabierung des ursprünglichen Sterns schon vorangeschritten ist.
Sagen wir mal, sie ist noch nicht so lange her, dann würden wir immer noch einen immer weiter kollabierenden Stern sehen. Wir hätten aber, den wir vorher nicht gesehen haben, weil dieses Bild durch den Ereignishorizont uns davon abgetrennt hat. Und wir würden es erst dann sehen, wenn wir den Ereignishorizont überquert haben. Also in dem Fall würde sich doch etwas ändern. Wir könnten den Stern auch einmal wieder sehen,
auch wenn sich die Überquerung als nichts Besonderes angefühlt hat. Wir hätten aber wahrscheinlich nicht viel Zeit, das zu genießen, den jetzt wieder beobachtbaren Stern zu genießen. Denn in dem Zeitpunkt, wo wir so nah dran sind, dass wir den Ereignishorizont überquert haben, sind die Gravitationskräfte so stark und der Unterschied von Punkt zu Punkt ist so stark,
dass sozusagen die Gravitationskraft am Kopf, sagen wir mal, wenn wir mit den Füßen zuerst ins schwarze Loch fallen, dann ist der Unterschied der Gravitationskräfte am Kopf und der Unterschied der Gravitationskräfte an den Füßen schon ein so großer Unterschied, dass wir gewissermaßen in Stücke gerissen werden würden durch diesen Gradienten,
diesen Unterschied von unterschiedlichen Kräften an den unterschiedlichen Teilen des Körpers. Also das klingt nicht nach einer reizvollen Dienstreise. Ich weiß aber, man könnte das Zerreißen vermeiden, wenn es nicht nur eine Raumzeitsingularität gäbe in dem schwarzen Loch, sondern, sagen wir, drei, die sich entgegenwirken.
Ja, genau. Das ist tatsächlich das Modell oder die Art eines schwarzen Lochs. Die Kipp Thorne, der auch einer der Nobelpreisträger für die Entdeckung von Gravitationswellen, die von schwarzen Löchern ausgesendet worden sind, bekommen hat.
Thorne hat also für den Film Interstellar ein Modell entwickelt, genauer also eine Lösung der einsteinischen Gravitationsgleichungen, wo ein schwarzes Loch drei Raumzeitsingularitäten im Zentrum hat, die genau so angeordnet sind, dass jemand, der ins schwarze Loch hineinfällt,
gewissermaßen von der einen Singularität, dass sich die Effekte der einen Singularität von denen der anderen aufheben und das also nicht zu dieser Zerreißprobe kommt, weswegen der Charakter in dem Film also immer weiter Richtung Zentrum des schwarzen Lochs fallen kann. Und als er dann im Zentrum angekommen ist, was da passiert, ist natürlich Spekulation,
weil, wie gesagt, wir wissen nicht, was genau im Zentrum ist. Wenn die allgemeine Relativitätstheorie stimmt, wäre da eine Singularität, das würde einfach immer stärker werden, das Gravitationswelt, die Krümmung von Raum und Zeit. Was in dem Film nagelegt wird, ist, was ich vorhin auch schon sagte, dass in dem Moment eine andere Theorie gewissermaßen übernimmt, eine Quantengravitationstheorie.
Und darüber wird dann dann spekuliert, wie dann also das Zentrum des schwarzen Lochs laut dieser Theorie aussehen würde. Und da geht der Film dann ins Spekulative über. Ja, da wird es, glaube ich, verrückt. Wer den Film kennt, da wird dann, glaube ich, von einer fünften Dimension ausgegangen. Aber sagen wir, die Relativitätstheorie würde stimmen, würde doch bedeuten,
wir werden am Anfang nicht auseinandergerissen. Aber dann, je weiter wir hineinfallen, gehen, fliegen, desto mehr müssten wir ja eigentlich zusammengepresst werden. Oder ist das eine falsche Vorstellung? Ja, also die jetzt genau in diesem schwarzen Loch mit den drei Singularitäten, meinen Sie?
Ja. Ja, da wäre gewissermaßen, die eine Singularität wäre quasi über uns und die andere unter uns. Und deswegen hebt sich das auf. Aber wir würden uns immer noch, das stimmt, auf die dritte Singularität hinzubewegen, auf die Zentrale gewissermaßen. Und irgendwann, ja, irgendwann würde es wahrscheinlich dazu kommen,
dass die Bindungskräfte unseres Körpers trotzdem nicht mehr stark genug sind, um den Körper zusammenzuhalten. Und das würde vielleicht nicht von oben nach unten, aber sozusagen von Teile von uns weggerissen werden. Herr Lehmkuhl, Sie müssen mir eine persönliche Frage beantworten, weil es ist so verrückt, Ihnen zuzuhören.
Das ist ja so weit weg von uns. Es ist so abstrakt. Wenn Sie sich mit solchen Themen beschäftigen, haben Sie nicht manchmal auch den Gedanken, wer holt mich zurück auf die Erde? Denn es ist so weit weg. Oder ist es etwas, was Sie sagen, nein, nein, das hat einen ganz praktischen Nutzen und schnell die nächste Philosophie oder Theorie zu überprüfen, ist ganz, ganz elementar wichtig.
Auch auf der guten alten Erde. Ich würde sagen, da sind zwei Fragen drin. Also erst mal die nach dem praktischen Nutzen und wie es sozusagen mein persönliches Empfinden, wenn ich mich auch mit den Teilen der Theorie beschäftige, die bis jetzt noch keinen praktischen Nutzen haben, fange ich erst mal mit dem praktischen Nutzen an. Also erst mal ist es so, wir wissen eben nicht, welcher praktische Nutzen sich daraus,
zumindest aus der schwarzen Lochphysik, noch ergeben können könnte. Allgemein ist es so, dass selbst für die allgemeine Relativitätstheorie als Ganzes, Einstein selbst, der die Theorie ja 1915 aufgestellt hat, hat keinerlei praktische Anwendungen oder sogar Technologien daraus vorausgesehen.
Und tatsächlich gab es die auch lange nicht. Die allgemeine Relativitätstheorie war gewissermaßen das Musterbeispiel für eine Theorie, die unglaublich schön ist, aber keinen praktischen Nutzen hat. Und das hat sich jetzt in den letzten 20, 30 Jahren fundamental verändert, weil eines der Geräte, das jeder von uns tagtäglich benutzt
und von denen einige Menschen, die kein guter Orientierung sind, sogar massiv abhängig sind, beruht direkt auf den Berechnungen der allgemeinen Relativitätstheorie, nämlich Navigationssysteme, also im Auto oder auf dem Handy. Jedes Mal, wenn wir ein Navi benutzen, ein GPS-System benutzen,
beruht das auf Positionsberechnungen, die die allgemeine Relativitätstheorie benutzen, mit Satelliten, also sehr komplexes System. Aber die Grundmatematik, die da drinsteckt, ist die allgemeine Relativitätstheorie. Und das hat also fast 100 Jahre gedauert, bis es also zu der ersten technischen Anwendung gekommen ist,
aber dann eine, die das alltägliche Leben fundamental verändert hat. Und das kann uns immer wieder passieren. Was die Frage nach meinem persönlichen Erleben angeht, für mich ist gerade eine der faszinierenden Sachen, dass einerseits diese Objekte, um die es geht, schwarze Löcher, aber auch Sterne, Wurmlöcher, bis jetzt noch theoretische Entitäten,
die sind vielleicht physikalisch weit weg, aber die Gesetze, die Naturgesetze, die sie beschreiben, sind dieselben, die wir tagtäglich benutzen und erleben. Also jedes Mal, wenn ein Bleistift herunterfällt oder wir selbst hinfallen,
sind es dieselben Naturgesetze, die einsteinischen Feldgleichungen, die die zeitliche Entwicklung dieses Vorgangs beschreiben, genau dieselben, die auch den Kollaps eines schwarzen Lochs beschreiben. Und das ist also für mich, sind die gar nicht ganz weit weg und eine ganz andere Geschichte, sondern das sind ein Teil desselben Gemäldes, wie das, was wir auch um uns herum sehen.
Herr Lehmkuhl, vielen, vielen Dank für den Einblick in Ihre Forschung, in Ihr Metier. Ich habe heute gelernt, wenn ich den Ereignishorizont überschritten habe, Richtung Schwarzes Loch, dann ist vielleicht der kollabierende Stern zu sehen.
Darauf freuen und dann schnell in eine Embryonalhaltung gehen, damit ich nicht zu schmerzhaft auseinandergerissen werde. Haben Sie vielen, vielen Dank. Das war ein sehr, sehr interessantes Gespräch. Vielen Dank.