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Landsynagogen in Franken im Spiegel der Nutzungs- und Restaurierungskonzepte

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Titel
Landsynagogen in Franken im Spiegel der Nutzungs- und Restaurierungskonzepte
Serientitel
Anzahl der Teile
34
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CC-Namensnennung 3.0 Deutschland:
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Herausgeber
Erscheinungsjahr
Sprache
Produktionsjahr2024
ProduktionsortBraunschweig

Inhaltliche Metadaten

Fachgebiet
Genre
Abstract
Vortrag von Hans-Christof Haas am 27. Februar, 18.30 Uhr, an der Bet Tfila - Forschungsstelle für jüdische Architektur, Technische Universität Braunschweig, in Kooperation mit dem Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege
Schlagwörter
Computeranimation
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Vielen Dank für die Begrüßung. Ja, ich habe Architektur studiert in Stuttgart an der TU und in
Wien an der Technischen Universität. Danach das Aufbaustudium Denkmalpflege in Bamberg absolviert und war danach drei Jahre im graduierten Kollege Kunstwissenschaft, Bauforschung, Denkmalpflege. Und da kam dann in Bamberg und da kam dann auch tatsächlich so dieses Interesse an den ehemaligen Zeugnissen der jüdischen Kultur. Das fing an mit der
Synagoge in Reckendorf in Unterfranken mit einem Aufmaß 2001 und seitdem hatte mich das Thema dann nicht mehr losgelassen. Ich war in der Folge dann auch Mitarbeiter in dem Projekt Synagogengedenkband Bayern von 2007 bis 2021, das die Gemeinden, die jüdischen
das ist in drei großen Bänden herausgekommen und für Bayern zwischenzeitlich so eine Art Standardwerk geworden. Das ist ganz faszinierend was wir da auch alles herausgefunden haben und von diesen Erkenntnissen möchte ich auch heute ein bisschen erzählen. Darüber hinaus bin ich seit 2009 Gebietsreferent in der Bau- und
Kunstdenkmalpflege in Bayern in der Dienststelle Memmelsdorf in Schloss Seehof, das ist gleich in der Nähe von Bamberg und betreue die Landkreise Kitzingen und Würzburg, früher noch Schweinfurt, dafür jetzt noch Coburg. Und gerade in Unterfranken ist so die größte
Dichte an jüdischen Gemeinden und das größte historische Erbe, das es da zu bewahren gibt, so dass ich da auf Schritt und Tritt sozusagen immer wieder den Gebäuden der jüdischen Gemeinden begegne. Gleichzeitig bei uns im Haus auch Ansprechpartner insbesondere für das
jüdische Erbe und als Querschnittsreferent hier für ganz Bayern zuständig und Ansprechpartner. Heute möchte ich Ihnen etwas berichten über eine kleine Bilanz sehen sozusagen. 50 Jahre bayerisches Denkmalschutzgesetz 1973 bis 2023, wir sind jetzt leider schon im Jahr 2024,
aber ich denke es ist immer noch weitgehend aktuell. Und vor allem möchte ich einen Blick werfen auf die Land-Synagogen in Franken im Spiegel der Nutzungs- und Restaurierungskonzepte. Was hat sich da verändert im Lauf der Jahrzehnte und was steht noch an? Das möchte ich heute
so ein bisschen darlegen und Ihnen erläutern. Als erstes eine Karte von Bayern, dass Sie auch einen Überblick bekommen, wann und wo Kultusgemeinden existiert haben. Das ist eine Karte, die ist sehr, sehr interessant, weil Sie sehen sofort diese Ballung in Unterfranken, in Mittelfranken, in Oberfranken, während beispielsweise in Oberbayern und
Niederbayern fast keine jüdischen Gemeinden existiert haben. Das ist jetzt dieser Schnitt um 1930, also auch diese Ortschaften, die wir im Synagogengedenkband Bayern auch porträtiert haben. In den größeren Städten gab es natürlich auch oft mehrere Gemeinden im
19. und 20. Jahrhundert, ansonsten in kleinen dörflichen Ortschaften in der Regel nur eine Gemeinde. Rot markiert sind die Orte, in denen es auch heute wieder Kultusgemeinden gibt. Das sind insgesamt 13, vor allem in den Städten. Auffällt natürlich, dass früher das
Landjudentum viel stärker, viel präsenter war. Das sehen Sie wie gesagt vor allem in vielen kleinen Punkten diesen Ortschaften und das ist historisch begründet. Um 1930 haben wir etwa noch 205 jüdische Gemeinden in ganz Bayern und wenn man dann aber den Schritt zurückgeht,
noch mal um 100 Jahre etwa, nämlich zur Immatrikulation, als das Judengesettikt erlassen wurde in Bayern 1813 und in der Folge sich alle jüdischen Mitbürger einschreiben, immatrikulieren mussten, waren es etwa doppelt so viele Ortschaften, in denen damals noch Juden
gewohnt und gelebt hatten. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts, finde dann vor allem durch den Strukturwandel und durch die Erlangung der Freizügigkeit eine Abwanderung in die Städte statt. Das heißt viele von diesen Landgemeinden lösen sich dann auf und gleichzeitig explodieren förmlich die Stadtgemeinden. Es gibt diese Großstadt-Synologen,
die wir alle kennen, die dann gegen Ende des 19. Jahrhunderts errichtet werden, zum Beispiel in Nürnberg ganz prominent. So haben wir für Unterfranken zum Beispiel hier zum Schnitt 1930 110 Ortschaften noch. Immatrikuliert hatten sich 100 Jahre früher tatsächlich in 220 Ortschaften Juden in die Bücher. Diese Karte spiegelt auch die
Geschichte insofern wieder, als beispielsweise für Altbayern, also Ober- und Niederbayern, in der Mitte des 16. Jahrhunderts Juden auf lange Zeit verbannt wurden und erst 200 Jahre später sukzessive sich wieder ansiedeln konnten. Alleine solche Dinge spiegeln sich dann in so
einer Karte wieder und zeigen die Verteilung an. In Schwaben und in der Oberpfalz gab es kleinteiligere Herrschaften, da konnten sich dann eher wieder Juden ansiedeln und ganz auffällig natürlich in dem territorial sehr zersplitterten Franken, dem früheren Reichskreis, wo wir sehr viele unterschiedliche Herrscher, sei es kirchlicher und weltlicher Art
haben, die dann insbesondere nach dem Dreißigjährigen Krieg, also es galt, die verwüsteten Landstriche wieder zu besiedeln. Ganz gezielt Juden auch angesiedelt wurden, um Einnahmen zu generieren, um die Wirtschaft anzukurbeln und den Handel anzukurbeln. Und wir haben da, man kann das konkret nennen, also das Hochstift Eichstätt, das Hochstift
Bamberg, das Hochstift Würzburg auf kirchlicher Seite, die Deutschordensritter noch in Merkentheim und dann natürlich Brandenburg-Ansbach und Brandenburg-Bayreuth, also die großen mächtigen Fürsten und viele kleine Reichsritterschaften in den Ritterkantonen. Und diese
kleinteilige Struktur führt dann dazu, dass es zu dieser enormen Dichte von jüdischen Gemeinden gerade in Unter-, Ober- und Mittelfranken kommt. Was wir auch von dieser Karte noch sehen können, das ist dann tatsächlich auch der Punkt, dass durch das Dritte Reich und
die Vertreibung der Juden von den Ortschaften und die Shoah letztendlich dieses Landjudentum, was bis dahin noch virulent existiert hatte, vollständig untergeht. Und daher nur jetzt wieder dann jüdische Gemeinden sich in den Städten ansiedeln konnten. Um zu verstehen, was jetzt nach dem Krieg passiert ist, muss mich erst noch mal vergewissern, was jetzt vor dem
Krieg war, was die Ausgangssituation war und was dann irgendwie während des Krisen unmittelbar dann nach passiert ist. Weil sonst versteht man glaube ich die gegenwärtige Situation und auch den Umgang mit den Gebäuden auch nicht. Warum viele in privater Hand sind, warum viele in einem oft unwürdigen Zustand sind und Stück für Stück aber immer
wieder Initiativen kommen, diese Gebäude dann zu restaurieren und wieder einer würdigen Nutzung zuzuführen. In der Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 wurden so gut wie alle aktiv genutzten Synagogen geschändet, viele nicht nur demoliert und ausgeraubt,
sondern auch angezündet und entsprechend in der Folge niedergerissen. Es gab etwa einen Verlust von 20 Prozent aller aktiven Synagogen in der Folge der Pogromnacht und während des Dritten Reiches. Anschließend wurden die verbliebenen israelitischen Kultusgemeinden gezwungen, die Gebäude, ihre Gemeindeeigentum an Unterwert zu verkaufen,
in der Regel an Kommunen oder Privateigentümer. Diese wurden dann umgenutzt als Arbeitslager, als Fabrik, als Feuerwehr, als Lagerhaus, als Wohnung etc. Die Bandbreite ist da sehr groß. Angeboten hat sich tatsächlich oft eine Nutzung als Lager, als Feuerwehrhaus,
als Fabrik, weil wir den großen Saal haben. Wenn in der Regel macht eine Synagoge ja groß, dass es ein großer Raum ist, der B-Zahl sozusagen, der dann anderweitig genutzt wurde. Hier ein Beispiel aus Veitshöchheim im Landkreis Würzburg, wo die Kommune unmittelbar nach der Pogromnacht das Gebäude erworben hat und im März 839 den Entwurf vorlegt, neutral formuliert,
Umbau eines Feuerhauses und als zu einer Wohnung. Wir sehen an den Plänen, vor allem an die ehemalige Synagoge. Hier war der Eingangsbereich, hier ist sozusagen die kleine Vorhalle,
durch die man den Männer-B-Zahl hier betreten hat. Gelb heißt immer Abbruch, das wurde alles abgebrochen sozusagen und dann hier eine Einfahrt geschaffen, damit man mit der Feuerspitze hier reinfahren kann. Hier steht dann Geräteraum und auf der gegenüberliegenden Seite, wo der Thorasch rein war, wurde auch eine Großeröffnung eingebracht, damit man sozusagen rein- und rausfahren konnte und das Gebäude so umnutzen konnte.
Gleichzeitig sollten hier dann in dem Seitenflügel, wo früher im Obergeschoss die Frauen-Empore waren und im Erdgeschoss hier die Mikveh und andere Nebenräume, eine Wohnung eingerichtet. Das ist ein ganz typischer Vorgang sozusagen für die unmittelbare Zeit nach des Pogroms, wo man gezielt oder was heißt gezielt, wo man oft Anspruch hatte auf die Gebäude und
schon konkrete Möglichkeiten auch der Umnutzung und Weiterverwertung. Nach 1945 fallen vor allem in den amerikanisch gesetzten Gebieten und das war Bayern fällt die Vermögensverwaltung der ehemaligen Kultusgemeinden unter die Jewish Restitution
Successor Organization, kurz IRSO genannt. Sie vollführt eine systematische Wertermittlung der ehemaligen Synagogen nach Akten, Protokollen, Skizzen und Ortsbesichtigung.
In der Mitte sehen Sie zum Beispiel hier eine Systemskizze der ehemaligen Synagoge in Reichenberg, auch im Landkreis Würzburg gelegen, mit einer Systemskizze hier im Erdgeschoss. Hier sehen Sie den Urkataster von 1832, die Synagoge so leicht nach Nordosten orientiert. Hier im Osten-Nordosten sozusagen gelegen der Thoraschrein, der Alnemur, dann die
die Bänke für die Männer und obenrum eine dreiseitig umlaufende Frauen-Empore. Hier noch ein Foto, das den Zustand zeigt. Im Rahmen der IRSO Wertermittlung wurden wie gesagt systematisch die Ausstattung festgestellt, es gibt entsprechende Protokolle
und Listen, wo genau festgestellt wurde, wie viele Leuchter, wie viele Thorarollen, welche Ausstattung vorhanden war und das alles wurde sozusagen geschätzt, um einen in der Regel ja unter Druck und Zwang und weit unter Wert war und man sozusagen im Rahmen der Restitution einen erneuten Verkauf zu einem sozusagen objektiv ermittelnden Preis
durchgeführt hat. In der Regel waren es dann die alten Eigentümer, die dann die Gebäude wieder erworben haben. Wenn zum Beispiel in Alsien-Pfalz-Höchern war es so, dass die Kommune sozusagen noch einmal dann hier den Preis im Rahmen der Restitution
gezahlt hat und damit im Besitz blieb. Es gibt andere Fälle, wo das dann von anderen Leuten erworben wurde. Dann, was dann ganz spannend ist, wir bleiben mal in Reichenberg. Das ist nämlich hier tatsächlich so. Das Gebäude wurde 1796 errichtet,
so mit klassizistischen Zügen schon, wurde 1938 und noch einmal im Folgejahr geschändet und dann 1942 schließlich unter Wert an die Kommune verkauft, die es erstmals lager nutzte. Im Rahmen der Restitution war es nun hier so, dass dann das bischöfliche Ordinariat in Würzburg das Gebäude erworben hat und die
ehemalige Synagoge als Sakralraum zur Kirche umgebaut und Kirche umgewidmet hat. Hier von 1950. Dem Plan hat damals Hans Schädel gezeichnet, der spätere Diozisan Baumeister in der Diozise Würzburg. Wir sehen dann sozusagen eine Umorientierung, wenn ursprünglicher der
Thoraschrein hier im Nordosten stand. Es gibt eine Umorientierung hier. Wir haben sozusagen den der Eingang bleibt auf dieser eher nach Süden orientierten Seite und es wird dann zentral ausgerechnet nach Nordwesten. Hier wird der Altar angeordnet, seitlich ein Treppenhaus, dann die Empore. Oben wird entfernt die umlaufende Empore, die es hier
ursprünglich gab und wir haben noch seitlich eine Galerie. Das Foto hier auf der Seite veranschaulicht sehr gut den Zustand während der Zeit als Kirche. Also ursprünglich war der Thoraschrein hier im Nordosten, während hier im Nordwesten nur ein Fenster war, was zugemauert wurde, wie die Benachbarten, um eine ruhige Wand zu erhalten. Das ist ein
ganz typischer Vorgang sozusagen in der unmittelbaren Nachkriegszeit. Die Gebäude werden restituiert. Staatliche Denkmalpflege spielt hier auch keine Rolle und die neuen Nutzer suchen dann eine entsprechende Verwertung. In Reichenberg geht das ganze dann 1973 weiter.
Die katholische Kirche benötigt das Objekt gar nicht mehr als Kirche. Ich hatte noch vergessen zu erwähnen, dass über dem Hauptangang diese demonstrativ diese Mutter Gottes mit dem Gebäude dann zum Wohnhaus umgebaut. Es wird wiederum vollständig anders organisiert. Der
Haupteingang bleibt hier im Süden sozusagen. Es wird eine kleine Wendeltreppe eingebaut. Es wird ein kompletter Zwischenboden eingezogen, dass sich ein Erdgeschoss und ein Obergeschoss haben und diese Seitenspange wird sozusagen für untergeordnete Nebenräume genutzt. Und so steht dieses Gebäude auch heute noch da, wird als Wohnhaus genutzt und ist auch
in der Denkmalliste erfasst. Ein anderes Beispiel gehen wir nach Mittelfranken, nach Pappenheim im Landkreis Reisenburg-Gunzenhausen. Die Synagoge hier 1811 errichtet. Damals schon in den Kunstdenkmälern von Bayern nach 1932 mit Grundriss abgebildet
ausführlich beschrieben. Wurde schon 1937 an die Kommune verkauft und dann 1950 im Rahmen der Restitution blieb es auch bei der Kommune. Und erst 1954 kam dann der gravierende Umbau
sozusagen, dass dieses Gebäude mal wieder zum Feuerwehrhaus umgewidmet wurde. Dabei wurde es auch um ein Fenster um zwei Achsen verlängert. Also die eigentliche Synagoge ging nur bis hier sozusagen. Wir haben hier die 1, 2, 3, 4 Fensterachsen. Das sind hier diese Fensterachsen im alten Grundriss sozusagen. Ursprünglich war hier die Erschließung auf
der Westseite mit einem Eingangsbereich. Hier die Männer-Synagoge, wieder mit einer dreizeitig umlaufenden Empore, der Thoraschrein im Osten und die Frauen-Empore war über das Nebengebäude erschlossen. Bei dem Umbau zum Feuerwehrhaus wurde sozusagen das Gebäude hier
nochmal um zwei Achsen verlängert. Es wurde auch vereinheitlicht und in einer Architektursprache, die sozusagen versucht, das ein bisschen zu verwischen und irgendwie dem sich anzugleichen. Und hier wurden seitlich die Wände herausgebrochen, dass man hier dann mit den
entsprechenden Fahrzeugen rein und rausfahren kann. Außer dieser kleinen Plakette erinnert nichts mehr an das Gebäude. Hier, wenn man reinblickt, sieht man zum Beispiel noch, das ist quasi hier drin der Blick, diese Fensterachsen, die hier so geschossweise übereinander gezogen waren. Das ist ein, ja ein dieser typisch sehr pragmatische Umgang
in der unmittelbaren Nachkriegszeit mit diesen Gebäuden, wo man sich dann so eine Generation, zwei Generationen später schon fragt, ist das ein würdiger Umgang? Kann das so bleiben? Sollte das so bleiben oder ist es nicht jetzt auch schon wieder ein Zeugnis dieser Zeit? Also es sind spannende Diskussionen, die daran entbrennen können.
Das Gebäude selber ist beispielsweise noch nicht in der Denkmalliste erfasst. Ich habe das aber güngst mal angeregt. Mal sehen, was unsere Kollegen von der Inventarisation dazu sagen. Dann kommen wir langsam zur Denkmalpflege. 1973 tritt in Bayern das Bayerische Denkmalschutzgesetz in Kraft. Das ist ganz typisch in fast allen
Bundesländern geschieht das in den frühen 70er Jahren und wegen der Kultur der Hoheit der Länder hat auch jedes Bundesland natürlich sein eigenes Denkmalschutzgesetz mit leichten Abweichungen, auch was die Inventarisierung, was den praktischen Umgang und die praktische
Umsetzung anbelangt. Wie gesagt, Bayern ab 370 in Kraft treten und danach erfolgt erst mal sozusagen die große Inventur, nämlich eine systematische Erfassung des Denkmalbestandes. Bisher gab es nämlich für Bayern nur die zur Jahrhundertwende
herausgegebenen Kunstdenkmäler des Königreichs Bayern, kurz immer KDB abgekürzt, die beispielsweise für Unterfranken vollständig herausgegeben waren und die quasi zur Zeit des Bayerischen Königreiches den damaligen Denkmalbestand dokumentiert und beschrieben
haben. Was Synagogen anbelangt, fiel da einiges durch den Raster, was wir heute als erhaltenswert sehen. Was natürlich aber aufgenommen wurde, war hier die mittelalterliche Synagoge in Miltonberg, die auch heute noch besteht, zweckentfremdet ist als Brauerei schon seit langen, langen Jahren. Auch damals schon als Brauerei zweckentfremdet war und natürlich noch eines der Highlights ist. Das ist, glaube ich,
eine der ganz wenigen so gut erhaltenen mittelalterlichen Synagogen aus dem der wenige, vor allem noch barocke, prächtige Anlagen, Berücksichtigung in den Kunstdenkmälern von Bayern. Anlagen aus dem 19. Jahrhundert tatsächlich ganz vereinzelt, nur wie die
vorhin erwähnte in Pappenheim von 1811, aber das ist schon wirklich auch so eine Ausnahme, die dann wirklich wegen ihrer hervorgehobenen klassizistischen Architektur hier offensichtlich aufgefallen ist, noch ein Jahr vor Übernahme der Machtübernahme 1932 veröffentlicht.
Wie gesagt, die erste Aufgabe ist dann nach dem Krieg mit in Kraft treten des Denkmalschutzgesetzes eine Inventarisierung und es kommen dann systematisch für jeden Regierungsbezirk ein dickes Buch heraus. Die Denkmäler in Bayern, hier Unterfranken zum Beispiel, 1985 herausgegeben und in dieser Publikation sind für Unterfranken
immerhin schon 19 Synagogen erfasst. Die Denkmaliste ist ja ein offenes Verzeichnis, das heißt es wird kontinuierlich nachinventarisiert und Sie sehen dann 1994 sind es dann schon 26 Synagogen, 2011 53 und 2022 dann 82 Synagogen, die nur in der Unterfränkischen
Denkmalliste verzeichnet sind und das spiegelt natürlich auch diesen enormen Wissens- und Forschungszuwachs wieder, der hier stattgefunden hat einerseits, aber natürlich auch eine Erweiterung des Denkmalbegriffes, dass man auch einfache Land-Synagogen eher nun würdigt,
dass man auch die Zeugnisse des Historismus würdigt, was anfangs ja eher noch kritisch betrachtet wurde, weil man gesagt hat, das ist ja auch serielles Bauen, das ist nicht so wertvoll. Dann gibt es natürlich zwischenzeitlich deutlich verbesserte Methoden in der Untersuchung von Objekten, vor allem in der historischen Bauforschung,
weil es ist teilweise doch sehr verblüffend, was man aus stark überformten, überbauten Synagogen durch eine systematische Bestandsverfassung und Bauforschung noch alles dann herauslesen und herausarbeiten kann, was man da an Befunden noch findet, an alten Zuständen. Und natürlich der Wissenszuwachs durch Forschungsprojekte an der Universität in Bamberg gab, das war das
Projekt Landjudentum in Oberfranken, Geschichte und Volkskultur, das sehen Sie hier. Ein großes Standardwerk war immer dieses steinerne Zeugnis der jüdischen Lebens, das zumindest alle Orte benannt hat, in denen es jüdische Gemeinden gab, auch wenn es nicht in die Tiefe ging, aber es war
insofern ein sehr guter Leitfaden erst mal. Und dann, wie gesagt, das Projekt Synagogengedenk beim Bayern, das von 2007 bis 2021 alle jüdischen Gemeinden ausführlich porträtiert, die um 1930 Bestand hatten. Hintergrund von dem Ganzen ist natürlich auch ein Umdenken
mit dem zeitlichen Abstand zur Shoah, zum Dritten Reich, weil es ist selbstverständlich ein unbequemes Erbe und dass man nur ungern erst mal auch tatsächlich angeht und dann erst die Generation der Kinder und der Enkel sozusagen mit dem zeitlichen Abstand Fragen stellen, Spuren suchen und an einer Aufarbeitung und Forschung der Geschichte
ein starkes Interesse zeigen. Insofern sind es oft natürlich auch lokale Initiativen, die dann Fördervereine gründen, versuchen ehemalige Synagogen zu erwerben, um dann eine Instandsetzung, eine Sanierung, eine Umnutzung und eine Öffnung wieder für die
Gemeinschaft zu schaffen. Als Institutionen stehen da zur Seite das Landesamt für Denkmalpflege natürlich, dann die nichtstaatlichen Museen, da ist ein ganz spannendes Buch herausgekommen hier. Kulturgut, jüdisches Kulturgut erkennen, bewahren und vermitteln
von 2017. Das ist so ein bisschen ein Resümee, der bis dahin durchgeführten Sanierungen zeigt. Ganz am Anfang steht aber natürlich dieses Werk hier mit der großen Ausstellung im Germanischen Nationalmuseum in München mit dem programmatischen Titel Siehe der Steinschreit
aus der Mauer. Nicht oft genug kann man wahrscheinlich, muss man glaube ich erklären oder erläutern, dass was hier wie ein Ausrufezeichen sozusagen da hängt, ein ehemaliger jüdischer Grabstein mit den entsprechenden Inschriften ist, der nach der Schändung dieses wohl
mittelalterlichen Friedhofes dann zu einer Treppenstufe umgebaut wurde, umfunktioniert wurde daher diese Form. Das ist eine Spindeltreppe und das ist die Trittstufe sozusagen. Das Landesamt für Denkmalpflege hat 1994 das Arbeitsheft Denkmäler jüdischer Kultur in Bayern herausgegeben und hier schon mal auch eine erste Bestandsaufnahme
gemacht und ganz wichtig sind natürlich auch Museen mit ihren entsprechenden Dokumentationen und der Veröffentlichung älterer Erforschungen wie die Sammlung von Theodor Harburger herausgegeben durch das Jüdische Museum Franken in Fürth. Kurz zur Theodor Harburger. Er war
ein jüdischer Kunsthistoriker, der von dem Verband der Israelitischen Kultusgemeinden in Bayern in den späten 1920 und frühen 1930er Jahren beauftragt wurde systematisch jüdisches Kulturgut zu dokumentieren. Das ist heutzutage eine unverzichtbare Quelle vor allem für viele
Synagogen und Gemeinden auf dem Lande. Da den jüdischen Gemeinden damals schon bewusst war, dass es einen sehr, sehr großen Verlust geben wird, nicht in Voraussehung der Shoah, sondern einfach weil viele von diesen Landgemeinden sich aufgelöst haben, viele Synagogen aufgegeben wurden und vieles dabei auch verloren ging und da gab es schon
diesen ersten Selbstreflex sozusagen der Israelitischen Gemeinden. Wir müssen das dokumentieren, wir müssen unsere eigene Geschichte, unsere eigene Kultur dokumentieren und heute ein wirklich unverzichtbares Dokument und Zeugnis für die Erforschung dieser Kultur. Wie ging es dann weiter in der praktischen Umsetzung in der Geschichte
nach Einführung des Denkmalschutzgesetzes? Wir bleiben im Landkreis Würzburg hier und haben es wieder mit einer Kirche zu tun. Die ehemalige Synagoge in Höchberg, 1721 erbaut als barocke Synagoge mit einer tollen Ausstattung mit Almemur und Toraschrein,
zeitlicher Frauenemporium. 1939 enteignet und als Lager genutzt und nach der Restitution diesmal aber durch die evangelisch-luterische Kirche erworben und 1951 zur Matthäuskirche umgewidmet.
Aus dieser Zeit stammen noch diese Fotos hier. Die erste Umwidmung sozusagen hat kaum Spuren hinterlassen an dem Gebäude. Man hat es mehr oder weniger so genommen, wie es irgendwie, wie es vorhanden war. Erst 1979 kam dann ein erheblicher, ein größerer Umbau,
eine Erweiterung, weil die Kirchengemeinde gewachsen war und man mehr Platz brauchte und dass da kam eigentlich ein sehr tiefgreifender Umbau, der einen großen Verlust auch von Bausubstanz geführt hatte. Und zwar wurde die, das ist die südliche Wand, die wurde vollständig entfernt. Hier sehen Sie das Tonnengewölbe im Inneren. Hier auf
der Ostseite war einmal der Toraschrein und im Westen war eine Zweigerschossigkeit mit einer Mikve hier unten und darüber die Frauenabteilung. Diese Situation wurde weitgehend aufgelöst. Sie sehen hier die Orientierung wurde auch geändert. Man hat sich dann im Verlauf der, also in der Richtung der Tonne dann nach Norden orientiert. Ursprünglich
war es tatsächlich quer zur Tonne orientiert. Der Boden hier drüben wurde nivelliert, die Mikve verschüttet und die ganze Südwand durch einen Anbau, der hier unten erkennbar ist, dann aufgegeben. Es war sehr spannend dann sozusagen in der Akte nachzuschauen vom Landesamt für Denkmalpflege, dass es erhebliche Einwände des damaligen
Denkmalpflegers gab und sozusagen, dass jetzt der Minimalkompromiss war, der werden konnte, geschlossen werden musste. Aber es zeigt auf alle Fälle, dass damals hier die Kirchengemeinde ihre eigenen Ansprüche natürlich deutlich früher gestellt hat über die Geschichte und
die frühere Bedeutung des Gebäudes, wo man sich dann vielleicht heutzutage fragen würde, war das tatsächlich notwendig, einen so massiven Eingriff, auch wenn das sozusagen für einen, in Anführungszeichen, guten Zweck, nämlich die die Nutzung als Agrarraum weiter gedacht war. Ein ganz spannender Punkt ist dann und auch ein Wendepunkt, die Synagoge in Veits
Höchheim. Wir haben es wieder mit einer barocken Anlage zu tun. Ich hatte sie eingangs ja schon gezeigt. Die Pläne bzw. nicht nur die Pläne, sie wurde ja noch 1939 zum Feuerwehrhaus umgebaut. Hier sehen wir dann dieses Tor. Also hier davor war ein
kleiner Vorbau, der ursprünglich dem Eingang in die Männer-Synagoge diente. Hier war dieses Tor eingebrochen worden, auf der Rückseite genauso. Und es gab dann Überlegungen, 1986 das Gebäude als Ausstellungshalle, als Galerie umzuwidmen. Also es war auf
Feuerwehrhaus eine sehr unwürdige ist und dachte erst mal eine kulturelle Nutzung. Und in diesem Zusammenhang begann man mit einer systematischen Erforschung und Untersuchung des Gebäudes. Das ging damals tatsächlich vor allem von der Archäologie aus, die in
zweierlei Hinsichten die Schichten des Gebäudes öffnete und aufdeckte. Das eine war natürlich nämlich erst mal im Erdgeschoss. Hier hinten sehen wir quasi dieses Tor, was wir hier sehen. Ursprünglich ging es nämlich, wie es für orthodoxe Synagogen
üblich war, im 18. Jahrhundert in die Synagoge hinab. Also man ist mehrere Stufen hinabgestiegen und damit man reinfahren konnte, wurde natürlich das ganze Bodenniveau angehoben und nivelliert. Und sozusagen die kleingeschlagene Ausstattung wie der Almemor. Hier sehen wir den achteckigen Grundriss des Almemors. Damit wurde
der Boden verfüllt und das kam dann alles raus im Rahmen einer Grabung. Und die Ergebnisse waren derartig verblüffend, dass man dann in einem sehr langen Prozess, Sie sehen es hier von 86 bis 94, also das hat sich immer wieder auch geändert. Das Gesamtkonzept von einer anfangs kulturellen Nutzung für eine Galerie, vielleicht für einen
Kaffee, hin dazu, dass man aufgrund der Befunde dann gesagt hat, nein wir wagen tatsächlich eine Voll-Rekonstruktion auf Grundlage der Funde, ein Wieder-Zusammen-Fügen, ein Wieder-Zusammen-Puzzlen. Hier beispielsweise das Almemor, was hier als achteckiger Grundriss
nur überliefert ist, ist dann hier wieder aufgebaut mit Originalteilen, mit ergänzenden Teilen. Man hat den Boden und die Innenraumschale wieder im Sinne der letzten nachgewiesenen Renovierung um 1900 hergestellt. Man hat den Thoraschrein wieder
hergestellt, den sehen Sie hier. Und das Gebäude ist jetzt sozusagen als Museale und gleichzeitig aber liturgiefähige Synagoge wieder hergestellt. Angeschlossen an das entsprechende Museum und kann so besichtigt werden und veranschaulich, glaube ich, kaum eine andere, die das Aussehen und das Erscheinungsbild einer hier prächtigen
barocken Land-Synagoge aus dem Beginn des 18. Jahrhunderts. Hier im Grundriss sieht man nochmal jetzt diese Situation, dieser Vorbau auch wieder hergestellt, durch den es davor auch schon gab hier in der Ansicht, durch den man die Synagoge betreten hat, der prominente
und hier dann im Osten der Thoraschrein. Seitlich hier angeordnet, dann Bänke, wie es dann üblich war in einer Ausstattung ab Mitte des 19. Jahrhunderts. Ursprünglich waren die Sitze und Bänke ja immer am Rand und auf den Almemo ausgerichtet. Und dieser
Umgang, dieses Umdenken, das zeigt tatsächlich auch einen Wendepunkt im Umgang mit dem jüdischen Erbe. Also es war eine sehr lange, andauernde Diskussion, wie man sieht. Eine Sache muss ich auch noch erwähnen. In Veitshöchheim wurde erstmals dann auch systematisch eine Genie
Saar geborgen. Das sind abgelegte rituelle Gegenstände, die sozusagen über dem Gewölbe abgelegt waren, also hier oben drin in dem Dach zwickeln. Die hatte man auch geborgen und dann systematisch irgendwie untersucht. Und daraus erwachsen ist auch heute das Genie Saar, das Forschungsprojekt in Veitshöchheim, das es immer noch gibt und die als Ansprechpartner
uns heute auch immer noch zur Verfügung stehen, weil wir in vielen anderen Synagogen regelmäßig diese Funde im Dach noch haben. Ein anderes Gebäude hier, etwas später, 1786. Wir sind jetzt in Niederwärmen im Landkreis Schweinfurt. Das ist dann
schon eher so der späte, geht schon fast in den Klassizismus über. Hier im West-, im Ostteil die Männersynagoge, zweigeschossiger Saal, im Ost-, im Westteil, auf zwei Geschossen die Frauenabteilung. Das Gebäude auch durch die Kommune übernommen nach der Schendung
1939 und erstmals Lager genutzt. Im Restitutionsverfahren durch die Irsow wurde es verkauft und dann 1955 zum Kino umgebaut, zur Filmbühne. Dann hat man sozusagen komplett die inneren Wände entfernt gehabt und es gab hier auch noch einen Anbau davor, der sozusagen als Eintrittsraum
gedient hat und kurz vor dem Jahr 2000 hat die Kommune das Gebäude überworben, erworben wieder und dann zur Gemeindebibliothek umgebaut. Also erhalten sind vor allem das Dachwerk, die Umfassungsmauern und hier sehen Sie jetzt einen Blick im Inneren, wo wieder
eingestellt ist, eine zweite Ebene wie eine Empore sozusagen, wo jetzt die Bücher stehen und Wissen vermitteln und insofern denke ich, das ist eine sehr gelungene Nutzung für dieses Gebäude. Jetzt möchte ich noch nach Memmelsdorf gehen, im Landkreis Hasberge. Hier auch wieder
eine barocke Synagoge 1729 erbaut, die 1939 an die Kommune verkauft wird und erstmals als Ordnung genutzt wurde. Danach ist detouriert, hier ist ein Privatmann erworben, der das Gebäude
als Werkstatt genutzt hat, das war ein Schreiner, er hatte eine Vogelvoliere noch eingebaut, hatte den Almemo-Hist noch ein Bild aus den Kunstlegmellern von Bayern entfernt, während der Thoraschrein tatsächlich erhalten blieb mit dem Aufgang und so weiter und hier
passiert dann etwas ganz Spannendes. 1995 hat ein privater Verein, der Träger- und Förderverein, Synagoge Memmelsdorf e.V., das Gebäude erworben und erst mal diverse Kolibrien auch abgehalten, um zu diskutieren mit Fachleuten aus der Denkmalpflege, aus der
Judaistik, wie können wir aus der Geschichtswissenschaft, wie können wir damit umgehen, was können wir mit dem Gebäude machen, wie können wir wirklich hier möglichst viele Spuren erhalten, die dann auch Geschichte erzählen und möglichst wenig Nutzungsdruck in das Gebäude, auf das Gebäude legen, weil auch eine Umnutzung, wie als Bibliothek in Niederbayern
zum Beispiel, schafft ja trotzdem auch wieder Eingriffe und dann war dann die Überlegung, das Gebäude tatsächlich sich selbst zeigen und präsentieren zu lassen und als Begegnungsstätte zu restaurieren. Das heißt, es wurden fast alle Nutzungsspuren und Oberflächen belassen
mit den Eingriffen, wie es vorgefunden worden war, nach dem Erwerb. Es wurde ein kleiner Anbau gemacht auf der Nordseite, wo dann sozusagen eine Teeküche, Sanitärräume und einen Besprechungsraum untergebracht wurde. Der Männerbezahl selber,
Sie sehen ihn hier auf der rechten Seite, steht sozusagen leer und man kann dann mit dem ein zusammen, Sie haben eine Führung organisiert, kann man auf Spurensuche gehen durch das Gebäude, um die unterschiedlichen Funktionen und Details zu entdecken und das fängt dann beispielsweise bei dem Miesrachfenster an, das fängt bei einer kleinen Greifenklaue an,
die hier irgendwie, jetzt auf dem Foto leider nicht sichtbar, in dem Gitter eingebaut ist und auf die Grundherrschaft verweist. Dann natürlich der Thoraschrein, der hier mit dem ganzen Aufgang erhalten ist, die Türen fehlen lediglich, dann der Aufsatz, hier sehen Sie das Miesrachfenster und so berichtet das Gebäude über die Geschichte während der Nutzung als
Synagoge, aber auch über die Geschichte danach mit den Nach- und Umnutzungen. Das ist ein Konzept, das dann sehr auf sehr fruchtbaren Boden gefallen ist und es gibt immer wieder jetzt auch Beispiele ähnlicher Initiativen, zum Beispiel jetzt hier in Obernbreit,
das heißt Kitzingen, eine Synagoge aus der Mitte des 18. Jahrhunderts, hier ein ganz typischer Fall für ein Gebäude, wo sich die Kultusgemeinde schon früh aufgelöst hatte 1911, irgendwie löst sie sich auf und schließt sich marktbreit an, 1911 wird sie
verkauft und zur Landmaschinenhalle umgenutzt und Sie sehen hier den Zustand sozusagen, wie wir ihn vorgefunden haben, mit der Umnutzung zur Landmaschinenhalle, es wurde hier ein großes Tor eingebrochen, das man aufschieben kann, um sozusagen mit dem Traktor reinzufahren und den da drinnen reparieren zu können, innen drin wurden alle Wände entfernt,
das wurde mal eine Zwischenebene eingezogen, um Holz zu lagern, dann die Türen wurden teilweise verschlossen, das wuchs eh frei und das war der Innenraumzustand davor sozusagen, hier wurde noch eine riesige Laufkatze eingezogen, also ein großer Stahlträger, der als Laufkatze diente, um dann an den Landmaschinen hantieren zu können und
entsprechend Motor raus und rein heben zu können und hier hat man dieses Konzept letztendlich von Memmelsdorf aufgegriffen, hat aber tatsächlich, also es ist natürlich immer eine Auswahl, die man trifft, das muss man schon ehrlicherweise sagen, aber es war einfach die Überlegung, solche eher willkürlich, billig eingezogenen Strukturen
lassen und man hat sich entschieden, sozusagen die ursprüngliche Struktur wiederherzustellen, aber so modern anzudeuten, dass sie eindeutig ablesbar ist, das heißt, sie sehen an den Außenwänden, die erhalten sind, diese ganzen Putzfragmente, auch hier, da war der
Tora-Schrein, später hier eine Tür drin, die wurde einfach nur vermauert, ansonsten sehen sie die Putzabbrücke, sehen spätere Eingriffe noch, sehen die beiden bauzeitlichen Ankerbalken und das Lattengewölbe, das aber nur als Latten sozusagen wieder angedeutet wurde und zeitlich die Frauen-Empore, die als moderne Konstruktion eingebaut wurde,
aber es wurde hier ganz deutlich differenziert und dargestellt, was ist ein moderner Eingriff, eine moderne Zutat sozusagen und was ist wirklich alter Bestand, der dann aber sozusagen ungeschönt nur gesichert und konserviert wurde, aber nicht ergänzt und wiederhergestellt. Die größte Überraschung an dem Gebäude war tatsächlich die Mikve, die sich hier in
diesem Seitenflögel, also wie gesagt hier bemerkenswerterweise, diese beiden Fotos übrigens zeigen sozusagen genau dieselbe Blickrichtung, man sieht es auf den ersten Blick nicht, diese Laufkotze wurde rausgesiegt, aber die Ankerbalken hier sind noch da, das Fenster hier, ist das Fenster da und dann später wurde wie gesagt diese Wand eingestellt und unter der Frauenabteilung, unter der Frauen-Empore war ein Kellerabgang,
der früher in den eigentlichen Keller geführt hat und in den war dann später noch eine Mikve eingegraben worden, im selben Treppenabganglauf sozusagen mit einer hundertprozentigen Steigung, also das geht wirklich mit 45 Grad runter in das Becken und das
war auch verschüttet gewesen, konnte wieder freigelegt werden und in der Wand haben wir dann zum Beispiel auch noch einen kleinen Leuchter gefunden, der noch in der Wand eingelassen war. Das Gebäude kann besichtigt werden, es ist ein Förderverein wie gesagt, der das ganze betreibt, Veranstaltungen dort durchführt, die Schule in Marktbreit führt da immer wieder auch entsprechende Forschungsprojekte durch und insofern ist
das Gebäude wieder der Öffentlichkeit zurückgegeben mit seinen ganzen Spuren. Ein anderes Konzept, wo es in eine private Nutzen gibt, aber ich denke auch das ist durchaus legitim und auch eine gute Möglichkeit, weil es ist tatsächlich so, die meisten Synagogen sind in Privatbesitz, werden als Wohnhäuser genutzt, hier die Synagoge
in Wiesembronn 1793 errichtet, wir können hier schon seine richtig schöne klassizistische Fassade wahrnehmen, mit zwei Belastern links und rechts und einer Gliederung mit Lisenen und hier hohen Fenstern, die den Bezahl im Obergeschoss anzeigen,
schon im Juni 1938 verkauft, vor der Pogromnacht und danach als Wohnhaus umgenutzt, erst 1950 dann tiefgreifend umgenutzt, wie sie in diesem Plan dokumentiert und dann auch tatsächlich durchgeführt wurde. Sie sehen hier ein Foto aus den 70er Jahren, wo man das schon sehr heruntergekommene Gebäude sieht und
erahnen kann. Im Jahr 2004 dann durch ein Ehepaar erworben, die mit großem Idealismus sich daran machen, das Gebäude zu restaurieren, den Eintrag in die Denkmaliste auch erst mal forcieren und vorschlagen, was dann auch durchgeführt wird und das Gebäude dann als privates Wohnhaus sich herrichten.
Wir sehen hier oben sozusagen dann den ehemaligen Beetzal im Obergeschoss, das ist quasi hier dahinter, das hier ist die Ostwand, das als Niesbachfenster sozusagen und hier wurde aber wieder ein Konzept geführt, wo man sozusagen alles ergänzt und schließt und diese ganzen Wunden
wieder sozusagen heilen lässt. Im Keller in einem Erdgeschoss, hier wurde noch eine später eingebaute Mikwe entdeckt und auch wieder freigelegt, die aber durch den Grundwasserabfall in Wiesenbrunn mittlerweile trocken liegt. Also hier aber in einem wirklich auf sehr hohem Niveau und mit sehr sehr viel Liebe zum Detail durchgeführtes Konzept, eine
ehemalige Synagoge einer privaten Wohnnutzung zuzuführen. Ein weiteres Konzept, das auch wieder ganz eng mit Memmelsdorf verbunden ist, das ist die ehemalige Synagoge Gleusdorf, die auch zur selben Hauptgemeinde gehört. Hier aber ein historistischer Bau von 1857, also das hier ist die Synagoge.
Wir sehen hier einen Vierpass, man sieht hier, das kann man es besser erkennen, gestellte Gewände, es ist ein bisschen so eine Mischung zwischen Gotik, zwischen Elementen der Renaissance, ein typischer Mischbau von der
Stilrichtung her, wie er gerne vorkommt im 19. Jahrhundert und hier wurde ein Konzept durchgeführt, das zusammen mit dem Nebengebäude sozusagen auch wieder als Begegnungsstätte zu sanieren.
Auch hier wieder 1910, also weit vor der Progromnacht schon verkauft, umgenutzt wiederum zur Werkstatt. Die Gleusdorfer Gemeinde, die verbliebenen Mitglieder, hatten sich der Memmelsdorfer Gemeinde angeschlossen und lange Zeit stand das Gebäude im sehr dürftigen Zustand hier mit diesem Nebengebäude und wurde als Werkstatt genutzt und war nicht weiter im Fokus.
2016, dann durch die Gemeinde erworben, wurde hier nach auch intensiven Forschungen ein Konzept entwickelt, das beide Gebäude sozusagen zusammen betrachtet und die ganzen dienenden Funktionen wie
Sanitäranlagen und Lager etc. in das Nebengebäude unterbringt, während das Hauptgebäude, hier die Synagoge, auch wieder nur sozusagen der Putz gesichert wird, der Stand im Sito konserviert wird, keine Ergänzungen stattfinden, die Decke wird lediglich wieder geschlossen und es
gibt ein Ausstellungsband, das blaue Band hier sozusagen, was vom Nebengebäude hier entlang dahinter führt in den Eingang, wir sehen es hier sozusagen, in die ehemalige Synagoge und gleichzeitig dem Besucher die Geschichte erläutert und unter dem programmatischen
Titel, ich weiß nicht, ob man es hier lesen kann, da steht sozusagen Ortsgeschichte Gleusdorf, Geschichtsort Synagoge und in dieser Verquickung, in dieser Verschmelzung der beiden Erzählstränge wurde dann auch ein Heftchen herausgegeben, was man von zwei Seiten lesen kann, von der einen Seite liest man die jüdische Geschichte, von der anderen Seite die allgemeine Ortsgeschichte und
der Mitte trifft sich das dann in der Synagoge und das ist eine sehr, sehr spannende und ich denke wichtige und gute Installation, um deutlich zu machen, wie präsent dieses Landjudentum war, wie es wirklich auch mit der Geschichte der christlichen Gemeinden verwoben war, wie das eigentlich eine Geschichte war und wie die
dann im 26. Jahrhundert tatsächlich zerrissen wurde, dieses Band und es für diesen schrecklichen Auswüchsen geführt hat. Jetzt zeige ich noch ein Beispiel, das dürfte ich eigentlich gar nicht zeigen und zwar die Synagoge in Allersheim, also als Denkmalpfleger
darf ich es nicht zeigen, weil nämlich dieses Gebäude transloziert wurde in ein Freilichtmuseum und Anspruch eines Denkmalpflegers ist ja eigentlich immer, wir wollen die Gebäude vor Ort bewahren, in situ, in dem historischen Kontext. Hier war es nun tatsächlich so, wir haben eine ganz typische,
aber eigentlich sehr selten überlieferte Land-Synagoge, die ausschaut wie ein normales Bauernhaus, wie ein Fachwerkhaus. Hier sehen Sie das, ein zweigeschossiger Satteldachbau, sehr unscheinbar. 1741 errichtet, 1911, wir haben immer wieder 1910, 1911, immer wieder so diese Zeit, löst sich die Gemeinde auf, verschließt sich
der Nachbargemeinde an, die Synagoge wird verkauft und als Wohnhaus umgenutzt. Hier auch geschieht erst 1997 der Nachtrag als Einzeldenkmal und zwei Jahre, drei Jahre später kommt schon der Abbruchantrag, der mich damals als auch zuständiger Gebietsdenkmalpfleger sozusagen getroffen hat. Und die Situation war tatsächlich
aussichtslos oder chancenlos, was einen Erhalt vor Ort anbelangt hätte. Sie sehen einerseits den katastrophalen Zustand sozusagen hier, da ist schon der Wand rausgefallen, das ist der Blick sozusagen von innen nach außen dann, da fehlt schon die komplette Wand,
der Deckenbalken hängt durch, das Gebäude stand leer, war einsturzgefährdet, der Eigentümer vollkommen unwillig und es gab einfach wirklich keine Initiative auch vor Ort, die gesagt hat, ja, wir packen, dass wir machen das. Und es war auch nicht möglich, das Gebäude ohne Lebensgefahr zu betreten. Mit dem Zusammenwirken dann tatsächlich aber mit der Kommune
und mit dem Freilandmuseum Bad Winzheim in Franken, mit dem ich da früh Kontakt aufgenommen hatte, war es zumindest möglich, erst mal eine Bestandserfassung, eine Bauforschung durchzuführen. Dazu musste man erst mal das einsturzgefährdete Nebengebäude abreißen, das sieht man hier schon gar nicht mehr, weil das drohte auf, das Gebäude zu stürzen. Dann musste eine Notsicherung des Gebäudes stattfinden
und erst dann konnte überhaupt ein Aufmaß durchgeführt werden, eine Befunduntersuchung und wir sozusagen der Geschichte auf den Grund gehen. Das war dann sehr spannend, weil wir tatsächlich im Keller noch eine kleine Mikwe, eine kleine Tauche nachweisen konnten, die wirklich nur mit drei, vier Stufen hier runter geht, ein sehr kleines
Tauchbecken. Dann war es dann später so, dass klar war, dass hier im Erdgeschoss war die Wohnung des Ortsrabiners, im Obergeschoss war der kleine Beetzal, seitlich die Frauenabteilung und hier muss dann noch ein Schulraum gewesen sein. Nachdem sozusagen wir in etwa wussten, um was
es sich hier handelt, was die Spuren sind, was noch da ist, was noch vorhanden ist, hatte sich dann das Freilandmuseum Bad Winzheim tatsächlich entschlossen, das Gebäude zu übernehmen und abzubauen und es wurde dann Wand für Wand sozusagen transportiert, abgebaut und was ganz spannend war bei der Entfernung des
Zwischenbodens hier, also ursprünglich gab es ein Tonnengewölbe, wie Sie es hier wieder sehen. Beim Umbau zum Wohnhaus war das Gewölbe aber kleingesägt worden und in den Zwischenboden, in den Fehlböden kamen dann wieder bemalte Bretter raus, die ursprünglich, das ist ein Teil des Thoraschreins zum Beispiel, das sind Teile von den Gewölbeprettern da oben, kamen alles wieder so zum Vorschein, sodass die Überlieferung
tatsächlich immer wieder dichter wurde und letztes Jahr, im Herbst, konnte das Gebäude dann schließlich eröffnet werden und ich denke, es ist ganz, ganz wichtig, dass dieses Gebäude da in dem Freilichtmuseum jetzt auch steht und dieses Landjudentum hier dokumentiert, dass es so unscheinbar in
den Dörfern Frankens vor allem im 18. Jahrhundert zusammen mit den christlichen Bewohnern ein Auskommen hatte und dafür steht jetzt so dieses jetzt wiederaufgebaute Gebäude. Wie gesagt, Lastimapflege natürlich verloren. Damit bin ich auch schon fast am Ende,
es gibt aber nicht nur Erfolgsgeschichten beziehungsweise es gibt auch noch viel zu tun, ich möchte einfach nur mal hier noch ein Schlaglicht werfen, jetzt zum Beispiel auf die ehemalige Synagoge in Hülfeld, 1818, als klassizistischer Bau errichtet unter der Leitung von dem örtlichen Rabbiner Samson Wolf Rosenfeld, der
als Protagonist vor allem des Formjudentums in Bayern sehr aktiv war, der nach der Eröffnung der Synagoge auch eine Festschrift hier herausgegeben hatte, wo er genau das Gebäude beschreibt und die Anordnung und sich da auslässt, ist ganz unglücklich, wie es über den Almemor, dass der hier steht und noch nicht sozusagen weiter vorne
nach vorne gerückt ist, dafür immerhin schon hier Bänke eingerichtet, also diese Umwidmung im Rahmen des 19. Jahrhunderts oft vom Zentralraum ursprünglich auf den Almemor ausgerichtet auf einen längst gerichteten Raum mit dann entsprechenden Bänken. Hier auch die Geschichte wie so
oft 1938 vollständig ausgebrannt und danach durch die Kommune erworben, im Rahmen der Restitution, dann durch die Reiseisenbank zum Lagerhaus umgebaut und das ist eigentlich der Zustand, wie wir das Gebäude heute noch sehen. Man sieht hier diesen erhöhten Schacht für einen Aufzug, als Lager, ein Dachwerk wird da
aufgesetzt, ursprünglich war es ein Vollwallendach, hier einfach jetzt mit einem Satteldach und das ist so eines dieser Beispiele, wo dieses wirklich prominente Gebäude noch sozusagen auf bessere Tage wartet und fristet. Insofern denke ich werden auch zukünftige Generationen von Denkmalpfleger noch einiges zu tun haben,
das jüdische Erbe in den Franken weiter zu pflegen und geeignete Nutzungen zu finden und auch für dieses Gebäude hier zum Beispiel wieder ein würdiges Weiterleben zu gewährleisten, das an die Geschichte erinnert. Damit möchte ich schließen und
bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit.