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Kurzimpuls: Digitale Lehrerbildung - Flächendeckende Fortbildungsoffensive?

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Formale Metadaten

Titel
Kurzimpuls: Digitale Lehrerbildung - Flächendeckende Fortbildungsoffensive?
Alternativer Titel
Digitalisierung in den Schulen - eine herausforderung für die Lehrerbildung
Serientitel
Anzahl der Teile
69
Autor
Lizenz
Keine Open-Access-Lizenz:
Es gilt deutsches Urheberrecht. Der Film darf zum eigenen Gebrauch kostenfrei genutzt, aber nicht im Internet bereitgestellt oder an Außenstehende weitergegeben werden.
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Herausgeber
Erscheinungsjahr
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Inhaltliche Metadaten

Fachgebiet
Genre
48
Vorschaubild
10:14
InformatikFixpunktTuring-TestDigitalisierungBaum <Mathematik>FunktionalitätDigitalsignalKlasse <Mathematik>ReiheSoftwareJSONXMLVorlesung/Konferenz
Medium <Physik>Neue MedienMathematikBildschirmmaskeWikiStandardabweichungDigitalsignalStreuungsdiagrammVerfügbarkeitVorlesung/Konferenz
ComputeranimationXML
Transkript: Deutsch(automatisch erzeugt)
Ja, einen schönen guten Tag. Ich versuche jetzt mal nach den Steinen, die die beiden Kollegen vorher ins Wasser geworfen haben, so eine Art mittleren Weg. Und zwar versuche ich das, indem ich meinen Vortrag
ein bisschen modifiziere. Ich hoffe, es gelingt mir beim Sprechen und auf die tatsächlich Lehrerperspektive und die Schulleiterperspektive herunterbreche. Ich bin Deutschlehrer, Geschichtslehrer und Sozialkundelehrer. Ich vertrete also typische Querschnittsaufgabenfächer,
so würde ich jetzt mal sagen. Und wir machen an unserer Schule schon seit 16 Jahren Digitalisierung, wir haben seit 16 Jahren Notebookklassen und verschiedene andere Dinge. Also ich verstehe zwar von Technik relativ wenig, aber ich meine, Ihnen zumindest referieren zu können,
was meine Kolleginnen und Kollegen aus der Unterrichtspraxis mir immer wieder erzählen. Wir leben in einer digitalisierten Welt. Wenn wir davon sprechen, dann hören wir solche Begriffe wie Turing Galaxies oder VUCA. Nicht eine Welt, die geprägt ist durch Volatility, Uncertainty,
Complexity, Ambiguity, VUCA. Und wenn wir als Pädagogen, als Lehrer an die Sache rangehen, dann glaube ich, gibt es zwei Fixpunkte. Wir können Digitalisierung und all das, was wir im Unterricht damit betreiben, nur richtig machen, wenn wir es vom Schüler her denken.
Und wenn wir, und das wissen wir schon vorhätte, mit einbeziehen, dass es auf den Lehrer ankommt, auf die Lehrkraft, die das Ganze umsetzt. In diesem Spannungsfeld könnte man vielleicht sagen, kann man operationalisieren, was man in Schule mit Digitalisierung anfängt.
Ich habe es bewusst etwas flapsig formuliert. Wir haben Know-how, das ist Hard- und Software, das sind vielleicht Lernprogramme, die man flüssig handhaben sollte. Durchblick, das heißt, was machen denn Digitalisierung und ihre Funktionalitäten mit mir, mit unserer
Gesellschaft, mit unserer Wirtschaft, mit unserem sozialen Umfeld oder vielleicht noch ein bisschen schülermäßig formuliert. Wie tickt denn die digitale Welt? Und das ist die zweite Haltung. Wie soll man human leben können oder wie werden wir human leben? Wie verhalte ich mich in dieser und zu dieser digitalen Welt? Hinter diesen drei
Stufen der Operationalisierung verbirgt sich, unschwer zu erkennen, die Trias, die wir alle aus der Schule kennen, Pädagogik, Didaktik, Methodik. Von unten nach oben. Sie können das als Dach oder als Fundament sehen. Und wenn man das in
Rechnung setzt als Lehrkraft, wie als Schulleiter und vielleicht auch jemand, der Lehrer ausbildet, dann muss doch gelten, dass die Kompetenzerwartungen, die wir an Schülerinnen und Schüler stellen oder die über Lehrpläne an Schülerinnen und Schüler gestellt werden, nur dann wirklich verwirklicht werden können, wenn wir gleichzeitig Kompetenzerwartungen
an die Lehrkraft stellen. Und das bedeutet, es wird Methoden- und Kompetenzkurikula für Schülerinnen und Schüler geben und es wird auch solche geben, die in die Lehrerausbildung und in die Lehrerfortbildung miteinfließen, denn sie ist wie gesagt die Voraussetzung dafür,
dass Lehrerinnen und Lehrer, Schülerinnen und Schüler bilden können. Nicht ausbilden, das ist für mich ein ganz wesentlicher Unterschied. Und ich versuche es jetzt mal so aus der Schulleiterperspektive ein bisschen mit oder aus der Lehrerspektive zu schildern, was das an
Konsequenzen hat. Wenn man sich da auf den Weg macht als Schule, dann muss man in der Tat Change-Management betreiben. Sie kennen alle den berühmten Satz, nicht wenn man ein Schiff bauen will, muss man nicht sagen, wo die Bäume wachsen, sondern muss die Sehnsucht nach dem Meer,
nach dem Weiten sozusagen wecken und da muss ich eine und darf ich eine Lanze für meine Kolleginnen und Kollegen brechen? Lehrer wollen das Beste für ihre Schülerinnen und Schüler, das ist ihr Ziel, das ist ihr Meer sozusagen und ihre Vision. Und es kommt darauf an,
deutlich zu machen, dass wir in einer solchen digitalisierten Welt bereits leben, mit all den Kennzeichen, wie sie gerade beschrieben worden sind, eine Welt, die sich exponentiell schnell weiterentwickeln wird und die bestimmte Haltungen und Kompetenzen eben von den Schülerinnen und Schülern erwartet. Das kann auf Schülerinnen und Schülerseite zum Beispiel so etwas sein,
das ist ein Medienkompetenz-Kurrikulum, das auf Fächer und Jahrgangsstufen bezogen bestimmte Dinge aufgreift. Ich habe es bewusst ganz klein gemacht, versuchen Sie bitte gar nicht es zu lesen, denn das ist nicht die Seite, mit der wir uns beschäftigen. Ich möchte mich mit der anderen Seite beschäftigen, nämlich mit der Lehrer aus und eigentlich genauer gesagt mit der Lehrerfortbildung, die an Schulen betrieben werden kann. Also was man bereits vielleicht im
eigenen Betrieb mit den Kolleginnen und Kollegen machen kann. Wir und nicht nur wir, eine ganze Reihe anderer Schulen haben bereits Lehrerkompetenzrahmen entwickelt. Also was soll denn eine Lehrkraft können, können, wenn sie sich vor eine Klasse heute stellen und das sind Basiskompetenzen und
die sind gar nicht so banal, diese Basiskompetenzen. Da geht es um das Kennen von Hard- und Software noch viel wichtiger, das Kennenlernen der IT-Infrastruktur an der eigenen Schule. Genau wissen, was die Geräte können, was sie nicht können. Es ist ein Un-Ding, das ist jetzt
eher an die Politiker gerichtet, wenn eine Lehrkraft an einem Tag in sechs verschiedene Klassenzimmer kommt und sechs verschiedene IT-Umgebungen vorfindet. Das funktioniert nicht und es funktioniert genauso wenig, wenn sie in jedem Klassenzimmer dieselbe IT-Umgebung vorfindet,
die aber nicht verlässlich funktioniert. Und es funktioniert wieder nicht, wenn etwas nicht funktioniert, dass es nicht in kurzer Zeit repariert wird. Wenn eine Lehrkraft das dreimal gemacht hat, dass sie ihren Unterricht für ein solches Medium vorbereitet hat, wird es nicht mehr tun. Dann wird sie in der Kreidezeit bleiben. Übrigens nichts gegen Kreide. Wir haben in
jedem Klassenzimmer digitale Tafeln, aber man kann in jedem Klassenzimmer einen Overhead-Projektor benutzen und auf einer normalen Tafel schreiben. Ich möchte so wissen, wir haben kein entweder oder, sondern ein sowohl als auch und eine bewusst reflexive
Abwägung der Vor- und Nachteile des jeweiligen Mediums, mit dem wir uns beschäftigen. Das ist, glaube ich, das A und O. Die Lehrkraft, die neue Medien nicht so gerne benutzt, ist deswegen keine schlechte Lehrkraft und derjenige, der alles durch den Computer jagt, ist nicht der perfekte Lehrer. Authentizität ist wichtiger, als hier immer einer Mode hinterher
zu laufen. Wir müssen dem Lehrer es ermöglichen, authentisch bleiben zu können oder authentisch zu werden, vielleicht sogar durch das Medium, wenn er dazu affin ist. Aber es darf im Umkehrschluss auch nicht so sein, dass eine Lehrkraft an den digitalen Medien völlig
vorbeigeht. Denn sie gehören zur Lebenswelt, non scule set vitae, in die wir unsere Schülerinnen und Schüler irgendwann entlassen. Dann gehören Suchen, Verarbeiten und so weiter dazu und am Ende analysieren und reflektieren und da merken Sie, da sind wir an der Grenze zwischen Know-how und Durchblick und Haltung angekommen sozusagen. Da geht es dann auch
darum, die Bedeutung der digitalen Transformation, der Begriff ist vorhin auch schon gefallen, zu erfassen. Denn nur wenn ich sie selbst erfasse, kann ich die Schüler dafür sensibel machen, dass da ein wichtiger Prozess gerade stattfindet. Und dann ist es in einem zweiten
Schritt für ein solches Lehrerkompetenz-Kurrikulum genauso wichtig, EDV-basierte Methoden und Verfahren des Unterrichtens zu zeigen, zu üben, bekannt zu machen damit. Ich denke, wie viele andere auch, dass der Latein, der Mathematik und der Deutschunterricht durch
neue Medien nicht automatisch besser werden wird. Was wir aber auf jeden Fall etwa in unseren Nordburg-Klassen und in anderen Verfahren feststellen konnten und zwar messbar feststellen konnten, es steigt die Bereitschaft der Lehrer, Schüler zentriert, handlungsorientiert, kooperativ zu arbeiten, auch fächerübergreifend zu
arbeiten, weil Dinge viel schneller verfügbar sind und auch zum Beispiel in Gruppenarbeit besser dokumentiert werden können. Wir kennen das alle. Wir machen eine Gruppenarbeit, wir sind zu viert und der Protokollführer ist in der nächsten Stunde krank. Und dann ist
die Gruppenarbeit tot. Wir haben eh nur 45 Minuten, wenn es gut geht 90 Minuten. Wenn das Ganze in einer Cloud liegt oder auf einem Server, den man jederzeit ansteuern kann, dann ist das Material verfügbar. Ich kann es auch kooperativ weiter bearbeiten. Ich kann mal aus einem fertigen Produkt einen Wiki machen und so weiter und so fort.
Aber da bin ich jetzt schon viel zu stark in der Methodik drin. Also worauf es mir ankommt ist, dass in einer solchen schulinternen oder auch dann regional oder sogar landesweit gestützten Lehrer Fort- und Weiterbildung Standards gesichert werden, die nicht nur das Handwerk betreffen, sondern auch die Haltung. Ich wiederhole noch mal diese
Begriffe und die dann sich zu einem individuellen Handwerkskasten sozusagen für den Lehrer sich zusammenfügen, der ihn authentisch unterrichten lässt. Dazu gehört übrigens
auch ganz wesentlich, dass die Lehrkraft neue Formen des Classroom-Managements kennenlernt. Digitale Medien einzusetzen heißt nicht, alten Wein in neue Schläuche zu gießen. Man muss anders unterrichten, wenn man das ernst nimmt und wenn es auch erfolgreich
sein soll. Und deshalb, für uns an der Schule haben sich einige, Entschuldigung, ich lasse dieses Fort mit den Fortbildungskonzepten aus Zeitgründen weg, weil ich ein bisschen mehr in die Schulpraxis gegangen bin. Umsetzungsstrategien haben sich bei uns bewährt, in Form von pädagogischen Konferenzen erarbeitet mit Eltern, Schülern und Lehrern. Also immer
alle an einem Tisch, alle in einer großen Veranstaltung. Ich will Ihnen die einzelnen Punkte ersparen, die können Sie selber lesen. Es kam uns auf drei Begriffe dabei an, nämlich damit zu rechnen, dass ein Lehrerkollegium eine heterogene Gruppe ist.
Jede Lehrkraft will und muss dort abgeholt werden, wo sie steht. Das Zweite, es muss ein aktiver Prozess werden. Nichts, was man den Lehrern ständig hinschiebt und immer sagt, du musst, sondern es muss ein reflexiver, aktiver Prozess werden. Und ganz wichtig, die Schule
oder der Sachaufwandsträger muss die notwendigen sachlichen und organisatorischen Voraussetzungen für eine solche Lehrerbildung schaffen. Wann sollen die Lehrer das tun? Wir haben zum Beispiel an bestimmten Tagen Kurzstunden eingeführt, wo wir 45 Minuten, wir machen dann nur 40
Minuten Unterricht, wir hören 45 Minuten früher auf, die Eltern billigen das und dann beginnt die Lehrerfortbildung. Also um Zeitfenster zu schaffen beispielsweise. Man muss Lehrern auch Angebote machen, man muss ihnen deutlich machen, dass das etwas wert ist, was sie tun. Und der größte Wert für Lehrer ist Zeit. Ein ganz wichtiger Wert. Mehr als
Geld übrigens. Ja und damit wäre ich vorläufig am Ende. Ich bin der festen Meinung, dass digitale Bildung ein integraler Bestandteil sowohl des Berufsbildes Lehrer werden muss, sowie aber auch der Schulentwicklung und der Lehr- und Lernkultur einer Schule.
Digitale Bildung im Sinn so verstandend, dass man damit meint, sich selber fit zu machen und in die Lage zu versetzen, den Schülern und Schülern eben Know-how, Durchblick und Haltung zu vermitteln. Und damit stimme ich voll überein mit Herrn
Kusterer. Digitale Bildung ist eine Führungsaufgabe. Eine Aufgabe des Change-Managements sowohl für die Politik und für die Verwaltung, die die sächlichen rechtlichen Rahmenbedingungen dafür herstellen müssen, aber auch wie für die Schulen und für die Schulleitungen oder die Fachleitungen, je nachdem wie die Schulen organisiert sind.