Wissenschaftliches Publizieren ist mit zahlreichen Urheberrechtsfragen verbunden. Bei Open Access, der frei zugänglichen Veröffentlichung wissenschaftlicher Texte, werden viele dieser Rechtsfragen neu gestellt oder neue Rechtsfragen aufgeworfen. Eine Frage, zu der es lange Zeit keine verlässlichen Informationen gab, ist die nach der Kompatibilität von Open Access und Verwertungsrechten: Sind Open-Access-Publikationen mit einem Wahrnehmungsvertrag bei der Verwertungsgesellschaft Wort (VG Wort) vereinbar? Bei wissenschaftlichen Autor:innen führt das regelmäßig zu Unsicherheiten und Beratungsbedarf. Die Vortragsautoren haben eine Handreichung und einen begleitenden Artikel bei iRights.info veröffentlicht, um genau diese Frage zu diskutieren und zu klären. Dabei wurde auch die VG Wort eingebunden und ihre Perspektive berücksichtigt, um Rechtsklarheit zu gewährleisten. Neben den rein formalen Aspekten sind weitere Aspekte, wie publikationsethische Fragestellungen oder Autorenrechte, in dem Spannungsfeld wichtig. So werden von der VG Wort im Zuge des Ausschüttungsverfahrens erhebliche Mittel aus Bibliothekstantiemen an Autor:innen mit einem bestehenden Wahrnehmungsvertrag ausgezahlt – auch im Rahmen von Open-Access-Publikationen. Zudem stellen sich grundlegende Fragen bei der Vereinbarkeit mit Publikationsverträgen und zur Sicherung von Autorenrechten (Rights Retention).
Im Vortrag werden die problematische Ausgangslage, die Hintergründe und die aktuelle Sachlage dargestellt. Darüber hinaus sollen die weiteren ethischen Aspekte und neuere Entwicklungen beleuchtet werden und im Spannungsfeld aktueller Open-Access-Entwicklungen und der Eigenverantwortung wissenschaftlicher Autor:innen kontextualisiert werden. Denn neben aller (berechtigten) Kritik an einer Teilnahme am Ausschüttungsverfahren mit Publikationen aus öffentlich finanzierter Forschung, sollte die Eigenverantwortlichkeit informierter Autor:innen das priorisierte Ziel einer jeden Publikationsberatung sein. |