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Spurensuche nach historischen Kulturlandschaftsteilen in Niedersachsen

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Formale Metadaten

Titel
Spurensuche nach historischen Kulturlandschaftsteilen in Niedersachsen
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34
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Erscheinungsjahr
Sprache
Produktionsjahr2021
ProduktionsortHannover

Inhaltliche Metadaten

Fachgebiet
Genre
Abstract
Der Kulturlandschaftsforscher Florian Friedrich stellt das Projekt „Spurensuche Niedersachsen Digital“ des Niedersächsischen Heimatbundes (NHB e.V.) vor. Er zeigt einige Beispiele historischer Kulturlandschaftsteile und erläutert die jeweiligen Hintergründe anhand historischer Karten, Luftbildern und dem Digitalen Geländemodell (DGM). Interessierte sollen in diesem Zusammenhang zur Mitarbeit im Projekt angeregt werden.
Schlagwörter
ComputeranimationBesprechung/Interview
Technische Zeichnung
Vorlesung/Konferenz
HannoverVorlesung/Konferenz
Vorlesung/Konferenz
Vorlesung/Konferenz
Vorlesung/Konferenz
Vorlesung/Konferenz
Technische Zeichnung
Vorlesung/Konferenz
Vorlesung/Konferenz
Vorlesung/KonferenzComputeranimation
Transkript: Deutsch(automatisch erzeugt)
Hallo und herzlich willkommen zum Vortrag über historische Kulturlandschaftsteile in Niedersachsen. Mein Name ist Florian Friedrich. Ich beschäftige mich seit gut 20 Jahren mit dem Thema im Zusammenhang mit dem Niedersächsischen Heimatbund
und betreue dort jetzt momentan das Projekt Spurensuche Niedersachsen digital. Das Projekt hat zur Aufgabe, digitale Erfassungsmöglichkeiten für historische Kulturlandschaftselemente zu schaffen und die Ehrenamtlichen in ganz Niedersachsen zusammenzubringen, um sie zu vernetzen und ihnen Schulungs- und Weiterbildungsmöglichkeiten an die Hand zu geben auf digitalem Weg.
Aber lassen Sie mich am Anfang beginnen. Das Ganze steht nämlich im größeren Rahmen des Projektes Spurensuche in Niedersachsen. Der Niedersächsische Heimatbund hat schon 1999 damit begonnen, einen Arbeitskreis zu gründen, um dem schleichenden Verlust von historischen Kulturlandschaftsteilen entgegenzuwirken.
Es wurde erkannt, dass einiges unter Naturschutz gestellt wurde dieser historischen Kulturlandschaftsteile, anderes unter Lenkmalschutz stand, aber das Gros war unbekannt und unbearbeitet und dem wollte der Niedersächsische Heimatbund mit seinen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern begegnen,
indem solche Objekte dokumentiert werden, bekannt gemacht werden und damit dann hoffentlich verhindert wird, dass sie bei Bauvorhaben aus Unwissenheit zerstört werden. Zu diesem Zweck ist ein Buch erschienen. Bereits 2002 hat Christian Wigand das Buch Spurensuche in Niedersachsen geschrieben
in Zusammenarbeit mit dem genannten Arbeitskreis Kulturlandschaft des Niedersächsischen Heimatbundes. Und damit sollte und wurde den Ehrenamtlichen ein wunderbares Nachschlagewerk an die Hand gegeben, in dem 134 Kulturlandschaftsteile unterschiedlicher Art beschrieben werden,
in ihren historischen Kontext gestellt werden, in den unterschiedlichen Landschaften auch dokumentiert werden. Auch rechtliche Hinweise werden gegeben, wie ist das überhaupt mit dem Schutz von historischen Kulturlandschaftsteilen. Das Buch hat einen guten Erfolg gehabt, 2005 folgte bereits die zweite Auflage und für den Niedersächsischen Heimatbund war natürlich entscheidend,
dass möglichst viele ehrenamtliche Melderinnen und Melder aufgrund dieser Initiative Objekte melden, im ganzen Land dem Heimatbund Objekte melden und auf diese Art und Weise eine Sammlung zusammenkommt. Das ist uns im Teilen gelungen, es sind zahlreiche Meldebögen eingegangen,
weit über 3000 Meldungen wurden uns gemacht, daraus haben wir geeignete ausgesucht, wenn eben die Dokumentationslage gut war, ein Foto dabei, gute Karteneinträge, sodass wir es auch lokalisieren konnten und etwa 1850 solcher Objekte haben wir bis heute in die ADAP-Web, die Landesdenkmal-Datenbank übertragen,
sodass sie jetzt bei Planungsvorhaben Berücksichtigung finden können. Selbstverständlich gibt es im Land mehr historische Kulturlandschaftsteile als diese nicht mal 2000 Stück, sodass unsere Spurensuche natürlich noch nicht abgeschlossen ist und wir jetzt mit meinem Projekt Spurensuche Niedersachsen digital
den nächsten Schritt tun wollen und das Ganze eben mit digitalen Hilfsmitteln einerseits für die Ehrenamtlichen vereinfachen wollen, aber auch uns dann die Arbeit der Umsetzung in die ADAP erleichtern wollen.
Wir sind mehrgleisig unterwegs, also neben der Arbeit mit den Ehrenamtlichen versuchen wir auch auf der institutionellen Ebene das Thema weiter voranzutreiben und in diesem Zusammenhang ist auch diese Publikation zu sehen, die von der Fachgruppe Kulturlandschaft begleitet wurde und vom NLWKN unter Federführung von Alexander Harms
veröffentlicht wurde. Sie ist auf Mitarbeiter an den Landschaftsrahmenplänen zugeschnitten, bietet allerdings auch allen anderen Interessierten Möglichkeiten, sich über das Thema zu informieren. Es gibt eine wunderbare Anleitung, wie man die Hintergründe von historischen Kulturlandschaftsteilen erforschen kann,
mit Tipps zu Archiven, mit Tipps zu historischen Karten etc. Das kann ich nur empfehlen, ist erhältlich beim NLWKN für, ich meine, 4 Euro auch erschwinglich. Aber worum geht es, wenn ich von historischen Kulturlandschaftsteilen spreche? Das ist ein weites Feld, wie man so schön sagt. Ich habe einfach mal einige aussagekräftige Beispiele ausgesucht, die ich Ihnen hier jetzt in der Folge präsentieren möchte.
Dazu gehört dann auch eigentlich immer bei mir der Abgleich mit historischen Karten. Das ist also recht kartenlastig, was gleich folgt. Und hin und wieder auch mal eine Schriftquelle, auch das möchte ich damit dokumentieren, dass man über manches Kulturlandschaftselement etwas auch in Heimatliteratur oder Fachliteratur finden kann, unter Umständen.
Dieses erste Beispiel habe ich ausgewählt, weil es ein greifbares ist im wahrsten Sinne des Wortes. Es handelt sich um den Grenzstein, den Sie dort sehen. Aber auch der Graben, an dem dieser Grenzstein steht, ist ein historischer Kulturlandschaftsteil.
Es ist nämlich die alte Grenze sozusagen, also die alte Grenzmarkierung, ein Trockengraben, der in diesem Fall den herrschaftlichen Wald abgrenzte in Teilen. Und erst Anfang des 19. Jahrhunderts kamen dann die Grenzsteine dazu als weiteres Element. Wir haben also auch eine zeitliche Schichtung bei historischen Kulturlandschaftselementen.
Da gilt es dann eben, diese unterschiedlichen Epochen auseinanderzuhalten und das Ganze in der Landschaft dann zu lesen, wenn Sie so wollen. Diese Karte bezieht sich auf die historischen Grenzsteine oder den historischen Grenzstein, den ich Ihnen gerade gezeigt habe. Wir sehen am Rand des Forstes Nummern, die übereinstimmen mit der Nummerierung der Grenzsteine.
Es ist meines Wissens die einzige Karte, die das in diesem Wald so dokumentiert. Und sie stammt leider erst von 1878. Ich kann damit noch nicht das Alter der Grenzsteine bestimmen. Aber auch das ist etwas, was man bei der Spurensuche anfangs aushalten muss. Man kriegt nicht immer gleich alle Antworten.
Wir nähern uns, sage ich mal, der Aufklärung immer Stück für Stück an. Wir bleiben noch bei diesem Grenzbeispiel, dieser Forstgrenze um den ehemalig herrschaftlichen Wald. Die Grenzsteine sind sehr unterschiedlich. Ich denke, dass ich hier die Urform erwischt habe. Also die ersten Steine, die gesetzt wurden, sie wurden später offensichtlich teilweise dann auch ausgetauscht.
Gemein haben sie aber, dass auf der inneren Seite die eben schon angesprochene laufende Nummer zu finden ist und auf der Außenseite klar sichtbar für Leute, die den Wald betreten wollen, die Wolfsangel als Jagdhoheitszeichen.
Im Süden der Sachsen zum Beispiel steht diese Wolfsangel aufrecht als Unterscheidung zu der hier. Das Ganze kommt, wie die meisten Objekte, die ich Ihnen gleich zeigen werde, aus dem Landkreis Zelle. Das war über viele Jahre mein Hauptarbeitsgebiet, sodass ich da eben auch das beste Material hatte und den Vortrag zum großen Teil aus diesem Material speise.
Sie sehen hier auch, das ist roter Sandstein, das der vergänglich ist. Also da sind schon Abplatzungen zu sehen, sicherlich auch durch Feuchtigkeit und Frost bedingt, was dann auch höchstwahrscheinlich den Grund dafür lieferte, dass einige dieser Steine ausgetauscht wurden.
Mittlerweile ist es so, Sie sehen hier ein Bild, das ist noch nicht alt, zwei Jahre alt. Das ist die Vermessung der neuen Zellerortsumgehung. Und im Zuge dieser Vermessung wurden auch die alten Grenzsteine mit einbezogen, weil sie immer noch aktuell auch Grenzzeichen darstellen. Und diejenigen, die schon annähernd abgängig waren,
für die ist es nicht unbedingt gut, wenn da Metallpins eingeschlagen wird. Das sieht man hier auch. Also auch den Rest dieser Grenze wird man auf diese Weise wahrscheinlich verlieren. Aber uns zeigt das eben, dass auch Steine vergänglich sind und warum wir diese historischen Kulturlandschaftsteile und Elemente dokumentieren und darauf hinweisen.
Denn auch das ist etwas, was sicherlich aus Unwissenheit passiert ist. Wenn diese historischen Grenzsteine eine andere Beachtung gehabt hätten, wäre damit hoffentlich pfleglicher umgegangen. Historische Kulturlandschaft können wir sehen. Nicht mehr draußen, da nur noch an einzelnen Elementen.
Aber können wir sehen, wenn wir uns historische Karten dazu anschauen. In diesem Fall hier ist es die kuhhannoverische Landesaufnahme, die ja weite Teile Niedersachsens abdeckt und die wunderbar in einer einzigartigen Art und Weise die Landschaft farbig auch darstellt,
sodass wir einen guten Eindruck gewinnen, wie es zu dieser Zeit im 18. Jahrhundert ausgesehen hat. Für diesen Teil, den ich Ihnen hier rausgesucht habe, fällt vor allem auf, dass es sehr, sehr wenige Bäume gibt. Die wenigen Bäume sind dann in herrschaftlichen Wäldern, wie hier der Gräwingshorst, zu finden.
Auch mit einer Grenze, einem Erdwall in dem Fall umgeben und somit vor dem Zugriff der Nutzerinnen und Nutzer gesichert. Aber wir sehen halt im Rest der Landschaft eine sehr ausgeräumte Landschaft mit einigen kleinen Inseln, die dann auch Gehege darstellen.
Und ein solches Gehege möchte ich Ihnen hier präsentieren. Es ist nämlich so, dass natürlich auch aus dieser Zeit einige Kulturlandschaftsteile den Landschaftswandel, der dann folgte, überdauert haben. Und die zu finden, ist eine Teilaufgabe der Spurensuche. In dem Fall habe ich hier rot markiert, worum es geht. Das ist eine alte, umwalte Bienenstelle mitten in der Heide.
Und die ist heutzutage auch noch zu finden. Allerdings, wie Sie sehen, unter Wald. Das heißt, die hat die Zeitenwände, den Landschaftswandel, überdauert, weil sie eben nicht mehr in Nutzung war. Und weil das Stück, auf dem sie steht, sich nicht für andere Bearbeitungen eignete,
hat man es eben aufgeforsstet oder in diesem Fall einfach durch freien Anflug auch bewalden lassen. Und unter solchen Wäldern sind dann auch noch teilweise Jahrhunderte alte Spuren zu sehen. Ich hoffe jetzt, dass Sie das auch gut sehen können. Es geht um einen Erdweil, der hier durch das Bild läuft.
Der lässt sich relativ schwer fotografieren. Sie sehen auch den Unterbewuchs. Das ist eine der Herausforderungen, vor denen man dann steht. Man hat etwas gefunden. Das Ablichten ist dann die erste große Herausforderung nach dem Finden. Auch die Form dieser Anlage lässt sich im Gelände gar nicht genau bestimmen. Dafür greifen wir zu einem Hilfsmittel.
Ein Hilfsmittel, das leider in Nielsachsen noch nicht frei verfügbar ist für alle. An dieser Stelle nochmal herzliches Dankeschön an das Landesamt für Denkmalpflege, dass wir das DGM, das digitale Geländemodell, nutzen dürfen. Denn es ist ideal beim Auffinden von historischen Kulturundwirtschaftsteilen und, wie eben schon gesagt, auch bei der Abschätzung oder genauen Bestimmung ihrer Form.
Denn gerade bei größeren Objekten wird es manchmal schwierig, im Wald die Dimensionen wirklich absehen zu können. Hier aber sehen wir, dass es keine kreisrunde Form oder Ecke geformt hat, sondern eine etwas aufwändigere aus zwei Ovalen und einem Mittelteil.
Spontan habe ich das Schmetterling genannt, weil es so ein wenig wirkt, wenn das in der Kuh Hannover schen. Ich habe vorhin nicht darauf hingewiesen. Sie können in diesem Vortrag glücklicherweise auch zurückspulen. Dort ist diese Form kartiert. Anders als zum Beispiel im Zusammenhang mit der preußischen Landesaufnahme, aber da kommen wir gleich noch zu.
Genauer als das DGM ist natürlich keine Kartendarstellung, aber wir brauchen diese historischen Karten, um die Funktion zu bestimmen und auch die Lage und den Abgleich mit anderen Kulturlandschaftselementen zu erreichen.
Dafür füge ich jetzt eine weitere besondere Karte ein, und zwar die Verkopplungskarte, auch Teilungskarte oder Rezesskarte genannt. Das ist die Karte, die angefertigt wurde im Zuge der Gemeinheitsteilung und Verkopplung, als das Land, was von allen genutzt wurde, die Almende und auch die Ackerstreifen,
neu verteilt wurden und die Landschaft sich grundlegend änderte. Also das, was wir heute sehen, ist damals entstanden. Die Grundzüge dafür wurden damals festgelegt, während das, was ich Ihnen auf der Kuh Hannover schon gezeigt habe, die Landschaft davor darstellte. Also wir sind da genau am zeitlichen Schnittpunkt, was für die Kulturlandschaftsforschung sehr, sehr spannend ist.
Gerade diese Karte, die Verkopplungskarte, in diesem Fall von Hohne im Landkreis Zelle, zeigt diese beiden Situationen übereinander. Wenn Sie also schauen, sehen Sie graue und schwarze Eintragungen. Das ist die Landschaft, wie sie eben vorgefunden wurde. Dabei auch einige Gehege.
Das hier eben gegenständlicher habe ich mal rot markiert. Sie sehen da auch dann noch alte Flurstücke, die alten Ackerstreifen ragen da hinein. Und auf diese Karte wurde dann die neue Verteilung gezeichnet. Das sind hier die roten Markierungen. Da erkennen Sie also ziemlich deutlich die Wegeführungen, wie sie auch heute dann noch existieren, aber auch die Flurstückeinteilungen.
Und da ist in diesem Fall hier ganz spannend und vielleicht gleich mit zu erklären, dass diese Gehege, die Sie dort sehen, diese drei deutlich erkennbaren Gehege, dass die eben nicht mit verteilt wurden. Das heißt, die haben keine rote Umrandung bekommen. Deren Nutzung endete also in dieser Zeit Mitte des 19. Jahrhunderts.
Während aber die Besitzer, also die Gehege hatten Besitzer, drei verschiedene Besitzer, und diese Besitzer haben danach auch die Ackerstreifen bekommen, auf denen diese Gehege lagen. Haben sie wohl auch nicht sofort umgegraben, sondern zumindest teilweise noch weitergenutzt, was uns ein Blick auf die preußische Landesaufnahme andeutet,
also rund ein halbes Jahrhundert später aufgenommen. Die Aufteilung war somit schon geschehen. Und die Aufforstung bzw. Urbarmachung von neuen Äckern auch in vollem Gange. Aber wir sehen hier eben einen zeitlichen Zwischenschritt, und das ist ganz spannend. Dazu muss ich auch noch erläutern, dass die Verkopplungskarten nicht eingenordet sind.
Also wenn Sie jetzt ein Problem haben, sich zu orientieren, dann liegt das daran, dass die Karte eben gerade, die ich Ihnen zeichne, nicht eingenordet ist, die preußische aber sehr wohl. Was Sie aber wiedererkennen, sind eben die drei Gehege. Das hier gegenständlich habe ich wieder rot markiert. Und daneben ist dann ein Stall, ST-Punkt für Stall verzeichnet. Das war das mittlere der beiden Gehege, ein Schafgehege.
Und da wo der Schuppen verzeichnet wurde dort oben, das war eben das dritte. Es handelte sich auch um eine Bienenstelle, die aber offensichtlich dann auch Mitte des 19. Jahrhunderts aufgegeben wurde. Aufgegeben wurde auch die rot markierte. Allerdings, ich habe es vorhin schon gesagt, Sie sehen es auch hier auf der preußischen Landesaufnahme, sie liegt unter Wald.
Und somit wurde sie nie umgeflügt oder irgendwie umgearbeitet, sodass wir sie auch heute noch finden. Bezeichnet auch, dass sie hier auch in der preußischen Landesaufnahme rund eingezeichnet ist. Ich sagte Ihnen bereits, dass die Form eine andere ist und dass ich aber auch Probleme hatte, das im Gelände zu sehen.
Und den Kollegen von der preußischen Landesaufnahme hier zur Ehrenrettung, auch zu der Zeit, war dieses Stück schon bewaldet, sodass diese etwas merkwürdige Form so im Gelände nicht eindeutig zu kartieren war. Es handelt sich definitiv aber um dieses Phänomen.
Rund aufgestellte, rund angelegte Bienenzäune waren in der Vergangenheit keine Seltenheit. Das war ein bisschen mühsam, das herauszufinden. Aber es gibt eine Installation im Bommermuseum in Zelle, die ich Ihnen hier auch zeige, den sogenannten Erdli, der auch die Zeit überdauert hat, also auch jetzt die Umgestaltung des Museums zum Glück überstanden hat
und genau noch so dasteht, wie er zu Bommernzeiten angelegt wurde. Und Wilhelm Bommern selber schrieb in einer Publikation, dass diese alten Erdlis rund aufgestellt waren. Was mein Fingerzeig eben dafür war, dass auch diese runden Erdwelle, die ich gefunden habe und die die Bienenstellen, zumindest im Landkreis Zelle und ein bisschen darüber hinaus markieren,
eben auf diese alte Form der Immenzäune verweisen. Während die späteren Bienenzäune, und wer genau hingeguckt hat, hatte bei der Preußischen auch gesehen, dass da oft Bienenzaun steht. Wenn Sie das für Ihren Bereich überprüfen, werden Sie das sicherlich auch herausfinden. Das bezieht sich nicht auf diese ganz alten Bienenzäune, die Erdlis,
sondern auf die Zwischenstufe nach der Verkopplung. Das jetzt eingeblendete Foto zeigt einen solchen Bienenzaun, wie er auch in der Preußischen Landesaufnahme um 1900 verzeichnet war, der jetzt aber auch nicht mehr in Nutzung ist. Man kann an diesen Bienenstellen auch wunderbar die Entwicklung der Imkerei,
in diesem Fall natürlich vor allem der Heide-Imkerei, im Gelände aufzeigen und nachvollziehen. Das Imkerei, unterschiedlich natürlich nach welcher Region, aber in der Region, von der ich heute spreche, eine ganz große Bedeutung hat, sieht man an dieser Aufstellung. Das sind hier rot markiert die noch sichtbaren Reste von umweiten Bienenstellen,
also aus dieser alten Imkereizeit, die alleine um das Dorf oder für mehr in der Gemeinde Hohne noch zu finden sind. Und dazu muss man sagen, Hohne war nie ein Bienendorf, ein ausschließliches. Es wurden gemessen an den Viehschatzregistern zum Beispiel recht wenige Bienen überwintert,
während das in richtigen Heidedörfern ganz andere Dimensionen hatte. Aber umso deutlicher wird, wenn es noch nicht mal die größte Bedeutung hatte, ist glaube ich deutlich, wie besonders hier die Anzahl der umweiten Bienenstellen ist. Es geht nun nicht nur um Gehege und Bienenstellen bei der Spurensuche. Wie ich sagte vorhin schon, 134 unterschiedliche Kulturlandschaftstypen haben wir identifiziert
und diese Liste muss nicht abgeschlossen sein, also es ist nicht auszuschließen, dass man da auch nochmal differenziert. Ich kann Ihnen heute nur einige Beispiele zeigen darüber und ansonsten verweise ich zum einen auf das Spurensuchebuch oder auch auf die Projektseite meines Projektes.
Dort habe ich das Spurensuchebuch und alle seine Inhalte digitalisiert, sodass man dort einen guten Überblick gewinnen kann. Aber einige Beispiele möchte ich am Rande anreißen. Zum Beispiel sind Alleen ein sehr wichtiges Kulturlandschaftselement so wichtig. In dem Fall ist es ein Friedhofsallee, auch mit Kopfbäumen. Es ist also auch ein sehr vielfältiges Thema und es ist so vielfältig und wichtig,
dass wir dem Ganzen auch schon seit längerem eine eigene Projektreihe gewidmet haben, die Alleen in Niedersachsen. Es ging damit los, dass wir erstmal die 500 schönsten bestimmen wollten, um darauf hinzuweisen, dass Alleen auch in Niedersachsen eine große Bedeutung haben. Das Projekt ist dann etwas ausgeufert und es wurde deutlich, dass es ein wirklich bestimmendes Thema ist,
sodass wir jetzt im aktuellen Projekt nach Alleparten suchen, die vor Ort sich um ihre Alleen bemühen und da auch ein Auge drauf haben auf die Entwicklungen. Fühlen sich auch da aufgefordert und gebeten, sich zu informieren,
auch über die Internetseite des Niedersächsischen Heimatbundes oder direkt in der Alleen-Datenbank alleen-niedersachsen.de Für die Suche nach historischen Kulturlandschaftsteilen sind aber auch andere Wege, nicht nur Alleen wichtig, vor allem auch aufgrund ihrer kulturhistorischen Bedeutung zu unterscheiden. Zum Beispiel Kirchwege oder auch Totenwege, auch alte Mühlenwege sind interessant,
Poststraßen, auch da gibt es sehr vieles, was von Interesse ist. An diesem Beispiel hier hinter mir sehen Sie beispielsweise einen Forstweg, in dem Fall in der Gemeinde Büren im Landkreis Göttingen. Es handelt sich um die sogenannte Lange Bahn. Den Namen hat sie durch ihre Länge,
das ist annähernd 11 Kilometer, meine ich, lang und davon rund 7 Kilometer kerzen gerade durch den Wald, auch ohne größere Höhenunterschiede, was natürlich die Holzabfuhr erleichtert und die Erschließung des Bramwaldes ermöglicht hat.
Für die Spurensuche auch von Bedeutung sind historische Hudewälder, auch hier ein Beispiel aus der Gemeinde Büren. Die Landesforsten erhalten dort ein Stück alten Hudewald, also das sind die Wälder, in denen die Schweine und Rinder gemästet wurden. Aus ökologischen Gründen wird das erhalten, denn es stellt sich eine ganz eigene Pflanzen- und Tiergesellschaft
in dieser Form der Kulturlandschaft dar, allein durch den lichten Bestand der großen alten Bäume. Ich hatte bereits gesagt, wie bedeutend die kurhanofersche Landesaufnahme für die Interpretation oder auch Sichtbarmachung von historischer Kulturlandschaft ist.
Am Beispiel der ehemaligen Residenzstadt Zelle möchte ich das hier mit einem Thema belegen, und zwar mit historischen Jagdgehegen oder historischen Wildgehegen, die in der Residenzzeit in Zelle reichlich vorhanden waren. Es gibt davon auch noch Reste, wobei die, die ich jetzt rot markiert habe,
durch Überbauung größtenteils zerstört wurden, durch das natürliche Wachstum der Stadt. Sie haben aber noch im 18. Jahrhundert existiert. Da möchte ich auf den Wildgarten zum Beispiel verweisen, hier südlich der Stadt, oder den Fasanengarten, der auch erst Ende des 18. Jahrhunderts eingegangen ist,
oder über mir hier das große Gehege, der sogenannte Kaninchengarten, ein herzogliches Jagdgehege auf Kaninchen, das 1679 angelegt worden sein soll, steht so in der Niasächsischen Forstgeschichte von Walter Kremser,
der dort schreibt, dass 1679 eben dieses Gehege angelegt wurde, nachdem Herzog Georg Wilhelm auf Spiekeroog die Jagd auf die kleinen Flitzer lieben gelernt hat. Da wollte er eben auch so ein Jagdgehege haben. Es wurde auch noch nach Ende der Residenzzeit in Zelle, 1705 ist das gewesen, weiter betrieben und wurde dann endgültig erst 1778 aufgegeben.
Solange mussten die Bewohner von Kleinhelen in diesem Fall mit den Kaninchen leben. Sie hatten natürlich auch Auflagen zu erfüllen, also die Einwohner, nicht die Kaninchen. Sie durften nämlich ihre Hunde nur an der Kette halten, damit eben die Kaninchen aus dem herzoglichen Jagdgehege dort keine Hunde zu fürchten hatten.
Im Umkehrschluss hatten aber die Bewohner in ihren Gärten natürlich die Kaninchen zu fürchten, das nur am Rande erwähnt. Also auch Sozialgeschichte spielt sich natürlich oder spiegelt sich in historischen Kulturlandschaftselementen häufig wieder. So auch im vierten Beispiel, dort oben am Kartenrand markiert,
der sogenannte Reiherpfahl. Das Objekt ist noch vorhanden. Es handelt sich um ein Jagddenkmal aus dem 17. Jahrhundert. Christian Ludwig, der vorletzte Herzog in Zelle, hatte eine besondere Jagdleidenschaft und zwar die sogenannte Reiherbeize.
Das ist die Jagd mit Jagdfalken auf Reiher. Wobei der Falke den Reiher nicht frisst und auch der Jäger den Reiher danach nicht verspeisen möchte. Sondern es nur darum geht, dass der Falke den Reiher zur Landung zwingt, ihn wirkt in der Luft und ihn so zur Landung zwingt. Und ein so gefangener Reiher hat dann einen Ring umbekommen an den Fuß
und wurde wieder fliegen gelassen. Diese Säule markiert die erste erfolgreiche Jagd der Herzogin, die dort auch mit ihrem Falken einen Reiher fing. Das Objekt steht unter Denkmalschutz, ist in der NDK verzeichnet, Bau- und Kunstdenkmalpflege verzeichnet das Ganze als Denkmal.
Was uns als Kulturlandschaftsforschern dabei natürlich leider fehlt, sind die Flächen, die dazugehörten. Es gab in Zelle, das ist dokumentiert, zwei große Reiherkolonien mit insgesamt 600 Nestern, die nur für diesen Zweck eben gepflegt wurden. Und die sind auch durch Überbauung ebenso nicht mehr zu sehen.
Aber ein Jagdgehege hat die Zeiten überdauert. Hier wieder rot markiert, das ist der sogenannte Finkenherd. Da ging es um die Jagd auf Singvögel. Das war jetzt kein herzogliches Jagdvergnügen in dem Sinne. Da ging es dann darum, dass der Vogelfänger mit seinen Gehilfen genug Vögel fängt, um sie auf die fürstliche Tafel zu bekommen.
Da ging es also um die Verpflegung der Schlossküche. Was hier in der Kuranovaschen so toll die Karte auch ist, leider nicht ganz stimmt, ist die Platzierung des Finkenherds. Er ist nicht ganz so groß wie hier verzeichnet. Zum Glück haben wir aber eine detailliertere Karte aus der Zeit. Ein Grundriss der herrschaftlichen privativen Forsten,
also der Forsten, die der Herrschaft gehörten. Die wurden sehr detailliert kartiert hier in diesem Beispiel von 1780, sodass wir dort die Ausmaße des Finkenherdes, so wie er tatsächlich auch noch existiert sehen können, und auch noch ein zweites Gehege über mir, das sogenannte neue Gehege,
da werde ich gleich noch darauf eingehen. Bleiben wir zunächst beim Finkenherd. Er hat eine recht gewaltige Größe, etwa 800 x 400 Meter im Durchmesser. Ist also ein wirklich großes Jagdgehege. Der Herzog hat seinen Vogelfängern dort viel Raum gegeben,
um in Ruhe Vögel fangen zu können. Wobei man da sagen muss, das war immer nur zur Vogelzugzeit, also zweimal im Jahr war Vogelfang-Saison, und in dieser Zeit war der Finkenherd eben Sperrgebiet. Wie genau in diesem Zeller-Finkenherd die Vögel gefangen wurden, ist leider nicht dokumentiert.
Auch die Anzahl ist für diesen Vogelfang nicht dokumentiert. Wir sehen hier zeitgenössische Darstellungen, wie das damals stattgefunden haben könnte. Und zwar wurden die Vögel mit Leimruten gefangen. Das sehen Sie hier über mir ganz in einem Baumwipfel. Einige kahle Äste, die dann eben mit Leim beschmiert wurden. Und die Vögel, wenn sie dort landeten,
auf den erhöhten Punkten blieben sie eben kleben. Und ein Gehilfer, auch der ist zu erkennen am Baum, musste dann eben hochklettern, die herunterholen. Es wurde aber auch mit Lockvögeln gearbeitet. Das ist vor allem hier auch hinter mir zu sehen. Lockvögel, die das Ganze hier über eine Gefangenschaft gehalten wurden. Und wenn sie dann raus kamen, schön sangen
und somit eben die anderen Vögel anlockten. Um sie dann zu fangen, das ist dort drüben mit diesem Mann, der da im Gebüsch versteckt ist, skizziert. Da wurden die Vögel mit Futter und solchen Lockvögeln angelockt. Und wenn genug da waren, mit einem Schlagnetz diese Vögel gefangen und dann der Schlossküche zugeführt. Aus einem ebenfalls eingegangenen Vogelfang in Beeden-Bostel,
der auch die herzogliche Tafelnzelle versorgte, wissen wir von Fangzahlen. Und die bewegen sich dann so zwischen 8.000 und 12.000 Vögeln pro Saison, was eine Menge ist. Innerhalb der Anlage haben wir leider keine Spuren gefunden,
die ihr auf Fanghütten oder ähnliches hindeuten. Was unter Kulturdenkmalschutz steht, ist aber die Umwallung, eine recht mächtige Umwallung, die teilweise noch, der Wall noch eine Höhe von 1,30 Meter erreicht, plus vorgelagertem Graben. Dieser Graben ist stellenweise schon zugelaufen. Auch der Wall ist im Bereich der Kreisstraße,
vielmehr im Bereich des begleitenden Radweges an der Kreisstraße, auch zerstört worden, vor Jahrzehnten schon. Der größte Teil ist aber noch vorhanden. Was allerdings jetzt sich ändern wird, es wird wieder ein bisschen weniger Finkenherd übrig sein,
wenn die Zellerortsumgehung gebaut wurde. Hier sehen Sie eine Skizze, wie das Ganze geplant ist. Und das Ganze befindet sich jetzt auch in der Umsetzung, was mich veranlasst hat, auch in der Peripherie mal zu schauen, was die Straßentrasse übrig lässt. Da hoffe ich dann eben, dass das durch die Begleitmaßnahmen,
wie auch geplante Aufforstungsmaßnahmen, nicht zusätzlich bedroht wird. Das ist hier ein Bild von den Vorbereitungsmaßnahmen, die dort eben schon gelaufen sind. Wir blicken auf den Finkenherd im Hintergrund und Sie sehen, das ist ja auch keine Überraschung. Mit modernen Baumaschinen kann man Landschaften natürlich recht schnell umgestalten,
sodass dann auch jahrhundertealte Spuren, gerade wenn sie nicht mehr so ganz mächtig ausgeprägt sind, wie der Finkenherd beispielsweise, der nun unverrückbar scheint. Aber es gibt auch weniger augenscheinliche und weniger gut erhaltene Objekte, die bei solchen Gelegenheiten dann doch ganz gerne überbaggert werden.
Ein solches Beispiel, ich hatte es schon eingeleitet, ist das neue Gehege, also neben dem Finkenherd gelegen und hier auch klar abgegrenzt auf der Karte von 1780. Und wir sehen dort mehrere für mich ganz entscheidende Details. Zum einen die Abgrenzung, die natürlich wieder ein Erdwall oder in dem Fall auch Graben und Erdwall markiert.
Wir sehen auch mitten durch die Anlage gehen eine Trennlinie. Und mit den Begleitangaben auf der Karte ist klar festzustellen, dass das der Beginn der nachhaltigen Forstwirtschaft ist. Das Ganze wurde nämlich schon in zwei Gehaue eingeteilt, in denen dann nur alle vier Jahre Holz eingeschlagen werden durfte,
von dem Draußenhalten von Hirten ganz zu schweigen. Also dort hatte man erkannt, dass man eben die Wälder schützen muss und das hat in den herrschaftlichen Wäldern eindeutig angefangen. Ein weiteres Detail, das hier für uns jetzt gerade für dieses Beispiel wichtig ist, ist Lühsmanns Immenzaun, auch oben am Rande des neuen Geheges verzeichnet.
Eine Umwallung, in der Mitte ein Bienenzaun eingetragen. Den Bienenzaun finden wir natürlich nicht mehr im Gelände, aber der Immenwall, also die Umwallung dieser Bienenstelle, ist offensichtlich noch vorhanden. Das zeigt uns eindeutig das DGM, das Digitale Geländemodell, nun wieder.
Dort ist auch an der Stelle der Hinweis, die Karte vorher war nicht ganz eingenordet, fast, aber halt eben nicht ganz. Dadurch ist das jetzt hier so ein bisschen, müssen Sie es im Kopf gedanklich drehen. Das DGM zeigt eben die tatsächlichen Bodenerhebungen im Zentimeterbereich, sodass wir einerseits die Umwallung, diesen abgeknickten Ecken des neuen Geheges wiederfinden,
aber auch die nahezu kreisrunde Umwallung von Lühsmanns Immenzaun deutlich zu erkennen ist. Nebenbei bemerkt, bei diesem Ausschnitt sind auch noch andere interessante Spuren, die mir nicht erst bei der Vorbereitung des Vortrags aufgefallen sind. Man sieht alte Ackerstreifen, die heutzutage unter Wald liegen. Man sieht auch am äußersten Rand bei der Düne Wegespuren,
die diese Düne schneiden und sich wahrscheinlich mit den alten Wegen in der 1780 gezeichneten Karte übereinander legen lassen würden. Das ist aber ein Bereich, der jetzt stark umgestaltet wird. Da schauen wir dann mal, wenn die Baumaßnahmen abgeschlossen sind. Bleiben wir also bei Lühsmanns Immenzaun und dem neuen Gehege.
Was da im DGM recht deutlich aussieht, ist im Gelände dann, je nach Vegetation gerade, leichter oder eben auch schwerer zu erkennen. Ich habe aktuelle Fotos versucht. Die sind jetzt im Sommer nichts geworden, weil die Vegetation dann doch das alles kaschiert. Im Gelände nimmt man es noch wahr,
aber auf den Fotos ist es nicht mehr deutlich zu erkennen. Das ist ein älteres Foto, was ich mal gemacht habe. Und dort sieht man recht deutlich die Kante des neuen Geheges. Dort eben sich abzeichnen. Und über mir diese leichte Erhöhung. Das ist die alte Bienenstelle, die wie gesagt im Gelände noch wahrnehmbar ist,
aber im DGM viel deutlicher noch zu erkennen ist. Zumindest auf den Wall des neuen Geheges bezogen ändert sich das. Wenn wir den Wall weiterverfolgen und er wieder auf den Wanderweg trifft, dort können wir doch recht deutlich Wall und Graben erkennen. Das hebt sich deutlich ab.
Das ist im Gelände auch wunderbar so eben wahrzunehmen. Und darum auch geeignet, ich selbst habe das in einem Rundwanderweg, den ich veröffentlicht habe, mal beschrieben, das Phänomen. Also für Leute, die darauf stoßen im Gelände und einen kleinen Hinweis kriegen, erhält sich das Ganze auch. Sodass das auch eine Stelle wäre, an denen wir unter Umständen über eine Informationstafel nachdenken könnten,
die diesen Aspekt der historischen Kulturlandschaft speziell bezogen auf die nachhaltige Forstwirtschaft verdeutlichen könnte. Das hier nur als Beispiel. Dafür sind historische Kulturlandschaftselemente natürlich oft geeignet, um da eben auch dann das Wissen in die Bevölkerung zu bringen.
Wir sind noch beim Thema herzogliche Jagdgehege. Ich hatte Ihnen die in der unmittelbaren Peripherie von Zelle gezeigt. Es gab natürlich viel, viel mehr. Über Lachsfänge und Entenfänge wäre hier an der Stelle zu berichten. Ich möchte mich aber auf den Hasengarten bei Weihausen beschränken,
um noch ein weiteres Beispiel aus diesem Themenkanon zu bieten. Das Jagdschoss Weihausen selber ist in zumindest Zeller und weiterer Umgebung recht legendär, obwohl es bereits auch im 18. Jahrhundert schon abgebrochen oder auf Abbruch verkauft wurde, wie es damals hieß. Also nahezu keine Spuren vor Ort mehr
von dem Gebäude vorhanden sind, bis auf einen alten Brunnenschacht und wohl einen Rest des Kellers unterm Forsthaus, ist das alles komplett verschwunden. Es gibt Abhandlungen darüber, wo die Wetterfahne aufgetaucht sind. Es gibt wissenschaftliche Abhandlungen über die Ledertapeten, die in der Oberförsterei in Hemmerkamp dann wohl gehangen haben. Da gibt es sehr viel drüber.
Worüber es nichts gibt, ist über den Hasengarten, der 1668 angelegt wurde oder auf Anordnung von Herzog Georg Wilhelm, der dieses Jagdschoss in Weihausen immer weiter ausgebaut hat. Sein Bruder war der Gründer. Christian Ludwig hat das Ganze eingerichtet. Sein Bruder, Georg Wilhelm, hat es dann weiter ausgebaut.
Im Gästehaus gab es Stuckdecken, der gleiche Stuckateur, der auch das Zellerschloss bearbeitet hat, dort gewirkt. Und wie gesagt, es wurde ein Hasengarten angelegt. Lange Rede, kurzer Sinn. Vor Ort gibt es noch etwas zu besichtigen, nämlich die Umwallung jenes Hasengartens.
Ich bin das vor einigen Jahren mal abgegangen. Es ist also bis auf wenige Störungen noch erhalten, dieses Gehege. Bei der Gelegenheit habe ich auch, das wirkt heutzutage schon etwas altmodisch, mit einem Hand-GPS-Empfänger die Form des Waldes nachgezeichnet. Hier zwischen den blauen Fähnchen. Das ist in etwa die Form, wie das Ganze in den historischen Karten
in der Koanofaschen in dem Fall dargestellt wurde. Wir sehen hier aber auch, dass dort eine Ackerfläche hinein ragt. Also alles, was man auf der Koanofaschen an kleineren Strukturen dort noch in dem Bereich gesehen hat, ist natürlich nicht mehr existent. Aber der Wall ist es noch, was wir uns dann auch auf dem DGM wieder bestätigen lassen können.
Dort sehen wir auch die Störungen. Also dort, wo der Wall eben nicht mehr vorhanden ist. Das ist so in der äußeren Spitze dort. Das ist durch einen Forstweg und die dort stattfindenden Arbeiten der Wall einplaniert. Und es gibt auch einige Durchbrüche, Zufahrten,
die dann eben für die Forstwirtschaft benötigt wurden. Aber ansonsten ist er noch vorhanden. Und wir sehen im DGM noch ein Detail, auf das ich gerne hinweisen möchte. Und zwar sind auf der Koanofaschen auch kleine Ackerflächen verzeichnet, die heute eben nicht mehr als Acker genutzt werden. Und eine solche findet sich hier in diesen Streifen, die dort oben laufen,
diese Ackerstreifen unter Wald. Auch das zeigt das DGM wunderbar an, sodass wir das mit der Koanofaschen nochmal abgleichen können und uns ganz sicher sein können über Lage und Alter der Anlage. Der Wall ist stellenweise auch recht beeindruckend. Also gerade in diesem Beispiel hier, das ist die Seite zur Bundesstraße hin,
stehen doch recht mächtige Buchen und Eichen eben auch auf dem Wall. Und zeigen mit ihren Wurzeln und ihrer Größe auch eindrucksvoll das Alter der Anlage auf. Das ist nun ein, wie ich finde, recht herausragendes Einzelbeispiel dieses Objekts und sicherlich auch schützenswert.
Also über das Wissen eines Kulturlandschaftselements hinaus halte ich dieses Objekt für schützenswert. Spannend wird es aber, wenn solche Objekte geholft auftreten in einer Region und man auch in dem Zusammenhang dann von einer historischen Kulturlandschaft reden kann, die dort eben die Jahrhunderte überdauert hat. Dankenswerterweise hat Christian Wiegand ein sehr gutes Gutachten zu diesem Themenkanon angestrengt.
Das wurde jetzt veröffentlicht auch vom NLW KN, das heißt schon 2019 wurde es veröffentlicht, in dem alle Kulturlandschaftsräume in Niedersachsen definiert und voneinander abgegrenzt werden. Und zusätzlich hat Christian Wiegand in dem Zusammenhang besondere Kulturlandschaftsteile bestimmt,
also Kulturlandschaftsräume mit landesweiter Bedeutung. Das sind eben Bereiche, in denen eine Form von Kulturlandschaftselementen häufig auftritt und somit der ganzen Gegend ihren Charakter gibt. Ein solches Beispiel habe ich hier herausgesucht, und zwar auch aus dem erweiterten Stadtgebiet von Zelle.
Das ist die Fusenniederung bei Großottenhaus. Großottenhaus selber ist dokumentiert als altes Klostervorwerk vom Kloster Wienhausen. Das ist dieser Einzelhof dort inmitten der halbrunden Ackerflächen.
Das Klostervorwerk wurde bereits Mitte des 13. Jahrhunderts an das Kloster Wienhausen verschenkt. Herzog Otto das Kind schenkte es der Gründerin des Klosters als Ausstattung eben für das Kloster. So haben wir da eine Datierung von wann dieser Hof stammt. Und wir können wohl auch davon ausgehen, dass die Flurformen, die hier auffallen auf diesem Luftbildausschnitt,
eben auch schon durchaus aus dieser Zeit stammen. Hier herrschen nämlich noch runde Formen vor, während uns die Gemeinheitsteilung und Verkopplung eigentlich eher große rechteckige Formen beschert hat, sodass hier schon aus der Luft deutlich wird, dass hier etwas anders ist.
Anders ist es natürlich, weil die Flächen des Klosters in der Gemeinheitsteilung und Verkopplung eben nicht behandelt wurden. Genauso wie herrschaftliche Wälder nicht verteilt wurden, sondern dass eher alles drum herum betraf. So ist es auch hier der Fall gewesen, sodass wir hier das große Glück haben, eben noch alte Strukturen, nicht nur in Einzelfällen, sondern viele Einzelfälle,
die sich dann zu einem Gesamtbild zusammensetzen lassen, vorfinden. Ein Aspekt möchte ich Ihnen hier, oder für einen Teil dieser Landschaft möchte ich hier nochmal hervorheben und ein bisschen gesondert betrachten. Es handelt sich um dieses Wäldchen über mir, die große Hedenhorst. Die sogenannte große Hedenhorst muss ich eigentlich sagen, aber dazu gleich mehr.
Die roten Pfeile markieren in dem Fall die Standorte der Fotos, die ich Ihnen gleich zeige. Dabei handelt es sich um eine Wallhacke. Eine Wallhacke, die nicht ganz am Waldrand dieses Waldes liegt, sondern mehr innen und die aber doch recht eindrucksvoll ist.
Das liegt natürlich auch an den bizarren Formen, die die Hainbuchen in dem Fall mittlerweile haben, weil sie eben durch den ständigen Rückschnitt dann auch eben diese Formen ausgeprägt haben. Wie wir hier sehen, ist die Wallhacke natürlich nicht mehr geschlossen. Also es ist keine Hecke in dem Sinn, sondern es ist eine durchwachsene Wallhacke. Die Bäume sind recht mächtig, deuten aber noch den alten Charakter dieser Wallhacke an.
Im weiteren Verlauf verlässt die Wallhacke dann auch den Waldweg und geht mitten durch den Wald. Ist dort überhaupt nicht mehr bewachsen, verändert ihren Charakter also auch, hängt aber ganz klein im Zusammenhang mit dem Rest der Wallhacke.
Das sind dann Fälle, da beginnen wir uns Sorgen zu machen, denn vor einigen Jahren hat die niedersächsische Landesregierung leider eine Wortneuschöpfung erfunden, und zwar die Waldwallhacke, also eine Wallhacke, die durch den Wald geht. Und eben diese Waldwallhacken wurden aus dem kategorischen Schutz der Wallhacken herausgenommen.
Was gerade in diesem Beispiel deutlich macht, das ist Quatsch. Die Wallhacke ist natürlich zusammengehängt und da es eine sehr alte Wallhacke ist, wie ich gleich belegen werde, hat sie eben heute die Funktion nicht mehr. Sie ist also nicht mehr am Waldrand, aber hat natürlich kulturhistorisch mindestens die gleiche Bedeutung wie andere historische Wallhacken.
Beim hier gezeichneten Beispiel endet sie einfach abrupt am Wald. Das liegt daran, dass sie dort in Acker umgewandelt wurde. Auf der anderen Straßenseite geht es dann aber weiter, und dort auch innerhalb eines Wildschutzgatters seit Jahren ist das Ganze eingegattert und hat auch der Wallhacke gut getan, denn, wie Sie sehen, dort hat auch wieder Stockausschlag stattgefunden. Und man gewinnt hier dann doch wieder den Eindruck, was so eine geschlossene Wallhacke bewirken konnte,
nämlich eine Barriere darstellen, die Mensch und vor allem Vieh vom Acker hält. Das irritiert hier ein bisschen, weil wir ein Wald haben, aber das gilt es dann jetzt nochmal aufzuklären und eben den historischen Ursprung der sogenannten großen Hedenhorst zu klären.
Ich habe hier nochmal das DGM mit dem Luftbild überlagert. Da kann man also nicht nur die Ausmaße des Waldes sehen, sondern auch den Verlauf der Wallhacke. Und wie ich eben schon dargelegt habe, läuft sie eben als Schlängelinie zu erkennen durch den Wald.
Und wir erkennen auch, dass es teilweise Parallelstrukturen gibt. Dort sind es dann hier über mir zwei Wallhacken, die eben den Weg rechts und links begleiten. Das Ganze sah auch schon in der preußischen Landesaufnahme, also vor gut 120 Jahren so aus. Das habe ich hier nochmal auch rot hervorgehoben. Die Wallhackenstruktur der preußischen Landesaufnahme ist recht zuverlässig, um alte Wallhacken zu identifizieren.
Das ist hier also der Fall, das ist so eine Wellenlinie mit nicht ausgemalten Kreisen. Das markiert die Wallhacke und das sehen Sie hier im gesamten Bereich, oder vielmehr nicht im gesamten, es geht nämlich nicht ganz rum, aber im gesamten südlichen Bereich. Und Sie sehen auch dieses Teil, was später dann fehlt, weil der Acker dort verlängert wurde.
Das ist hier um 1900 also auch noch als Wallhacke verzeichnet. Es fiel schon bei der preußischen Landesaufnahme auf, dass der Wald nicht einheitlich Wald war, sondern es auch Freiflächen, größere Freiflächen gab. Wenn wir jetzt nochmal ein halb Jahrhundert zurückgehen und wieder die Verkopplungskarte bemühen,
hier in diesem Fall habe ich sie jetzt mal eingenordet, darum stehen wiederum die Namen nicht horizontal, dann fällt uns auf, dass die gesamte Fläche der heutigen großen Hedenhorst nicht bewaldet ist und dass sie einen ganz anderen Namen trägt. Sie ist hier nämlich als wilde Kamp markiert, während die große Hedenhorst sich auch findet.
Das ist aber die Wiese daneben. Dieser Flurname hier in der Verkopplungskarte ist durchaus ernst zu nehmen. Ich sage mal, die Leute beim Kartieren waren viel dichter dran, die hatten Gesporene aus den Orten dabei, die gerade bei solchen Namensgebungen natürlich, wie soll ich sagen, Fachleute vor Ort waren.
Und da ist dann eher die heutige Katografie nicht ganz so ernst zu nehmen, wo dann digital schon mal ein Name verschoben werden kann. Also, lange Rede, kurzer Sinn, wir reden hier vom wilden Kamp. Und dann erhält sich das Ganze auch plötzlich, warum dort eben so ein Wallhackensystem angelegt war. Dieser Kamp, also ein eingefriedetes Ackerstück, sollte geschützt werden vor Weidevieh.
Deutlich wird das auch bei dem Blick dann auf die kurhanofersche Landesaufnahme, also in dem Bereich jetzt hier so die älteste exakte Karte, auf die wir zugreifen können, die bestätigt diese Erkenntnis noch mal, dass es sich um einen alten Acker handelt eigentlich, durch den auch früher schon ein Weg, heute ist es eine kleine Kreisstraße,
früher war es ein Fußsteig, also einen Fußweg, der dort quer durchführte, während rundherum sich eben diese Wallhacke findet. Hier nicht mit einer eindeutigen Signatur, eher wie eine Hecke markiert, aber die Struktur ist halt schon deutlich da, eben mit einem beidseitig gesicherten Weg, der runter zu den Fusewiesen führte, vorbei an dem wilden Kamp,
der eben auch zum Klostervorwerk von Wienhausen Großottenhaus gehörte. Warum das Ganze, warum so ein großer Aufwand, warum diese Wallhacke, ich sagte es eben gerade schon, dass Weidevieh von den Äckern halten, aber welche Ausmaße hatte das Ganze, diese Frage kann man sich stellen
und eine Teilantwort dazu findet man dann in einem alten Forstregister, in diesem Fall von der Amtsfuktei Eiklingen aus dem 18. Jahrhundert, in der der Förster erstmal das Weggenbruch beschreibt. Das ist die Region von unserem Bereich, den ich Ihnen gerade beschrieben habe, bis nach Wadling, also eine beinahe drei, dreieinhalb Kilometer lange Region im Bereich der Fuse.
Die beschreibt er dort und beschreibt sie als mittelmäßig für die Mast geeignet. Auch in Vollmastjahren können da 120 Schweine fett werden. Das war natürlich wichtig für die Verantwortlichen, das einzuschätzen, wie viele Schweine man da so reintreiben konnte. Aber dann kommen alle Berechtigten.
In der Aufzählung im zweiten Absatz werden alle Orte und alle Adeligen Güter aus der näheren und auch weiteren Umgebung genannt, die dort berechtigt waren zur freien Hut und Weide. Und was das für einen Beweidungsdruck auf diese Äcker dort bedeutet hat, können wir unter anderem an der Größe der Wallhacken ablesen,
denn dort hatten die eine ganz wichtige Funktion anzuzeigen, wo das Weidevieh hin durfte und wo eben nicht. So sind im ganzen Areal noch zusätzlich zu dem, was ich Ihnen gerade gezeigt habe, jede Menge Wallhacken Reste vor allem zu finden, die dann im Vergleich mit historischen Karten einen idealen
oder einen interessanten Gesamteindruck vermitteln können. Dass historische Kulturlandschaftselemente landschaftsprägend sein können, habe ich glaube ich schon zum Teil dargestellt, dass sie das, was im Naturschutzgesetz gefordert ist als Schutzfaktor, die Eigenart und Schönheit der Landschaft verkörpern,
wird glaube ich jetzt auch noch mal deutlicher, wenn ich das nächste Beispiel bringe. Hier handelt es sich um ein Wäldchen mitten in einer ausgedehnten Agrarfläche. Kein Weg führt zu diesem Wäldchen, das ist auch nichts Neues, da führte wohl noch nie ein richtiger Weg hin. Aber der Grund, warum dieses Wäldchen überhaupt noch mitten in dieser Ackerfläche besteht,
ist natürlich ein Kulturhistorischer, das haben Sie jetzt schon vermutet in dem Zusammenhang dieses Vortrags. Es handelt sich nämlich wieder um eine alte Bienenstelle. Und zwar eine Bienenstelle, die zur Zeit der Verkopplung eben noch nicht aufgegeben wurde. Das heißt, sie wurde innerhalb dieser neu geschaffenen großen Agrarfläche bewahrt,
wurde als eigenes Flurstück dort auch verzeichnet und weiter als Bienenstelle genutzt. Und erst als diese Nutzung aufhörte, ist dann eben dieser Eichenwald dort voll aufgelaufen und wird heute von den Ahnzbeckern, das Objekt liegt zwischen Lachendorf und Ahnzbeck, wird heute von den Ahnzbeckern auch der Eikbusch genannt. Also keine Spur mehr von der kulturhistorischen Vergangenheit,
aber es ist eben noch existent und hat eine durchaus landschaftsprägende Funktion. Das exakt der Wall den Waldrand bildet in dem Zusammenhang, wird wieder im DGM deutlich. Hier wieder das DGM mit dem Luftbild überlagert, die Gemarkungsgrenze, das ist ein Auszug aus der Adabweb in diesem Fall.
Und dort sehen wir, der Schatten der Bäume irritiert ein bisschen, aber dort sehen wir eben, dass der Wall den Waldrand bildet. Das Alter des Objektes können wir wieder, zumindest teilweise, mit einer historischen Karte einordnen.
Hier wieder die kuhhannoverische Landesaufnahme. Ihre Aussagekraft habe ich ja schon oft gelobt. Hier wieder rot markiert das eben gezeigte Gehege. Das ist dort also auch schon verzeichnet, gemeinsam mit einigen anderen, die sich in der Vergangenheit verändert haben, teilweise auch verschwunden sind. Aber umso mehr oder umso größer wird natürlich die Bedeutung
der verbliebenen Kulturlandschaftsteile, der historischen Kulturlandschaftsteile. Inseln auf Äckern, also Bauminseln auf Äckern, haben oft einen kulturhistorischen Hintergrund, unterschiedlichster Art. Das muss sich dabei nicht immer um Gehege handeln. In diesem Fall hier ist es etwas ganz anderes.
Das ist das sogenannte Franzosen-Grab zwischen Lachendorf und Gockenholz, auch wie gesagt mitten auf einer Ackerfläche gelegen. Aber über den Hintergrund ist wenig bekannt. Da es wenige was bekannt ist, habe ich Ihnen hier einmal als Auszug mitgebracht.
Das kommt aus dem Heimatbuch für den Landkreis Celle, mit dem Speicher, 1930 in Erstauflage erschienen, dann nochmal in den 70er neu aufgelegt. Darin haben vor allem Lehrer Heimatwissen zusammengetragen und veröffentlicht für den gesamten Landkreis und die Stadt Celle. Und hier war es Georg Brehling, der Rektor der Mittelschule in Celle,
der einen Beitrag über den Siebenjährigen Krieg geschrieben hat. Und in diesem Beitrag kommt eben auch das Franzosen-Grab vor. Er beruft sich dabei auch auf eine ältere Quelle, ein alten Juristen aus Celle, der etwas darüber veröffentlicht hatte. Darin wird die Vermutung geäußert, dass das Franzosen-Grab besteht, weil dort französische Soldaten und Offiziere begraben wurden,
die im Winter 1756, genauer gesagt sogar an Weihnachten 1756, an dieser Stelle gefallen sind. Und zwar wird dort eine Szene beschrieben, die in Celle auch bekannt ist. Marshal Richelieu hatte sich mit den französischen Truppen in Celle einquartiert
und nach Norden ist er vorgestoßen, um Herzog Ferdinand von Braunschweig zu schlagen. Das hat nicht geklappt, er zog sich also wieder nach Celle zurück, während Herzog Ferdinand von Braunschweig nachrückte, in der Zeller Nordstadt lag, und es gab halt Feuergefechte, woraufhin Richelieu die aller Brücken niederbrennen ließ und viele, viele Häuser in Celle, unter anderem das Waisenhaus und den Sandangestift.
Auch darüber gibt es viele Abhandlungen in Celle, das ist eine der größten Kriegszerstörungen, die die Stadt überhaupt jemals erlebt hat. Um sich aus dieser Misere, aus dieser Lage zu befreien, hatte Richelieu einen Flankenmanöver geplant, ging bei Winsen und bei Schwachhausen gleichzeitig über die Aller,
um den Herzog Ferdinand von Braunschweig und seine Truppen einzukesseln. Das ist aber nicht gelungen, weil der sich schon früher zurückgezogen hatte, und in Lachendorf, bei der Franzosen-Eiche, ist es sehr wahrscheinlich, dass dort eben die vorrückenden Franzosen auf noch stehen gebliebene Soldaten,
nachrückende Soldaten gestoßen sind und es zu einem Feuergefecht kam. In diesem Fall soll es, das gibt die Schriftquelle her, Offizier von Wettern mit 40 Mann gewesen sein, die dort eben die Franzosen unter Beschuss nahmen, sodass es eine gewisse Wahrscheinlichkeit hat, dass im Franzosen-Grab, der Name ist also überliefert, eben aus diesem Anlass Franzosen begraben wurden.
Auch das Objekt ist in der Kurnoferschen Landesaufnahme verzeichnet, was für die Datierung natürlich auch wieder ganz gut ist. Also, ich sagte schon, Winter 1757, die Karte ist 20 Jahre, gut 20 Jahre später, angefertigt worden. Leider wurde das Objekt dann nun nicht benannt,
aber eindeutig auf dem Lachtekampf mitten auf dem Acker verzeichnet, ist es schon recht eindeutig. Ganz sicher sollte man sich bei sowas aber nie sein, also nicht der ersten Schriftquelle vertrauen. Ich bleibe dabei, ich stehe hinter dieser Theorie, aber es bleibt ein gewisser Zweifel. Das ist hier eben eine Luftaufnahme,
eine Drohnenaufnahme des Franzosen-Grabs mit der Lage mitten im Acker. Im Hintergrund sehen Sie den Bärenhof Alps und das sogenannte Heideeg, dazwischen die Landstraße, die L282. Und wenn wir das Ganze uns in der Adab betrachten, in der Adab sind ja alle Bodendenkmale verzeichnet, die eben dem Landesamt bekannt sind.
Dort ist unser Franzosen-Grab, diese kleine Bauminsel, eben noch nicht als solches markiert. Daneben eine Fundstreuerung, das ist aber steinzeitlicher Art, also können wir hier außer Betracht lassen. Spannend für meinen Gedankengang ist das, was auf der anderen Straßenseite eingetragen sind.
Da sehen wir sieben Grabhügel, bronxezeitliche Grabhügel, die durchgestrichen sind, das heißt, die wurden notgegraben in den 1930er Jahren, als dieses Areal in Acker umgewandelt wurde. Offensichtlich vorher Wald oder Heide, auf jeden Fall wurde es in Acker umgewandelt und daraufhin die bronxezeitlichen Grabhügel aufgegraben und die Funde sind auch dokumentiert.
Es wurden auch entsprechende Dinge gefunden. Jetzt bleibt natürlich ein kleiner Zweifel, ob das Franzosen-Grab eventuell doch auch schon aus dieser Zeit stammen könnte und einfach ein altes Hügelgrab darstellt. Der Zusammenhang, die Nähe, die räumliche Nähe zu den anderen Grabhügeln veranlasst mich zu diesem Zweifel.
Aber noch einmal, das ist mündlich überliefert, man darf es dann auch erstmal glauben, es sollte sicherlich nochmal bei Gelegenheit eingehender untersucht werden. Dass es nicht nur um altertümliche, herzogliche Zeit um so etwas geht bei der Spurensuche,
macht dieses Objekt hinter mir deutlich. Das ist eine Luftbildaufnahme einer Stelle, an der es sehr viel Bombenkrater gibt und eine Struktur, dieser lange Damm, der dort zu sehen ist. Um die geht es mir hier in diesem Zusammenhang, die in eine ganz andere Zeit verweist. Das ist nämlich ein Fliegerschießplatz
aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges, der 1939 in Betrieb genommen wurde. Es ist dokumentiert, dass es viele Streitigkeiten darum gab. Es liegt mitten in einem ausgedehnten Waldgebiet, sodass es auch zu damaliger Zeit keine Selbstverständlichkeit war, dort einen Schießplatz einzurichten. Es gab also viele Briefwechsel zwischen der Forst,
der Raumordnung und den beantragenden Militärs, die sich letzten Endes durchsetzten und das auch ohne Genehmigung dort mitten in den Wald bauten. Interessant ist an dieser Stelle dann, dass sich dort auch mittlerweile mehrere Spuren überlagern. Also es gibt natürlich in dem Bereich auch kulturhistorisch alte Dinge.
Es gibt aber dann eben diesen Damm, der dafür diente, dass dort Zielscheiben aufgestellt waren für Flugzeuge, Flugzeuge aus Fastberg und aus Gadelegen, die dort ihre Bordkanonen eingeschossen haben. Man sieht sogar auch die Einschussstellen. Das befindet sich im Bereich des sogenannten Tiefentals. Das ist ein recht tiefer Einschnitt mitten durch eine Heidefläche,
den wir dort auch im DGM abgebildet sehen und in den Hang dieses Tals wurde hineingeschossen, was auch noch durchaus vor Ort zu sehen ist. Die Bombenkrater wiederum stehen mit dieser Anlage nicht in direktem Zusammenhang, zumindest nicht während ihrer Nutzungszeit im Zweiten Weltkrieg.
Das sind Spuren, die erst zum Kriegsende entstanden sind, als die Alliierten die Munition, die sie in Massen gefunden haben, noch loswerden wollten. Es wurde also nicht alles dann in Nord- und Ostsee verklappt, was heutzutage ja auch noch ein wichtiges Thema ist, sondern vieles wurde auch vor Ort gesprengt oder, wie in diesem Fall, ins Landesinnere geschafft und dort gesprengt.
Die Torpedos, die hier vor allem gesprengt wurden, kamen aus den Kriegshäfen und wurden in die Heide gefahren, um sie dort aus ungeklärten Gründen zu sprengen. Man sieht vor Ort nicht mehr so sehr viel,
weil das meiste auch wieder unter Wald liegt. Was wir hier in dieser Luftaufnahme sehen, sind im Vordergrund diese Sprengkrater, die sich dann, wie gesagt, im Wald noch dutzendfach fortsetzen. Und wir sehen hier als vertikale Struktur den Damm, der dort eben noch offen liegt, zumindest zu einem Teil.
Auch dort liegt ein erheblicher Teil unter Wald, ebenso wie die gesprengten Bunker, die dazu gehören. Auch das ist etwas, was landschaftsprägend sein kann. Solche Landschaftsteile haben wir recht. Viele Niedersachsen, alte Munitionsanstalten, solche Plätze,
die dann auch in diesem Fall mit Zwangsarbeitern hergerichtet wurden, die also auch sozialgeschichtlich eine große entscheidende Rolle spielen und die bei der Gelegenheit auch mit dokumentiert werden, um auch ein Gesamtbild der Landschaft und der landschaftsprägenden Elemente zu bekommen.
Ich sagte schon, es gibt viele davon. Dieses Foto dokumentiert ein weiteres Beispiel, das Marine-Sperrzeugamt Starkshorn. Marine-Sperrzeug ist der Begriff für Minen. Dort wurden also mitten in der Heide Seeminen produziert in 110 Bunkern, Fertigungsbunkern, die alle unter Wald angelegt wurden
und auch bis Kriegsende wohl nicht aufgeklärt waren, dann eben erst wurden und einer dieser Plätze waren, wo viel Munition vernichtet wurde, also dorthin gebracht, in die alten Bunkeranlagen eingebracht wurde und dann in die Luft gesprengt wurde. Vor Ort finden sich noch sehr viele Eichlasten im Boden
und auch wieder in der Landschaft wahrnehmbar diese Reste von gesprengten Bunkern. Ich konnte hier nur einen kleinen Teil der möglichen Elemente vorstellen, wenn Sie Interesse daran haben, die unterschiedlichen Kulturlandschaften Niedersachsens
kennenzulernen und Hinweise darauf zu kriegen, was Sie dort für Objekte finden könnten. Dann ist zusätzlich zu dem vorhin gezeigten Buch diese Broschüre für Sie sehr interessant, die wir beim Heimatbund in der Fachgruppe Kulturlandschaft zusammengestellt haben. Die Christian Wigand wunderbar zusammengestellt hat
und die kostenlos auch beim Heimatbund als Download wie auch als Papierversion zu beziehen ist. Informieren können Sie sich selbstverständlich auch auf der Internetseite des Niedersächsischen Heimatbundes. Dort habe ich eine kleine Projektunterseite eingerichtet, wo das eine oder andere Wissenswerte schon jetzt auch zu bekommen ist.
Da werden in der Zukunft weitere Videos eingestellt. Ich möchte kleinere Videos zu den unterschiedlichen Objektarten machen und dort drin erläutern, wie man sich den ganzen annähert, wo man Informationen findet, um das Ganze aufzulösen. Wir werden im Zusammenhang mit dem Projekt eine App entwickeln. Da sind wir dabei.
Die wird vermutlich zum Jahresanfang zur Verfügung stehen. Die werden Sie dort eben auch finden und können mit dieser App dann ganz einfach Felterfassungen durchführen. Diese App wird technisch an die Klecks-Datenbank angelegt sein. Das heißt klecks-online.de ist quasi die technische Grundlage.
für unsere Spurensuche App in Niedersachsen. Sie können also auch, bis die App da ist, gerne schon mal bei Kleksminus Online schauen, sich dort anmelden und für Ihre Gemeinde mal schauen, was dort vielleicht schon eingetragen ist. Das hängt natürlich stark davon ab, ob da schon jemand Aktives vor Ort tätig war, was in Niedersachsen noch nicht in vielen Bereichen so ist. Aber das wollen wir, wie gesagt, ändern. Bleibt mir an der Stelle
erstmal für Ihre Aufmerksamkeit zu danken und natürlich die Hoffnung rüber zu bringen, dass Sie sich vielleicht am Projekt beteiligen. Wenn Sie das vorhaben, wenn Sie für Ihre Heimatregion, Ihr Heimatdorf Kulturlandschaftselemente dokumentieren möchten und im Heimatbund
melden möchten und Teil dieser Spurensuche in Niedersachsen werden wollen, dann informieren Sie sich bitte bei uns, melden Sie sich. Wir versuchen da im Rahmen unserer Möglichkeiten sehr gerne weiter zu helfen und Ihnen Material zur Verfügung zu stellen. Vielen Dank.