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Formelgebundende Mittelverteilung Checkliste 1 - Screencast

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Formale Metadaten

Titel
Formelgebundende Mittelverteilung Checkliste 1 - Screencast
Serientitel
Anzahl der Teile
17
Autor
Mitwirkende
Lizenz
CC-Namensnennung 4.0 International:
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Identifikatoren
Herausgeber
Erscheinungsjahr
Sprache
Produzent
Produktionsjahr2021
ProduktionsortOsnabrück

Inhaltliche Metadaten

Fachgebiet
Genre
Abstract
Dies ist Teil 1 von 3 der Screencastreihe Formelgebundene Mittelverteilung Checkliste. Professor Ziegele erklärt in diesem Screencast, welche Aspekte bei der Gestaltung einer Formel beachtet werden sollen und geht auf mögliche Schwierigkeiten in der praktischen Umsetzung ein.
Schlagwörter
Computeranimation
Transkript: Deutsch(automatisch erzeugt)
Die formelgebundene Mittelverteilung ist ein wichtiges Element von Mittelverteilungs- und finanziellen Allokationssystem. Ob eine Mittelverteilung letztendlich gut funktioniert
und ihre erhofften Wirkungen entfaltet, hängt von der Gestaltung des Modells ab. Es gilt, sehr viele Detailentscheidungen zu treffen und festzulegen,
um letztendlich so eine Finanzierungsformel als Teil eines Finanzierungsmodells zu implementieren. Ich habe mal eine Liste zusammengestellt, wenn man so ein Modell entwerfen will, ein formelgebundenes, indikatorgesteuertes Mittelverteilungsmodell,
die man benutzen kann, um sich zu vergegenwärtigen, welche Gestaltungsentscheidungen zu treffen sind. Für jede dieser Fragen, die auf der Liste auftauchen, muss letztendlich festgelegt werden, welche Alternative man wählt. Ich gehe das jetzt einmal durch.
Es fängt an mit der Frage, was in einem Mittelverteilungsmodell nicht zu einer Formel gehören sollte. Nehmen Sie mal an, wir haben so ein Modell, wo ein großer Teil des Budgets nach Zahl der Studierenden vergeben wird. Dann kann es ja auch sein, dass man bestimmte Elemente eines Budgets
nun gerade nicht nach diesem Prinzip verteilen will, sondern quasi vor die Klammer der Verteilung zieht. Also quasi schon rauszieht aus der Verteilungsmasse und einem Mittelempfänger direkt zuweist. Nehmen Sie mal an, wir haben ein Verteilungsmodell innerhalb einer Hochschule,
wo die Hochschulleitung nach Zahl der Studierenden auf die Fakultäten verteilt. Nun hat die Fakultät für Biologie oder für Naturwissenschaften die Aufgabe, einen botanischen Garten zu unterhalten und zu betreiben.
Das heißt, das ist eine Spezialaufgabe, und die können Sie nicht einfach in eine Zuweisung nach Zahl der Studierenden mit reinpacken. Das muss man extra finanzieren, und das wäre dann ein sogenannter Vorab. Das heißt, ein Betrag, der nötig ist, um einen botanischen Garten zu unterhalten,
den würde die Fakultät für Biologie vorab erhalten, bevor es überhaupt mit der Verteilung nach einer Formel losgeht. Und was man braucht, wenn man solche Vorabzuweisungen macht, dann braucht man Regeln. Also was ist eine Begründung dafür, dass so ein Vorab zulässig ist?
Zum Beispiel eben, dass es eine Aufgabe ist, wie die Unterhaltung eines botanischen Gartens, die nur eine einzige Fakultät trifft und deswegen eine Sondersituation ausmacht. Oder zum Beispiel, Sie haben verschiedene Liegenschaften und Gebäude an einer Hochschule
und eine Fakultät sitzt in einem gemieteten Gebäude und eine andere Fakultät in einem landeseigenen Gebäude. Jetzt können Sie nicht verlangen, dass die eine Fakultät aus ihrem Budget nach Studierendenzahlen die Miete bezahlt, aber die andere Fakultät nicht.
Das heißt, da würden Sie die Miete dann auch vor die Klammer ziehen und als eine Vorabzuweisung finanzieren. Oder wenn eine Aufgabe Aufgaben für alle übernimmt, zum Beispiel, wenn jetzt hier eine Fakultät für Sprachen bietet,
Deutsch für Ausländer an, was allen Fakultäten nützt, dann können Sie das auch nicht nach Zahl der Studenten finanzieren. Das wäre ja ungerecht, wenn dann eine Fakultätaufgabe für andere übernimmt. Das heißt, in dem Fall wäre auch eine Vorabzuweisung geboten. Also ich brauche Regeln, die mir sagen, was mache ich nicht per Formel.
Und wenn ich die Regeln habe, das ist der zweite Punkt, muss ich anhand der Regeln entscheiden, welche Fakultät jetzt eine Vorabzuweisung bekommt und welche nicht und aus welchem Grund. Also das ist erstmal außerhalb der Formel. Auch der dritte Punkt ist noch außerhalb der Formel.
Und das ist die Frage, gibt es irgendeine Basisfinanzierung jenseits der Formel, wo ich einfach den Fakultäten innerhalb einer Hochschule eine Grundfinanzierung gewähren möchte, die eben nicht formelbasiert, auch nicht per Zielvereinbarung oder so ist,
sondern die relativ stabil ist. Das wäre dann ein Teil des Budgets einfach fortgeschrieben. Das heißt, ein bestimmter Teil beruht einfach auf dem Budget des Vorjahres. Einen bestimmten Prozentsatz erhält man immer pauschal zugewiesen. Das würde dann ja Stabilität schaffen.
Die Frage ist, wie viel soll das sein? Wie hoch soll der Anteil sein? Hängt man vielleicht doch sowas wie eine Zielvereinbarung? Deswegen steht hier Kontrakte, also sowas wie ein Kontrakt dran, dass man vielleicht transparent machen muss, welche Ziele man verfolgt als Gegenleistung zur Basisfinanzierung. Man braucht auch noch ein Verfahren der stabilen Grundfinanzierung.
Das existiert in fast allen Budgets. Im 3-Säulen-Modell wäre das die berühmte Säule 1 dann über so eine pauschale Basisfinanzierung. Jetzt kommen wir zur Formel. Wenn ich jetzt einen Teil des Budgets nach einer Formel,
also dieser Algorithmus, der mir Indikator gestützt, Geld verteilt, wenn ich das nehmen will, was muss ich dann alles entscheiden? Ich muss erstens mal so eine Idee haben von Grundorientierung. Wie stabil soll das Modell sein? Wie anreizorientiert?
Das bedeutet dann, wie groß ist die Formel eigentlich? Will ich mehr Indikatoren finden, die mir das Volumen von Studierendenzahlen beschreiben? Oder will ich echte Leistungsparameter? Wie ist die Gewichtung zwischen denen? Geht es mir mehr um Forschung und Lehre?
Es gibt ja Leute, die die These vertreten, eigentlich muss ich gar nicht so viel Forschung in so eine Mittelverteilungsformel reinpacken, weil für Forschung sind ja alle Beteiligten eh intrinsisch motiviert und ich muss selektiv Anreize für Lehre schaffen. Das heißt, dann wäre die Gewichtung von leer bezogenen Indikatoren
in so einer Formel größer als von Forschungsbezogenen. Und die Frage Angebot Nachfrage, also will ich eher zum Beispiel Angebot, da baue ich in so einer Formel die Zahl der Studienplätze, das Angebot der Studienplätze mit ein
und lege eine Finanzierung pro Studienplatz fest oder eben eine Finanzierung pro Studierenden, also die Nachfrage, die tatsächlich kommt. Also eine eher angebotsorientierte oder eher nachfrageorientierte Formel. Das sind auch zwei Möglichkeiten, die man natürlich hat an der Stelle.
Und all das muss ich entscheiden und muss es dann eben mit Gewichten versehen. Ist das eine oder andere wichtiger? Und entsprechend muss ich mein Indikatorenmodell ausrichten. Dann gibt es einen weiteren Punkt, eine ganz wichtige Grundsatzentscheidung. Soll eine Formel, Bemessung oder Verteilung von Mitteln ausdrücken.
Das muss ich ein bisschen genauer erklären. Verteilung würde heißen, ich lege ein Budget X fest. Ich sage, innerhalb der Hochschule werden in unserem Haushalt
fünf Millionen Euro nach Zahl der Absolventen verteilt. Das heißt, ich lege die Budgetsumme fest, sage die ist fünf Millionen oder X Euro und dann schaffe ich eine Formel, einen Algorithmus, der mir das dann aufteilt auf die Fakultäten nach ihrer jeweiligen Zahl der Absolventinnen.
Die einfachste Variante mathematisch wäre zum Beispiel, dass man sagt, wenn jetzt eine Fakultät zehn Prozent der Absolventinnen hat, im Vergleich zur Hochschule insgesamt, dann kriegt sie auch zehn Prozent von den fünf Millionen.
Das wäre eine super einfache Formel. Eine Formel könnte auch komplexer sein, aber das wäre ein sehr, sehr einfaches Verteilungsmodell. Da würde dann Leistung eben honoriert, indem das Geld an eine feststehende Summe Geldes verteilt wird auf die Fakultäten.
Bemessung ist ein anderes Grundprinzip. Bemessung ist nicht das Budget von vornherein gegeben, sondern das Budget errechnet sich endogen aus der Formel. Und das funktioniert in der Regel über so eine Menge mal Preismechanismus.
Also nehmen wir an, die Zahl der Studierenden ist Teil der Formel. Dann würde man sagen, ich messe die Zahl der Studierenden. Also Fakultät für Naturwissenschaften hat 500 Studierende, die Geisteswissenschaften haben 200. Und jetzt habe ich einen Preis oder eine Prämie, die wird pro Studierenden bezahlt.
Also dann ist die vermutlich bei den Naturwissenschaften auch höher, weil die höhere Kosten haben. Also ich würde dann sagen, für eine Naturwissenschaftlerin bezahle ich quasi x Euro.
Das heißt, ich nehme Menge mal Preis und daraus errechnet sich ein Budget. Und wenn Sie das jetzt über alle Fakultäten machen, dann können Sie am Ende Ihr Gesamtbudget aus der Formel errechnen. Das heißt, Bemessung heißt, das Budget wird durch die Formel in seiner Höhe bemessen.
Also die Formel sagt mir im Prinzip auch, die Fakultät hat so und so viel Geld verdient, weil sie so und so viele Absolventinnen produziert hat oder Studierende ausgebildet. Also das wäre ein Bemessungsmodell. Da können Sie schon mal die Frage stellen, was ist eigentlich realistischer von den beiden?
Bemessung könnte es ja passieren, dass man zum Beispiel ein Budget errechnet, für das man das Geld gar nicht hat. Die Studierendenzahlen sind überall gestiegen, das Budget geht hoch. Jetzt stellt sich die Frage, habe ich das Geld überhaupt zur Verfügung?
Aber da kann man ja noch weiter drüber reden. Ich will erst mal nur die verschiedenen Möglichkeiten aufzeigen. Also Bemessungs- oder Verteilungssystem. Das ist ein unterschiedliches mathematisches Herangehen an diese Berechnung von Budgets. Dann muss ich auch als Teil des Systems definieren,
wer meine Zuweisungsempfänger in dem System sind. Also nehmen Sie an, Verteilung innerhalb der Hochschule von der Hochschulleitung. Jetzt könnte man zum Beispiel fragen, verteilt die Hochschulleitung, nehmen Sie an, Sie haben so eine traditionelle Universität mit starken Instituten, verteilt die Hochschulleitung an die Fakultäten und die verteilen dann weiter an Institute
oder verteilt die Hochschulleitung direkt an die Institute und finanziert gar nicht auf Fakultätebene. Dann haben Sie natürlich eine sehr schwache Fakultätsleitung, wenn Sie so etwas machen würden. Also Sie müssen definieren, was sind die organisatorischen Einheiten, die das Geld kriegen.
Wer ist mein Zuweisungsempfänger? Innerhalb einer Fakultät sind die Zuweisungsempfänger Lehrstühle oder Studienprogramme beispielsweise. Das ist alles Teil solcher Allokationsmodelle und da kann man schon auch verschiedene Varianten fahren.
Also Definition der Zuweisungsempfänger. Dann muss ich mir natürlich raussuchen, welche Indikatoren nehme ich. Ich muss die bestimmen und ich muss die gewichten. Die Bestimmung der Indikatoren hängt von meinen Zielen ab. Wenn ich möchte, dass es sehr ergebnisorientiert ist, dass die Hochschulen ihre Studierenden schnell und zügig und effizient ausbilden,
dann ist Zahl der Absolventinnen sicherlich kein falscher Indikator. Wenn ich möchte, dass die Drittmitteleinwerbung gestärkt wird, dann nehme ich die Drittmittel als Leistungsindikator.
Also da muss man eben letztendlich eine Auswahl treffen. Gewichten heißt, ich muss nicht nur die Indikatoren wählen, sondern ich muss auch sagen, welchen Anteil meines verfügbaren Geldes will ich mit welchem Indikator verteilen. Und das ist klar, je wichtiger ein Indikator ist, desto höher das Gewicht in einer Formel.
Also die Gewichtung ist auch eine Entscheidung, die zu treffen ist.