Auf dem Weg zum von einigen Großinitiativen ausgerufenen Entscheidungsjahr 2020 ist Open Access zu wissenschaftlichen Publikationen zum prominenten Tagesordnungspunkt bei vielen Forschungseinrichtungen, Förderorganisationen und ihren Dachverbänden geworden. Doch während die Fragen „Was?“ und „Wann?“ schon beantwortet zu sein scheinen, wird über „Wie?“ und „Weshalb?“ noch heftig diskutiert. Dabei geht es nicht nur um Vor- und Nachteile bestimmter Open Access-Modelle, sondern auch um Grundsatzfragen zu akademischer Freiheit, der Rolle von Wissenschaft in der Gesellschaft oder internen Hierarchien im Wissenschaftsbetrieb. Ausgehend von Beobachtungen der jüngeren Vergangenheit lädt der Vortrag dazu ein, die mit einer umfassenden Umstellung auf Open Access verbundenen Versprechungen und ihre stillschweigenden Annahmen genauer zu betrachten. Auch wenn die gesamten vielschichtigen Auswirkungen auf die verschiedenen Teilbereiche des Wissenschaftssystems noch kaum absehbar sind, kommen die ersten zum Teil unbeabsichtigten Folgen bereits zum Vorschein. Um diese Entwicklungen und ihre möglichen Nebeneffekte in einem größeren Deutungsrahmen darzustellen, wird auf hilfreiche Konzepte aus dem Bereich der Wissenschafts- und Technikforschung zurückgegriffen. Dazu gehören die Soziologie der Erwartungen, die soziale Konstruktion von technologischen Artefakten und die Verflechtung von kollektiven Sehnsüchten und Werteordnungen in großangelegten wissenschaftspolitischen Anliegen. Biografie Elena Šimukovič studierte Informations- und Bibliothekswissenschaften an der Universität Vilnius und der Humboldt-Universität zu Berlin und war beruflich im Forschungsdatenmanagement und im Open Access-Publizieren tätig. Zurzeit verfasst sie ihre Dissertation an der Universität Wien und war zuletzt Mitglied in der ExpertInnengruppe der Europäischen Kommission zur „Zukunft des wissenschaftlichen Publizierens und der wissenschaftlichen Kommunikation“. Moderation Dirk Verdicchio |