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Alle wollen Open Access, aber nicht alle setzen sich durch.

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Alle wollen Open Access, aber nicht alle setzen sich durch.
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18
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Computer animation
Ich hab mich gefragt, warum schaffen wir das eigentlich nicht, wenn alle sagen, dass sie Open Access wollen? Und ich sag's ihnen gleich vorab. Ich hab 3 Punkte, die ich denke, worüber wir diskutieren sollten.
Ich glaube, wir formulieren unsere Ziele nicht präzise genug. Ich glaube, dass wir denken, dass wir die Forschenden unterstützen und ganz neutral handeln, dass das auch ein falscher Punkt ist. Sondern wir sind aktive Gestalter von Wissenschaftspolitik. Und dass wir uns in unserem Handeln vielleicht nicht
primär an den Ergebnissen orientieren, die wir durch Open Access erzielen wollen. Was das genau, wie ich dazu komme, da gehen die nächsten 14,5 Minuten drum. Das nur schon mal, dass sie wissen, dass sie nicht sagen können, das hab ich am Anfang nicht gewusst.
Genau, zum ersten Teil, alle wollen Open Access. Wer will eigentlich alles Open Access? Ich hab hier mal eine Übersicht von der letzten Auswahl aus den letzten 3 Jahren gehabt. Sie finden darunter private Förderer, öffentliche Förderer, Regierungen, national, international, auf Länderebene.
Sie finden Bibliothekszusammenschlüsse. Alle wollen Open Access. Und stellt sich natürlich die Frage, warum wollen Sie das eigentlich? Hab ich gefragt, warum wollen wir das eigentlich? Und hab in unser Schulungsmaterial geguckt, was wir Wissenschaftler immer sagen, wenn sie fragen, warum wollen Sie Open Access?
Und ich geh die Punkte jetzt nicht einzeln durch, das kennen sie. Sie geben solche Vorträge ja vermutlich selber auch regelmäßig. Aber es gibt so 3 große Argumente oder Motivationen, die rauskommen. Das eine ist, was finanziell ist. Es soll Kosten sparen.
Das Zweite ist, es gibt Karriereanreize. Sie können sich besser durchsetzen. Ihre Forschung wird sichtbar. Also Sie haben einen Wettbewerbs- oder einen Standortvorteil, der mit Open Access erzielt werden soll. Und dann gibt es noch die, die sagen, das ist gut für die Zusammenarbeit. Das hätten wir gerne, weil uns das die internationale Zusammenarbeit ermöglicht.
Jetzt sind Sie mit der ersten Karte dran. Was wollen Sie? Sie dürfen dazu auch mit Ihrer Nachbarin sprechen und die erste Karte beschreiben.
Okay, ich sehe, das Wummel ist noch voll im Gange. Das freut mich sehr für eine Morgen-Session.
Aber ich glaube, ich habe schon ein paar Notizen gesehen, die auf den Karten sind. Sie können auch während des Vortrags noch weitere Sachen ergänzen, wenn Sie möchten. Ich habe mal was mitgebracht über Menschen, Organisationen, die Open Access wollen. Das möchte ich Ihnen einmal vorlesen.
Man muss zu Open Access publishen, ohne sich auf die Recherchqualität, Entehrung und Werte zu kompromissen. Muss man vielleicht erst mal sacken lassen. Aber wenn ich jetzt so mal frage,
also von dem, was Sie auf Ihre Zettel geschrieben haben, gibt es da jemanden, der sich gar nicht drin wiederfindet. Hat sich niemand gemeldet. Gibt es Leute, die sagen, ja, das passt schon so ungefähr. Und wer ist noch zu müde, um sich zu melden.
Okay, also, große, also ich finde, ich habe da nichts gegen. Kann ich auch so unterschreiben. Es kommt von Elsevier. Es steht auf ihrer Open Access-Seite. Und das ist der erste Punkt. Wir formulieren unsere Ziele nicht präzise genug.
Zweiter Punkt. Einfach nur die Forschenden unterstützen. Das wollen wir als Bibliothekarin gerne. Und machen wir ja auch. Ich möchte nur kurz in Erinnerung rufen, es gibt nicht die Forschenden. Es gibt Forschende, die haben auch unterschiedliche Interessen.
Manchmal scheint mir das in Diskussionen ein bisschen zu kurz zu kommen. Manche finden das prima, ihr Lehrbuch in einem kommerziellen Verlag rauszubringen und Tantieme zu machen. Manche sagen, Open Access ist super für meine Karriere. Der Rest interessiert mich nicht. Und andere sagen, Open Access finde ich super,
weil ich Teil einer internationalen Forschungsgemeinschaft des Menschen, die Menschen aus dem globalen Süden einbezieht. Und auch mit ihnen möchte ich gerne einen gleichberechtigten wissenschaftlichen Diskurs führen können. Deswegen bin ich für Open Access. Also auch unterschiedliche Motivation unter den Forschenden.
Wir unterstützen auch nicht einfach nur die Forschenden. Und das ist jetzt ein Beispiel aus Publikationen von Forschenden an deutschen Einrichtungen im Fach Chemie. Mit drei großen Verlagen, die in dem Bereich publizieren.
Wie Sie sehen, der erste Dealvertrag mit Wiley ging ja zum 1.7.2019 los. Wiley, das ist natürlich nicht nur ein Rechner, sondern ein reiner Chemie-Verlag. Das sind jetzt alle Publikationen aus allen Fächern. Das habe ich leider nicht mehr geschafft aufzusplitten. Aber Sie sehen, durch den Dealvertrag gehen
zumindest die Chemie-Publikationen in anderen Verlagen, die auch hybrides Open Access bieten, zurück. Das heißt, wenn wir immer reden von Wissenschaftsfreiheit, und wir unterstützen die Forscher, wo sie Sachen am liebsten publizieren, irgendwas hat sich geändert.
Forschende publizieren offenbar woanders, wo es ihnen vielleicht auch leichter gemacht wird. Und diesen Punkt würde ich auch gerne mitnehmen. Forschende nutzen auch unsere Angebote. Und was wir machen, hat einen Effekt. Die reagieren nicht nur auf das, was Forschende wollen, sondern umgekehrt reagieren sie auch auf das, was wir tun.
Und drittens, einfach nur die Forscher unterstützen. Das ist ein sehr lesenswerter Blogbeitrag von Kai Matuszkiewicz im Open Access Blog. Der sagt, na ja, Open Access wird gefördert. Aber die Förderinstrumente, die gerade groß gefördert werden,
die helfen unserer Disziplin nur begrenzt. Wir arbeiten nicht mit APCs. Monographieförderung ist immer so ein kritischer Punkt. Und das Zitat möchte ich gerne noch einmal vorlesen. Er schreibt, die Deal-Verträge adressieren für die Medienwissenschaft größtenteils irrelevante Verlage mit Ausnahme der Buchdate von Springer.
Und binden hier durch Mittel, die durch Budgetumschichtung an den Hochschulbibliotheken wiederum zu Nachteilen für die medienwissenschaftliche Publikationskultur führen. Also auch hier sind wir nicht neutral allen Forschenden gleichermaßen verpflichtet. Also vielleicht verpflichtet, aber in unserem Handeln tun wir das nicht.
Unsere Entscheidungen und Instrumente, die wir an den Tag legen, die haben da wahrscheinlich auch gute Gründe für. Aber für manche ist mehr drin und für andere weniger. Das war der zweite Punkt. Wir unterstützen nämlich nicht nur die Forschenden. Unsere Entscheidungen haben Steuerungswirkungen,
wie z.B. durch die Deal-Verträge. Deshalb sind wir aktive Gestalterinnen von Wissenschaftspolitik. Okay, komme ich zum dritten Punkt. Was wollen wir eigentlich erreichen? Da würde ich jetzt noch mal die Policy Paper unter die Lupe nehmen, die ich in der ersten Folie gezeigt habe.
Wenn man sich nämlich anguckt, was da gefordert wird. Oder die Strategien gehen sehr auseinander. Die einen fordern Open Access über institutionelle Repositorien und fordern den Ausbau der institutionellen Repo-Landschaft.
Andere glauben, der Weg zu Open Access funktioniert am besten über Transformations- und Rahmenverträge. Wieder andere fordern, dass man den Betrieb eigener LPC-freier Zeitschriften oder von Infrastrukturen ausbauen soll. Andere setzen auch durch das auf Gewinn orientierte APC-basierte Gold-Zeitschriften.
Zum Teil auch Bücher. Andere sagen gar nicht, wie sie es genau erreichen wollen. Wenn es darum geht, mehr Open Access zu erreichen, dann kann man sagen, das geht schon ganz gut. Das ist jetzt hier eine Statistik aus dem Pact Monitoring. Der ist eigentlich gedacht
für die außeruniversitären Forschungseinrichtungen. Aber die Universitäten sind in der grauen Linie auch mit auf der Statistik. Da kann man sehen, der Anteil von Open Access-Artikeln von deutschen Einrichtungen nimmt zu. Das funktioniert schon mal.
Interessant fand ich die Pressemitteilung der TU Neuen Universitäten aus Januar diesen Jahres zu den abgeschlossenen Deal-Verträgen, wo sie sehr ausführlich sagen, die Deal-Verträge sind eine gute Sache. Sie geben einen Wettbewerbsvorteil für unsere Forschenden mit ein.
Wir freuen uns sehr. Und ganz unten steht noch, außerdem wollen wir Forschenden eine attraktive Alternative zu gewinnorientierten kommerziellen Publikationsorten bieten. Und dieses einerseits und andererseits zieht sich, glaube ich, ganz gut durch
verschiedene, ich glaube in diesem Spannungsfeld sind Bibliotheken gerade so ein bisschen beschäftigt. Dann Deal. Hat drei Ziele. Die Broschüre, die ist im Juli rausgekommen,
ist sehr seitenlang, ist sehr lesenswert, finde ich. Open Access für alle. Dauerhafter und gleichberechtigter Zugang und ein faires Preismodell wird als Ziel ausgegeben. Das erreicht es auch. Von daher finde ich die Kritik an Deal, wenn man sagt, es erreicht die Ziele, die es hat,
vielleicht sollen wir uns über die Ziele dann unterhalten. Es gibt natürlich ein paar Einschränkungen. Open Access für alle in Deutschland. Den dauerhaften gleichberechtigen Zugang gibt es zumindest solange der Vertrag läuft. Es gibt Archivrechte aber.
Und ein faires Preismodell ist nicht dasselbe wie ein fairer Preis. Und das Argument, in der Broschüre läuft, das Modell ist fair, weil es objektiv ist, weil die Kosten transparent sind. So kommt man zu dem Fair. Das ist jetzt alles nichts Neues.
Das haben Anja Oberländer und Marco Tulnai vor dreieinhalb Jahren schon bei einer Veranstaltungsreihe des DBV angesprochen. Was macht die Transformation? Was leistet sie nicht? Wir erreichen Open Access für alle, die es zahlen können. Aber wir schaffen es nicht, Kosten zu senken,
Abhängigkeiten zu reduzieren, bestehende OA und Diamond-OA-Zeitschriften zu unterstützen. Wir vergessen den globalen Süden. Ich habe noch ein paar Punkte mehr an Zielen, die ich vorschlagen könnte. Was ist mit dem Einhalten
von bibliothekarischen Qualitätskriterien? Wir wollen DOJ-Einträge haben. Ein Haufen von Zeitschriften, die über die DIL-Verträge abgedeckt sind, sind nicht darin verzeichnet. Wir hatten mal gesagt, wir wollen kein Hybrid, wir wollen Kostengrenzen. Das wurde durch verschiedene Transformationsverträge
auch ausgehebelt. Wir beschäftigen uns viel mit Dingen, die wir überwinden wollen. Da hatte Philipp Zumstein auf den letzten Open Access-Tagen einen schönen Vortrag zugemacht. Wirtschaftliche Verwendung von Steuermitteln ist das eigentlich wirtschaftlich
10.000 Euro für eine APC auszugeben. Fairness im Bibliotheksetat, Verzicht auf Datentracking. Wie ist es mit einer Verantwortung für die Lieferkette, die wir vielleicht haben, wenn wir von Großverlagen machen, die Elektro-Rate in den globalen Süden auslagern unter Arbeitsbedingungen, die ich nicht kenne.
Wenn man das alles haben will, muss man anders vorgehen, würde ich sagen, dass der dritte Punkt, den ich machen wollte, wir orientieren uns in unserem Handeln vielleicht nicht genug, nicht primär an den Ergebnissen,
die wir durch Open Access erzielen wollen, es sei denn mehr Open Access, wir forschen an deutschen Einrichtungen, ist das Ziel an sich. Das kommt zur Zusammenfassung. Das habe ich gesagt gleich am Anfang. Wir formulieren unsere Ziele nicht präzise genug.
Hier würde ich mir wünschen, dass wir mehr Mut haben, unsere Ansagen klar zu formulieren. Wir unterstützen nicht nur die Forschenden. Wir sind aktive Gestalterinnen von Wissenschaftspolitik. Das würde ich mir wünschen, dass wir das bewusst wahrnehmen und die Gestaltung Spielräume nutzen.
Ich fände es schön, wenn wir unser eigenes Handeln mehr von den gewünschten Resultaten herplanen. Was wollen wir mit Open Access erreichen? Was wollen wir erreichen? Das ist jetzt für Ihre zweite Frage, für die zweite Karte. Also schreiben Sie das gerne noch auf.