ARCH+ features 79: Normarchitektur – Von Durand zu BIM
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Number of Parts | 101 | |
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License | CC Attribution - NonCommercial 3.0 Unported: You are free to use, adapt and copy, distribute and transmit the work or content in adapted or unchanged form for any legal and non-commercial purpose as long as the work is attributed to the author in the manner specified by the author or licensor. | |
Identifiers | 10.5446/54099 (DOI) | |
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Building information modelingSauerbruch, MatthiasBauenCity blockArchitectHouseBauwesenElectronic componentBuildingComputer animationLecture/ConferenceMeeting/Interview
01:02
BathroomTileBathingElectronic componentLecture/ConferenceMeeting/InterviewComputer animationEngineering drawing
02:22
Louis QuinzeDammUmbauArchitectureLecture/Conference
03:29
KlassizismusDammNew ForumHistory of architectureArchitectDeckeLecture/ConferenceMeeting/InterviewComputer animation
04:34
BauenArchitectWilhelm <Deutsches Reich, Kaiser, I.>MasonryHochbauBathingUrban historyEingang <Architektur>Engineering drawingMeeting/InterviewComputer animation
05:34
Opernhaus SydneyHouseNature (innate)Lecture/ConferenceMeeting/InterviewComputer animation
06:53
ArchitectureAulaNew ForumArchitectScale modelArchitectGroßprojektBuilding information modelingComputer animationLecture/ConferenceMeeting/Interview
07:55
RoughcastScale modelMitverbrennungGroßprojektArchitectBauherrHouseArchitectural drawingLecture/ConferenceMeeting/InterviewComputer animationEngineering drawing
09:06
Scale modelWasteMole (architecture)Meeting/InterviewComputer animation
10:07
Becken <Technik>WandArchitectureIngenieurbüroArchitectLandmarkHolm <Bauwesen>City (band)DieleDammMauernModulordnungHalftoneFormworkWohnungsbauLecture/ConferenceMeeting/InterviewComputer animation
11:15
SwarfNew ForumGolden ratioArchitectArchitectureVorfertigungBaustelleLecture/ConferenceMeeting/InterviewComputer animation
12:20
Hochradioaktiver AbfallArchitectureSauerbruch, MatthiasIndustriehalleVorfertigungAnschluss <Stahlbau>Computer animation
13:25
Hole punchCrown (headgear)Parr <Familie>Shopping mallDeckeElectronic componentBuildingMeeting/InterviewComputer animationLecture/Conference
14:25
GroßprojektLecture/ConferenceMeeting/Interview
15:29
BaustelleGrau <Familie>Building materialHolzbauBauenBuildingVorfertigungGemeinnützige Siedlungs- und WohnungsbaugesellschaftLecture/ConferenceInterior space
17:54
BrandschutzStadtentwicklungLandscape planningLecture/ConferenceFacadeBuildingCity
19:09
City blockBuildingEngineering drawingLecture/Conference
20:09
StoreyFloor planBinder (material)HouseDormitoryStoreyNature (innate)Computer animationEngineering drawingLecture/Conference
22:08
Sanitary sewerLodgingArchitectStadtentwicklungSauerbruch Hutton ArchitektenSanitary sewerArchitectStirrup pantsLodeEngineering drawingDiagramLecture/Conference
23:30
StadtentwicklungSauerbruch Hutton ArchitektenLodgingGrade (slope)City blockBuildingLodgingLecture/ConferenceEngineering drawing
24:36
BauweiseLodgingErschließungMieteBaukostenApartmentStoreyStuccoStoreyBathingLecture/ConferenceEngineering drawing
26:02
BathingGasketBrandschutzWindowFluchtwegFloor planHausflurDeckeFertigbauteilHolzkonstruktionTrennwandComputer animationEngineering drawingLecture/Conference
27:10
DeckeHolzkonstruktionTrennwandWandHausflurShaft miningStoreyHole punchLecture/ConferenceFacadeComputer animation
28:44
Floor planFloorWandDeckeTrennwandNoise controlEngineering drawingLecture/Conference
29:48
ErschließungBücherregalRohbauCity (band)ArchigramComputer animationInterior spaceLecture/Conference
30:48
Price, CedricScale modelMetabolismusHouseDoorDeckeSinkLecture/ConferenceFacadeCityInterior space
31:52
BaustellePower cableCarpentryConcreteBrandwandInterior space
33:04
BaustelleConcreteTrennwandBauzeitLodeLecture/Conference
34:12
WohnungsbauStirrup pantsBauwerkBuilding materialBrandschutzBuildingComputer animationLecture/Conference
35:42
ArchitectArchitectureBauenBuildingHouseLecture/ConferenceComputer animationBuilding
36:58
VerwaltungsbauCall for bidsHousePaneelLecture/ConferenceFacade
38:10
WindowNoise controlRoofEngineering drawingLecture/Conference
39:17
LodgingWindowHouseLecture/ConferenceFacade
40:29
InfrastructureZargeBrandschutzArchitectural modelHouseParkUrban designBuildingMetabolismusPublic spaceDammLodgingMeeting/Interview
43:08
City blockStair riserRezeptionMeeting/InterviewLecture/Conference
44:10
InfrastructureInnenausbauLodgingLecture/Conference
45:12
CastleRoomMeeting/InterviewLecture/Conference
46:43
RezeptionWandDoorLecture/Conference
47:52
DoorArchitectureBaukostenVorfertigungArchitectWohnungsbauRedevelopmentBauweiseLecture/ConferenceMeeting/Interview
48:51
ArchitectVorfertigungWandBetonbauMasonryEntsorgungDeckeBuildingSystembauTrockenbauLecture/ConferenceMeeting/Interview
50:26
BaustelleRuinsBauweiseSüdportalRoofBeam (structure)New ForumKassettendeckeLecture/ConferenceMeeting/Interview
51:39
BaustelleHolzbauBeam (structure)Aerial lift pylonVorfertigungSystembauElectronic componentMeeting/InterviewLecture/Conference
52:43
ArchitectureStreetBrandschutzBauherrBauenLecture/ConferenceMeeting/Interview
53:59
BauherrBrandschutzGrade (slope)SprinkleranlageLecture/ConferenceMeeting/Interview
55:27
BauherrNature (innate)BauenBuildingLecture/ConferenceMeeting/Interview
57:22
ArchitectureAirportsJahn, HelmutLecture/Conference
58:25
ArchitectureGrenzwertLecture/Conference
01:00:07
BauaufsichtGemeinnützige Siedlungs- und WohnungsbaugesellschaftBrandschutzLager <Bauwesen>Meeting/InterviewLecture/Conference
01:01:29
BaustelleBauherrLecture/ConferenceMeeting/Interview
01:02:34
BauherrBürohausBauenVerwaltungsbauLecture/ConferenceMeeting/Interview
01:03:44
BrandschutzTowerConflagrationBarnLecture/Conference
01:05:17
NeubauArchitectHousing cooperativeParkMeeting/InterviewLecture/Conference
01:06:52
ArchitectFlughafengebäudeAirport terminalMeeting/InterviewLecture/Conference
01:08:00
FlughafengebäudeAirport terminalTowerMächtig <Familie>Lecture/Conference
01:09:20
ArchitectBauwesenLecture/Conference
01:10:44
Bund Deutscher ArchitektenVorfertigungBrickBuilding materialBrickMeeting/InterviewLecture/Conference
01:12:09
KalksandsteinBrickVorfertigungNeue Mitte <Oberhausen, Rheinland>BauvorhabenMauern
01:13:56
Lecture/Conference
01:14:58
HolzbauStahlbauLecture/ConferenceMeeting/Interview
01:16:44
Global cityLecture/Conference
01:17:47
Sauerbruch, MatthiasLandscape planningArchitectLecture/ConferenceMeeting/Interview
Transcript: German(auto-generated)
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Hier sehen Sie jetzt das Inhaltsverzeichnis und es gibt, und dadurch werden wir jetzt an Linne und ich kurz durchführen, es gibt vier Kapitel, in denen wir das Thema strukturiert haben,
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weil natürlich eigentlich ist das Thema Normung uferlos, Sie können alles normen und insofern ist eigentlich jeder Aspekt des Bauwesens davon angesprochen. Und wir beginnen das mit dem normierten Entwerfen, also der Entwurfsprozess, gar nicht das Gebäude, sondern das Entwerfen, ach so kurz, Entwurfsprozess.
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Das zweite ist, sagen eigentlich, damit verbunden die Frage der normierten Information, nämlich die Frage der Digitalisierung, auch des Entwurfs- und Produktionsprozesses, um dann zum dritten Kapitel zu kommen, die normierten Bauelemente, also sagen damit auf Modulbauweise, eben
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halt vom Bauteil gedacht, jetzt nicht vom Entwurf, sondern vom Objekt, und wir schließen mit Normkonflikten. So, das ist eigentlich nur ein Bildessay am Anfang, eine Arbeit von Oda Pelmke, die
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einen Raum untersucht hat, der total genommen zu sein scheint, mit seinen Fliesen und den Einrichtungsgegenständen, aber trotzdem, sie hat ein wunderbares Buch gerade herausgegeben, weswegen wir sehr dankbar, dass aufgegriffen haben, ist jedes Bad irgendwie anders. Und das scheint im Grunde genommen schon diese Konflikte auf, die wir im Grunde
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genommen nur auf so eine Leichenebene jetzt hier am Anfang des Heftes einführen wollten. Gut, und dann geht es natürlich zu Beginn erstmal so grundlegend unter anderem darum, die Entwicklung der Normierung, das ist natürlich etwas, was mit der Moderne im 18. und 19. Jahrhundert vor allem beginnt,
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natürlich gab es genormte Bauteile historisch schon immer, aber mit der Aufklärung, der Einführung des Metamaß und auch anderer Maßsysteme, was erstmal sozusagen die erste Grundlage geschaffen, überhaupt auch koordiniert über eine lokalen Bedingung hinaus zu arbeiten und das sind dann Grundlagen,
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die Massenproduktion, die Arbeitsteilung und die Globalisierung dann im weiteren Verlauf der modernen Entfaltung ermöglichen. Ich höre, wir sind zu leise, deswegen musst du auch bitte in das
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Mikrofon sprechen, da wir aber so unterschiedlich hoch sind, müssen wir uns das abwechseln. Gut, und nach dieser Einleitung, wozu mehrere Beiträge gehören, an denen hat er ja auch schon angesprochen, über
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Foucault und sozusagen die Frage der Normalisierung, geht es dann los mit dem ersten Unterkapitel des nomierten Entwerfen Und da ist halt auch ganz wichtig, auch nochmal das Verständnis, es ist natürlich ein Thema, was wir erstmal mit der klassischen Moderne verbinden, aber es hat eine frühere Geschichte und Durand ist natürlich sozusagen die Schlüsselfigur,
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der die Grundlagen des BOSAR-Systems auch legt und das BOSAR-System ist eigentlich schon das erste globalisierte Entwurfssystem und die Entwurfssystematisierung, die auch in der Architekturgeschichte extrem wirksam ist und auch global wirksam ist.
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Das Thema haben wir an diesem Beitrag hier ziemlich ausführlich behandelt, wo der Autor genau diese Schlüsselstellung des BOSAR-Systems in der Entwicklung eines Bildes des Architekten mitgewirkt hat seit dem 19. Jahrhundert
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Und wir heute eigentlich ein bestimmtes Bild vom Architekten haben, das damit zusammenhängt und du hast ja auch mit Herrn Prinz, Timon Prinz ein Gespräch darüber geführt, was sind denn eigentlich Architekten heute, wie werden Architekten genormt?
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Genau, also was über eben halt das Ausbildungssystem, die Zulassung, die Honorarordnung und deren zunehmenden Angleichungen auf europäischen und internationalen Rahmen wirkt sich natürlich auf den Beruf aus. Ja, und dieser Beitrag behandelt ein schwieriges Thema, eine schwierige kontinuierliche Geschichte
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der Norm, im Grunde genommen die Frage der Qualitätskontrolle von Nadew Wosochian, der über die Arbeit von Ernst Neuffert seit sehr langer Zeit arbeitet und im Grunde genommen diese Kontinuität seit der Zeit des Nationalsozialismus,
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bis hin zu der Anwendung dieser Norm, die er entwickelt hat bei Bau von Konzentrationslagern und Gefangenenlagern, bis hin, dass diese
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Normen dann nach dem Krieg im Grunde genommen bruchlos weiterverwendet wurden und in den Wiederaufbau der BRD dann Eingang gefunden haben. Und vor dieser historischen Folie geht es dann eben halt in dieses Thema, was wir natürlich so ein bisschen auch frei verknüpft haben.
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Das muss man nicht auf die Normung beziehen, aber wir fanden es sinnvoll sozusagen das aufzugreifen, nämlich eigentlich im engeren Sinne ist es ein Fokus auch auf BIM und was das mit Normierung zu tun hat und welche Normkulturen damit einhergehen.
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Und es gibt erstmal, sagen, eine historische Rückblende des Sydney Opera House als ein erstes Beispiel durch Digitalisierung auch komplexe Geometrien zu ermöglichen, was damals Arup sehr als Pionierarbeit geleistet hat, was natürlich heute ganz entfaltet ist, aber das war sozusagen das erste größere
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Projekt, was das gemacht hat und hier sehen Sie Originalzeichnungen aus diesen damaligen Computerprozessen. Und wichtig ist halt auch, insofern das Heft ist sozusagen einerseits natürlich ein Blick in die Gegenwart, aber auch immer sozusagen ein Versuch auch die Historie, aus der diese Sachen entstanden sind, aufzuzeigen.
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Und so auch hier sozusagen das Building Modeling hat natürlich eine Geschichte, die in die 60er, 70er Jahre zurückgreifen und Jan Bovelet erzählt und klärt auf, wie das Building Modeling sich entwickelt hat und was damit das impliziert.
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Und wir haben natürlich auch Gespräche mit Architekten geführt, die bewusst mit diesem Medium umgehen lernen müssen, weil alle Welt heute von BIM spricht und für uns war das eine gute Gelegenheit, um mit dem Digitalisierungs-Department von Herzog Dummeron zu diskutieren,
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inwiefern dieses Denken, das Entwerfen verändert oder nicht. Und für uns war das interessant festzustellen, dass Sie der Meinung sind, dass sich eigentlich gar nicht so viel ändert für Sie,
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wenn man die verschiedenen Werkzeuge sich nicht gegeneinander ausspielt, sondern in ihre Wirkung sich ergänzen. Also man kann durchaus weiterhin Bugs-Modelle bauen, um etwas anderes herauszufinden als bei einem solchen Großprojekt wie die Roche Towers, wo tatsächlich BIM essentiell ist und auch Voraussetzung ist.
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Und das entscheiden Sie dann von Fall zu Fall eigentlich. Und meist ist es der Bauherr, der das verlangt und das werden Sie sicherlich als bauende Architekten alle kennen. Und hier ein Beispiel, wie wir über das Reglement durch die Hintertür der Algorithmen eigentlich auch überwinden können, wenn wir
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solche Projekte wie die Wickehauses uns anschauen, die eher auf Open Source Basis arbeiten und ein System zur Verfügung stellen,
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was dann durch eine Benutzeroberfläche ermöglicht, dass jeder sein eigenes Haus, sozusagen die Wunschvorstellung. Und was Sie hier sehen als erstes realisiertes Projekt ist The Gantry. Was wir ganz schön daran zwannen ist, dass es im Grunde genommen dieses Bild von
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Zeit wieder aufgreift aus den 80er, aber diese Zeichnung kennen Sie sicherlich auch noch in Ihrer Erinnerung aus Rem Koolhaas' Delirious New York, wo diese Stapelung der einzelnen Häuschen dargestellt ist. Und das ist im Grunde genommen ein Projekt, das mit dieser Open Source Software umgeht
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und damit zusammenhängt eben auch die Frage der Benutzeroberflächen und dass auch selbst die Benutzeroberflächen, nicht nur die Algorithmen, sondern auch die Oberflächen natürlich eine gesellschaftliche oder auch eine politische Dimension haben,
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das behandelt diese Beitrag, wo es um den genormten Menschen geht. Also man muss ja immer von einem Mittel ausgehen und hier Jack und Jill, eine Software von Siemens um in komplexe Arbeitsabläufe,
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wie kann man das ergonomisch betreiben und dafür gibt es seit Jahrzehnten diese beiden genormten Menschen. Aber ich glaube wir müssen ein bisschen schneller vorangehen.
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Das ist ja ein ganz klassisches Thema bei Normierung, die Modularisierung beginnt ja auch schon unter anderem bei Neuffert mit den Modulordnungen und wir haben hier Andrew Russell, der die Historie der Modulordnungen und des Modularisierens sehr grundsätzlich erläutert.
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Dann ein sehr interessantes, ich finde auch eine sehr präzise Betrachtung eines amerikanischen Architekturtheoretikers über das Beginn des genormten Büros. Der Bürobau ist ja eine der Beispiele, wo tatsächlich Normierung auch formbildend ist, also sagen wir den Ausbausystem, den Ausbauraster und so weiter.
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Und eher das an der Geschichte von SOM, die eigentlich von so einem funktionalistischen environmental engineering kommen, aus dem Wohnungsbau, dann eben halt in New York das zum ersten Mal praktizieren, eine wirklich komplett integrierte Bürostruktur.
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Was wir als Architekten immer wieder vergessen ist, dass natürlich die Normierung und die damit zusammenhängende Diskussion um die Vorfertigung und Automatisierung des Bauprozesses eine große Auswirkung auf die Architekturarbeit hat. Also diejenigen, die die Architektur bauen, herstellen, produzieren, sind die, die davon am meisten betroffen sind. Also
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wir denken immer aus der Entwerfeperspektive, aber was das bedeutet, dass eben ungelernte Bauarbeiter jetzt gefragt sind auf der Baustelle, weil durch die Vorfertigung der Traum der Moderne, das ist natürlich auch eine große gesellschaftliche Herausforderung,
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besitzt, das behandeln wir in dieser Strecke. Und wir neigen immer dazu, das zu vergessen, diesen Blickwinkel auszublenden, insofern finde ich das ganz wichtig. Und hier nur ganz kurz eine Strecke von Projekten, die mit genormten Elementen arbeiten, aber trotzdem versuchen, eine
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unterschiedliche Architektur daraus zu machen, ob nun von einem klassischen Wohnregal oder bis hin zu solchen postmodernen anmutenden Gebilden. Das ist eine ganz banale Fabrikhalle eigentlich, die dann diese Form bekommt. Das heißt, die Frage der Gestaltung
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hängt gar nicht so sehr mit den Elementen zusammen, sondern die Frage ist, wie die Architektur daraus entstehen kann. Ich flippe das mal ganz schnell durch, darüber wird Matthias Sauberbruch gleich reden, über die Frage auch der Vorfertigung und der Bauprozesse, das
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finde ich ganz spannend, und im Anschluss daran darüber sprechen, aber vielleicht noch ganz kurz dazu und dann hören wir auch schon auf. Das ist ein ironischer Kommentar zu den Pixelarchitekturen und wir enden dann mit
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enormen Konflikten, das ist dann nochmal die gesellschaftliche Frage und auch problematisch klar. Es gibt ein Feature mit Brandelhuber und es gibt ein Beispiel von OMA, die versuchen, eine Gipskartondecke im IIT Campus Center durchzuführen und das normierte Bauteil so zu exponieren, war das Schwierigste, was überhaupt denkbar ist.
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Das schildert es, aber dann wird es relativ ernst. Normung ist kulturell degutant, aber der Brand des Greenfield Towers, man könnte auch andere Beispiele nehmen, diese Zusammenstütze der Textilfabriken in Bangladesch oder
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die Gebäudeeinstütze in China nach den Erdbeben, wo ein Normversagen das andere Ende der Problematik aufzeigt. Wo man eben halt merkt, dass Normkulturen durchaus auch einen gesellschaftlichen Wert darstellen können und hier ein doppeltes Versagen, dass Normen, die eigentlich nötig sind, nicht implementiert waren und die Normen, die es gab, nicht richtig prozessiert worden sind.
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Eine sehr präzise Analyse und ein weiteres Politikum, ein Interview mit Dirk Geldaltrup als Geschäftsführer der Berliner Flughafengesellschaft, der konstatiert, dass wir in der Entfaltung des Normwesens in
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Deutschland und Europa eine Situation geschaffen haben, dass solche Großprojekte nicht mehr sinnvoll durchführbar sind. Und eher sagen, ein sehr scharfes Plädoyer gegen diese Art der sektoralen Optimierung formuliert. Ja, also jetzt vom Allgemeinen zum oder vom Komplexen zum relativ einfacheren und Partikularen. Ich habe
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eine kleine Präsentation mitgebracht für dieses Projekt Woody, was Sie vielleicht kennen, was hier in Hamburg steht.
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Und erzähl kurz was. Wir sind, also das zeichnet sich aus, dadurch unter anderem, dass es eben ein modulares Holzgebäude ist. Das heißt, es ist aus einzelnen Raummodulen vorgefertigt und an der Baustelle nur zusammengestellt. Und ich wollte hier mit diesem Bild eigentlich nur erklären, dass wir auf dieses Thema eigentlich zunächst aus der Perspektive Holz gekommen sind.
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Wir haben ja für uns seit eben, weiß das ich weiß, seitdem wir arbeiten, 30 Jahre oder so, den Diskurs um nachhaltiges Bauen und sind, sag ich mal so von der GSW, weil du die jetzt
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gerade gezeigt hast, die sich ja ganz und gar darum bemüht, Energie sozusagen im Betrieb des Gebäudes einzusparen. Sind wir, haben wir uns Schritt für Schritt nicht unbedingt wegbewegt, sondern einfach noch unseren Horizont erweitert auf die Frage der grauen Energie.
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Da die NFJ die Grenzen immer enger gesetzt hat jetzt von jeder Generation zu jeder Generation, ist eigentlich der Energieverbrauch in Gebäuden, aktuellen Gebäuden bereits schon sehr niedrig oder so niedrig, dass die Anfangsinvestition, also die Energie, die eben in den Baumaterialien schlummert
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und in der Verarbeitung der Baumaterialien anfängt eine viel wichtige Rolle zu spielen. Und in dem Kontext gibt es eigentlich nur zwei Richtungen, die wir einschlagen können. Das eine ist eben Material zu verwenden, was den CO2-Ausstoß reduziert und nicht das Klima weiter belastet.
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Das eine und das andere ist sozusagen über Recycling beziehungsweise Cradle to Cradle und ähnliche Konzepte nachzudenken. Also was passiert mit dem Gebäude oder dem Material, wenn es dann mal an Ende seines Lebenszüglungs angekommen ist.
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Und zu beiden Bereichen liefert der modulare Holzbau, sage ich mal, Lösungsansätze. Wie gesagt, Holz ist eigentlich ein negatives, CO2-negatives Baumaterial, also eigentlich nicht zu schlagen von anderen Baumaterialien.
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Und die modulare Vorfertigung ist, sage ich mal, ein Weg, sortenreine Materialien zu verbauen und auch so zu verbinden, dass sie hinterher wieder auseinandergenommen werden können und ab- oder down-gecycled werden können. So, und das sind jetzt bloß Beispiele von Holzbauten. Also wie gesagt, wir haben uns mit dem Thema Holz verstärkt jetzt auseinander gesessen,
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arbeiten im Augenblick auch an ein oder zwei Projekten, die mit dem Material umgehen. Und wie Sie alle wissen, hat Holz ja eben auch Beschränkungen, also baufysikalische Beschränkungen, auch, sagen wir mal, in der atmosphärischen, also allgemeinen Aufenthaltsqualität und so weiter, aber eben vor allem auch beim Brandschutz.
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Gut, also den Standort von Woody brauche ich Ihnen nicht weiter zu erklären. Sie kennen das wahrscheinlich, also das ist direkt neben der Behörde für Stadtentwicklung und Wohnen, wie sie jetzt heißt. Und ist ein Gelände, was sozusagen im weiteren Radius der IBA eine Rolle spielte.
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Also es gab ein IBA-Konzept, ein städtebauliches oder so landschaftsplanerisches Konzept für diesen Bereich von Agence Terre mal gemacht. Und wir sind dazu gekommen über eine Konzeptvergabe dieses Grundstücks.
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Wir sind angesprochen worden von Achim Nagel hier aus Hamburg, Primus Development, ob wir da nicht Lust hätten, mit ihm zusammen eine Bewerbung einzureichen. Und das haben wir dann auch getan. Das ist jetzt nur das Woody, aber die beiden Blöcke davor gehören eigentlich zu dieser Vergabe, anhand der Grundstücke.
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Wir sollten ein kleines Quartier entwickeln. Wir haben das Universal Design Quartier genannt, weil Achim Nagel sehr engagiert ist in dieser Universal Design Bewegung.
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Ich weiß nicht, ob Sie das kennen. Das ist eine Art von Versuch sozusagen, also eigentlich auch eine Norm, zu versuchen, das Feld zu öffnen. Und gerade vor allem Wohn- und Arbeitsumgebung für alle Menschen brauchbar zu machen, also insbesondere auch unterschiedliche Generationen, Behinderte und so weiter und so fort.
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Und ja, also das, was Sie jetzt hier sehen, ist eher ein städtebaulicher Gedanke. Das ist an der Neuenfelder Straße ein Gelände, was so leicht abfällt. Und das BSW-Gebäude bildet da so eine Art von Level, so ein Datum.
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Und die Straße, das Gelände fällt ab dazu. Und wir haben dann versucht, wie man hier sehen kann, in der Silhouette der Häuser am Ende dieses Grünraums sozusagen dagegen aufzusteigen, dass so eine Gegenbewegung entsteht und so eine gewisse Dynamik. Das ist am Ende nicht mehr ganz so umgesetzt worden, aber so ähnlich.
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Es geht so in die Richtung. Und Teil dieses Plans war eben eine Fortsetzung dieser CAM-Idee entlang dieser ehemaligen Industriebahnstrecke, die heute ja eine Verbindung ist oder eine wichtige Magistrale, kann man sagen,
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also für Fußgänger und Radfahrer zwischen den beiden Zentren von Wilhelmsburg und auch sehr belebt und viel begangen ist. Das heißt also, diese Fortsetzung dieser Nasen, die da quasi in den Raum reinstehen, jetzt in einer anderen Form hier wieder aufzunehmen. Hier sieht man das Erdgeschoss. Wir haben, natürlich hat sich Herr Walter, der damals noch, wie heißt er nicht, Sinasbaudirektor,
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aber der heißt hier anders, wie auch immer, also für die Stadt verantwortlich war jedenfalls, hatte sich gewünscht, dass das ganze Erdgeschoss Gewerbe sein sollte. Das ist natürlich immer ein Riesenthema. Wir haben uns am Ende darauf geeinigt, dass wir da sehr großzügig angelegte Fahrradstellplätze einbauen,
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die natürlich in einem Studentenwohnheim auch einen Stellenwert und eine Wichtigkeit haben. Uns gibt diese drei blauen Räume, die man da sehen kann. Das sind tatsächlich, unten rechts ist ein Bistro, was öffentlich zugänglich ist.
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Mitte ist der Eingangsbereich, so eine Art von Loungebereich kann man sagen, und links ist ein Coworking, was aber eigentlich in erster Linie für das Haus gedacht ist. Hier sieht man dann nochmal dieses, also hier gibt es eine Raumbildung, hier gibt es so einen Kanal, der um die Ecke geht, und einer von diesen, oder zwischen zwei Kammzähnen sozusagen, wird dieser Raum gefasst.
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Und hier kann man nochmal so die Raumbeziehungen sehen, also die gelben Linien, das ist die Neuenfelder Straße, und dann geht er rechts, die Reichsstraße wird hier abgerissen, dann geht dann nach Norden, geht da rechts eine ziemlich wichtige Straßenverbindung rauf. Man sieht den Kanal, man sieht diese in den roten Flächen angelegt,
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eigentlich die Fußgänger und so öffentlichen Bereiche. Rechts hinter der BSW gibt es ja ein Berufsschulzentrum, wo sehr viele jeden Tag Berufsschüler von der S-Bahn herunterkommen und da durchgehen.
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Und auf der anderen Straßenseite eben das IBA-Gelände. Der Blick vom IBA-Gelände hier rüber, und das ist dieser Durchgang zum Berufsschulen. Und ja, also dieses Handgabeverfahren, das endete dann in einer Kooperation, also die wurden zwei Preise sozusagen vergeben, und Primus wurde mit der Steg zusammen geschaltet,
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und schließlich hat sich dann auch noch ein dritter Architekt und Entwickler eingeklingt. Und was entstanden ist, sind jetzt drei Häuser, und sozusagen dieser Universalgedanke wird bis zu einem gewissen Grad da aufgenommen.
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Es gibt in diesem Blockgebäude Familienwohnen mit einer kleinen Kita auch. An der Ecke gibt es Seniorenwohnen, und eben in diesem Gebäude, diesem Budi, wohnen vorwiegend Studenten und Berufsanfänger.
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Es ist also ein typisches Unterkunft, früher hätte man gesagt, ein ledigen Heim. Also es sind kleine Räume für Einzelpersonen, die vielleicht in der Ausbildung sind, oder auch, sag ich mal, nur ein paar Jahre oder sogar Monate in der Stadt sind.
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Es hat sich also zum Beispiel die Bundeszollbehörde eingemietet, die dann ein Ausbildungszentrum haben im Hafen irgendwie, und da sind junge Zollbeamte und Beamtinnen, die da ein halbes Jahr zu Lehrgängen kommen,
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die haben dann da eine Unterkunft zum Beispiel. So, und hier ist ein bisschen die Entwicklung. Also das mit dem Holz, das ist ein Thema, was entstanden ist im Prozess. Wir haben erst sozusagen aus der städtebauigen Figur heraus an verschiedenen Erschließungssystemen gearbeitet, und es wurde natürlich auch praktisch ständig kalkuliert,
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wie sind die Baukosten, wie kann das sich in Mieten niederschlagen und so weiter. Und es führte zu einer weiteren und weiteren Optimierung, wie man sehen kann. Also wir sind mal mit 190 Apartments angefangen und haben mit 371 dann aufgehört. Und parallel dazu sind die Gemeinschaftsbereiche auch ein bisschen,
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weil, sag ich mal, es gab Betreiber, die sich am Anfang gemeldet haben, die dann aber irgendwie wieder verschwunden sind, die sehr großzügige Gemeinschaftsbereiche im ersten Obergeschoss vorgesehen haben, die habe ich jetzt hier nicht dabei. Die sind auch Stück für Stück zusammengeschrumpft, und dann schließlich eben auf diese drei Punkte im Erdgeschoss konzentriert worden.
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Also aus dem Blickwinkel der Normung habe ich über das Projekt bisher noch nie gesprochen, aber es gibt dann natürlich einige tatsächlich, in der Tat einige Ansatzpunkte. Es fängt schon mal an eben mit dem Grundress, mit dieser Normierung der Räume,
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da kommen gleich noch ein paar Bilder dazu. Das sind eben tatsächlich alles die gleichen Räume. Wir haben auch das Mobiliar, die Bäder und so weiter, alles vorgefertigt und sind alle gleich, mit Ausnahme von diesen, sag ich mal, Stirnsituationen, wo dann ein paar mehr Fenster drin sind.
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Aber im Grundress sind die mehr oder weniger gleich. Das andere Thema ist eben der Brandschutz. Also wie gesagt, die Verarbeitung von Holz in diesen Mengen und in dieser, sag ich mal, urbanen Dichte und Höhe hat eigentlich wenig Vorbilder. Und wir haben versucht, über Brandschutzgutachten mit diversen Kompensationsmaßnahmen dann nachzuweisen,
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dass das eine sichere Angelegenheit sein kann. Und hier sieht man, sag ich mal, das Grundprinzip. Es gibt im Grunde genommen drei Kerne, die aus Beton sind, also F90. Und die Konstruktion der Fluchtwege, also das sind die Flure, die man hier grün angelegt sieht,
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ist auch aus Beton. Das heißt, wir haben da Betonstützen und Betonfertigteildecken. Und dann alles, was nicht angelegt ist, ist aber dann ganz aus Holz. Allerdings sind in den Trennwänden und auch in den Decken jeweils an den Holzkonstruktionen
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nochmal Gipskarton oder Promat oder was auch immer Brandschutzplatten aufgeschraubt, die aber, also nur, die leicht wieder abgenommen werden können. Hier sieht man das. Also das ist jetzt gerade mal so eine, sieht man diese Gipskartonplatten, die da drauf geschraubt sind. Hier wird eben ein vorgefertigtes Element angeliefert.
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Das ist die Fassade. Und hier sieht man, dass der Flur und diese hellroten Rechtecke, das sind die Betonstützen, die die Flurdecken tragen. In den Wänden sind die ganzen Schächte verborgen.
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Das heißt also, dass natürlich auch wieder eine sehr systematische Vorgehensweise, es ist alles immer zugänglich von den Fluren aus, können alle Steigeschächte auf allen Etagen praktisch für jede Einheit bedient werden,
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was natürlich, sag ich mal so dieser seriellen Idee und auch Effizienzidee natürlich entgegenkommt. Die können auch, also die sind von der Stabilität her so konstruiert,
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dass man relativ große Löcher in die Wände reinschneiden kann und dementsprechend können sie auch zusammengeführt werden. Ist aber im Augenblick an keiner Stelle realisiert. Das ist sozusagen was, was in der Zukunft unter Umständen passieren könnte. Und hier sieht man dann mal so ein Holzmodul.
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Das sind also querverleimte Brett-Schichtwände, also Massivwände. Und es ist natürlich Teil des Modulgedanken, dass alles doppelt ist. Also alle Wände, alle Fußböden und Decke, also jedes ist ja sozusagen seine eigene Kiste und wenn man eine Kiste auf die nächste stellt,
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gibt es dann immer eine Decke von unten und eine Decke von oben und es gibt eine Trennwand von der einen Seite und eine Trennwand von der anderen Seite, was zunächst mal zu hervorragenden Schallschutzbedingungen führt, weil immer alles getrennt ist, aber natürlich auch Mehrkosten bedeutet.
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Ja und dann sind wir sozusagen eingestiegen in dieses Thema des Existenzminimums und haben uns natürlich die ganzen Frankfurter Küche und die ganzen Bemühungen angeguckt, was dann dabei aber rausgekommen ist, aber in einem relativ, sage ich mal, in Anführungszeichen normale Studentenbude, wo halt alles, was man braucht, ein Tisch, ein Bett, eine kleine Küche, eine Dusche,
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ein Schrank, ein Bücherregal, ein kleiner Esstisch und so weiter, in Minimalform zur Verfügung steht, ein bisschen wie eine Kajüte. Was man hier auch ganz gut sehen kann, ist, dass das im Grunde genommen Rohbau, also wir haben nichts gemacht an den eigentlichen konstruktiven Materialien,
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die eben alle Holz sind, also das ist gewachsen, aber das ist es auch schon, und die ganzen Einbauten sind alle in demselben Material vorgesehen worden. Das ist so die Konzeptzeichnung, das ist natürlich keine neue Idee.
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Wir kennen das alle aus den 60ern, Plug-in City und ähnliche Konzepte von Archigram oder Pottery's Think Belt von Cedric Price oder ähnlichen anderen Vorstellungen oder die Capsule Models von den Metabolisten in Tokio und so weiter.
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Wir sind aber eigentlich, also aus unserer Perspektive zumindestens, erst jetzt technologisch angekommen an einem Punkt, wo man das auch tatsächlich umsetzen kann und wo man es zu halbwegs vernünftigen Preisen und verfügbaren Technologien
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dann auch tatsächlich machen kann. Die Firma Kaufmann, die hat das gemacht aus Vorarlberg, aus Österreich, die haben eine, also eine, sage ich mal, altmodische Produktionsstraße sich zusammengebastelt
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und da wurde tatsächlich eben jeder Arbeitsschritt von einem Team durchgeführt, immer an jedem Haus und es ist quasi eben Dinger sind so durchgelaufen. Am Anfang nur die Decke, wie bei der Autoproduktion, am Ende das fertige Modul mit Türen,
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mit Waschbecken, mit Spiegeln, mit Lichtschaltern, mit Elektro-Sanitärleitungen, die dann nur noch zusammengestöpselt und verbunden werden müssen auf der Baustelle. Das ist also im Grunde genommen dieser Industrialisierungsgedanke, aber eigentlich, sage ich mal, auf einer technologisch relativ einfachen Ebene.
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Man konnte ja sehen, die haben so eine Schiene gebaut, wo die einfach zusammengebaut werden, die Kisten. Natürlich sind die mit CAD und so vorgezeichnet worden und der Abbund, also das Zuschneiden der einzelnen Elemente ist wahrscheinlich computergesteuert und so,
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aber im Grunde genommen, hier sieht man das ja ganz stolz, die Männer, die das da zusammenschrauben, im Grunde genommen ist es mehr oder weniger ein Zimmermannsbetrieb, der das einfach umgesetzt hat. Was schon sehr beeindruckend war, die Baustelle liegt parallel, das heißt,
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die Ortbetonteile sieht man jetzt hier auch, es gibt eine Brandwand, das sind auch Betonelemente, die haben sich gegenseitig einen Rennen geliefert, sozusagen, also die sind ständig gekommen mit diesen Lasttügen, die hatten das Sammler gerade eben immer zwei pro Hänger
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und sind da also in einem ständigen Fluss gekommen, haben diese Kisten aufeinander gestellt und sie sind dann praktisch der Ortbeton und der Holzmodulbau ist fast gleichzeitig dann immer fertig geworden. Hier sieht man das also, also so wie man sich das im Studium vorgestellt hat, genau, genauso umgesetzt.
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Das ging in einem, hier sieht man nochmal diese Branchesituation, hier sehen Sie diesen Betonggang
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und rechts die gestapelten Kisten und hier die Gipskartonschicht, die dann nochmal zwischen den beiden Trennwänden sitzt. Die haben an einem einen Ende angefangen und am anderen aufgehört und das Ganze ging also relativ zügig, was eben besonders wirklich bemerkenswert war,
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ist, dass die Bauzeit, also von beiden Teilen parallel tatsächlich nur 10 Monate waren, also ungefähr die Hälfte oder so, vielleicht sogar ein Drittel von dem, was man normalerweise erwartet hätte. Das Foto hier vom Richtfest, es sollte mich daran erinnern, dass Frau Stapelfeld, die Senatorin,
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diesen Anlass genutzt hat, um eine Änderung in der Landesbauordnung zu verkünden. Ab jetzt sind ähnlich wie in Baden-Württemberg und ich glaube Bayern auch schon
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und anderen Bundesländern möglicherweise auch noch. In Hamburg jetzt Bauwerke der Gebäudeklasse 5 oder für Bauwerke der Gebäudeklasse 5 ist Holz als Baumaterial zugelassen. Das heißt also, was wir noch über Brandschutzgutachten, über Argumentation
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und Kompensation usw. durchsetzen konnten, ist jetzt im Grunde genommen im Gesetz festgehalten. Das heißt, es ist einer der wenigen Fälle, wo Best Practice oder Practice überhaupt tatsächlich einen direkten Einfluss genommen hat auf die Gesetzgebung.
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Inwieweit das jetzt nur an diesem Projekt hängt, würde ich mal bezweifeln, das ist wahrscheinlich ein längerer Prozess, der halt da seinen Höhepunkt gefunden hat, aber dennoch ist es natürlich irgendwo ein schönes Gefühl für Architekten, dass man das Gefühl hat, dass man als praktizierender Architekt da doch noch Einfluss hat.
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Gut, das ist jetzt hier nochmal, also die Bauern haben dann zum Recht fest 2500 Setzlinge, kleine Bäumchen verschenkt und in die Welt geschickt und die Idee war, dass die in 40 Jahren dann das Holz wieder zurückgewachsen ist,
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was verbraucht wurde für das Gebäude. Ich sage noch zwei Worte zur Fassade, also es ist ja, wie soll ich sagen, ungewöhnlich, vor allem hier an der BSW haben wir versucht
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mit den verschiedenen Farbigkeiten, mit diesem Treibholzmotiv sozusagen, die Unterschiedlichkeit der Menschen oder der Inhalte, die in diesem Gebäude zu Hause sind,
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auch nach draußen zu tragen. Kosmopolitismus war ja so ein Schlagwort der IBA. Uns wurde erklärt, schon in der Ausschreibung, dass in Wilhelmsburg 17 oder 18 Sprachen, ich weiß nicht mehr genau gesprochen, vielleicht noch mehr, also dass sozusagen hier keine homogene Bevölkerung vorliegt,
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sondern dass es viele viele Individuen sind und das war so ein bisschen die Idee der Fassade von dem Verwaltungsbau, Behördenbau und hier haben wir uns eigentlich für einen anderen Weg entschieden, also dieses Modulare führt eben zu einer absoluten Wiederholung der einzelnen Elemente
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und wir haben uns letztlich nach vielen anderen Versuchen entschieden, diese Wiederholung zu zelebrieren und sozusagen zum Hauptthema zu machen und sozusagen eigentlich nochmal ästhetisch zu überhöhen, indem wir die Fassade auch nochmal modular aufgeteilt haben. Es gibt dieses Holzpanel, dieses gestreifte Holzpanel, was horizontal und vertikal angeordnet ist,
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das selbe Panel und sozusagen um das ganze Haus rumgewickelt wird. Es gibt natürlich immer ein paar Ausnahmesituationen an den Ecken und so weiter, aber im Großen und Ganzen ist das immer dieses selbe Ding. Und auch die Fenster, die Hamburger wissen das, unheimliche Schallschussanforderungen erfüllen müssen
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und total ausgefuchste Hamburger Hafen-City-Fenster sind mit allen möglichen Klippklappen voran und Labyrinth und Luft durch und so weiter, die in unterschiedlichen Seiten unterschiedlich sind,
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haben wir bewusst sozusagen als ganz gleiches, anscheinend immer gleiches Fenster gestaltet. Dahinter steckt sozusagen der Gedanke wirklich auch der Gleichheit. Wir haben uns zu der Zeit auch zumindest theoretisch mit Flüchtlingsunterkünften beschäftigt
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und der Frage, was wäre denn jetzt sozusagen so eine Art von Minimum, also wenn man jemandem ein Dach über den Kopf bieten sollte, was braucht man, wie kann man das erledigen, wie kann man das auch kostengünstig machen,
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wie kann das schnell passieren und so weiter. Und ich will jetzt nicht sagen, dass das Flüchtlingsheim konzipiert ist, aber diese Idee der Gleichheit, der gleichen Chance oder der gleichen Unterkunft für alle, die gewisse Grundstandards hat, spielte zumindest im Hinterkopf eine Rolle.
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Hier sieht man auch, dass wir mit diesem Standard-Element, mit diesem Modulelement in der Fassade dann ein bisschen gespielt haben. Also es gibt ja dann eben Bereiche, wo es kein Fenster gibt und es ist alles so ein Relief gestaltet, was aber dieselben Motive und dieselben Elemente verwendet.
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Gut, soviel vielleicht zum Woody und dann beantworte ich gerne Fragen, beziehungsweise freue mich auf die Unterhaltung. Matthias, vielen Dank. Ich dachte ja erst, dass ich mal einen Schritt heraus trete, aber das reizt ja dann doch, nochmal direkt nachzufragen.
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Du hast ja selbst verwiesen darauf, dass schon im Hintergrund des Projektes, wahrscheinlich sich dann in der Entwurfsarbeit auch dieser Rückbezug auf die, unter anderem die Metabolisten, ergeben haben. Das ist ja auch ein ganz ulkiger Transfer. Also bei den Metabolisten ist ja so dieses zeitliche Modell,
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es gibt die sozusagen die Struktur, die Infrastruktur, die sozusagen dauerhaft ist. Die Module gehen rein und raus, sind einem schnelleren Mantel unterworfen. Bei euch ist es ja, wenn ich es richtig verstanden habe, ist ja nicht die Frage, dass es eine andere Zeitlichkeit hat in diesem Sinne, sondern eigentlich die andere Zeitlichkeit im Brandschutzverhalten.
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Das Holz brennt schnell, der Beton hält länger stand, also auch ein zeitliches Modell, aber in einem ganz anderen Thema. Wann ist es denn in der Entwurfsarbeit aufgetaucht, diese Referenz, oder ist es eher so ein Nachgang, eine Assoziation geworden? Nein, eine Mischung würde ich sagen, fairerweise, aber ich glaube nicht, dass die Modularität im Sinne der Flexibilität,
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also unter dem Motto, wir bauen 20 Jahre später oder 10 Jahre später andere Module da rein, sondern eigentlich eher so eine Art von sozialer Modularität. Insofern, als man das ja wirklich als eine Art von Minimalbehausung betrachten könnte
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und alles, was über diese Minimalbehausung hinausgeht, sozusagen ausgelagert ist, und da im Haus selber auch nicht wahnsinnig viel angeboten wird, ist es eigentlich das Quartier, was sozusagen zum gemeinsamen Außenraum wird, gedanklich zumindest, oder die Stadt, wenn man so möchte. Insofern ist ja, sage ich mal, die Assoziation oder die Metapher oder Analogie
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zwischen einem Gebäude und einem Metabolismus jetzt nicht ganz vollkommen daneben, weil das ist so eine Art von, wenn man so möchte, minimale Infrastruktur zum Wohnen, unter der Maßgabe oder mit dem Hintergedanken,
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dass dann das, was um das Gebäude herum passiert, Teil dieser Anlage wird. Was ja dann auch auffällt, ist diese Entwürfe der 60er Jahre, die mit diesem Thema sehr plakativ umgegangen sind, also sagen das auch, benutzt haben, um so eine Bildlichkeit zu erzeugen, bei euch ist es ja eigentlich sehr stark sublimiert.
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Mir war das gar nicht so bewusst vor deinem Vortrag, man kann es ja erkennen, dadurch, dass ihr auch das Material exponiert, aber es ist ja eigentlich eher als architektonisches Thema relativ zurückgenommen. Ja, also wie gesagt, das Thema ist im Grunde genommen die Wiederholung. Also die Wiederholung immer gleicher Elemente.
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Und es gibt dann natürlich leichte Verschränkungen, geometrische Spiele sozusagen in der Fassade, die sich mehr aus dem Städtebau ergeben. Aber ich meine, dieses Thema der Zwischenstruktur, der Betonstruktur und den Modulen, das ist ja sehr zurückgenommen.
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Was das Modul selber betrifft nicht, aber natürlich die Materialien und die sozusagen Blöcke, die sind ja da ablesbar. Eine Frage natürlich, wo wir heute in einer Zeit der starken Individualisierung leben, was man sich dann schon fragt, ist bei diesen Minimaleinheiten,
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wo er die ja auch sehr gewissenhaft durchgeplant hat, wo man sich dann schon fragt, schläft und wohnt da drin der normierte Mensch? Habt ihr nachgedacht, was es für Aneignungsmöglichkeiten gibt? Also es ist ja schon relativ weitgehend, es ist ja nicht nur ein Raum, sondern er ist ja auch durchmöbliert.
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Habt ihr da im Entwurfsprozess darüber nachgedacht, wie ein Mensch sich das aneignen kann? Also den Weg sind wir in diesem Fall eben nicht gegangen. Wir haben gesagt, wir bereiten wirklich so eine Art von minimaler Infrastruktur vor.
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Und du hast auch nicht wahnsinnig viele Möglichkeiten, das Bett irgendwie anders aufzustellen, weil es einfach zu klein ist und der Schreibtisch ist auch schon eingebaut. Insofern sind jetzt Aneignungsmöglichkeiten, ohne das Ding, also den Innenausbau zu zerstören, sehr begrenzt. Du kannst natürlich deine Bilder aufhängen,
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du kannst noch was Zusätzliches mobiliar reinbringen, alles mögliche, das geht schon. Aber es ist eben nicht so gedacht, dass es ein leerer Raum ist, in dem dann wer auch immer sein Material bringt. Also die typischen Bewohner sind, also nicht, dass ich jetzt alle kennen würde,
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aber ich bin ja öfter mal dort und dann gucke ich mir immer so an und spreche mit den Leuten und so. Es sind sehr viele ausländische Studenten, die buchstäblich mit dem Koffer ankommen und die einfach eine Unterkunft brauchen. Und eben also diese besagten Bundesgrenzschutz-Auszubildende oder wie auch immer.
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Das heißt also, das ist auch schon, es hat eine hohe nomadische Qualität, ich glaube nicht, dass die Leute sich da so verankern werden und über Generationen immer dieselbe Familie oder dieselben Menschen da sein werden. Also insofern ist es eigentlich auch nicht ein Entwurf eines Lebensmodells,
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also das ist vielleicht auch anders als in der klassischen Moderne, sondern es ist irgendwie so eine Basis, die er schafft und die Leute individualisieren sich eigentlich eher in der Art, wie sie dann die Stadt benutzen und ihren Lebensalltag gestalten und das ist ein Element in diesem Lebensalltag, oder? Es kommt darauf an, wie sehr man das nomadische Leben als eine Art von Lebensmodell bereits verinnerlicht hat oder nicht.
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Es gibt ja durchaus viele Biografien, die davon ausgehen, dass man ständig unterwegs ist, beruflich oder aus Leidenschaft oder wie auch immer, in Beziehungen und alles mögliche. Und die Tatsache, dass du zum Beispiel wahrscheinlich ein Zimmer in Kassel hast
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und in Berlin und auch sonst ständig unterwegs bist, ist ja jetzt nicht ganz untypisch. Dafür ist das sozusagen schon auch im Sinne der Moderne eine maßgeschneiderte Lösung.
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Das könnte man jetzt in den Normendiskurs weiterführen. Wir haben das im Heft auch kurz beschrieben, das wird euch so nicht bekannt sein, die erste deutsche Norm ist ja das Maschinengewehr. Und da ging es, also im ersten Weltkrieg, und da ging es aber nicht darum, dass man das Maschinengewehr neu designt,
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sondern dadurch, dass man diese Norm schafft, die ganze Logistik und Verwendung drum herum und so würde ich das jetzt verstehen. Natürlich irritiert das jetzt erstmal, ich würde jetzt sagen, ich wäre da wahrscheinlich nicht eingezogen, aber ich hätte auch einen anderen Lebensstil, als den du da jetzt beschreibst,
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aber wahrscheinlich haben die gar nicht so einen sehr individuellen Lebensstil, die Bewohner, aber der drückt sich nicht in der Aneignung der Wohnzelle aus, sondern im Gebrauch der Stadt. Ja, also der drückt sich dann aus, aber eben in kleineren Schritten. Also mittlerweile, wenn du von einem zum anderen gehst, ist jedes anders, sei es der Deckbettüberwurf,
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sei es die Poster, sei es was weiß ich was, es ist dann alles irgendwie, es ist auch ganz witzig, die haben alle sich, und nicht alle, aber viele legen sich Fußmatten vor die Tür, ja. Und da ist dann irgendwie eine Botschaft drauf, oder bei den Asiaten stehen die Schuhe vor der Tür zum Beispiel,
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und so, also es gibt dann so kleine Signale, das sind Signale, die schon in Differenzierung führen, aber es ist nicht von der Architektur her so angelegt, dass wir sagen, wir machen bloß den Rahmen, und ihr bringt euer Mobiljahr selber, und ihr was weiß ich was, gestaltet euch die Räume,
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sondern es gibt eine Grundausstattung. Andere Frage noch zu dem Projekt, wir haben ja auch Berichte, das sagen, die Baukosten waren am Ende eigentlich ähnlich wie bei konventioneller Bauweise? Eher etwas höher. Eher etwas höher, und es gibt ja immer sozusagen die Zeit, die spielte Zeit in den 20er Jahren,
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war ja sozusagen immer das Versprechen der Architekten, wir mit Modalisierung, Vorfertigung werden ja billiger, ein klassisches Beispiel ist Cropius in Thornton, alle denken, das war ein ökonomischer Wohnungsbau, der war aber 20% teurer als normal, und das zieht sich eigentlich durch die ganze Geschichte der Modalisierung und Vorfertigung durch, die Architekten immer natürlich vollmundig große Versprechungen machen,
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und wenn man am Ende dann irgendwie die Rechnungen sich anguckt, dann ist es doch nicht so. Ich glaube, ihr habt es aber ja nicht, sagen jetzt was Leeres versprochen, ihr habt es ganz bewusst gemacht, du hast es anders begründet, also sagen, hätte man das jetzt auch konventionell in Holz bauen können, oder kommt es dann durch das Material?
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Also wenn jetzt die Kosten die oberste Parameter gewesen wäre, also die waren schon wichtig, aber sagen wir mal so, das hat sich der Entwickler in Anführungszeichen geleistet, auch weil er es selber mal sehen wollte, mal sehen wollte, wie das funktioniert, sagen wir mal, eine Eskalationsstufe runter wäre Systembau gewesen,
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also nicht Modulbau, sondern Systembau, das heißt also zum Beispiel Schottenwände oder so vorgefertigt und dann Decken eingehängt oder so, um diesen Dopplungseffekt zu vermeiden, das wäre dann vom Ablauf her etwas langsamer gewesen, aber immer noch schneller als Mauerwerk oder Trockenbau, Betonbau oder wie auch immer.
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Und der Systembau wäre auch in Holz gegangen? Und man müsste auch wirklich, um das jetzt wirklich zu beantworten, müsste man dann mal den gesamten Lebenszyklus betrachten, weil das ist natürlich, also die Entsorgung dieses Gebäudes ist natürlich ein ganz anderes als wenn es ein Betonbau wäre, zum Beispiel.
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Und wenn man die Kosten und CO2 und sowas mit reinrechnet, dann könnte man wieder, könnte das Versprechen unter Umständen erfüllt werden. Aber das müsste man wirklich mal genau präzise berechnen. Aber letztendlich ist sagen, diese Entscheidung für eine nachhaltige Lösung, die auch die Frage der grauen Energie betrachtet und die Entscheidung für den Werkstoff Holz führt dann praktisch zu dieser Produktionsweise?
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Genau. Habt ihr denn früher, also wenn wir jetzt mal sagen Schritt raus treten, habt ihr denn sagen, früher schon mal, ich sag bei anderen Projekten, solche Modulbauweisen praktiziert oder war das jetzt doch in dieser, als sagen, für so ein großes Projekt das erste Mal, dass ihr das so angegangen habt?
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Ich hab dir am Anfang ein paar Projekte gezeigt, die Holz verwenden, diese Kirche in Köln zum Beispiel, das ist ein Systembau, also das sind die Portale vorgefertigt worden und dann wurde auf der Baustelle und die Wandelemente auch und auf der Baustelle wurde nur noch die Fassade drauf geschraubt sozusagen. Und dieses, das Dach von dem Hager Forum,
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nur ein Bild ist auch ein, das ist geplant gewesen als ein Modulbau, also es ist ein Raumfachwerk, was in zwei Richtungen spannt mit großen Kassetten, also die Träger sind, was weiß ich, fast ein Meter oder irgendwas hoch
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und das sollte aus Elementen zusammengesetzt werden, also das sollten quasi große Kreuze, Doppelkreuze sein, die dann zusammengesetzt werden, auf Stützen aufgesetzt werden und das ist dann mit einem Zimmererbetrieb überarbeitet worden,
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ist dann auch ein Systembau draus geworden, sind also praktisch große Doppelträger geworden, die gerade noch die Transportgröße hatten und dann die auf der Baustelle miteinander verbunden wurden. Aber das ist, also immer wenn man mit Holz baut, hat man einen hohen Grad von Vorfertigung und du hast dann eine Art von Modularisierung
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oder man nimmt eben die Bauteile auseinander, du hast keine homogenen Elemente, sondern immer Fügungen und aus dieser Denkweise kommt man dann relativ schnell auf so eine modulare Vorgehensweise auch im Entwurf.
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Also was sich ja darin zeigt, ist jetzt wieder so ein Kommentar, also Hans Neufert hat ja versucht mit seiner Oktaidermaß ein Raumraster zu entwickeln, was sozusagen formbestimmen werden soll für die Architektur, wir in unserer Auseinandersetzung bei dem Heft sind eigentlich zur Schlussfolgerung gekommen,
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was sich wirklich das Einzige, was formgebend durchliegt, ist sozusagen das Transportprofil von Straßen und Eisenbahnen und das sieht man ja auch den Modulen, oder? Ja klar, natürlich, deswegen im Containermaß, es bildet sich das ja auch ab.
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Du hattest darauf verwiesen, mit dem Brandschutzgutachten und der späteren Änderung des Baugesetzes in Hamburg, vielleicht kannst du das nochmal ein bisschen erläutern. Also als ihr dann überlegt habt, das in Holz zu machen, war klar, das geht eigentlich nicht auf regulierendem Weg. Da würde wahrscheinlich schon ein Bauherr doch aussteigen,
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der sagen, okay, es ist auch risikobehaftet, wenn ich dann sage, ich schlage was vor, ich habe zusätzliche Kosten, Gutachten, Planungsverzögerungen, bis das geprüft und genehmigt ist, also würde das mit jedem Bauherrn gehen? Nee, natürlich nicht, das Stichwort Zulassung im Einzelfall ist normalerweise ein rotes Tuch für viele Bauherren, ist in der Tat so, dass es Kosten verursacht
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und eben halt Zeit braucht und andere Fachleute eingespannt werden müssen in den Bauprozess, von dem man nicht hundertprozentig weiß, was sie sagen werden und so weiter und so fort. Ja, ist also ein risikofreudiger Bauherrn. Und wie lang ging dieses von sagen,
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dieser Prozess bis klar war, es ist machbar? Na ja, also du arbeitest ja mit einem Brandschutzgutachter, die sind jetzt nicht vollkommen irgendwo auf einem akademischen Feld unterwegs, sondern die haben schon ihre Hand festen, sind teilweise Leute, die beim vorbringenden Brandschutz gearbeitet haben vorher oder bei der Feuerwehr oder wie auch immer. Die haben schon Argumentationsketten
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und können auch berechnen, also da simulieren, da sind die Computer-Tools auch schon wieder ziemlich hilfreich, können schon ein wasserdichtes Argument aufbauen. Und wenn du das vor dir hast, dann ist schon mal der erste Schritt. Dann musst du jetzt natürlich nur auch sehen, dass die Behörde dann dem folgt
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und das Risiko bis zum gewissen Grad mitträgt und das dann meistens so, dass es auf der Bezirks-Ebene, auf der unteren Ebene viel Angst gibt und man muss dann meistens irgendwie auf einer höheren Ebene entscheiden. Also ich, nur mal das Umweltbundesamt in Dessau, das hat ja auch eine Holzfassade.
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Das war für uns glaube ich die allererste, ist auch eine Elementfassade, also auch vorgefertigt. Allerdings die Verkleidung dann vor Ort verschraubt und das wurde im Regierungspräsidium in Magdeburg schließlich entschieden. Dass wir das machen dürfen, ohne eine Besprinkleranlage davor zu hängen.
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Gut, aber da muss man natürlich sagen, mit Umweltbundesamt, also ihr wart damals auch schon nicht mehr ganz unbekanntes Büro und zum Gleich war das auch ein Bauherr, der dem Land wichtig war. Also wenn eine andere Konstellation, ein wenig bekanntes Büro, ein Bauherr, der auch kein politisches Gewicht hat, dann hätte das Regierungspräsidium vielleicht auch anders entschieden.
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Das kann durchaus sein. Also jedenfalls haben die ganzen lokalen Behörden, also durch mehrere Schritte, die haben alle anders entschieden. Natürlich hat sich das Umweltministerium eingeschaltet und hat das sozusagen dann auf politischer Ebene gelöst. Also man hat ja keinen Rechtsanspruch, sondern... Nein, nein, überhaupt nicht, klar.
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Ja, also du bist ja jetzt schon mehrere Jahrzehnte im Geschäft. Wir haben ja das Gespräch mit Lütke Daltrup geführt, der sozusagen auch seit Jahrzehnten im Geschäft ist und der eigentlich sozusagen, also eigentlich fast ein Verzweiflungsruf, der sagt sozusagen, die Anzahl der Normierungen
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hat sich vervielfacht in den letzten Jahrzehnten und er ist der Auffassung, das Bauen ist nicht besser geworden. Ich habe versucht dagegen zu halten und gesagt, na gut, wir haben ja jetzt auch höhere Energiestandards, wir haben Barrierefreiheit Richtung Universal Design. Also ist ja schon die Performance, würde ich jetzt mal sagen, ist ja heute, die an Gebäude gestellt wird, doch deutlich höher als früher,
57:00
aber er sagt doch im Ergebnis, es ist nicht besser geworden, die Gebäude sind nicht besser als früher, aber wir haben enorme Probleme. Wie nimmst du das wahr? Findest du, das ist sozusagen, wie hat sich da die Berufspraxis geändert? Also ich glaube, er hat da in vielen Punkten total recht.
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Dies BR, also ich kann das nicht hundertprozentig durchdringen, aber mein Eindruck ist, dass das schon jetzt nicht nur diese Normierungsfrage zum Zusammenbruch geführt hat, sondern dass das eine Vielzahl von unterschiedlichen Problemen sind, aber man muss natürlich zugeben,
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also wenn man sich vorstellt, so was wie zum Beispiel den Flughafen in Bangkok oder der Flughafen, also der ist von Helmut Jan, oder hier der Flughafen, den Sahar Hadid's Büro in Mumbai jetzt bauen oder meinetwegen die Flughäfen in Peking oder auch jetzt hier in Istanbul,
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was gerade eröffnet worden ist, es ist tatsächlich denkbar, dass das möglicherweise in Deutschland nicht mehr geht. Dass so eine Art von Architektur einfach an den Verhältnissen scheitert und wenn das so wäre, wäre das schon ein bisschen deprimierend, muss ich schon sagen. Und die Wut, die er hat, kann ich sehr gut verstehen,
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kann ich sehr gut nachvollziehen. Und was wäre die Schlussfolgerung daraus? Also seine Schlussfolgerung ist, da müssen wir eigentlich normiert bauen? Genau, er sagt dann, wenn ich so eine Blechkiste dahinstelle, habe ich keine Probleme, dann geht das, dann machen wir halt eine Blechkiste, dann können wir auch fliegen.
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Das ist natürlich ein Tiefschlag für die Architektur, das muss man schon sagen. Aber gibt es, also sagen, hättest du da eine Antwort, wie man da rauskommt aus dieser Falle? Also höchstens bestenfalls theoretisch. Also ich muss sagen, dass wir in der Größenordnung bisher nicht gearbeitet haben, da müsste man wirklich die Kollegen
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von Gerkan Mark mal fragen dazu. Wir sind an diese Grenzen bisher nicht gestoßen. Wir haben bisher eigentlich immer versucht, also es gibt bestimmte Fälle, also ich würde mal sagen, Normen können super hilfreich sein. Also sowas wie zum Beispiel,
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die DIN 277 oder 276, muss jeden im Raum, weiß sofort, was das ist. Und wenn ich eine Zahl bekomme und das steht nach DIN 277, dann weiß jeder, was die Voraussetzungen sind. Das heißt, das ist irgendwie wie so eine Art von Sprachregelung. Das hilft. Das hilft total. Auch die Brandschutzdienste
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und so weiter und so fort. Also ich würde mal sagen, es hilft zumindest so was wie diesen Grand Theft Tower möglicherweise zu vermeiden. Dann gibt es aber natürlich eine Menge und eine immer steigendere Zahl von Einzeldiensten. Und es gibt vor allem wahnsinnig viele Zulassungen. Und es gibt dann auch noch
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VDI-Verordnung, das ist der Verein Deutscher Versicherungen und VDV, pardon, nicht VDI, VDV meine ich. Und naja, da wird es schon manchmal total eng, das überhaupt alles noch irgendwie feiern zu können.
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Und du kannst, wenn du jetzt individuelle Lösungen suchst, also wenn du, was weiß ich, architektonische Ideen umsetzen möchtest, die jetzt nicht hundertprozentig in das Muster reinpassen, hast du einfach einen erhöhten Aufwand, das ist einfach so. Dann musst du dafür kämpfen, dann musst du die Einzelzulassung machen, du musst irgendwie argumentieren, du musst dich mit Gutachtern bewaffnen und so weiter und so fort.
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Beim Brandschuss ist es ja normal, ist es mittlerweile normal geworden. Also bei der GSW beispielsweise, da hatten wir einen Brandschuss-Gutachter natürlich, aber da war das sozusagen, da gab es das in Deutschland gar nicht. Das waren die Leute von Arup, die auch zum ersten Mal mit Simulationsprogrammen,
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die selbst gemacht waren, argumentiert haben. Also heute ist das ein Standard, du kannst eigentlich bei einem größeren Projekt ohne Brandschutz-Gutachter nicht mehr auftreten. Das heißt also, die Bauaufsichten lagern das dann teilweise auch aus. Und du musst dann einfach sehen, wie flexibel die auch sind.
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Und ich glaube, das ist eins der Probleme auch jetzt des BER, dass die ja mit einer Bauaufsichtsbehörde zu tun haben, die normalerweise mit solchen Aufgaben nicht konfrontiert ist. Ja, da gibt es auch spezielle Probleme, jetzt wie in Brandenburg das Baurecht gehandhabt wird. Und Lütke Leitschrub beschreibt natürlich auch, die werden jetzt mit Argesaugen betrachtet
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und keiner will da irgendwie noch ein Risiko eingehen. Also sozusagen, da werden einfach die Toleranzspielräume gegen null, was natürlich bei so einer komplexen Baustelle der Alptraum ist. Aber da würde sich nochmal so eine Frage einstellen. Also die Beispiele, die du jetzt genannt hattest, GSW, Umweltbundesamt hier, das waren, wenn ich es richtig verstehe, ja immer durchaus auch ambitionierte,
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auch risikofreudige Bauherren, die sich mit eurem architektonischen Anspruch identifiziert haben und die sicherlich dann auch immer solche, ich sage auch Verfahren, Zulassungen im Einzelfall ermöglicht haben, auch ein gewisses Risiko eingegangen sind. Habt ihr auch schon mal wirklich so für ganz generische Fonds,
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also wirklich sozusagen für andere Bauherren gearbeitet, die nicht bereit sind, solche Wege zu gehen? Und was hat das bedeutet in diesem Umgang mit diesen Vorschriften und Normen? Na ja klar, natürlich. Also auch risikofreudige Bauherren hinterfragen natürlich jedes Mal,
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bevor sie da irgendwie auf den Weg gehen. Ja, es kommt ein bisschen drauf an, mit welchen Ansprüchen man antritt oder welche Ideenwürfe, die man auch durchsetzen möchte. Und natürlich, wenn wir sich ein normales Bürogebäude machen oder so, obwohl auch da können natürlich Probleme auftreten,
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aber dann versuchen wir halt natürlich den Regeln zu folgen im Wesentlichen. Wir versuchen die Dienst- und die gesetzlichen Vorschriften weitgehend einzuhalten. Also macht ja auch Sinn. Also das heißt, wenn ihr so einen klassischen Bauherren habt,
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der sehr wenig risiko- und experimentierfreudig ist, dann stellt ihr euch auch im Entwurf darauf ein? Ja, das ist auch eine Frage jetzt. Ich meine, ist der Verhältnismäßigkeit, also du kannst, ich sag mal in Anführungszeichen, reden wir jetzt mal über Verwaltungsbau, ein normales Verwaltungsgebäude kannst du innerhalb der Regeln gut realisieren.
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Also da können auch irgendwelche Adrien-komplexe Brandabschnitte, das kann dabei sein, dafür gibt es eigentlich Antworten in der Regel. Es ist immer dann, wenn du anfängst sozusagen den normalen, den normalen oder den, sag ich mal, bekannten Standard infrage zu stellen oder zu überschreiten oder weiterzugehen,
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dann kann es passieren, dass du auf massiven Widerstand triffst. Ich würde noch eine Frage stellen und dann noch die Möglichkeit geben, vielleicht hier im Publikum, du bist ja auch ein polyglotter Mensch, hast auch intensive Erfahrungen unter anderem in England, auch in den Niederlanden und so weiter.
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Gibt es eine, also sagen, sind die Deutschen besonders normversessen? Sind, sagen, woanders die Spielräume größer? Also ist das ein spezifisches deutsches Problem oder wie ist das, also sagen, wir haben ja dieses Beispiel England, das ist ja nicht ganz zufällig mit dem Greenfield Tower, also sagen nach Setscher die Deregulierung, da gab es einfach ein Lobbying,
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dass bestimmte Brandschutznormen, die in Europa sonst üblich sind, nicht etabliert worden, also nicht implementiert worden sind, also wirklich, also Wirtschaftsliberalismus von übelster Sorte und eben halt auch die Kommune so geschwächt, dass sie das, was als Regularien da war, nicht konsequent haben,
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sozusagen eingefordert. Insofern, da gibt es schon ein britisches Spezifikum, also das wäre so in Kontinentaleuropa nicht möglich gewesen, also diese Katastrophe, das ist kein Zufall, dass das in England passiert ist, es war auch nicht das erste, nicht dieser Erste dieser Art von Bränden, also da gibt es eine Geschichte dazu. Aber jetzt zum Neubau, wie siehst du das sozusagen?
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Also das ist sehr schwer, ich glaube, da kann man schwer verallgemeinern und ich könnte jetzt auch nicht behaupten, dass ich das Problem, sage ich mal, detailliert betrachtet hätte. Ich kann uns vielleicht so viel sagen, dass natürlich in England ein anderes Rechtsverständnis herrscht, das heißt also kein napoleonisches Recht,
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sondern gehen immer von Präzedenzfällen aus und das führt zu einer sehr viel, sage ich mal, praxisbetonteren, weniger regelbasierten Denkweise und Verhaltensweise und macht auch, sage ich mal, kooperativere Verhaltensformen
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und auf den Einzelfall zugeschnittene Verhaltensformen viel leichter oder viel natürlicher sozusagen oder normaler, wenn man so möchte. Und das hat Vor- und Nachteile. Das hat also einfach Vorteile, dass man tatsächlich mit den Leuten reden kann. Es gibt natürlich auch British Standards, es gibt also auch
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den Parker-Morris-Standard zum sozialen Wohnungsbau zum Beispiel. Es gibt also schon ähnliche Errungenschaften der Moderne, aber das ist immer passiert in einem etwas anderen kulturellen Umfeld, in einer etwas anderen Denkweise. Nur mal als Beispiel, wenn wir als Architekten Verträge machen in England,
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dann sind die normalerweise, dann haben die vielleicht, würde ich mal sagen, geschätzt oder gefühlt so was wie 20 Seiten und dann sind drei Seiten Einleitung und in der Einleitung steht, was man gemeinsam erreichen möchte. Was sind die Ziele des Projektes, was sind die Ziele der Zusammenarbeit
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und dann kommen, danach kommen was weiß ich was, was man dafür bekommt und wie schnell und so weiter und so fort. In Deutschland sind die Verträge, ich würde mal sagen, mindestens 200 Seiten lang und da wird versucht, in jedem Fall des Scheiterns irgendwie auszuschließen.
01:07:24
Es wird also, was passiert, wenn dieser das macht und der Architekt wegläuft und was weiß ich was, dann wer tritt dann ein und welche Risiken und wie werden die abgedeckt und wie viele Versicherungen und Pipapo, all das. Das heißt, es ist ein viel stärkeres, also scheint es zumindestens ein viel stärkeres Aversion Risiken einzugehen in Deutschland.
01:07:47
Ich weiß also nicht wieder nicht, ob man das so generell generalisieren kann, aber es ist einfach so ein gewisser Erfindergeist ist in England irgendwie noch vorhanden
01:08:00
und der setzt sich auch durch in der Gesellschaft. Also beispielsweise Terminal 5 nehmen wir mal, also das ist ja auch ein total außergewöhnlicher Flughafengebäude. Also hier auch Heathrow von Rogers. Würde ich auch große Schwierigkeiten sehen hier für die Genehmigung.
01:08:21
Gut, du schilderst es jetzt sehr empathisch positiv, also so wie du das jetzt als englisches System schilderst, sagen wir mal, das scheint das Richtige zu sein, dann sehen wir diese Probleme. Ja, das Grenfell Tower ist die Rückseite der Medaille. Was heißt hier in dem Fall Risikofreude und Deregulierung?
01:08:42
Es heißt eigentlich nur, dass in dem Fall die Normen ja ein Schutz für die Bewohner sind und die werden aufgehoben und es ist ja nicht so, dass jetzt plötzlich die große Freiheit im emanzipativen Sinne erblüht, sondern dass dann eben halt die Regel der Profitmaximierung zuschlägt, also das Geld und sich nichts mehr entgegenstellt
01:09:02
und dann eben halt die Mächtigen und die Nichtmächtigen dann in dieser Konstellation aufgehen. Das ist ja dann sozusagen das andere Ende der Geschichte. Ja, so kann man es sehen. Also das ist jetzt auch ein bisschen eine deutsche Sichtweise, muss man sagen. Aber du kannst natürlich auch sagen, dass eben Deregulierung
01:09:21
grundsätzlich erst mal zu einer Aufhebung von Grenzen und von Einengungen führt, die unter Umständen auch positiv gesehen werden können. Aber dass natürlich dann die Maximierung der Profite sozusagen zum Hauptkriterium wird, das ist nicht zu bestreiten.
01:09:42
Das ist übrigens ein interessanter Aspekt, den ihr, ich weiß nicht genau ob ihr den wirklich abgedeckt habt in dem Heft, dass die Normierung, also insbesondere die deutschen Normen, tendieren ja zu einer Art von Quantifizierung aller Lebensumstände. Das heißt also, es wird eigentlich alles gemessen in irgendeiner Art und Weise
01:10:00
und wenn du das Maß unter oder überschreitest, dann was weiß ich, verstößt du gegen die Norm. Und während Gesetze ja also durchaus eigentlich eher so eine Art von moralischen oder ethischen Aspekt haben und... Qualitativ. Ja, eine der wenigen Normen, die es unter Architekten oder im Bauwesen noch gibt,
01:10:24
ist eigentlich die HOAI. Eine der wenigen Regeln oder Gesetze, die seit meinem gewissen ethischen Anspruch formulieren und auch durchsetzen, noch durchsetzen. Und da glaube ich, ist diese Deregulierung in England, die ist natürlich echt fatal, weil im Grunde genommen alles geht.
01:10:45
Die haben sich alle Code of Conducts geschrieben, im Gegensatz zum BDA übrigens, der das immer noch nicht gemacht hat. Aber das zählt natürlich auch nur so weit. Insofern hast du schon recht, das ist so eine Art von laissez-faire
01:11:03
und eine Art von Verhandelbarkeit aller Lebensumstände sozusagen kann auch durchaus sehr negative Folgen haben. Also das taucht im Heft mit diesem Gespräch mit Herrn Prinz auf, das haben wir schon versucht auch zu adressieren, aber jetzt würde ich gerne mal noch... Gibt es hier im Publikum Fragen an Matthias?
01:11:22
Oder Kommentare? Eine Frage zur Vorfertigung und zu den Kosten. Wenn Sie die Vorfertigung nach Vorarlberg auslagern, welchen Teil nimmt dann die Reisekosten der Module ein?
01:11:41
Das ist erstaunlicherweise vernachlässigbar. Es ist wirklich, also ich glaube ehrlich gesagt, es sind Fehler, aber Transportkosten schlagen fast nicht zu Buche. Also mich erstaunt das, wir sind ja hier in der Stadt der Ziegel und der Ziegel ist immer noch ein lokaler Baustoff, wo wenn man zum Beispiel bei Hintermauerziegeln ein paar hundert Kilometer weit geht,
01:12:00
ist sich dann schon nicht mehr rentiert. Deswegen auch die Frage. Inwiefern nicht rentiert? Was heißt das? Dass die Ziegelhersteller sagen, nehmen Sie einen lokalen, der ist günstiger als ich, weil bei mir, also bei dem... Nein. Echt nicht. Hintermauer.
01:12:22
Also ich habe ja in der Neuen Mitte Altona in unserem Baufarben den Kram bauten, für einen Bau jetzt gerade 800.000 Ziegel bestellt. Das ist kompletter Blödsinn. Also wir kann den durch die Bundesrepublik und es ist wirklich so, Sie können mit Massen transporten Ziegel hier, die Sie gerne hätten und möchten, das ist Quatsch.
01:12:41
Ich war letzte Woche auch mit Petersen unterwegs, von Petersen Tegel, also der vom Preis und von der Produktion sehr teuer ist. Er liefert hier auch an und das sind nicht die Transportkursen. Also es geht ja um, also für mich um Steine. Hintermauerziegel. Also Hintermauerziegel, das heißt die Kalksandsteine.
01:13:05
Hintermauer Tonziegel sind im Transport... Also nochmal, es geht um... Moment, Moment. Es geht also nicht um... Okay, okay, okay. Aber da möchte ich noch... Also es geht ja hier bei Matthias, sein Bau ja auch hauptsächlich um Holz und was Sie gesagt haben, um die Vorfertigung.
01:13:21
Und da möchte ich noch eines bemerken, dass ich das für sehr sinnvoll halte und dass dieses Material ja auch zum Teil aus Schweden, wo wir Intensivkulturen haben, ist also anders wie in Deutschland zum Beispiel, auch das jedem vielleicht klar zu machen. Das ist eine Intensivkultur, wie wir Mais einbauen, bauen die nordische Kiefer an.
01:13:41
Und dass das ein Produkt ist, was da auch durch die Gegend gefahren wird. Also das kommt aus und wird dann auch in Österreich in großen Mengen verarbeitet. Weil Österreich diese Intensivkultur in den Alpen auch nicht in diesem Maße besitzt. Ja, die bauen das gerade auf, um das noch zu ergänzen. Also sie bauen gerade...
01:14:01
Pflanzen sich die Wälder, die praktisch so eine nachhaltige Materialproduktion ermöglichen. Noch weitere Fragen? Sie? Ich sehe alle zufrieden. Nein? Okay. Wenn es schon um diese Transportfragen geht, dann könnte ich noch etwas ergänzen.
01:14:21
Also bei Lebensmittel hat man ja auch immer diese Thematik und die Amerikaner haben jetzt deswegen 100 Meils, also alle Lebensmittel aus der Entfernung von 100 Meilen. Das ist, auch zu meiner eigenen Papiere, ein Thema, was total überschätzt ist. Zum Beispiel bei Lebensmittel macht das im Durchschnitt 7% aus der Transport. Und da geht es um die Produktion
01:14:41
und die Konsumtion. Und zwar nicht nur, ich meine jetzt 7% nicht von den Kosten, sondern vom ökologischen Fußabdruck. Also insofern, das spricht nicht so sehr gegen Arbeitsteilung und Globalisierung. Andere Sachen kann man diskutieren. Aber das ist... Da haben wir so diesen Drang, also in Deutschland ist ja der Drang
01:15:01
stärker nach regionaler Ernährung als nach ökologischer Ernährung. Und das ist irgendwie, das ist vielleicht irgendwie, keine Ahnung, Heimatgefühle und so weiter, aber aus so einer strengen ökologisch-naturwissenschaftlichen Sicht ist das nicht unbedingt geboten. Als Analogie zu diesem Ziegelthema.
01:15:21
Aber gibt es noch an Matthias, an Matthias, oder an uns, an die Heftemacher noch irgendwie eine Frage?
01:15:42
Glauben Sie, dass die Normierung allein der Grund für die vielen Hemmnisse ist, die wir im Holzbau haben, oder ist es ein Zusammenspiel zwischen dem DIBT, welches ja eine Berliner Behörde ist, wie man weiß, der Musterbauordnung,
01:16:01
den 16 verschiedenen Bauordnungen, der DIN 4102 und der 13501, die man alle in einen großen Topf werfen müsste und groß umrühren müsste, und dann hätte man vielleicht ein Konglomerat von Richtlinien oder Ordnungen,
01:16:21
die den Holzbau einfacher machen würden. Da das aber nicht geht, was macht man denn dann in Deutschland? Haben wir nicht das Problem, dass wir einfach sehr viele verschiedene Regelungsansätze haben, von denen keiner letztendlich eine einfache Richtschnur bietet, wie man sie beispielsweise im Stahlbau hat?
01:16:41
Was wäre Ihre Meinung dazu? Also, dass das nicht an einigen Dienst oder so was liegt, ist ganz klar. Das es ein Zusammenspiel ist von verschiedensten juristischen Randbedingungen, unter denen wir arbeiten in Deutschland, ist sicherlich eine richtige
01:17:00
Einschätzung. Wie man diesen gordischen Knoten löst, fragen Sie mich nicht, keine Ahnung. Also, man könnte versuchen, sozusagen eine Deregulierung einzuführen und den Genehmigungsprozess stärker in private Hände zu legen und dann
01:17:21
zu akzeptieren, dass sozusagen globale Sicherheitsgutachten und Sicherheit, in erster Linie Sicherheitsgutachten genügen oder als Genehmigungsgrundlage ausreichen. Das würde bedeuten, man
01:17:41
würde das sozusagen letztlich in die Hand eines quasi Juristen oder Gutachter geben, der das Gesamtkonzept einschätzt und platziert in seiner Risikoklasse einschätzt und so weiter und so fort. Aber ob es dann die Leute geben wird, die ihren Kopf dafür hinhalten und sagen,
01:18:01
ja das geht, das funktioniert, das ist eine andere Frage. Uns entsteht natürlich wieder ein Riesengeschäft und eine Komplikation und eine Distanz von, also zwischen dem eigentlichen Projekt und dem Architekten. Gut, also dann würde ich sagen, wir sind
01:18:20
jetzt vielleicht an einem guten Punkt angekommen. Es ist auch nicht ganz vorbei, man kann ja noch im kleineren Runden hier sprechen. Matthias, vielen, vielen Dank, dass du extra für den Abend hierher gekommen bist und so einen interessanten Einblick in dieses Projekt, sondern aus einer anderen, auch für dich neuen Präsentationsperspektive gegeben hast. Vielen, vielen Dank.
01:18:41
Gerne. Danke für die Einladung.
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