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Infrastruktur und Kontrolle

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Infrastruktur und Kontrolle
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72
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Wir haben uns daran gewöhnt, dass die Dienste und Services, die wir im Internet jeden Tag benutzen, aus privater Hand stammen. Doch zunehmend wird uns auch die politische Tragweite bewusst, die diese neue Form der Öffentlichkeit im Digitalen spielt. Eine der ersten und wichtigsten netzpolitischen Forderungen in diese Richtung ist deswegen die Netzneutralität. Doch es wird zunehmend klar, dass es mit der Netzneutralität selbst nicht getan ist, wenn die Dienste, die auf dem Netz aufsetzen, Inhalte und Menschen nach belieben diskriminieren können. Googles neues "Search inside your World", der Fall um Megaupload, das fehlende Geschäftsmodell von Twitter und die Bedenken um die Meinungsfreiheit auf Facebook offenbaren allesamt bei genauerem Hinsehen ein Spannungsverhältnis zwischen dem ehrlichen Anspruch eine neutrale Infrastruktur zu gewährleisten und gleichzeitig aus wirtschaftlichen oder gar politischen Erwägungen, Kontrolle über die Plattform zu behalten. Dieses Spannungsverhältnis ist keinesfalls trivial und vor allem nicht statisch. Der Markt der Plattformen ist einer der disruptivsten und volatilsten, die es derzeit gibt. Auf großen Plattformen können neue Plattformen entstehen, wie das Beispiel Zynga zeigt. Und was heute Markbeherrschend ist, kann morgen nur noch eine Fußnote sein - siehe Myspace. Eine Politik der Plattformneutralität darf deswegen keine starre Regulierungsrichtlinie sein, sondern muss sich als Agent eines entstehenden und sich stetig wandelnden Ökosystems verstehen. Die Prinzipien zur Entwicklung komplexer Regelungssysteme geben viel eher Hinweise auf die Ausgestaltung dieser neuen Form von Politik, als es dogmatische Links-Rechts-Schemata vermögen. Plattformneutralität ist die Politik emergenter Strukturen und ist damit vielleicht die Blaupause der Organisation der nächsten Gesellschaft.
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BlogMathematicianLAN-PartyBlock (periodic table)Data streamMathematical structureInternetPriorityContinuous trackBlogLecture/Conference
ACT <Programm>Web browserKommunikationComputing platformComputer hardwareState of matterFacebookMathematical structureBerners-Lee, TimInternetInformationLecture/Conference
Moving averageJapanese honorificsACT <Programm>Complex systemIterationCW-KomplexLink (knot theory)Communications protocolMittelungsverfahrenAdaptives SystemArtificial neural networkSystems <München>Propositional formulaComputing platformInternetPlane (geometry)Physical lawHöheIterationWritingTwitterComplex system
ACT <Programm>Systems <München>Lebendigkeit <Informatik>
Plane (geometry)Computing platformZusammenhang <Mathematik>Plane (geometry)Execution unitSoftware developerParadoxAdaptives SystemHypothesisDirection (geometry)Complex systemArtificial neural networkSystems <München>IterationComputing platformVelocityQuicksortConcurrency (computer science)KommunikationStrategy gameMathematical structureRobotInternetLecture/Conference
Transcript: German(auto-generated)
Tja, wir haben alle gar keine Zeit, das ist alles sehr knapp, ich habe eine halbe Stunde hier zu reden, danach ist Professor Perksen dran,
mit dem ich sehr gerne meinen Track teile, allerdings führt das dazu, dass ich tatsächlich dieser Titel ein bisschen irreführend ist, halten wir uns lieber an dem zweiten Titel, Plattformneutralität als Politik emergenter Strukturen, das trifft es viel eher, zu dem Part mit Infrastruktur und Kontrolle werde ich nicht kommen können, glaube ich. Insofern schon mal der erste Etikettenschwindel.
Ja, ich habe hier so ein Ding, das muss ich mal ausprobieren, zack, ja, achja, genau, das ist das Blog CTRL-Verlust, das ich jetzt schon seit einiger Zeit mache, ein bisschen älterer Screenshot, ich habe natürlich viel mehr fletter mittlerweile. Ich habe vor zwei Jahren, ziemlich genau vor zwei Jahren, habe ich mir Gedanken gemacht, also genau,
in dem Blog geht es um Kontrollverlust, das ist ein Begriff, den ich mir sozusagen als Überbegriff für diese ganze, ganze Fu im Internet ausgedacht habe, dass Datenströme nicht mehr kontrollierbar sind, sei es Privatsphäre, sei es Urheberrecht, sei es Diskurshoheit in der Politik und solche Sachen und ich habe mir Gedanken um Netzpolitik gemacht und
ja, diese Netzpolitik besteht ja bisher immer daraus, dass die Politik an das Netz herantritt und sagt, wir wollen XYZ regulieren und das Netz sagt, fick dich und das Problem ist, dass wir eigentlich kaum eine positive Netzpolitik haben
und dann habe ich angefangen, mir darüber Gedanken zu machen, wie eine positive Netzpolitik aussehen könnte und habe das in einem Dreiteiler abgehandelt, der nennt sich Managing Kontrollverlust, also sozusagen, wie kann man in Zeiten und in den Strukturen des Kontrollverlustes Politik machen, wie kann man den managen
und da habe ich dann sozusagen als einzigen positiven Beitrag der Netzpolitik in Sachen Politik und Regulierung habe ich dann aufgegriffen und das ist die Netzneutralität. Netzneutralität, das wissen wahrscheinlich die meisten von euch, bedeutet, dass wir fordern, dass in dem Internet, so wie es jetzt momentan auch meistens der Fall ist,
dass die einzelnen Datenpakete und Datenströme nicht mit unterschiedlichen Prioritäten behandelt werden. Das heißt, dass bestimmte Anbieter plötzlich ihre Daten schneller heraus senden können, mit mehr Bandbreite als andere oder dass Daten ausgebremst werden oder vielleicht ganz verboten werden oder verhindert werden.
Das ist Netzneutralität. Die Idee bei Netzneutralität ist natürlich, dass wir in dem Internet durchaus eine Struktur sehen, in der wir Meinungsfreiheit wirklich aktiv leben, in dem jeder eine Stimme hat, die mehr oder weniger gleichwertig ist und diese gleichwertige Stimme, die wäre natürlich dann gefährdet, sobald Staaten oder Unternehmen anfangen,
eben Priorisierung dieser Information durchzuführen. Ich habe mir dann gedacht, das geht ja aber nicht weit genug, denn tatsächlich auf diesem Internet, das wir als Internet bezeichnen, TCPIP, die sozusagen Grundlagen des Internets,
die neutral zu halten, reicht nicht, denn wir haben ja mittlerweile große andere Strukturen da drauf, zum Beispiel Facebook. Facebook ist so groß heutzutage, wie das Internet in 2004 war, und zwar von den aktiven Leuten, die sich dort beteiligen. Und das heißt, dass wir auch dort mittlerweile sozusagen kommunikative Strukturen haben,
die ebenso diskriminieren, die ebenso eingreifen in die Kommunikation und damit Meinungsfreiheit bedrohen oder sagen wir mal die Meinungsgleichheit bedrohen, die dann gleichzeitig die Meinungsfreiheit ist. Dann könnt ihr mal hingehen und sagen, wir brauchen eine Facebook Neutrality. Ja und das ist eigentlich so die ganze Idee, schon bei der Plattform Neutralität zu sagen, wir haben verschiedene Plattformen
und das ist nicht nur das Internet, davon ist das Internet eine ganz wesentliche Struktur und wir müssen sie neutral gestalten, aber wir müssen auch die Plattformen, die da drüber entstehen, aber auch die da drunter entstehen. Und dann habe ich irgendwie mir überlegt, es gibt halt verschiedene Strukturen, die den Diskurs neutral gestaltbar machen,
das sind zum Beispiel natürlich auch die Hardware und die Devices, wir bräuchten eine Smartphone Neutralität vielleicht, wir bräuchten eine wirtschaftliche Grundlage, unterschiedliche Leute haben unterschiedliche wirtschaftliche Abhängigkeiten
und diese wirtschaftlichen Abhängigkeiten sorgen dafür, dass bestimmte Leute Dinge sagen können und andere nicht. Ja ich kann zum Beispiel, bin ich vielleicht eingeschränkt, wenn mein Arbeitgeber nicht mit mir in einer Meinung ist, dass ich dann tatsächlich in der Öffentlichkeit irgendwelche Meinungen vertreten kann, wir haben soziokulturelle Grundlage, intellektuelle Grundlagen und so weiter und so fort und diese ganzen Grundlagen von Kommunikation kann man als Plattform verstehen
und für diese Plattform muss man jeweils und getrennt voneinander Neutralität einfordern. Das wäre sozusagen das Konzept, also das abstrakte Konzept für eine Politik, die ich dann eben Plattform Neutralität genannt habe.
Ja das ist wie gesagt zwei Jahre her, ich habe damals auch ein Talk gehalten auf der SICKINT, die sich jetzt auch bald wieder zwei Jahre jährt und dann ist das so ein bisschen eingeschlafen, das Thema, aber dann 2011 im September, da sind die Berliner Piraten in den Landtag eingezogen,
in das Abgeordnetenhaus und dann habe ich dann Artikel geschrieben über das Berliner Wahlprogramm und habe eben festgestellt, Fahrscheinlose öffentlicher Personennahverkehr ist im Grunde genommen eine Plattform Neutralitätsforderung, denn es fordert sozusagen einen diskriminierungsfreien Durchleitung von Menschen durch den öffentlichen Personennahverkehr,
also es soll eben nicht mehr diskriminiert werden, wer sich eine Fahrkarte leisten kann und wer nicht. Die Trennung von Kirche und Staat ist auch so eine Forderung, den Staat als neutrale Infrastruktur, der nicht einfach christliche Datenpakete bevorzugt gegenüber allen nicht-christlichen, Bildung für alle, klar Ausländerwahlrecht,
Ausschließung diskriminierungsfrei und bedingungslose Grundeinkommen, was eben, was ich in der Folie vorher, das werden die wirtschaftlichen Grundlagen, dass wir sozusagen eine Plattform einer wirtschaftlichen Grundlage dafür bereitstellen, dass jeder die Chance hat unabhängig von irgendwelchen wirtschaftlichen Eingebundenheiten oder Abhängigkeiten tatsächlich frei zu kommunizieren.
Das wäre sozusagen die plattformneutrale Forderung des bedingungslosen Grundeinkommens. Ich habe damals definiert, Plattformneutralität ist die Herstellung von Herrschaftsfreiheit, da beziehe ich mich auf Habermaß,
durch die diskriminierungsfreie Zugänglichmachung von gesellschaftlich relevanten Infrastrukturen. Gesellschaftlich relevante Infrastruktur, was ist das? Wir könnten zum Beispiel relativ schnell sagen, das ist Facebook, habe ich ja schon gesagt, das wäre zum Beispiel der öffentliche Personalverkehr, jedenfalls im Bezugsrahmen der Stadt, in der man wohnt.
Das sind alles gesellschaftlich relevante Infrastrukturen, um zu partizipieren, um an Gesellschaft teilzunehmen, um zu kommunizieren. Aber das ist natürlich auch eine sehr schwammige und nicht besonders theoretisch gut hergeleitete Erklärung, für was eine Plattform ist.
Deswegen wollte ich diese Frage heute neu stellen, was ist eine Plattform? Und jetzt komme ich zum eigentlichen Thema, das war jetzt sozusagen der Rückblick auf das Thema, wie ich es bisher behandelt habe. Dann kommen wir mal zu diesem Herrn hier, das ist Tim Berners-Lee. Tim Berners-Lee ist der Erfinder des WWW, des Web, also das, was man
mit dem Browser angucken kann, der Teil des Internets, den man mit dem Browser anguckt. Und der hat unlängst gefordert, dass ein Internetzugang doch bitte gefälligst mittlerweile in die Menschenrechtscharta als eine Grundrecht eingetragen werden sollte.
Was man irgendwie verstehen kann, denn tatsächlich ist das Internet ja eine ganz wunderbare Sache, um seine Meinung zu äußern. Und wer irgendwie nicht im Internet ist, das merken wir alle, hat irgendwie nicht die gleichen Chancen an Partizipation, an Teilhabe. Schon heute nicht und in Zukunft wahrscheinlich noch viel weniger, als das vorher möglich war.
Widersprochen hat hier mal dieser Herr, das ist Vint Cerf. Vint Cerf ist ein noch viel älterer Gründervater des Internets. Er hat nämlich das TCPIP-Protokoll mitentwickelt und damit sozusagen eine noch größere Autorität und sagt, nein, das Internet soll nicht in eine Grundrechtscharta aufgenommen werden.
Denn es ist ja nur ein Mittel zum Zweck, es ist ja kein Recht. Das Internet ist halt nur eine Technologie und kein Recht. Und deswegen sollten wir vielleicht genau diese Frage stellen, was ist jetzt Recht und was ist Technologie? Und inwiefern ist diese eine Forderung berechtigt? Wir haben natürlich die Meinungsfreiheit in Deutschland als Gesetz konstituiert, Artikel 5 kennen wir alle.
Aber es gibt dieses schöne Zitat, das habe ich letztens per Twitter befragt. Paul Sete war nämlich tatsächlich der Autor dieser Sache. Pressefreiheit ist die Freiheit von 200 reichen Leuten, ihre Meinung zu verbreiten. Und das war von 1965, das hat er 1965 an den Spiegel als Leserbrief geschrieben.
Und das war zu dieser Zeit einfach richtig. Es gibt relativ wenige Leute, die tatsächlich die Möglichkeit haben, überhaupt Öffentlichkeit herzustellen für ihre Meinung. Das heißt also, die Meinungsfreiheit ist genauso, wir sind in diesem Fall Pressefreiheit. Die Meinungsfreiheit ist so viel wert, wie tatsächlich du die Möglichkeiten überhaupt hast, deine Meinung zu verbreiten.
Und das ist ja das, was das Internet eben uns gebracht hat. Es hat halt auf diese Basis der Meinungsfreiheit, die wir schon immer hatten, die aber eigentlich, wenn wir es mit heute vergleichen, bis in den 90er Jahren sozusagen das Papier nicht wert war, auf das es geschrieben war, haben wir jetzt tatsächlich den zweiten Teil reingekriegt, und zwar die Meinungsermöglichung.
Also Freiheit, das ist das Gesetz, und das Internet bietet uns jetzt sozusagen eine Meinungsermöglichung. Eine Meinungsermöglichungsinfrastruktur. Gut, und ich glaube, daraus können wir schon mal so ein Bild heraus extrahieren, für was eine Plattform sein kann.
Also wenn wir zum Beispiel das Gesetz nehmen, das wäre hier sozusagen der Boden, das wäre das Gesetz, und aus diesem Boden erwächst sozusagen ein Plateau heraus, das über das Gesetz hinausgeht,
das sozusagen einen weiteren Schritt macht, mehr ist als das Gesetz. Man sieht, es ist so eine Erhebung einerseits, es ist aber auch gleichzeitig wieder eine Ebenerdigkeit, die dort vorhanden ist, und außerdem ist sie natürlich dann auch eine Grundlage, eine weitere Grundlage für weitere Aktivitäten.
Also es ist sozusagen etwas, was aus einer bestehenden Plattform, aus einer bestehenden Ebene heraus wächst. Man kann diese Sache als Iteration beschreiben. Iteration bedeutet eigentlich Wiederholung.
Man könnte jetzt genauer sagen, inkrementelle Iteration, es wird etwas hochgezählt, es wird etwas erweitert. Aber im Grunde genommen, der Gesetzesakt der Meinungsfreiheit wird nochmal konstituiert, und zwar auf einer höheren Ebene mit nicht nur der Meinungsfreiheit, sondern auch der Meinungsermöglichung. So, und jetzt wird es kompliziert, und ich mache einen kleinen Exkurs, und zwar hin zu den komplexen adaptiven Systemen.
Ein komplexes, adaptives System ist eigentlich relativ einfach gesagt. Es ist im Grunde genommen ein Netzwerk aus einzelnen Entitäten, die miteinander in kommunikativer Beziehung stehen, die miteinander interagieren.
Und dieses System wird irgendwann anfangen, ab einer bestimmten Komplexität, ein Eigenverhalten zu zeigen, sozusagen als Gesamtsystem. Und diesen Sprung von den einzelnen Akteuren hin zu dem Verhalten des Gesamtsystems nennt man Emergenz. Und da sind wir sozusagen bei dem Untertitel angelangt.
Komplexe, adaptive Systeme kennen wir, da gibt es unterschiedliche Sachen. Beispielsweise das Immunsystem gehört dazu. Das Immunsystem eigentlich aller Lebewesen. Wir haben zum Beispiel das Gehirn, und wir haben Ökosysteme. Ökosysteme sind auch komplexe, adaptive Systeme.
Und jemand, der diese komplexen, adaptiven Systeme genau untersucht hat, das ist der Stuart Kaufman. Und Stuart Kaufman hat eben diese unterschiedlichen komplexen, adaptiven Systeme sich angeschaut und hat eben gemeinsame Regeln daraus abgeleitet. Und unter anderem diese Folge der Iteration.
Also man fängt sozusagen mit dem Schritt eins an. Man hat einzelne Entitäten, die dieses komplexe System formieren und ein eigenes Systemverhalten haben. Und dann werden diese neuen Eigenschaften tatsächlich so kohärent, dass sie selbst wieder als eine Entität auftreten.
Und dann kommt eben sozusagen der Reentry wieder oben rein. Dann kann man das E mit der E1 austauschen und dann hat man sozusagen wieder einen Iterationsschritt gemacht. Das hier ist Kevin Kelly, der in seinem Buch, auch schon ein bisschen älter, Out of Control, sich auch komplexe, adaptive Systeme angeschaut hat.
Er nennt sie auch Vivi-Systeme, weil er sie auf das Lebendige zurückbezieht. Er hat sich aber vor allem angeschaut, wie können komplexe, adaptive Systeme künstlich hergestellt werden. Das heißt also, ihm geht es um die Konnektivität zwischen komplexen, adaptiven Systemen und Technologie.
Und hat festgestellt, hat zum Beispiel untersucht, wie das Projekt Biosphere zum Beispiel vorgegangen ist. Und das ist wirklich ein sehr, sehr haariges Unterfangen, ein wirklich in sich geschlossenes Ökosystem, das über mehrere Jahre funktionieren soll, aufzubauen überhaupt und zum Funktionieren zu bringen.
Weil das sehr, sehr komplexe Dinge sind, viele, viele Dinge, die miteinander interagieren. Und hat festgestellt, dass man sie von Bottom-Up aufbauen muss. Man muss zunächst einmal zum Beispiel die Bakterienkultur dort etablieren, die sozusagen mit unterschiedlichen Bakterien, die dann ein ausgewogenes System bilden.
Dann kann man erst anfangen mit kleineren Pflanzen. Dann kann man erst anfangen mit Insekten und größeren Pflanzen und so weiter und so fort. Das heißt, man muss es Schicht für Schicht Bottom-Up mit den einfachsten Sachen zuerst aufforsten. Das Gleiche hat er übrigens, um noch ein zweites Beispiel zu bringen, festgestellt,
als er mit Rod Brooks geredet hat, der diese schönen Roboter hier baut. Die sind auch mittlerweile outdated, also Sachen nach Roboterik. Aber trotzdem ist es ganz interessant. Er hat festgestellt, dass man zunächst einmal sich darum kümmert, die einzelnen Teilbereiche funktionabel zu kriegen.
Unter anderem zum Beispiel diese Beine. Die Beine haben eine eigene Intelligenz, eine sehr, sehr begrenzte Intelligenz, aber eine eigene Intelligenz. Sie reagieren aufeinander. Das heißt, sie interagieren als eine Systemebene, die mehr oder weniger autark ist. Und die Zentralintelligenz kümmert sich dann eben nicht mehr darum,
wie die einzelnen Beine jetzt voreinanderzusetzen sind, sondern sagt nur noch zack in diese Richtung in der und der Geschwindigkeit. Und die Beine modulieren dann halt von alleine aus, wie sie vorantreiben. Diejenigen, die programmieren, kennen die Vorgehensweise sicherlich auch aus der Softwareentwicklung,
dass man grundsätzlich modulare Schichten, die voneinander funktionieren, in einer funktionabel mehr oder weniger autark sind, programmiert, um sie dann sozusagen in einer immer komplexer werdenden Hierarchie sozusagen macht. Das ist jetzt als Beispiel das TCPIP-Protokoll, von dem ich schon geredet habe,
auf dem das Internet basiert. Auch das ist so aufgebaut als Beispiel. Und Kevin Kelly macht tatsächlich sozusagen so eine Anleitung daraus, wie ein komplexes System aufzubauen ist. Ich mache die einfachen Aufgaben zuerst, bringe sie reibungslos zum Funktionieren, ziehe eine neue Schicht über das Resultat der einfachen Aufgabe
und dann ändere diese Schicht nicht mehr ab, versuche auch die obere Schicht so reibungslos so einfach zu gestalten wie möglich und repeat bei eins, Iteration. Das hier ist Howard Bloom. Howard Bloom ist eigentlich gar kein wissenschaftlicher, ist eher Autor,
aber er hat sehr, sehr interessante Artikel geschrieben, die ich letztens gelesen habe, und zwar auf Telepolis auch über mehr oder weniger komplexe adaptive Systeme und vor allem ihre evolutionäre Herkunft. Und er verbindet aber tatsächlich dann nicht nur die Ökosysteme und die natürlichen Systeme,
sondern geht dann auch weiter auf Gesellschaften und wie funktionieren Gesellschaften und wie funktionieren andere interaktive Zusammenhänge von verschiedenen Einzelsystemen. Und er sagt eben, dass diese komplexen adaptive Systeme immer mal wieder,
wenn sie ihre eigenen Einheiten produzieren oder herausbringen, dass die eigentlich eigentlich Hypothesen sind. Insofern, dass sie sich alle mehr oder weniger in bestimmten Bereichen voneinander unterscheiden und diese Unterscheidung tatsächlich erstmal eine Wette in die Zukunft ist.
Das adaptive System schickt einzelne Versuche heraus und schaut dann, welche jetzt gut funktionieren und welche nicht gut funktionieren. Und so erkundet ein komplexes adaptive System die Möglichkeiten, die es in seiner Umwelt hat. Es gibt natürlich dann zwangsläufig auch die Selektionsmechanismen,
die dann darüber entscheiden, ob jetzt ein bestimmtes Experiment, eine bestimmte Hypothese weiterverfolgt wird oder nicht. Und er identifiziert davon drei unterschiedliche Sorten. Das sind die Nutzensortierer, die bestrafen jegliche Hypothese, die eben nicht erfolgreich ist. Also wenn eine Hypothese nicht erfolgreich ist, dann kriegt sie noch mal extra einen drauf.
Das passiert tatsächlich in Gesellschaften genauso wie im Gehirn und in den Neuronenentwicklungen. Die Ressourcenverteiler machen das Gegenteil. Sie belohnen, sie überschütten praktisch erfolgreiche Hypothesen mit Ressourcen, was immer die Ressource in diesem System ist.
Oft sind es elektrische Signale im Gehirn oder eben Nahrungszellen und anderen Sachen. Und dann gibt es noch das dritte, Kämpfe in der Gruppe. Also wenn konkurrierende Hypothesen miteinander in Konkurrenz stehen, dann entstehen meistens Kämpfe, aus denen dann der Sieger hervorgeht.
Das alles hört sich sehr ekelhaft an, ist es auch, aber es ist irgendwie auch relativ notwendig, weil komplexe adaptive Systeme sind, adaptiv bezieht sich natürlich aufs Lernen. Das sind lernende Systeme. Sie probieren Dinge aus, aber sie probieren sie nicht immer jedes Mal wieder neu aus, sondern sie lernen, sie merken sich,
welche Strategien erfolgreich sind, welche Strategien nicht erfolgreich sind. Das hier ist jetzt Leo Bass und er ist jetzt der Meinung, der ist allerdings tatsächlich wieder Biologe und er meint jetzt tatsächlich, dass in diesem iterativen Prozess sich dieser Selektionsdruck aber ebenfalls verschiebt. Das heißt also, wenn ich eine Ebene in diesem komplexen System habe,
das zum Beispiel einzelne Zellen umfasst, dann wird, wenn diese Zellen sich zu einer größeren Entität wieder zusammenschließen und diese Iteration passiert, dann passiert auch der Selektionsdruck, verschiebt sich auf die höhere Ebene.
Und die untere Ebene wird mehr oder weniger verschont. Also nicht ganz, aber ein bisschen mehr. Also das heißt, die Hypothesen werden nicht mehr in der unteren Ebene passieren, sondern die untere Ebene, die wird sich nach Kelly sozusagen mehr oder weniger einrütteln,
dass sie mehr oder weniger homogen und mehr oder weniger sehr funktionabel und sehr sehr einfach funktioniert, während dann in der nächsten Ebene die Experimente stattfinden, die Hypothesen rausgefeuert werden und der Selektionsdruck natürlich zuschlägt. Gut, jetzt habe ich jetzt sehr sehr, jetzt will ich ganz biologistisch von dort jetzt wieder zurück,
auf unsere Plattform-Neutralitätsfrage zurück verlinken und das als Vorbild nehmen dafür, was eine Plattform ist und das wäre dann tatsächlich eine Systemebene von einem jeweils komplexen System, auch zum Beispiel der Gesellschaft, in dem ein relativ hohes Konformitätsniveau herrscht,
das selbst ein Gedächtnis ist, eine Art Gedächtnis, und in dem vor allem, und darum geht es mir eigentlich, ein geringer Selektionsdruck herrscht. Und wenn wir uns jetzt die Beispiele nochmal zurückverfolgen,
das ist genau das, was passiert, wenn wir ein bedingungsloses Grundeinkommen einführen, wenn wir fahrscheinlosen Tarifverkehr einführen, dann nehmen wir dort Selektionsdruck aus dieser Ebene heraus und können somit eine Plattform schaffen, auf der dann wiederum allerdings wieder ein erhöhtes Selektionsdruck herrschen kann.
Plattformneutralität wäre dann die Befreiung von einer Systemebene vom Selektionsdruck. Das wäre sozusagen das erstrebte Ziel. Es ist wahrscheinlich fraglich, ob das je 100% machbar ist, egal auf welcher Ebene, aber zumindest ist das sozusagen als politisches Ziel beschreibbar.
Dass man sagt, okay, wir iterieren eine bestimmte Eigenschaft, die wir in der Gesellschaft haben, und nehmen dort den Selektionsdruck raus. Das hier ist Antje Schrupp, viele kennen sie von euch bestimmt als bloggende und twitternde Philosophin, würde ich sagen. Und ich bin ganz angetan von ihrem Begriff von Freiheit.
Es gibt unterschiedliche Begriffe von Freiheit, ich will das jetzt sehr oberflächlich behandeln. Es gibt zum Beispiel die negative Freiheit, das heißt also frei von Zwang, frei von Repression, frei von Zwang. Es gibt die Autonomie, das wäre sozusagen die FDP-Variante der Freiheit.
Ich bin völlig unabhängig und ich kann einfach alles machen, was ich will und etc. Und es ist aber auch relativ unrealistisch. Und sie macht jetzt eigentlich so ein Paradox auf und sagt, Freiheit ist für sie Eingebundensein. Eingebundensein hört sich erstmal nicht nach Freiheit an, das heißt irgendwie so,
ich bin dann irgendwie am Netzwerk, auf dem ich immer darauf achten muss, was der andere tut, und ich bin dadurch determiniert, dass ich eingebunden bin. Das stimmt ja auch, aber sie meint das ein bisschen anders. Sie meint, dass wir halt, wenn wir als Menschen in die Welt kommen, dass wir halt nie bei Null anfangen.
Wir haben keine Autonomie, es gibt keine Autonomie, das hat sie nie gegeben, sondern wir basieren bereits auf einem riesengroßen Haufen an Kultur, einem riesengroßen Haufen an Sozialität und einem riesengroßen Haufen an Strukturen. Und dieses Eingebundensein, das erfasst uns Menschen von Anfang an und es kann die Grundlage für Freiheit sein.
Sie nennt diese Grundlage auch Heimat, damit meint sie aber nicht das Kuhdorf, aus dem wir gerade geflohen sind, sondern sie meint dort einfach Strukturen, die bedingungslos sind. Ein bisschen in die Richtung geht zum Beispiel die Familie. Man kann meistens in der Familie ziemliche Scheiße bauen,
aber tatsächlich aus der Familie rausfliegen geht nicht. Staatsbürgerschaft ist auch so ein Beispiel. Für sie ist es aber auch vor allem eine emotionale Sache. Bei ihr ist es das Christentum, sie sagt sie ist Christin und überhaupt, dass sie in dieses Christentum eingebettet ist und sich dort sozusagen heimatlich fühlt, bedingungslos fühlt
und bedingungslos eingebunden fühlt, das ermöglicht ihr überhaupt auch kritisch, auch ketzerisch, auch alles Mögliche gegen oder über das Christentum zu schreiben. Und das gilt eben für verschiedene Ebenen. Und ich glaube, dass damit mit diesem Begriff der Heimat
auch eine ganz gute Metapher für die Plattform gemeint sein kann, denn die Heimat ist das, worauf Freiheit aufsetzt. Also erst, wenn ich halt in diesem eingebundenen Seins Zusammenhang, wenn der bedingungslos hergestellt ist,
wenn der diskriminierungsfrei hergestellt ist, wenn ich weiß, dass egal, was ich mache, aus diesen Dingen, aus diesem Konzept nicht mehr herausfallen kann, erst dann kann ich wirklich trollen. Gut, und damit komme ich dann eigentlich auch schon zum Ende. Ich glaube, dann haben wir sogar noch ein bisschen Fragen. Ich habe jetzt extra schnell gemacht
und will jetzt nur noch eine abschließende Definition geben. Konkret bedeutet für mich die Plattformneutralität, die Verschiebung des Selektionsdruck von der Ebene der Menschen hin zu der Ebene der Ideen. Das heißt, erst wenn wir allen Menschen grundsätzlich und ohne irgendwelche Bedingungen, Einkommen, Partizipation,
Transport und Kommunikation garantieren, dann haben wir erst tatsächlich eine Ebene, auf der dann umso freier auf dieser Ebene gedacht und kommuniziert werden kann.
Das wäre mein Talk. Danke.