We're sorry but this page doesn't work properly without JavaScript enabled. Please enable it to continue.
Feedback

Zeitgenosse – Zeithistoriker – Zeitzeuge. Biografische Kontexte zum Erkenntnisinteresse in der unkämpften zeithistorischen Forschung zur DDR

Formale Metadaten

Titel
Zeitgenosse – Zeithistoriker – Zeitzeuge. Biografische Kontexte zum Erkenntnisinteresse in der unkämpften zeithistorischen Forschung zur DDR
Untertitel
Geschichte als Gesellschaftskritik - ist sie noch möglich? ( Kolloquium SoSe 2024) Kolloquium SoSe 2024
Autor
Lizenz
CC-Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International:
Sie dürfen das Werk bzw. den Inhalt zu jedem legalen Zweck nutzen, verändern und in unveränderter oder veränderter Form vervielfältigen, verbreiten und öffentlich zugänglich machen, sofern Sie den Namen des Autors/Rechteinhabers in der von ihm festgelegten Weise nennen und das Werk bzw. diesen Inhalt auch in veränderter Form nur unter den Bedingungen dieser Lizenz weitergeben.
Identifikatoren
Herausgeber
Erscheinungsjahr
Sprache
Produktionsjahr2024
ProduktionsortDresden

Inhaltliche Metadaten

Fachgebiet
Genre
Abstract
Der als Audio aufgezeichnete Vortrag, „Zeitgenosse – Zeithistoriker – Zeitzeuge. Biografische Kontexte zum Erkenntnisinteresse in der umkämpften zeithistorischen Forschung zur DDR.“, wurde am 16.05.2024 von Dr. Patrice Poutrus (Universität Osnabrück) im Rahmen des HAIT-Kolloqiums „Geschichte als Gesellschaftskritik - ist sie noch möglich?“ gehalten. Die einleitende Vorstellung hat Prof. Dr. Thomas Lindenberger, Direktor des HAIT, gehalten. Zum Vortrag: Patrice G. Poutrus ist promovierter Historiker. Er wurde 1961 in Ostberlin als Sohn einer ost-deutschen Mutter und eines ost-afrikanischen Vaters geboren und ist in der DDR aufgewachsen und sozialisiert. Nach 1990 studierte er an der Humboldt-Universität Geschichte und Sozialwissenschaften. Die Schwerpunkte seiner Arbeit sind DDR-Geschichte, Flucht- und Asyl im Nachkriegsdeutschland und die Erinnerung an das Ende der DDR und die Transformation in Ostdeutschland. Derzeit arbeitet er als wissenschaftlicher Mitarbeiter des IMIS der Universität Osnabrück am Aufbau eines Einwanderungsarchivs in Hannover. Zu seinem Vortrag schrieb Poutrus:„Obwohl es nicht mein Plan war, blieb die Geschichte der DDR der wesentliche Teil meiner Forschungsarbeiten als Zeithistoriker. Ausgangspunkt waren immer wieder eine biografisch begründbare Unzufriedenheit mit den medialen und politischen Repräsentationen der jüngsten deutschen Geschichte des "anderen" Staates im Nachkriegsdeutschland. Dies führte mich zur Beschäftigung mit der Wirtschafts- und Sozialgeschichte des Fleischkonsums in der DDR, zur Untersuchung des alltäglichen und institutionellen Umgangs mit Migrant_innen in der DDR, zum Schreiben einer Geschichte von Flucht- und Asyl im Nachkriegsdeutschland und im vereinten Deutschland und schließlich zur Aufzeichnung und Analyse von Lebenserinnerungen von Menschen in und aus Thüringen. Ich werde deshalb darlegen, dass meine Arbeit als Zeithistoriker nicht zu trennen ist von meinen persönlichen Erfahrungen als Ostdeutscher of Color, auch wenn beides nicht miteinander identisch ist, dass dies immer auch eine Kritik an der gesellschaftlichen Verfasstheit des vereinten Deutschlands war bzw. ist und schließlich, dass es mir dennoch nötig erscheint, zwischen biografischer Erinnerung, zeithistorischer Analyse und geschichtspolitischem Gedenken deutlich zu unterscheiden.“ Patrice G. Poutrus in der Wikipedia (https://de.wikipedia.org/wiki/Patrice.... Das von Thomas Lindenberger im Sommersemester 2024 organisierte Kolloquium widmet sich der Frage, „Geschichte als Gesellschaftskritik- ist das noch möglich?“. Der Ankündigungstext auf der Webseite des HAIT lautete:„Bis weit in den 1990er Jahre hinein war die öffentliche Benennung historischer Tatsachen – wenn es etwa um die Beteiligung an Verbrechen vergangener Diktaturen und deren Unterstützung durch konkrete Institutionen und Personen ging – zugleich ein Akt der Gesellschaftskritik. Historische Aufklärung war nicht nur ein Angriff auf den vorherrschenden Unwillen, sich mit der gesellschaftlichen Verantwortung für vergangenes Unrecht auseinanderzusetzen, es ging zugleich darum, daraus Konsequenzen für unser demokratisches Gemeinwesen einzufordern. Heutzutage hat der international vielbeachtete deutsche „Sonderweg“ der selbstkritischen Aufarbeitung seine politische Brisanz weitgehend eingebüßt. Stattdessen greift ein selbstgefälliger Stolz auf das Erreichte um sich. Die Akzeptanz von Verschwörungstheorien und „Fake News“ tut ein Übriges, um historische Evidenz ihrer aufklärerischen Kraft zu berauben. Damit erodiert das gemeinsame Grundverständnis „historischer Tatsachen“. Dazu trägt die Kommodifizierung historischen Erzählens in den Unterhaltungsmedien bei: Ihre Wirkungsweise als Unterhaltung durch Affirmation von Identitäten beruht wesentlich auf „künstlerischen Freiheiten“ im Umgang mit Tatsachen, und fügt sich in die mit der geschichtspolitisch gebotenen Privilegierung von mehrheitsfähigen Opferperspektiven ein, die „Erinnerung“ über „Geschichte“ stellt. Die Frage steht: Kann Geschichte noch aufklären? Hat Geschichte als Gesellschaftskritik noch eine Zukunft?“ Das Kolloquium, mit seinen sieben über das Semester verteilten Terminen, war zugleich Teil einer Lehrveranstaltung an der TU Dresden, in der Thomas Lindenberger mit den Studierenden in Vorbereitung der verschiedenen Vorträge Texte gelesen und diskutiert hat. Zum Termin von Patrice G. Poutrus hat sich die Seminargruppe mit dem Text: „Die DDR als Migrationsgesellschaft und die rassistische Gewalt der »Baseballschlägerjahre« in Ostdeutschland: Der Weg in die Berliner Republik“ von Patrice Poutrus und Katharina Warda befasst. Eine Publikation aller Vorträge des Kolloquiums als Band der Zeitschrift „Totalitarismus und Demokratie“ ist für 2025 geplant (https://www.vandenhoeck-ruprecht-verl.... Aufnahme: Hannah-Arendt-Institut für Totalitarismusforschung e.V. an der TU
Schlagwörter