Die Digitalisierung ist endgültig in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Von Großcomputern bis zur Datencloud hat das digitale Chamäleon schon oft seine Farbe gewechselt – und macht weiter damit: Internet der Dinge, künstliche Intelligenz und Blockchain-Technologie erfordern interdisziplinäre Anstrengungen in der Wissenschaft und Diskussionen auf gesellschaftlicher Ebene. Unsere Tagung mit der Gesellschaft für Informatik und der Initiative D21 verknüpft technische Expertise und politisch-gesellschaftliche Dimension.
Kann man Digitalisierung steuern? Darüber diskutierten Unternehmensgründerin Catharina van Delden (innosabi), Wirtschaftsjournalist Götz Hamann (bei der ZEIT verantwortlich für Print-Online-Projekte) und Lisa Herzog, Professorin für Politische Theorie an der Hochschule für Politik München.
Catharina van Delden beobachtet, dass sich die Wertschöpfung von Unternehmen grundlegend ändert, in Netzwerken und über Plattformen entsteht: "Ich warte als Startup-Gründerin nicht darauf, dass die Politik mir die Rahmenbedingungen schafft." (Junge und flexible) Angestellte stimmen eben mit den Füßen ab und gehen, wenn's nicht passt. Doch was ist mit all den anderen? Götz Hamann bemerkt, dass sich der Staat aus der Steuerung von Digitalisierungsprozessen zunächst zurückzieht - und das, obwohl routinemäßige Arbeitsprozesse in Produktion und Verwaltung vermehrt Ansehen und Bezahlung verlieren sowie durch Maschinen/künstliche Intelligenz bedroht sind. Das kann ein immenses sozialpolitisches Problem werden. Daher fragt auch Lisa Herzog, ob die Politik nicht deutlich aktiver Innovation fördern sowie den "Machtkampf" mit der Wirtschaft um Wettbewerbsbedingungen und Mitarbeiterfürsorge offensiver angehen sollte: "Schaden abhalten ist das Eine, eine Entwicklung positiv beeinflussen ist das Andere." |