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16 - Wir entscheiden mit dem Deckungsbeitrag: Make or buy, Preisuntergrenze, Produktionsprogramm

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Willkommen zum kleinen Einmaleins der Kostenrechnung. Unser Thema heute: Entscheidungsrechnungen. Die Kostenrechnung
soll Zahlenmaterial für Entscheidungen
bereit stellen. Diese Entscheidungen können sich auf das Produktionsprogramm beziehen: - Welche Produkte stellen wir her? - In welchen Mengen stellen wir sie her? - Stellen wir ein Produkt ein?
- Ergänzen wir neue Produkte? Die Entscheidungsrechnungen können sich auf Preisober- bzw. -untergrenzen
wir unsere Preise? - Zu welchen Preise beziehen beziehen: - Wie kalkulieren bieten wir verschiedenen Kunden (die Wo liegt unsere Gewinnschwelle? Wie viel vielleicht unterschiedliche Mengen unserer
müssen wir mindestens produzieren und absetzen, um den Break-even-Punkt zu Produkte abnehmen) unsere Produkte an? überschreiten? Welche Produkte und
Vorprodukte stellen wir selbst her? Welche kaufen wir zu? ("Make or Buy"-Entscheidungen ist hierfür das Stichwort) Für
alle Entscheidungen, bei denen sich die Fixkosten nicht ändern - das sind in der Regel sog. "kurzfristige Entscheidungen" - ist der Deckungsbeitrag das
Erscheinungskriterium. Sollen wir ein Produkt in unser Produktionsprogramm aufnehmen? Entscheidend ist (freie Kapazität vorausgesetzt), ob das Produkt einen positiven Deckungsbeitrag liefert. Wenn
ja - dann ja. Wenn nein - dann nein. Wenn wir keine freie Kapazität haben oder wenn ein sonstiger Engpass vorliegt, ist der Deckungsbeitrag ebenfalls das Entscheidungskriterium. Hier zählt allerding der "relative Deckungsbeitrag." Bei einem Engpass müssen wir sozusagen
ein bestehendes Produkt substituieren durch ein neues Produkt und wir vergleichen die Produkte anhand ihres Deckungsbeitrages
pro Engpass-Einheit. Wir stellen
uns die Frage nach der Preisuntergrenze unserer Produkte. Langfristig muss der Preis natürlich die gesamten Kosten
(inkl. Fixkosten) decken, das heißt die langfristige Preisuntergrenze entspricht den gesamten Stückkosten. Kurzfristig
ist wieder der Deckungsbeitrag relevant. Der Deckungsbeitrag muss mindestens Null sein. Dies ist der Fall, wenn
der Stückpreis den variablen Kosten entspricht: hier liegt unsere kurzfristige
Preisuntergrenze. Diese kurzfristige Preisuntergrenze gilt dann auch für Zusatzaufträge (bei freier Kapazität) Sofern der Kunde bereit ist, einen
Stückpreis zu zahlen, der über den variablen Stückkosten liegt, können wir den Zusatzauftrag annehmen. Sollen wir ein
Produkt selbst produzieren oder kaufen
wir es von außen zu? (eine Make-or-Buy Entscheidung) Wieder ist der Deckungsbeitrag
entscheidungsrelevant. Wir kaufen bei freier Kapazität dann zu, wenn der Fremdbezugspreis geringer ist als die variablen Stückkosten. Wenn ein Engpass
vorliegt, ist die Rechnung etwas komplizierter. Hier muss der Bezugspreis kleiner als die variablen Stückkosten plus Opportunitätskosten sein. Dazu ein
Zahlenbeispiel: Wir sind ein Waschmittelhersteller und 1 kg unseres Produktes kostet uns 2,50 € (gesamte Selbstkosten). Ein Großkunde fragt die Lieferung von 20 000 kg des Produktes an, er ist bereit, 1,20 € pro kg zu bezahlen. Nach der Vollkostenrechnung müssten wir den
Auftrag ablehnen, denn der uns angebotene Preis liegt unterhalb unserer Stückkosten von k = 2,50 €. Nach der Teilkostenrechnung
können wir den Auftrag jedoch annehmen, denn der angebotene Preis liegt oberhalb der variablen Stückkosten. Entscheidungsrelevant ist wiederum der
Deckungsbeitrag: Wenn wir den Auftrag annehmen, erzielen wir einen zusätzlichen Deckungsbeitrag von 30 Cent pro Kilogramm. Jedes Kilogramm, welches wir im
Rahmen dieses Zusatzauftrages absetzen, schmälert unseren Fixkostenblock um 30 Cent. Ein weiteres Beispiel: Wir
stellen ein Produkt her, dessen gesamte Stückkosten 15 € und dessen variable
Stückkosten 11 € betragen. Wir könnten das Produkt auch zum Stückpreis von
12 € von einem anderen Hersteller erwerben. Entscheidend ist wieder der
Deckungsbeitrag. Diese ist in jedem Fall
bei einer Eigenproduktion höher, denn der Fremdbezugspreis ist höher als die variablen Kosten: Wir stellen das Produkt also weiterhin selbst her. Der
Deckungsbeitrag hilft uns auch bei der Zusammenstellung des optimalen Produktionsprogramms. Dies soll ein Zahlenbeispiel belegen: Unser Unternehmen stellt Design-MP3-Player her.
Wir haben drei Produkte im Angebot: A, B und C mit 160 €, 100 € und 80 € Stück-Verkaufspreis. Die variablen Stückkosten betragen 60 €, 50 € und 40 € pro Stück. Die maximal abzusetzenden Mengen: 40, 90 und 300
Stück am Tag. Unsere Produkte sind sehr unterschiedlich arbeitsintensiv. Wir benötigen 8 Minuten pro Stück für die
Produktion von A. 2 Minuten für B und nur eine Minute für C. Wir berechnen den Stück-Deckungsbeitrag für jedes unserer Produkte: A liefert (160 € - 60 € =) 100
€/St. B liefert (100 € - 50 € =) 50 €/St. C liefert (80 € - 40 € =) 40 €/St.
Produkt A besitzt den höchsten Stückdeckungsbeitrag, bei freien Kapazitäten,
favorisieren wir die Produktion von Produkt A. Wenn wir keine freie Kapazitäten haben, wenn ein Engpass vorliegt, sieht die Situation anders aus. Jetzt zählt jede Minute und deshalb beziehen wir
den Stückdeckungsbeitrag auf eine Engpass-Einheit: Wir dividieren durch den Arbeitszeitbedarf 100 €/St. / 8 min/St.
= 12,5 €/min (Produkt A) 50 €/St. / 2 min/St. = 25 €/min (Produkt B) 40 €/St. / 1 min/St. = 40 €/min (Produkt C) Die begrenzende Ressource ist die Arbeitszeit.
Wenn wir die Zeit möglichst effizient nutzen wollen, produzieren wir Produkt C vor Produkt B vor Produkt A. (Zusammenfassung: Entscheidungsrechnung) Als langfristige Preisuntergrenze gelten die gesamten Stückkosten; als
kurzfristige Preisuntergrenze sind die variablen Stückkosten relevant. Bei freien Kapazitäten produzieren wir bevorzugt Produkte mit hohem absoluten Stückdeckungsbeitrag. Bei Engpässen produzieren wir bevorzugt
Produkte mit hohem relativem Stückdeckungsbeitrag. Bei freier
Kapazität ist der absolute Deckungsbeitrag entscheidungsrelevant; bei Engpass ist der relative Deckungsbeitrag entscheidungsrelevant für die Aufnahme oder Nicht-Aufnahme in unser Produktionsprogramm.
Im Folgenden analysieren wir die Situation der MUSTA GmbH mit Hilfe einer einstufigen Deckungsbeitragsrechnung. Wir stellen den Umsatzerlösen der verschiedenen Erzeugnissgruppen die variablen
Selbstkosten gegenüber und berechnen den Deckungsbeitrag. Sämtliche
Erzeugnisgruppen besitzen einen positiven
Deckungsbeitrag - tragen also zum Gewinn bei - mit einer Ausnahme: Die Ersatzteilproduktion erwirtschaftet einen negativen Deckungsbeitrag von minus 5 Mio.
€. Wenn man ausschließlich nach diesen Zahlen urteilt, müsste man die Ersatzteilproduktion streichen, denn ohne diesen Geschäftsbereich wäre der Gesamtgewinn
des Unternehmens (um 5 Mio. €) größer. Allerdings gibt es andere, sehr
gewichtige Gründe, diesen Geschäftsbereich doch aufrecht zu erhalten: Der Kunde erwartet von einem Automobilhersteller, dass dieser Ersatzteile bereit stellt. In der einstufigen Deckungsbeitragsrechnung
wird der gesamte Deckungsbeitrag der Produkte addiert (749 Mio. €)
und dem Fixkostenblock (629 Mio. €) gegenübergestellt. Die Differenz (120 Mio. €) ergibt das Betriebsergebnis. Hier noch einmal das Schema der einstufigen Deckungsbeitragsrechnung:
Wir bilden für jedes Produkt die Differenz (Umsatz minus variable Kosten) und erhalten für jede Produktat den Deckungsbeitrag (DB). Wir addieren alle Deckungsbeiträge zum Gesamt-Deckungsbeitrag. Hiervon ziehen wir den Fixkostenblock (K(F)) ab und erhalten den Erfolg. Noch aussagekräftiger wird die Deckungsbeitragsrechnung, wenn wir unser Unternehmen
quasi in Schichten unterteilen und den Fixkostenblock auf diese Schichten aufsplitten. Wir ziehen dann nach und nach von unserem
Ausgangsdeckungsbeitrag (den wir jetzt
Deckungsbeitrag I nennen) die verschiedenen
Fixkosten-Schichten ab: - Erzeugnis-Fixkosten - Erzeugnisgruppen-Fixkosten - Bereichs-Fixkosten und letztendlich die
- Unternehmens-Fixkosten Auf diese Art und Weise können wir sehr schnell
kritische Bereiche unseres Unternehmens identifizieren und Gegenmaßnahmen ergreifen. Abschließend eine mehrstufige
Deckungsbeitragsrechnung der MUSTA GmbH: Die Deckungsbeiträge I haben wir schon
errechnet. Die Produkt-Deckungsbeiträge
werden jetzt nicht einfach addiert, sondern wir ziehen von jedem einzelnen Wert die Erzeugnis-Fixkosten ab (die Fixkosten, die eindeutig dem Erzeugnis
zugerechnet werden können) Wir erhalten den Deckungsbeitrag II, einem Vorteilhaftigkeitskriterium der Erzeugnisse gesehen werden. Wir sehen, dass nicht nur die
Ersatzteilproduktion problematisch ist, sondern auch die Produktion des neuen MUSTA Off-Road. Ein negativer Deckungsbeitrag ist immer ein Alarmsignal.
Da der MUSTA Off-Road ein neues Produkt ist, welches sch noch in der Entwicklung befindet, Wir addieren die Deckungsbeiträge II der Erzeugnisgruppen
auf und ziehen die entsprechenden Erzeugnisgruppen-Fixkosten ab. Wir sehen,
dass die 45 Mio. € DB II der Dienstleistungen die minus 20 Mio. € DB II der Ersatzteile überkompensieren, so dass wir im Bereich "Zusatzleistungen" auf einen positiven Gesamt-Deckungsbeitrag DB III kommen. Wir sehen, dass die
beiden Produkte City und Family unsere Haupt-Gewinnträger sind. Wir haben immerhin 200 Mio. € Deckungsbeitrag III für diese Produktgruppe. Insbesondere
überkompensieren diese 200 Mio. € die Millionen minus 60 Mio. € des Off-Roads. Wenn wir auch noch die Bereichs-Fixkosten abziehen, erhalten wir für den Geschäftsbereich
Mathematische Größe
Kapazität <Mathematik>
Vorzeichen <Mathematik>
Finite-Elemente-Methode
Tiefe
Einmaleins
Stochastische Erzeugung
Extrempunkt
Biprodukt
Zahl
Computeranimation
Entscheidungstheorie

Metadaten

Formale Metadaten

Titel 16 - Wir entscheiden mit dem Deckungsbeitrag: Make or buy, Preisuntergrenze, Produktionsprogramm
Serientitel Kleines Einmaleins der Kostenrechnung - Grundlagen der Kostenrechnung für Ingenieure
Teil 16
Anzahl der Teile 19
Autor Lauth, Günter Jakob
Mitwirkende Lauth, Anika (Medientechnik)
Lizenz CC-Namensnennung - keine kommerzielle Nutzung 3.0 Deutschland:
Sie dürfen das Werk bzw. den Inhalt zu jedem legalen und nicht-kommerziellen Zweck nutzen, verändern und in unveränderter oder veränderter Form vervielfältigen, verbreiten und öffentlich zugänglich machen, sofern Sie den Namen des Autors/Rechteinhabers in der von ihm festgelegten Weise nennen.
DOI 10.5446/17927
Herausgeber Günter Jakob Lauth (SciFox)
Erscheinungsjahr 2013
Sprache Deutsch

Inhaltliche Metadaten

Fachgebiet Mathematik
Schlagwörter Controlling
Entscheidungsrechnung
Deckungsbeitrag

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