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KI und Digital Afterlife: Zur Transformation von Trauer-kulturen, Erinnerungspraxen und postmortaler Nähe

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KI und Digital Afterlife: Zur Transformation von Trauer-kulturen, Erinnerungspraxen und postmortaler Nähe
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2013 skizzierte eine Episode der britischen Science-Fiction-Serie Black Mirror ein damals noch spekulatives Szenario: Eine Hinterbliebene kommuniziert mit einem KI-basierten Abbild ihres verstorbenen Partners. Heute ist dieses Motiv Bestandteil einer realen Digital Afterlife Industry, die digitale Spuren Verstorbener in interaktive Avatare und Chatbots überführt – und damit tradierte kulturelle Vorstellungen von Tod, Trauer und Endlichkeit irritiert und transformiert. Der Vortrag verortet dieses Phänomen kulturwissenschaftlich und setzt an einer kritischen Rekonstruktion des bisherigen Forschungsstands an. Während existierende Studien primär normative, rechtliche, ethische und technikbezogene Dimensionen adressieren, bleiben die kulturellen Praktiken, affektiven Bedeutungszuschreibungen und alltagsweltlichen Deutungsprozesse der Nutzer:innen bislang weitgehend unterbelichtet. Das vorgestellte Forschungsprojekt schließt an diese Leerstelle an und kombiniert ethnografische mit kulturhistorischen Zugängen, um die Aushandlung neuartiger Formen künstlicher Intimität zwischen Hinterbliebenen und digitalen postmortalen Präsenzen zu analysieren: Wie wird Nähe situativ hergestellt? Welche sozialen, symbolischen und emotionelen Funktionen erhalten KI-gestützte Repräsentationen Verstorbener? Und welche spezifischen Beziehungsformen und Machtverhältnisse werden dabei erzeugt? Diese Dynamiken berühren grundlegende Fragen von Fürsorge, Verantwortung und wechselseitiger Abhängigkeit, die für eine kulturwissenschaftliche Analyse zentral sind. Theoretisch knüpft das Projekt daher an eine erweiterte Ethik der Sorge (Puig de la Bellacasa) an, die KI als Akteur innerhalb mehr-als-menschlicher Sorgepraktiken konzeptualisiert. Der Vortrag präsentiert erste explorative Felderfahrungen als heuristisches Material, um mögliche interpretative Zugänge zu skizzieren und zentrale offene Forschungsfragen herauszuarbeiten – insbesondere dort, wo affektive Ordnungen mit kapitalistischen Verwertungslogiken verschränkt sind.
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