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Prof. Dr. Katrin Lehnen über das gemeinsame Schreiben - Einführung (01/06)

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Formale Metadaten

Titel
Prof. Dr. Katrin Lehnen über das gemeinsame Schreiben - Einführung (01/06)
Serientitel
Teil
1
Anzahl der Teile
6
Autor
Mitwirkende
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Abstract
Dieses Video ist Teil des Selbstlernkurses "Schreiben in digitalen Räumen" und einer Erklärvideoreihe zum gemeinsamen, kollaborativen Schreiben. Prof. Dr. Katrin Lehnen führt hier anhand authentischer Beispiele in das Konzept des kollaborativen Schreibens ein, untersucht Textprodukte und gibt hilfreiche und interessante Einblicke in die alltägliche Forschungsarbeit einer Sprachdidaktikerin.
Schlagwörter
Besprechung/InterviewVorlesung/KonferenzComputeranimation
Hallo, es geht in dieser Lerneinheit um das gemeinsame Schreiben oder kooperative Textproduktion. Und bevor ich anfange an ganz konkreten Ausschnitten gemeinsamer Textarbeit ein paar Sachen zu erläutern und Grundzüge des gemeinsamen Schreibens näher zu skizzieren,
möchte ich ein paar Vorbemerkungen machen, die das gemeinsame Schreiben ganz allgemein betreffen. Diese Vorbemerkungen richten sich zum einen auf den Begriff selber und zum anderen stärker auf sozusagen die Vorbedingungen gemeinsamer Textarbeit. Sie haben vielleicht schon gemerkt, als ich angefangen habe zu sprechen,
habe ich einmal gesprochen vom gemeinsamen Schreiben, einmal von kooperativer Textproduktion und tatsächlich ist es so, dass sich im Laufe der Jahre, letzten Jahre, Jahrzehnte dann auch schon fast, ganz unterschiedliche Begriffe für die gemeinsame Arbeit an Texten etabliert haben. Und was man vielleicht so ganz grundsätzlich unterscheiden kann, wenn wir vom gemeinsamen Schreiben sprechen,
sind einmal Formen, wo es wirklich um das gemeinsame Verfassen und das gemeinsame Verantworten eines Textproduktes geht. Da würden wir wahrscheinlich eher von Koautorschaft sprechen, also wo die Formulierungsarbeit vielleicht an vielen Strecken wirklich gemeinsam erfolgt
und wo am Ende ein gemeinsames Produkt mehrerer Autoren, Autorinnen herauskommt. Davon unterscheiden kann man Prozesse, wo auch verschiedene Personen in den Schreibprozess involviert sind, aber eben doch auf ganz andere Weise, also da wo zum Beispiel ich selber einen Text schreibe
und mir die Rückmeldung von anderen Personen hole, die vielleicht mehr Expertise haben oder von denen ich wissen will, verstehst du, den Text funktioniert der Text so wie ich ihn geschrieben habe. Und das sind Situationen, wo es stärker um so Rückmeldeszenarien geht und das ist so ganz wichtig, vielleicht einmal sozusagen zu unterscheiden, beide Prozesse,
weil die völlig anders verlaufen und sozusagen andere Auswirkungen haben, also die Frage, ob da mehrere Autoren mitarbeiten oder ob ich mir eher sozusagen ganz bewusst und gezielt Expertise hole. Das ist eben auch didaktisch später für die Schule, auch für verschiedene Formate, die dort genutzt werden, wichtig.
Das andere ist, das habe ich jetzt gerade eben schonmal angedeutet, dass die Frage, wie man das jeweils benennt, auch unterschiedlich ist, also es ist vom gemeinsamen Schreiben die Rede, auch von kooperativer Textproduktion. Im Englischen haben sich nochmal andere Begriffe etabliert, teilweise sind die gegenläufig zu denen, die wir aus dem deutschsprachigen Raum kennen.
Collaborative Writing würden wir eher von kooperativer Textproduktion sprechen, aber inzwischen auch im deutschen Kontext immer wieder mal von kollaborativer Textproduktion. Da ist auch eine gewisse Dynamik in diesen Begriffen, oder Group Writing, Schreiben in Gruppen, und gemeint ist dann aber, je nachdem, doch ein bisschen was anderes.
Aber das soll uns jetzt nicht sozusagen im engeren beschäftigen, ich will das nur einmal gesagt haben, dass man weiß, da sind unterschiedliche Begriffe unterwegs, und ja, wenn man das bewusst hält. Die zweite Vorbemerkung, und das ist vielleicht die viel wichtigere, wenn es wirklich darum geht, sich zu fragen, wie funktioniert gemeinsames Schreiben,
und was sind sozusagen Erfolgsfaktoren für das gemeinsame Schreiben, also wann kann man davon ausgehen, dass die Gelingensbedingungen günstig sind. Dazu muss man einerseits sagen, es gibt kein richtiges oder falsches gemeinsames Schreiben,
das hängt ganz wesentlich davon ab, und jetzt nenne ich nochmal zwei Ausgangsbedingungen, wie gut kennen die Schreibpartnerinnen einander, sind die miteinander vertraut, haben die vielleicht in anderen Kontexten schon mal zusammen geschrieben, oder aber kennen die sich aus anderen Kontexten,
und wissen so ungefähr, wie der andere die andere tickt. Das hat Auswirkungen darauf, wie ich mit der anderen Person, oder wenn es sogar drei oder vier Schreiberinnen sind, wie wir miteinander umgehen. Also einander vertraute Personen werden nicht so viel in Anführungsstrichen Facearbeit leisten müssen, weil die einander gut kennen, und da kann der Ton auch schon mal etwas direkter sein.
Personen, die einander nicht kennen, zum Beispiel wenn im Seminar Gruppen gebildet werden, und man jetzt mit einer Person zusammenschreibt, die man vielleicht nicht besonders gut kennt, dann wird man auf andere Weise dazu genötigt, miteinander auszuhandeln, wie wollen wir miteinander vorgehen, wie können wir sozusagen die gemeinsame Aufgabe stemmen.
Also da ist mehr Kommunikationsaufwand notwendig, um herauszubekommen, wie man das zu zweit, zu dritt am besten hinbekommt. Das ist sozusagen ein ganz wichtiger Faktor, sich bewusst zu machen, wie gut kenne ich die andere Person, und wie weit muss ich zurückgehen,
um da gemeinsame Schreibgrundlagen erst mal auszuhandeln. Das zweite, was ganz, ganz wichtig ist beim gemeinsamen Schreiben, und sicherlich nicht nur beim gemeinsamen Schreiben, aber hier nochmal ganz besonders, wie vertraut bin ich eigentlich mit dem Text, den ich schreiben soll.
Also wie vertraut ist mir die Textsorte. Je bekannter die Personen einander sind und je vertrauter sie mit dem Schreiben und insbesondere mit dem Schreiben solcher Texte sind, wie sie jetzt vor ihnen stehen, desto besser können sie auf Routinen zurückgreifen, auf Schreibroutinen.
Das sozusagen kann so einen Prozess ganz stark vereinfachen. Und insofern sind sozusagen Schreibroutinen und Expertise im Schreiben und die Vertrautheit mit zum Beispiel wissenschaftlichem Schreiben, aber eben auch die Frage, wie sind so die Kooperationserfahrungen, die man gesammelt hat mit dieser Partnerin, aber auch mit anderen,
sind ganz entscheidend für die Frage, wie gut läuft das, was wir dann zusammen schreiben wollen. Es gibt einen letzten Gedanken, den ich gerne vorweg thematisieren möchte. Das ist sozusagen die Frage, warum schreibt man überhaupt zusammen?
Also sozusagen auf den ersten Blick würde man doch sagen, ist doch viel einfacher, ich setze mich alleine hin und schreibe das. Und Schreiben ist ja sowieso eher eine schweigende Tätigkeit, weil ich irgendwo sitze, mich vertiefe und formuliere. Und es ist aber tatsächlich so, dass in ganz ganz vielen, vor allen Dingen auch beruflichen Kontexten,
Texte ganz ganz selten alleine entstehen oder nur die Handschrift einer Person tragen. Viel häufiger ist der Fall, dass verschiedene Leute an dem Textprodukt arbeiten. Und das zweite, und jetzt bin ich stärker bei dem Gedanken des Erwerbs von Schreibkompetenz,
des Lernens beim Schreiben. Da kann man sagen, dass das gemeinsame Schreiben eine unglaublich gute Gelegenheit und eine unglaublich gute Möglichkeit ist, beim Schreiben etwas hinzuzugewinnen. Also ich profitiere zum Beispiel davon, dass mein Partner, meine Partnerin beim Schreiben
Formulierungsvorschläge macht, die ich so selber nicht auf dem Schirm hatte. Das gemeinsame Arbeiten am Text führt eben sehr sehr häufig zu Lösungen, auf die ich alleine nicht gekommen wäre. Also es entsteht sozusagen ein größeres Repertoire an sprachlichen Mustern, an Möglichkeiten.
Aber auch natürlich entstehen sozusagen mehr Gelegenheiten zu sagen, ach nee, so wie der oder die mir das gerade vorschreibt, so würde ich das alleine niemals machen. Das heißt, das schärft vielleicht manchmal auch das Bewusstsein für die eigenen Schreibpräferenzen, die eigenen Vorlieben beim Schreiben.
Aber es ist eben diese Aushandlung und das Interaktive, was sozusagen, wenn es gut funktioniert, zu einem unglaublichen Lerngewinn führen kann. Auch weil das gemeinsame Schreiben uns ja davon entlastet, alleine verantwortlich zu sein für das Textprodukt.
Wir haben dann also viel mehr die Gelegenheit, so einen manchmal auch sehr sehr schwierigen Prozess, gerade beim wissenschaftlichen Schreiben, das geht uns ja in der Regel nicht so einfach von der Hand, den eben gemeinsam durchzustehen und am Ende zusammen dafür verantwortlich zu sein.