Wie Archäolog*innen GIS (nicht) nutzen
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Anzahl der Teile | 96 | |
Autor | ||
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Identifikatoren | 10.5446/40684 (DOI) | |
Herausgeber | ||
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Abstract |
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Wort <Informatik>Computeranimation
01:07
ParametersystemVisualisierungStellenringGeostatistikTextur-MappingInternationalisierung <Programmierung>KrankenhausinformationssystemParametersystemVisualisierungWort <Informatik>MaßstabVorlesung/KonferenzBesprechung/InterviewComputeranimation
04:55
Internationalisierung <Programmierung>ChipkarteComputeranimation
05:17
Internationalisierung <Programmierung>VisualisierungGeostatistikHöheIndexDatenanalyseQuantitatives MerkmalInternationalisierung <Programmierung>GRABE <Programmiersprache>VisualisierungGeodätische LinieComputeranimation
06:01
GeostatistikInternationalisierung <Programmierung>HöheIndexPositionDatenanalyseAbbildung <Physik>IndexChipkartePositionComputeranimation
06:50
GeostatistikInternationalisierung <Programmierung>HöheKommunikationParametersystemGebiet <Mathematik>ParametersystemUmsetzung <Informatik>Aussage <Mathematik>Ende <Graphentheorie>Computeranimation
08:59
ParametersystemTextur-MappingInformationsmodellierungTextur-MappingMaschinelles LernenParametersystemPrognoseInformationComputeranimation
10:15
Textur-MappingParametersystemProzessautomationSoftwareFuturERSSoftwareentwicklerAbbildung <Physik>ProgrammiergerätComputeranimation
11:10
Vorlesung/Konferenz
11:40
Vektor <Datentyp>BewegungVektor <Datentyp>Computeranimation
12:07
InformationGeodätische LinieEbene KurveFlächeGeoinformationssystemBenutzerprofilComputeranimation
13:11
MaßstabMaßstabEbene KurveComputeranimation
13:34
MaßstabAbbildung <Physik>Graphiktablett
14:57
MaßstabDateiAbbildung <Physik>Technische Zeichnung
15:31
DateiAbbildung <Physik>SchnittmengeDateiComputeranimation
16:03
KoordinatenBenutzeroberflächeMomentenproblemProgrammGraphische BenutzeroberflächeBenutzerprofilCAD-ProgrammDateiHöheSchnittmengeMomentenproblemLinieLösung <Mathematik>CLIPPER <Programm>KreisflächeKoordinatenFlächeStörungstheorieSIMPL <Programmiersprache>Computeranimation
20:48
ProgrammiergerätVorlesung/Konferenz
21:20
ProgrammLastHöheInformationssystemMeterFahne <Mathematik>RichtungVollständiger VerbandÜbergangSoftwareInformatikWeb-SeiteFortsetzung <Mathematik>ComputeranimationVorlesung/Konferenz
28:04
Inferenz <Künstliche Intelligenz>
Transkript: Deutsch(automatisch erzeugt)
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Schönen guten Morgen. Ich begrüße alle recht herzlich zu meines Wissens nach ersten archäologischen Session auf der FrostGIS. Ich freue mich sehr drauf. Ich übergebe gleich an die ersten Referenten, wie Archäologinnen GIS nicht nutzen.
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Das nicht bewusst in Klammern gesetzt, nehme ich an. Viel Spaß dabei. Danke. Vielen Dank. Und auch von unserer Seite einen wunderschönen guten Morgen. Wir freuen uns sehr, dass wir heute hier unseren Vortrag präsentieren können. Wir, das sind meine Kolleginnen Doris Schuller, heute hier als freiberufliche Archäologin.
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Und ich, David Kirschenheuter, heute hier als Archäologe und Doktorand der Ur- und Frühgeschichtlichen Archäologie. Einleiten möchte ich erstmal ein paar Worte dazu verlieren, was eigentlich die Motivation für unseren heutigen Vortrag hier ist. Anschließend möchte ich ein paar Positivbeispiele bringen, wie wir für GIS-Applikationen in der Archäologie.
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Anschließend möchte ich dann an Dori übergeben, die dann die Herausforderung des Einsatzes von GIS in der archäologischen Grabungsdokumentation zeigen wird. Die Verknüpfung von archäologischen Daten mit geografischen Daten ist für uns eigentlich nichts Neues. Sie wird in unserem Fach bereits seit den Anfängen gemacht.
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Ein Beispiel dafür ist zum Beispiel dieser Herr hier auf der rechten Seite, Alfred Schlitz, der in seiner Arbeit bereits 1904 genaue naturräumliche Parameter definiert hat, um prehistorische Siedlungsstellen zu finden. Er schildert eben, wie man ausgehend von modernen, geografischen oder geologischen Karten auf archäologische Fundstellen rückschließen kann.
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Nur wenig später erkennt das auch Albert Kiekebusch im Rahmen seiner Ausgrabung in Berlin-Buch. Er listet auch erneut naturräumliche Parameter für prehistorische Siedlungen auf und schreibt, dass sie die Siedlung lag trocken,
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war leicht mit Wasser zu versorgen und bot natürlichen Schutz und sieht damit den Bodentyp, das Gewässernetz und die Geomorphologie als ausschlaggebende Parameter für die Wahl eines Siedlungsstandortes in der Vorgeschichte. Nun aber zurück in die Gegenwart und zu unserer Motivation für den heutigen Vortrag hier.
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Selbstverständlich können wir zwei nicht stellvertretend für die gesamte Archäologie hier sprechen, jedoch wollen wir darlegen, wie wir GISS in unserem eigenen Arbeitsumfeld nutzen oder eben auch nicht nutzen oder vielleicht auch nicht nutzen sollten. Dieses Arbeitsumfeld liegt für uns in Baden-Württemberg und muss das natürlich auch Bezug zu
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den dortigen allgemeingültigen Vorschriften nehmen, zu denen ich gleich noch ein paar Worte verlieren werde. Dori wird zeigen, wie GISS dann in der seit kurzem privatwirtschaftlich durchgeführten Feldarchäologischen Forschung genutzt wird als Dokumentationstool. Ich möchte zeigen, wie GISS in der universitären Forschung eingesetzt wird.
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Für uns ergeben sich daher vereinfacht dargestellt zwei Anwendungsbereiche für GISS in der Archäologie. Das ist einmal die Auswertung und die Visualisierung von bereits vorhandenem Material und dann die Dokumentation von neu aufgedecktem Material.
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Vorab ein paar Worte zu den Richtlinien zur Firmenarchäologie. Nachdem seit 2017 in Baden-Württemberg die Feldarchäologische Forschung auch durch privatwirtschaftlich geführte Unternehmen und freibüruflich Tätige durchgeführt werden darf, wurden durch die Denkmalfachbehörden Richtlinien aufgestellt, um einen einheitlichen Umgang mit dem kulturellen Erbe des Landes zu gewährleisten.
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Diese Richtlinien machen im Wesentlichen Vorgaben zur Beantragung von Grabungen und Service, zu der Art deren Durchführung, zum konkreten methodischen Vorgehen, bei der Dokumentation der Vorgänge, zum Umgang mit den Funden, wie Funde und Dokumentation schließlich abzugeben sind, aber auch wie die Zusammenarbeit mit den Fachbehörden ablaufen soll.
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Nun kann man sich fragen, was diese Richtlinien eigentlich mit GISS zu tun haben. Und die Frage ja auch, wie wir nun eigentlich GISS nutzen. Was die Richtlinien mit GISS zu tun haben, das wird Dori nachher gleich noch erklären. Da ich GISS eigentlich in meiner Arbeit primär als Analysetool in der Landschaftsarchäologie nutze, werde ich jetzt hier darauf eingehen.
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Die Landschaftsarchäologie eben in der Archäologie ein Forschungszweig, der vor allen Dingen die räumlichen Ausprägungen menschlicher Kultur untersucht. Dies passiert in der Regel sowohl auf lokalem, wie auch globalem oder regionalem Maßstab.
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Dabei nutzen wir viele verschiedene Methoden, von denen ich im Folgenden einige kurz vorstellen möchte. Eine schon sehr lange genutzte Methode ist eigentlich die klassische Verbreitungskarte, die wir hier mal ein Beispiel sehen. Hier wurden einfach, diese Karten wurden früher von Hand gezeichnet.
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Und aus den Konzentrationen der Fundorte, also wir haben hier einfach mal eine Verbreitungskarte zur Stichband Keramik. Aus den Konzentrationen der Fundorte wurden anschließend Gruppen zu Kulturgruppen zusammengefasst. Und dadurch wurden vereinfacht gesagt Siedlungszentren bestimmter Kulturen ermittelt. Das Ganze ist also eine rein intuitive Vorgehensweise gewesen.
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Heute sind wir etwas moderner und nutzen GISS zur Lokalisierung kultureller Phänomene. Dies dient zunächst mal eigentlich nur der Visualisierung, damit ich einfach sehe, wo sind eigentlich meine Siedlungen oder Gräber.
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Idealerweise liegen jetzt aber diese Sach- und Geodaten digital vor. Das heißt, anschließend an diese reine Visualisierung kann eine digitale Analyse erfolgen, was natürlich den Arbeitsprozess wesentlich beschleunigt. Solch eine Analyse kann zum Beispiel eine geostatistische Auswertung sein, um quantitative Merkmale von Kultur im Raum zu untersuchen.
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So kann ich zum Beispiel, wie hier im Bild zu sehen, untersuchen, was die typischen Werte des Topographic Position Index an bestimmten Siedlungsorten sind zu bestimmten Zeiten. So kann ich zum Beispiel feststellen, dass als Standardwahl für eine prähistorische
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Siedlung die topografische Dominanz erst ab der Bronzezeit ein wesentliches Merkmal ist. Projiziert man die Ergebnisse von statistischen Analysen, wie zum Beispiel einer Cluster -Analyse oder von Datierungen in den Raum, so kann man auch Ausbreitungsbewegungen erkennen. Oder Kulturgruppen im Unterschied zur klassischen Verbreitungskarte jetzt eben quantitativ feststellen und auf Karten darstellen.
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So wie dies hier zum Beispiel der Kollege Peter Jablonka für Fundstellen in der Türkei gemacht hat. Ein auch aufgrund der zunehmend einfacheren technischen Umsetzung in den letzten Jahren beliebter werdendes Tool sind Sichtanalysen.
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Durch die Analyse des Sichtfeldes von Fundorten kann ich Thesen zum Siedlungs - und Herrschaftsgebiet aufstellen, kann Rückschlüsse auf Kommunikation, Verkehr und Handel schließen. Im Beispiel rechts zu sehen ist das kombinierte Sichtfeld mehrerer Höhenbefestigungen der Bronze- und Eisenzeit in Baden-Württemberg.
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In grün markiert sind die Bereiche, die von den meisten Siedlungen eingesehen werden und daher eventuell als wichtiges Siedlungsgebiet oder Verkehrssystem angesehen werden könnten. Ich kann aber auch im Vergleich der Sichtfelder einzelner Siedlungen diese
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zum Beispiel kategorisieren und so zum Beispiel Versteckte von exponierten Siedlungen unterscheiden. Und mir anschließend überlegen, dass diese vielleicht eine unterschiedliche Funktion inne hatten. Betrachte ich nun die Sichtbarkeit von Fundorten, kann ich Aussagen zu deren Charakter treffen.
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So können gut sichtbare Höhen-Siedlungen zum Beispiel als Machtsymbol gesehen werden. Außerdem kann ich Bezüge zwischen Fundorten herstellen, zum Beispiel zwischen Siedlungen und zugehörigen Bestattungsplätzen, zwischen Verkehrsknotenpunkten und Befestigungen oder zwischen Siedlungen unterschiedlicher Hierarchie, zum Beispiel einer landwirtschaftlichen Siedlung und einer Höhenbefestigung.
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Wenige genutzt, aber immer mehr am Kommen sind Least-Cost-Pass-Analysen, diese können mir helfen, Aussagen zu Verkehrs- und Kommunikationsnetzen zu treffen. Als Parameter in diese Analysen können zum Beispiel Angaben zum Terrain, zum Gewässernetz, zum Boden, zur nächsten Fundstelle oder zu Gebieten,
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die ich hier mal als No-Go-Areas bezeichnet habe, womit ich aber letzten Endes Gebiete meine, die zum Beispiel aus spirituellen Gründen nicht passierbar sind. All diese Parameter können eben hier einfließen, man kann sich noch viele weitere überlegen. Hier im Bild mal ein sehr einfaches Beispiel zur Überquerung des Höhenrückens der Schwäbischen Alb.
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In rot sind markiert die Höhen-Siedlungen, die wir dort haben und es zeigt sich eben, dass bestimmte Täler als bevorzugte Verkehrswege gelten können. Ein weiteres Feld, aber noch ein sehr junges Feld von GISS-Anwendungen in der Archäologie ist der Bereich des Predictive Mapping oder der Modellierung.
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Hier geht es darum, Vorhersagen zu Fundorten zu treffen und so die prähistorische Landschaft zu rekonstruieren, Modelle dazu aufzustellen. Hier befinden wir uns allerdings schon in einem Bereich des Machine Learning und der Data Science. Ich kann hier nun eine ganze Bandbreite an Parametern nutzen, um Modelle aufzustellen.
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Zum Beispiel kann ich Angaben zum Terrain, zum Gewässernetz, zum Boden, zu den bereits bekannten Fundstellen hinzunehmen. Hier im Beispiel rechts zu sehen das Ergebnis einer Archäoprognose aus Schleswig-Holstein, die 2016 vom Kollegen Menenga publiziert wurde und für die an
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jeder Stelle des Arbeitsgebiets ausgehend von naturräumlichen Parametern wie Höhe, Gewässernähe etc. für jede Stelle im Arbeitsgebiet ein Wahrscheinlichkeitswert für das Vorhandensein einer neolithischen Siedlung ermittelt wurde. In der Abbildung mit Rot eben die höchste Wahrscheinlichkeit, mit Grün die geringste Wahrscheinlichkeit.
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Es zeigt sich also, dass bestimmte Bereiche wahrscheinlicher sind als Siedlungsstandort. Ich hoffe also, ich konnte zeigen, dass GISS in aller Schnelle in der Archäologie weit verbreitet ist. Zu erwähnen wäre noch, dass FOSS-Lösungen sehr beliebt sind.
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Ich vermute jedoch, dass der Grund dafür nicht nur die Offenheit der Programme ist, sondern oftmals auch nur das kostenlose Programm interessant ist. Ich denke in Zukunft sollte stärker auch GISS als Analysetool begriffen werden und nicht nur zum Zeigen einer Verbreitungskarte genutzt werden, die anschließend doch wieder nur intuitiv wie früher ausgewertet wird.
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Durch die Verknüpfung mit anderen Tools wie zum Beispiel AIR können Arbeitsprozesse in Zukunft noch besser werden. Eigene Softwareentwicklungen für die Landschaftsarchäologie sind bislang selten. Jedoch können wir hier auf eine breite Palette an Tools zurückgreifen, die von anderen Disziplinen entwickelt wurden. Damit möchte ich nun vom Anwendungsfall GISS als Analysetool zum Anwendungsfall GISS als Dokumentationstool überleiten und übergebe an Dorin.
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Wie David Eingangs schon erwähnt hat, sind es seit 2017 in Baden-Württemberg vor allem privatwirtschaftliche Unternehmen und Freiberufler, die archäologische Baubegleitung oder Grabungen im Vorfeld von geplanten Bauvorhaben durchführen.
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Auch bedingt durch die Richtlinien für diese sogenannte Firmenarchäologie ist es zu einem Paradigmenwechsel bei der Grabungsdokumentation gekommen. Anstelle von Handzeichnungen, CAD und Vektorgrafik wird jetzt QGIS genutzt. Parallel dazu, je noch unabhängig von den Richtlinien, findet zunehmend Structure from Motion, also SFM, statt klassischer Fotogrammetrie-FG Verwendung.
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Bei einer archäologischen Ausgrabung werden die Bodendenkmale in der Regel unwiederbringlich zerstört. Wir legen die Dinge im Boden durch gezielte Anlage von Planer und Profilen nach und nach frei. Und dies ist bereits Teil des Forschungsprozesses.
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Ein Planum bezeichnet, grob gesagt, eine mehr oder weniger waagerechte Fläche, die künstlich oder besser befundorientiert geschaffen wird. Also um das mal hier zu verdeutlichen, wir sehen hier ein Planum, das jetzt auch alles andere als eben ist, sondern befundorientiert angelegt wurde.
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Ein Profil dagegen ist eine meist künstlich angelegte senkrechte Fläche. Hier im Vordergrund zu sehen, Planer und Profile müssen nun dokumentiert, eingemessen und beschrieben werden. Wir tun also etwas, was geradezu ein Präzedenzfall für ein Geoinformationssystem ist.
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Wir verknüpfen Sachdaten mit Geodaten. Vor diesem Hintergrund erscheint es zunächst erstaunlich, dass GIS nicht schon längst Einzug in die Grabungsdokumentation gehalten hat. Der Workflow vor Ort hat sich seit der analogen Zeit auf den ersten Blick kaum verändert. Zunächst fotografieren wir die fertigen Profile und Planer mit Tafel, Maßstab und Nordpfeil.
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Das ist sicherlich so eine Art Foto, wie jeder von Ihnen schon gesehen hat, auch wenn er nichts mit Archäologie zu tun hat. Anschließend fertigen wir die FG oder SFM Fotos. Im Falle von FG sind eine oder wenige Aufnahmen notwendig, wie wir hier genau
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über mir sehen, mit Messpunkten drin, die eingemessen werden oder ganz viele für SFM. Danach wird eingemessen und nivelliert, heute natürlich mit der Totalstation. Und jetzt kommen wir zu einem Punkt, bei dem sich der Wandel zeigt. Früher wurde die maßstäbliche Zeichnung, die ihresseits eine Interpretation
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und das Ergebnis eines Verständnisprozesses ist, direkt vor Ort angefertigt. Wie Sie sich vorstellen können, war das auch aufwendig und dauerte seine Zeit, speziell wenn man die Zeichnung noch koloriert hat, wie man hier sieht.
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Hatte man die FG-Aufnahme, wurde vor Ort meist nur noch eine, zumindest maßstäbliche Skizze angefertigt. Die eigentliche Zeichnung im CAD wurde auf das Büro verlagert. Im Prinzip könnte man das heute immer noch so machen. Also es hat sich jedoch für uns jetzt als nützlich erwiesen, dass wir die Zeichnung direkt mit dem Tablet auf das Foto fertigen.
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Hat jetzt nichts mit GISS oder den Richtlinien zu tun, es geht halt nur schneller. Auch hier verlagert sich das Fertigen der Zeichnung auf das Büro. Zum Schluss erfolgt vor Ort noch die Befundbeschreibung.
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Der Workflow im Büro, wie man hier sieht, hat sich natürlich verändert und die Aufgaben sind gewachsen. Ganz früher fertigte man Übersichts- und Gesamtpläne per Hand. Also das war auch aufwendig mit so Transparentpapier. Also müssen Sie sich vorstellen, jedes Feld hier war mal eine Zeichnung und dann hat
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man da eben nur die Mauer mit Transparentpapier quasi abgepaust und das alles noch maßstäblich gemacht. Auch aufwendig. Benutzt man CAD und FG entzernt man zunächst das oder die Fotos, wie man hier sieht sind es mindestens vier Fotos. Es sind auch Lücken entstanden.
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Pro Planum und Profil gibt es ein Set Messdaten. Dann werden die Befunde umgezeichnet und beschriftet, was in verschiedenen Layern organisiert ist, aber letztlich in einer Datei gespeichert wird. Am Ende hat man pro Planum und Profil ein Set von etwa 20 Dateien. Auch Gesamt- und Übersichtspläne wurden erstellt und alles am Ende ausgedruckt.
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Pro Planum und Profil gibt es auch bei SFM und QGIS ein Set an Fotos und Messdaten, die im Fall von Profilen aber noch umgerechnet werden müssen. Dazu später mehr. Das SFM Modell wird gerechnet und georeferenziert und das Planum als Autofoto exportiert und in QGIS importiert.
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Darauf werden nun die Befunde umgezeichnet und mit Nummern versehen und das Autofoto geklippt. Ich gebe zu, bei diesem Beispiel habe ich das Clippen noch nicht gemacht. Aber hier sieht man die eingezeichneten Befunde mit den Befundnummern in diesen Kreisen.
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So machen wir das. Nach Richtlinie müssen pro Planum und Profil je ein QGIS Projekt mit durchschnittlich etwa 20 Shapefiles nach bestimmten Vorgaben, was die Attributtabelle betrifft, mit bestimmten Stylevorlagen erstellt werden. Wir haben zum Beispiel die Grabungsgrenze unten, die hier eingezeichnet ist. Dann kann es noch geben, die Grabungsgrenze oben.
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Die Befundnummern, die Befundnummernlinien, also wenn die Befundnummer nicht im Befund stehen kann, sondern mit so einer Linie irgendwo anders stehen muss, dafür gibt es einen extra Layer. Wir haben Nivellierpunkte, wir haben Beschriftung von Nivellierpunkten, wir haben Verfüllungen, Störungen anstehender Boden, die Funde werden eingemessen und so weiter.
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Pro Shapefile sind es bekanntlich mindestens drei Dateien. Zusätzlich kommt noch die Verknüpfung einzelner Shapefiles mit durchschnittlich etwa drei CSV-Dateien hinzu. Macht pro Planum und Profil etwa 60 bis 70 Dateien. Auch hier kommt die Erstellung von Gesamt- und Übersichtsplänen und das Erstellen von Druckausgaben noch hinzu.
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Ein kurzer Exkurs zu den Profilen. Da Profile bei ihrer Darstellung im GIS im Raum stehen würden, müssen sie gekippt werden, sodass sie wie ein Planum erscheinen. Für die Druckausgabe ist ein Höhenrahmen zu fertigen, weshalb der Hochwert des Profils die Höhe sein sollte.
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Dazu existiert kein einheitliches Verfahren. Jeder hat seine eigene Lösung entwickelt und macht es irgendwie. Mein Lösungsverfahren umreißt sich hier nur grob. Das 3D-Modell wird zunächst als Ganzes gerechnet für den Fall, dass Planum und Profil zusammen dokumentiert werden. Das Autofoto-Planum kann nun exportiert und weiterverarbeitet werden.
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Also ich demonstriere jetzt dieses Profil hier. Wir gucken gerade von oben drauf. Das ist quasi eine plane Fläche. Also wir sehen hier die X ist oben und es geht um dieses Profil. Anschließend löse ich die georeferenzierten Messpunkte wieder vom Modell und schneide alles weg, was nicht zum Profil gehört.
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Die Messpunkte des Profils werden umgerechnet, sodass das Profil als Planum erscheint und der Hochwert nun der Höhe entspricht. Das Profil wird mit neun unechten Koordinaten wieder referenziert. Und sieht dann so aus, also wenn man es hier auf die Achse vergleicht, man sieht es ein bisschen schlecht, aber aus dem Profil ist jetzt hier eine ebene Fläche geworden.
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Und so kann man quasi ein Autofoto wieder exportieren und in QGIS importieren und entsprechend weiterverarbeiten. Ich bin mir sicher, es existieren eine Vielzahl individueller Lösungen für dieses Problem. Alle mehr oder weniger umständlich und gebastelt, nenne ich es mal.
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Die Entwicklung eines einheitlichen und einfachen Verfahrens mit grafischer Benutzeroberfläche wäre notwendig und wünschenswert. Dann komme ich zu einem Fazit zu QGIS in der Grabungsdokumentation für unseren Use Case. In QGIS werden vor allem maßstäbliche Zeichnungen erstellt, was mit CAD-Programm oder Vektor-Grafik-Programm derzeit einfacher von der Hand geht.
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Die Anzahl der Dateien und die Umständlichkeit ihrer Erstellung sind im Moment ein klarer Nachteil von QGIS gegenüber CAD-Programm oder Vektor-Grafik-Programm. Die Verarbeitung des Anwendungsfalls Profildokumentation ist in QGIS nicht vorgesehen.
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Die Stärke von QGIS, also die Verknüpfung von Sach- und Geoinformation, wird noch nicht voll ausgeschöpft und erfordert für eine echte Nutzung zurzeit noch sehr viel Spezialwissen. Ich komme zu unserem gemeinsamen Fazit zu den Wünschen für die Zukunft, was QGIS in der Archäologie angeht.
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In der über die Grabungsdokumentation hinausgehenden archäologischen Forschung kann und muss QGIS weiter genutzt werden. Die Aus- und Weiterbildung von Archäologinnen sollte in diesem Bereich verstärkt werden. Nicht nur die universitäre Ausbildung von den Studierenden, sondern auch später. QGIS eignet sich grundsätzlich für die Grabungsdokumentation, also eigentlich sogar mehr als CAD- oder Vektor-Grafikprogramme.
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Ist mit derzeitigen Mitteln jedoch aufwendig und umständlich, ein bisschen schwerfällig. QGIS darf nicht als kostengünstige Alternative zur CAD- und Vektor-Grafikprogramm begriffen werden. Gelder von Institutionen und Grabungsfirmen sollten statt den Lizenzen proprietärer Programme
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in die Weiterentwicklung und in den Support von FOSS-Lösungen investiert werden. Vielen Dank für die Aufmerksamkeit.
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Das Licht muss aus sein. Vielen Dank für den Vortrag. Deswegen gibt es gleich Fragen. Ja, hallo.
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Kurze Frage zum SFM. Was für eine Lösung setzt ihr da ein? Gibt es auch Open-Source-Lösungen? Es gibt Open-Source-Lösungen, aber zugegebenermaßen aufgrund mangelnder Spezialkennnisse benutze ich Agisoft Photoscan. Oder das heißt jetzt Metashape, glaube ich.
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Das ist jetzt keine technische Frage? Geht das jetzt? Es ist keine technische Frage, sondern eine Frage zu der Sichtfeldanalyse. Für die jetzige Zeit erscheint mir das logisch. Kann man machen. Aber in der Vorgeschichte gerade dann Rekonstruktion von Siedlungsstrukturen.
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Das geht ja nur, wenn man entweder nur die Höhen-Siedlung nimmt, die aufeinander bezieht. Ansonsten in der Ebene, da müsste man ja flächendeckend antike Flussläufe, Vegetationen und alles kennen. Und man müsste überall den antiken Laufhorizont haben?
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Das ist eine sehr gute Frage. Dieses Thema Sichtfeldanalyse ist natürlich sehr, sehr schwer. Man muss es auch sehr vorsichtig nutzen, dieses Tool. Man kann es eigentlich auch nicht alleine nutzen. Man sollte das immer kombinieren mit anderen Analysen. Weil ganz richtig, wenn ich eine Sichtanalyse basierend auf dem heutigen SRTM- oder LIDAR-Modell mache,
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ist das natürlich die moderne Landschaftsoberfläche. Ich weiß aber zum Beispiel nicht, wo in der Prähistorie Wald war, wo kein Wald war. Und ich kann mir vorstellen, eine 30 Meter hohe Tanne, die beeinflusst mein Sichtfeld schon sehr deutlich. Genauso wie auch zum Beispiel ein Wall, auf dem ich stehe, natürlich auch meinen Aussichtspunkt ganz anders darstellt.
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Deshalb ist es sehr schwierig. Man muss da immer sehr vorsichtig mit umgehen, nach anderen Analysen hinzuziehen, Funde noch hinzunehmen und gucken, wie sind vielleicht die Verbreitung bestimmter Fundtypen etc. Ich glaube, das ist natürlich sehr vereinfacht, das mal dargestellt.
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Haben Sie mal erwogen, die Vielzahl von Shape-Dateien durch ein Geopackage zu ersetzen? Ja, aber die Vorgaben, es gibt ja einfach Richtlinien vom Landesamt für Denkmalpflege
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und die verlangen die Shapefiles. Ja, sehr gut. Hallo, Rainer Goeldner hier aus Dresden von der Archäologie als Informatiker
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bzw. als Sprecher der Kommission Archäologie und Informationssysteme. Ich würde gerne oder man könnte jetzt hier wahrscheinlich noch eine Stunde oder länger diskutieren. Ich will nur ein paar Anmerkungen machen dazu. Also diesen Übergang von CAT zu GIS, den haben wir deutschlandweit im Blick und es gibt Gründe dafür.
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Es gibt Gründe dagegen. Was der deutlichste Grund dafür ist, dass man nicht mit fliehenden Fahnen zu QGIS wechselt, ist, das haben Sie fast so dargestellt, aber dass QGIS leider immer noch nicht ausreichend 3D-fähig ist.
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Wenn wir mit CAD arbeiten, haben wir die Möglichkeit, mit entsprechender Software den Vermessungsprozess augenblicklich in 3D nachzuverfolgen und zu sehen. Das bietet QGIS momentan noch nicht. Auch die Auswertemöglichkeiten, die wir bisher haben, sind eher auf 2D oder 2,5D begrenzt bei QGIS oder bei freien GIS, sagen wir es so.
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Wenn wir uns in den professionellen Bereich bewegen, sieht es da ein bisschen anders aus. Aber da steht natürlich auch wieder die Kostenfrage im Hintergrund. Zwei kurze Hinweise noch. Wir hatten Anfang Februar letzten Jahres eine große Beratung zu digitaler Grabungsdokumentation,
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in welche Richtung das geht, hier in Dresden gehabt. Vielleicht wird es eine Fortsetzung geben. Wir werden ja im nachfolgenden Vortrag noch ein bisschen was hören. Vielleicht schauen Sie mal oder versuchen Sie sich auch mit einzubringen in das,
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was wir im Verband der Landesarchäologen, da gibt es auch eine Webseite dazu, was wir machen, was wir versuchen. Ich will die ganzen Probleme nicht wegreden, die haben wir. Aber wir sind auch auf dem Weg. Danke. Vielen Dank für den Vortrag.
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Also der letzte Absatz, da kann ich auf jeden Fall sehr gut nachvollziehen und unterstützen. David Büby, Landesamt für Denk- und Pflege Baden-Württemberg. Als Vertreter der genannten Institution möchte ich keine Frage stellen, nur eine kleine Richtigstellung. Und zwar, es wird in den Richtlinien nicht verlangt, dass man mit QGIS arbeitet.
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Man kann mit jedem GIS arbeiten. Und das, was verlangt wird bei der Abgabe, ist, ich zitiere, die aktuelle und ständig zu aktualisierende GIS-Projekte der Grabung, ohne Nennung von einem Programm, dazu die MESS-Dateien und Esri Shapefiles. Also wir unterstützen natürlich die Forstbewegung, aber nicht exklusiv QGIS.
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Ja, selbstverständlich. Also dadurch, dass, also ich kenne niemand, der was anderes verwendet als QGIS, ist es zum quasi Standard geworden, ohne dass es gefordert ist. Das stimmt. Ja, absolut. Danke.
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Also wäre vielleicht noch zu ergänzen, dass auch dieser Paradigmenwechsel von CUT zu GIS zwar ja jetzt wesentlich verbreitet ist, seit eben diese privatwirtschaftliche ja, Feldarchäologie da ist, aber meiner Meinung nach hat es zumindest an den Universitäten auch schon früher angefangen, dass eben GIS eingesetzt worden ist
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und dort eben auch insbesondere QGIS. Ja, ich glaube, er arbeitet gerne in ArcGIS, ist aber inzwischen tatsächlich auch zu QGIS übergegangen. Ich unterbreche ungern, wir müssen leider verlagern die Diskussion. Es ist schön, dass es so anregend ist. Vielen Dank nochmal für den Vortrag und die Rückmeldung
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und damit schließen wir dann erstmal den Vortrag. Dankeschön.